alltägliches,  Gedankenflug

Aus dem Takt

Gerade hangle ich mich durch die Tage. Seit dem Lockdown ist mein Leben ein ständiges ‚Trial and Error‘. Ein ständiges Testen und Ausprobieren, wie dieser neue Alltag funktionieren könnte, am besten ohne wahnsinnig zu werden.

Ich bin ein Rhythmus-Mensch. Ich brauche Rituale, Wiederholungen, feste Handgriffe. Eine Kommilitonin sah mich einmal entsetzt an und fragte: „Wieso baust du dir ein solches Gefängnis?“ Aber für mich ist es kein Gefängnis. Für mich bedeutet es Sicherheit. Ich bin schon in mir drin so konfus, da kann ich das um mich herum nicht auch noch haben. 

Als der Lockdown losging, war ich aus dem Takt. Mein bisheriger Rhythmus funktionierte nicht mehr: keine Termine mehr, ein Großteil meiner Aufgaben weggefallen. Wie strickt man einen sinnvollen Alltag um die große Leere herum? Und was ist überhaupt ein sinnvoller Alltag? Klar kann ich weiterhin um sechs Uhr morgens aufstehen. Die Frage ist nur: wozu? Es dauerte einige Wochen, bis ich einen neuen Rhythmus gefunden hatte.

Der neue Takt ist langsamer. In mancher Hinsicht auch bewusster. Ich nehme mir mehr Zeit für die kleinen Handgriffe des Alltags und schenke der Gegenwart mehr Aufmerksamkeit. Ich bin weniger streng mit mir. Ich merke, wie mir Rituale Halt geben. Mein Wecker erinnert mich jetzt zum Beispiel abends um acht daran, dass ich mich ein wenig zu Jesus setze. Dass die Bildschirme auch mal aus sein dürfen. Dass Tee oder ein Spaziergang der Seele gut tun. Ja, ein Rhythmus, ein neuer Takt haben mir geholfen den Alltag zu meistern. Wobei ‚meistern‘, vielleicht etwas hochgegriffen ist. Die Wohnung ist noch nicht zugemüllt und mein Mann hat sich nicht versucht vom Balkon zu stürzen. Beides verbuche ich als Erfolg.

Was sich auch verändert hat in den letzten Wochen sind meine sozialen Kontakte. Und damit meine ich jetzt nicht die 1,5 Meter Abstand halten. Auch nicht so sehr die Art wie man Kontakte pflegt: ich war eh nie der große Partygänger, ich telefoniere nach wie vor nicht gerne, aber ich spreche und höre nach wie vor gerne Sprachnachrichten. Das alles ist unverändert. Nur die Menschen, mit denen ich aktuell Kontakt habe, haben sich geändert. Das ist einfach so passiert.  Ich spreche jetzt zum Beispiel mit einer dreifachen Mama täglich mehrmals hin und her. Wir erzählen uns von unseren unterschiedlichen Alltagsherausforderungen. Wir teilen uns unsere Aufgaben mit, sprechen über unsere kleinen Erfolge und unser Versagen. Wir lachen viel, meistens über uns selbst. Wir tun uns gut. Vor allem, weil wir uns gegenseitig an Jesus erinnern und wie sehr er uns lieb hat. Es tut gut, das von anderen zu hören. Das lässt mich aufatmen. Das beruhigt mich. Gott ist der gleiche, egal wie sehr die Welt auch wackelt. Es ist nicht der erste Sturm, durch den er seine Menschen begleitet. Gott ist da. Er hält uns. Er liebt uns.

Und weil es so gut tut das zu hören, will ich es dir und euch nochmal sagen:

„Der Herr, dein starker Gott, der Retter, ist bei dir. Begeistert freut er sich an dir. Vor Liebe ist er sprachlos ergriffen und jauchzt doch mit lauten Jubelrufen über dich.“

(Zefanja 3,17)

2 Comments

  • Frau Vorgarten

    Hallo liebe Tine!
    Da bin ich wieder — weil du ja auch wieder da bist. Schön!
    Erfreulich, dass dein Mann sich noch nicht vom Balkon gestürzt hat! Aber hattest du da wirklich Bedenken? Er hat bisher einen psychisch und emotional stabilen Eindruck auf mich gemacht. 😀

    • Tine

      Hallo du Liebe!!
      Wie schön, dass du wieder da bist! Nimm dir nen Stuhl und nen Keks.
      Und wenn du schon da bist…ich glaube ich brauche früher oder später fachkundigen Rat bei meinen Tomatenpflänzchen, die ich geschenkt bekommen hab. 😀

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