alltägliches

Still halten und sich lieb haben lassen

Vor zwei Tagen kam mein Mann mit einer Umfrage um die Ecke die besagt, dass für Menschen der 24. Januar der im Jahresdurchschnitt unglücklichste Tag ist. Bzw. der Tag, an dem die Menschen am unglücklichsten sind. Das Wetter ist trüb, die Sonne fehlt oft schon viel zu lange. Weihnachten mit seinen Lichtern ist weit weg, das Jahr mit seinen Anforderungen bricht über einen herein und die Vorsätze für’s Neue Jahr sind größtenteils bereits gescheitert. Und als wäre das noch nicht genug, kriegt man dann auch noch nen Schnupfen.

Mir geht es gerade so. Das Semester meines Bibelstudiums neigt sich dem Ende entgegen und bindet nochmal alles an Energien. Der Blog hier macht technisch immer mehr die Grätsche und müsste dringend überarbeitet werden. Ich kann seit zehn Tagen fast nur noch durch den Mund atmen, weil die Nase zu ist und überhaupt ist alles grau. Ich fühle mich getrieben und ausgelaugt. Gott scheint weit weg, obwohl ich mich täglich Stunde um Stunde mit ihm, seiner Gemeinde und der Bibel beschäftige. Aber eben nicht ‚privat‘. Es sind Arbeitstreffen. Meetings mit Gott. Lehreinheiten. Freundlich, interessant mit manchem Aha-Erlebnis. Aber eben ‚geschäftlich‘.

Martin Luther schreibt man den Ausspruch zu: Ich habe so viel zu tun, dass ich die ersten drei Stunden im Gebet verbringen sollte.
Luther wusste, das Beten hilft, weil man Gott damit die Möglichkeit gibt, sich in den Tag mit einzuklinken. Uns seine Meinung zu manchen Sachen zu sagen. Kraft zu geben. Es hilft den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge zu lenken, anstatt reaktionär alles zu machen, was einem auf den Schreibtisch (oder vor die Füße oder sonstwohin) geworfen wird.Leider bin ich selbst überhaupt nicht so wie Luther. Das persönliche Gebet, meine Stille Zeit, ist meist das erste, was wegbricht, wenn die Tage voller werden. Meine Ressource für Kraft und für so manches erste herzhafte Lachen am Morgen streiche ich, weil es mir zu zeitraubend erscheint.

Letzte Woche, als ich schließlich einmal mehr erschöpft auf meine Couch gefallen bin (mit dem Gefühl der Schuld im Hinterkopf, weil ich noch längst nicht hätte fallen sollen), finde ich eine Sprachnachricht auf meinem Handy. Von der wunderbaren Christina. Die mir sagt, wie sehr sie die Momente mag, wenn ihr kleiner Sohn einmal stillhält und sich einfach nur von ihr liebhaben lässt. Nichts besonderes. Einfach nur liebhaben lassen. Und Gott geht es auch so, sagt sie. Er sehnt sich nach diesen Momenten, wo wir stillhalten und uns von ihm liebhaben lassen. Ohne Meeting. Ohne Programm. Ohne den Anspruch, dass es eine festgelegte Zeit dauern muss.

Das wünsche ich mir und euch euch, falls ihr ebenfalls gerade im Hamsterrad des Alltags steckt. Dass wir uns gegenseitig daran erinnern, dass da jemand ist, der uns liebt und der sich wünscht, dass wir uns von ihm liebhaben lassen. Denn letztendlich ist es das, was am Ende zählt: Die Momente der Nähe. Zu Gott und zu Menschen.

One Comment

  • Bettina V.

    Ja tatsächlich, so siehts auch bei mir/uns aus…zu viele Regentage, dunkles Wetter, Jan. u. Febr. sind so voll gelistet als gäbe es nur diese zwei Monate im Jahr, müde und nun auch noch der Schnupfen und dicker Hals. Jeder bei uns ruft nach Kuscheleinheiten und unverschämter weise stehen die gaaanz weit unten auf der Liste…Danke für die Erinnerung, wie wichtig Nähe u. Beziehung ist u. das nicht allein das Abharken der Liste zählt. So ist dies ein kleiner Moment des Innehaltens in der Nähe mit meinem Herrn u. bei nächster Gelegenheit mit meinen Lieben!
    Gesegnete Kuschelzeiten wünscht B.

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