Gastbeitrag

Die Erkenntnis von Nass und Trocken

In den vergangen Wochen saßen der Gatte und ich fast jeden Abend im Wohnzimmer und haben uns unterhalten. Das machen wir auch ansonsten ab und zu, aber selten mit so viel Zeit und so wenig Aufgaben im Hinterkopf. Gespräche, die einfach sein dürfen, ohne, dass man etwas zu klären und abzusprechen hat, sind wertvoll. Und leider selten, zumindest bei mir.  Gespräche, die kein Ziel haben, außer sich gegenseitig zuzuhören, sich selbst und den anderen immer besser zu verstehen.

Das war in den ersten Tagen wirklich schwierig. Oft saßen wir da und haben uns angeschwiegen. Doch nach und nach kamen die Themen (um fair zu sein…das ein oder andere Glas Wein hat als Starthilfe herhalten müssen). Und mit den Themen neue Themen, neue Fragen, mehr Interesse, mehr verstehen. Gemeinschaft macht Lust auf Gemeinschaft. Das ist in der Ehe so, in Freundschaften, in der Gemeinde. Und mit Gott ist es auch so, davon bin ich überzeugt. Diese Zeiten, in denen wir einfach bei Jesus sitzen, um bei ihm zu sein. Ohne, dass wir sonderlich viel wollen. Die Zeiten, wo wir ihm ein Lied singen, ein wenig in der Bibel schmökern, in der Schöpfung spazieren gehen, malen oder sonst etwas tun – zweckfrei Zeit verbringen. Um seiner selbst willen.

Doch darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus. Worauf ich hinaus wollte war, dass der Gatte und ich uns darüber unterhalten haben, wie Gott jeweils zu uns spricht. Und was er uns für Gaben gegeben hat. Mein Mann ist da bezüglich sich selbst sehr zurückhaltend. Doch vor ein paar Wochen platzte es plötzlich eines Abends aus ihm heraus: „Ich glaube, Gott spricht zu mir, indem er mir coole Bilder oder Beispiele für biblische Sachverhalte schenkt. Bilder, die Menschen helfen, Gott besser zu verstehen. Und ich liebe es, dass Gott so zu mir spricht. Das macht mir Spaß, wenn ich wieder eine neue Idee bekomme.“

Selten habe ich meinen Mann so strahlen gesehen.

Ein paar Tage später zeigt er mir einen Text, den er geschrieben hatte. Und weil ich den Text so schön finde, er mir weiterhilft und ich seitdem oft über das Bild nachdenke, möchte ich den Text heute mit euch teilen.

Viel Spaß damit!

1.Mose 2, 15-17 nach der NGÜ: Gott nahm also den Menschen und brachte ihn in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe den Garten zu bearbeiten und zu schützen, und ordnete an: „Du darfst die Früchte aller Bäume im Garten essen. Nur von dem Baum, der zur Erkenntnis von Gut und Böse führt, darfst du nicht essen. Sobald du das tust, wirst du sterben!“

Am Anfang der Zeit erschuf Gott der Herr ein unglaublich luxuriöses Passagierschiff, bis zum Rand gefüllt mit modernsten Annehmlichkeiten und Leckerbissen. Er inspizierte das Schiff zusammen mit seinen erschaffenen Menschen Adam und Eva, zeigte ihnen die ganze Pracht und alle Möglichkeiten des Schiffes, von der Kommandobrücke über die Sonnendecks zu den Restaurants bis hinunter in die Wirtschaftsräume und den Maschinenraum im Bauch des Schiffes. Im untersten Deck angekommen kamen sie an ein großes rundes Bauteil im Schiffsrumpf und Gott sprach: „Dies ist der Stöpsel der Erkenntnis von Trockenheit und Nässe. Ihr dürft alle Funktionen des Schiffes nutzen und ausführen, ich übergebe es in eure Hände und Dienste. Aber dieses Bauteil sollt ihr nicht benutzen. An dem Tag, an dem ihr es benutzt werdet ihr sterben.“

Adam und Eva freuten sich über das Geschenk und erkundeten die Meere. Eines Tages begegneten Adam und Eva bei einem Kontrollgang im Maschinenraum der Schlange und kamen mit ihr auf den geheimnisvollen Stöpsel zu sprechen. Die Schlange sprach: „Nein, ihr werdet keineswegs sterben, sondern Gott weiß: an dem Tag, an dem ihr den Stöpsel herauszieht, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott und wissen was der Unterschied zwischen Trockenheit und Nässe ist. Da zogen Adam und Eva den Stöpsel heraus. Glugg Glugg.

Seither ist die Menschheit in Seenot. Wir treiben auf einem uferlosen Meer, umgeben von den letzten paar Wrackteilen, die daran erinnern, dass uns einmal ein prächtiges Schiff anvertraut war. Der Unterschied zwischen Gut und Böse ist uns ebenso unmissverständlich am eigenen Leibe klar geworden, wie der Unterschied zwischen trocken und nass. Wir sind ebenso nass bis auf die Knochen wie die Bibel uns sagt, dass wir böse sind von Jugend an. Es liegt außerhalb unserer eigenen Möglichkeiten, die Uhr zurückzudrehen. Wir können aus den Bruchstücken kein Schiff errichten. Es liegt nicht in unserer Hand, uns selbst wieder zurück ins Trockene zu begeben. Dieser Umstand ist uns allerdings nicht klar. Weil unser Kopf aus dem Wasser ragt, sind wir der Meinung das 15% schon trocken und geschafft sind. Es kann doch nicht so schwierig sein kann den Rest auch noch zu erledigen. Man muss eben nur kräftiger strampeln. Zumindest liege ich nicht so tief im Wasser wie derjenige neben mir. Aber jede Welle, die über uns zusammenschlägt, taucht uns nur erneut unter in unsere fruchtlosen Bemühungen. Wir sind selbstverschuldet in ein lebensfeindlichen Umfeld geworfen und dem Tode durch Ertrinken geweiht, auch wenn wir einstweilen noch mit Leibeskräften Paddeln und Prusten. Einen Ausweg gibt es nur dann, wenn ein Rettungsboot kommt und zu uns hinausgreift um uns an Bord zu ziehen. Und wenn wir dann japsend und keuchend innerhalb des Bootes am Boden liegen, dann ist es das erste Mal im Leben, dass wir erfahren, was es bedeutet, im Trockenen zu sein. Was es bedeutet, an der Oberfläche zu bleiben ohne zu strampeln. Was es bedeutet, auf See zu sein und nicht mehr im Meer. Aber dieses Seenotkreuzer kommt von einem Ort zu uns, den wir aus eigener Kraft nicht erreichen könnten. Jesus ist unser Seenotretter, der uns zu sich an Bord zieht. An Bord eines Schiffes das seetüchtig ist. Ein Schiff, dass man nicht als Schiffbrüchiger im Wasser liegend errichten kann.

2 Comments

  • christina

    „der Stöpsel der Erkenntnis von Trockenheit und Nässe“ – mal wieder ein hammertolles Bild und eine super Gleichnisgeschichte die ich mir merken kann ; wie so viele andere Bilder die sich mir aus seinen Preidgten eingeprägt haben. Danke an den tollen Mann!!!

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