
Die neue Hängematte
Der Gatte hat auf dem Balkon eine Hängematte installiert. Dieser Vorsatz ist schon ein paar Jahre alt, aber erst als seine Frau mit der grandiosen Idee um die Ecke kam, eine Couch auf dem Balkon haben zu wollen und zwar sofort, kam panisches Leben in das Projekt. Jetzt hängt die Hängematte und die Couchidee ist vom Tisch. Und weil der Balkon auf der Wetterseite liegt, bekam das wetterbefreite Wohnzimmer zwei Aufhänghaken mitspendiert. Nun kann ich auch bei schlechtem Wetter rumhängen, schaukeln und meinen Gedanken beim Fliegen zuhören.
Hier bin ich in den letzten Wochen mit den Schafen von Glennkill auf Mörderjagd gegangen, habe Mikael Blomkvist beim Lösen eines Kriminalfalls begleitet, mit Timothy Keller über das Gebet philosophiert und während alledem zuckersüße Erdbeeren gegessen.
Die Tage vergehen langsam. Meine Gedanken sind ruhiger geworden. Arbeiten, die ich anfange, brauchen länger als sonst bis sie fertig sind. Seit März nervt mich das und ich versuche wieder Schwung in meinen Alltag zu bekommen. Er jetzt fällt mir die Ironie auf. Es ist schon komisch, dass ich jahrelang rumjammere, dass ich mein Leben entschleunigen möchte. Und kaum ist das Leben entschleunigt, beschwere ich mich, dass alles so langsam geht.
Ich bin unendlich dankbar, für die Ruhe, die sich gerade eingestellt hat. Es fällt mir noch schwer sie zu genießen. Ein Teil von mir schreit die ganze Zeit etwas von ‚faul‘, ‚undiszipliniert‘ und ‚egoistisch‘. Aber dann ist da noch ein anderer Teil, der völlig unbeeindruckt von all dem Geschimpfe fröhlich fragt: „Sind noch Erdbeeren da?“
One Comment
Sonja
Mir ist die Erdbeer-Tine sehr, sehr sympathisch. Verwandt fühle ich mich aber auch mit der anderen. Grüss doch die beiden ganz, ganz herzlich von mir – mit einer festen Umarmung – und sag ihnen Danke, dass ich an ihnen beiden immer wieder teilhaben darf!!