Gedankenflug

Tagebuchgedanken

Am Sonntagabend, hatte ich viel Zeit. Und so saß ich endlich mal wieder in Ruhe an Mamas Sekretär und schrieb Tagebuch. Schrieb mir alles von der Seele. Normalerweise teile ich solche Sachen nicht, sondern lasse sie für längere Zeit setzen. Manchmal, wenn ich ein Jahr später durch die Seiten blättere, greife ich ein paar Gedanken auf und manchmal werden diese zu der Grundlage für neue Texte.

Doch gerade höre ich von vielen, dass es ihnen mit Jesus ähnlich geht wie mir. Dass sie Sehnsucht haben nach mehr und gleichzeitig die Luft raus ist. Deswegen möchte ich den Text heute völlig unreflektiert teilen, auch wenn sich das komisch anfühlt.

Ich glaube, dass Dürrezeiten zum Glauben dazu gehören. Und ich glaube, dass es keinen Sinn macht, sie zu leugnen. Trotzdem freue ich mich darauf, wenn meine vorbei ist. Aktuell fällt es mir schwer mich an Jesus zu klammern. Aber Gott sei Dank hält er ja mich fest.


Ein neuer Anfang, mitten im Chaos. Über die letzten Monate habe ich Gott aus dem Fokus verloren. Trotz all der Marker, die ich mir gesetzt habe. Es ist einfach so passiert. Langsam, still, leise, heimlich. Heimlich? Nein, heimlich eher nicht.

Eigentlich war einem Teil von mir immer klar, was da gerade passiert. Dass andere Dinge wichtiger werden und sich in den Vordergrund drängen. Aber das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war bzw. ist, dass die Liebe kalt wurde. Meine Liebe zu Jesus wurde kalt. Alles um mich herum wurde wichtiger und attraktiver. Drängte sich auf den Platz, der plötzlich frei war.

Ich wollte nicht mehr beten. Ich wollte mich nicht mehr mit meinem eigenen Versagen konfrontiert sehen. Nicht genug sein. Meinen eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Und denen der Bibel erst recht nicht. Weder im Verhalten, noch im Charakter. Die Erkenntnis – einmal mehr – auf einen Retter angewiesen zu sein, das kratzt an meinem Ego. Ich brauche einen Retter. Immer wieder. Jeden Tag aufs Neue. Es ist hart. Zu erkennen: ich kann es nicht. Nicht das mit der Fürbitte, nicht dass mit der Ehe und schon gar nicht das mit der Gemeindeleitung.

Wo ist die Grenze von eigenem Unvermögen zu fehlender Treue? Wann hört man die Worte.“ Wohl dir, du treuer Knecht.“? Und wann: „Ich habe dich nie gekannt.“? Bisher machte ich es an der Herzenshaltung fest. Doch was passiert, wenn selbst das Herz kapituliert? Wenn es erkennt, dass es zur Härte und nicht zur Milde neigt? Dass es lieber an sich, als an andere denkt? Ich war sehr egoistisch in den letzten Wochen. Fast scheint es, als wäre Egoismus meine Muttersprache. Es geht fließend und leicht, während Nächstenliebe eine Fremdsprache bleibt. Mit Mühe verbunden, mit Übersetzungsarbeit. Mit einer bewussten Entscheidung.

Es ist mein Herz, das nicht funktioniert. Mein Herz hat Rhythmusstörungen. Und das obwohl es bereist transplantiert wurde. Ich habe ein neues Herz, bin befreit, erlöst, geliebt, adoptiert. Und dennoch…dennoch ist Eifersucht leichter als Dankbarkeit. Ist Neid einfacher als Genügsamkeit. Ist Zerstreuung näher als eine Umarmung von Jesus.

Stille ist um so viel schwerer auszuhalten, als blinder Aktionismus. Ich wollte nicht in die Stille, während ich mich gleichzeitig nach einer Blockhütte im einsamen Mittelschweden sehne. Nach Ruhe und Entschleunigung. Aber still werden in deinen Armen, Jesus…das würde bedeuten so lange still zu halten, bis das Wasser sich beruhigt und der Dreck sich legt. Und dann? Riskiere ich den Blick auf mein Spiegelbild. Verzerrt, aber unleugbar ich. Und hinter mir: Du. Wunderschön, stark und klar.

Ich muss zugeben, ich sehe mich lieber durch deine Augen. Unter deinem Blick schrumpfen Zweifel, Sorge, Neid und Eifersucht. Dein Blick sagt mir, dass ich genug bin. Für dich genug bin. Keine Enttäuschung für dich, selbst wenn ich mich enttäusche. Wenn ich hinter dem was du in mir siehst und weckst, zurück bleibe. Das was du bist und was du getan hast, reicht für uns beide.

Du bist genug. Das ist wahr. Auch wenn ich es gerade nicht fühle. Auch wenn gerade alles in mir in Muttersprache spricht. Diene Sprache ist anders. Du bist mehr. Und ich will dich. Auch wenn ich es nicht fühle. Auch wenn andere Stimmen lauter, eindringlicher und attraktiver sind. Ich will dich. Das ist meine Entscheidung.

Es ist ein neuer Anfang, mitten in im Chaos. Ich möchte neu lieben wie du liebst. Aus einer Einheit mit dem Vater heraus. Ich möchte mit den Glücklichen lachen und mit den Traurigen weinen. Ich möchte andere und auch mich mit deinen Augen sehen. Ich möchte wichtiges von unwichtigem unterscheiden können und entsprechend danach handeln. Ich will lieben. Und ich habe verstanden, dass ich das nicht ohne dich kann. Ich brauche dich jeden Tag. Wecke das Feuer neu in mir. Für dich bin ich genug. Dank dir bin ich geliebt und unendlich wertvoll. Danke.

One Comment

  • Vera

    Vielen Dank für den Einblick in Dein Tagebuch. Gedanken und Gefühle, die mir sooo aus dem Herzen sprechen. Jetzt, wo ich schon so lange viel unverplante Zeit habe bete ich nur noch ganz spärlich, hänge ich den täglichen Bibeltexten hinterher, lebe seelenbestimmt statt geisterfüllt usw. Aus der Sehnsucht nach innerer Veränderung und einer neuen Fokusierung auf das, was wirklich zählt heraus habe ich mich nun kürzlich erstmals zu einer Fastenwanderwoche angemeldet. Reset! Das ist meine Hoffnung nicht nur auf körperlicher Ebene, wo sich ohne die festen Termine auch eine gewisse Trägheit eingeschlichen hat. Samstag gehts los. Raus und weg von Alltag und Familie als eine Chance mich neu auszurichten. Diese Entscheidung müssen wir wohl immer wieder aufs Neue treffen, doch ganz bestimmt kommt Jesus uns schon längst voller Freude entgegen 🙂

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