Kinderlosigkeit,  Trauer,  zurück zu Jesus

Das schmeckt irgendwie bitter

Still streife ich durch die Wohnung. Meine, normalerweise ganz passable, Ordnung hat sich in den letzten Wochen in einem unkreativem Durcheinander aufgelöst.
Ich lehne meine Stirn gegen den kühlen Türrahmen des Wohnzimmers. Seit ein paar Tagen fühle ich mich fiebrig, ohne dass ich Fieber hätte.
Die Wohnung spiegelt ziemlich gut meinen inneren Zustand wider: Chaos.

Es fing vor dem Dänemarkurlaub an, mit Träumen und Gedanken über meine Eltern. Ostern kamen Schmerzen über die Kinderlosigkeit dazu, von denen ich dachte, dass ich inzwischen einen deutlich besser Umgang damit gefunden hätte. Gleichzeitig meldete sich am Ostermontag meine entzündete Sehne im rechten Bein zurück, weshalb längere Spaziergänge oder gar Radfahren in den Frühling zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Mein, zugegeben nicht sehr heldenhafter, Umgang damit lässt sich am besten in zwei Worten zusammenfassen: Frustration und Resignation.

Wie heißt es in der Bibel so treffend: „Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank.“ Und wenn das Herz krank ist, dann fühlt sich der Kopf heiß an, auch wenn man kein Fieber hat.

Ich lasse mich im Türrahmen auf den Boden sinken, schließe die Augen und atme. Sind wir also mal wieder an diesem Punkt. (Ich rede gerne von ‚wir‘, wenn ich in einer blöden Situation stecke.) Eigentlich ist es mir schon seit dem Urlaub im Februar klar, dass diese Zeit auf mich zukommt. Aber wie so oft war mein Gedanke: das wird diesmal schon nicht so schlimm werden…vielleicht verschwindet es ja auch von allein wieder.

Tut es natürlich nicht. Und wenn der Zustand meiner Wohnung tatsächlich meinen inneren Zustand widerspiegelt, dann ist es allerhöchste Eisenbahn.

Ich vergleiche mein Seelenleben zuweilen mit einem inneren Garten. Das Bild ist recht hübsch, vor allem, wenn es darum geht, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, dem Vogelgezwitscher zuzuhören und an Blumen zu riechen (mein innerer Garten ist sehr disneygeprägt. Es wird auch gelegentlich gesungen.)

Das besinnliche Bild wird weniger schön, wenn es an die Gartenarbeit geht. Doch der Zustand meiner Wohnung und mein heißer Kopf sagen mir, dass es an der Zeit ist, mir die Pflanzen, die gerade in meinem Garten vor sich hinwachsen, etwas genauer anzusehen.

In mir wächst Bitterkeit. Mal wieder. Dieses Zeug ist eine fiese Angelegenheit. Es kommt zwischen all den Gewächsen wie Liebe, Hoffnung, Wertschätzung oder Rücksichtnahme, so herrlich anspruchslos daher. Es braucht keine Aufmerksamkeit, es ernährt sich selbständig von meinen psychischen Abfällen.

Dummerweise hat Bitterkeit die Eigenschaften von Minze…einmal gepflanzt, bekommst du sie nie wieder los. Das Wurzelwerk ist flink, weit verzweigt und widerstandsfähig, so dass es an den unmöglichsten Stellen immer wieder auftaucht. Man muss ihm weder Pflege noch Platz geben – es nimmt sich beides – auf Kosten aller anderen Dinge, die ich in meinem inneren Garten so gerne wachsen sehen möchte. Einen Unterschied gibt es jedoch: Minze ist wenigstens noch zu was zu gebrauchen. Ausgewachsene Bitterkeit ist nicht nur nicht schön, sie ist giftig. Ausgewachsene Bitterkeit wird nach und nach alles töten: die Lebensfreude, die Liebe, die Beziehungen. Ich habe gelegentlich mit bitteren Menschen zu tun. Es ist nicht lustig.

Der kühle Türstock an meinem Rücken gibt mir Halt. Ich seufze. Gegen Bitterkeit hilft nur eines: runter auf die Knie und anfangen zu jäten. Keine schöne Arbeit. Eine dreckige Arbeit, denn man muss graben. Anstrengend, manchmal schmerzhaft und…naja…ätzend halt.

Aus der Erfahrung habe ich gelernt: Bitterkeit begegnet man am besten nicht allein, sondern im Gebet. Und weil Jesus beim Jäten hilft und er viel netter (und erfahrener) ist als ich, wird es nicht nur Stunden der Arbeit geben, sondern auch Kaffee in der Frühlingssonne, Füße in den Gartenteich hängen und Abends unter den blühenden Apfelbäumen sitzen und reden (oder singen).

Ich seufze. Was ich brauche, sind ein paar Tage bei Gott. Urlaub in seiner Nähe und ein bisschen Arbeitseinsatz in meinem „Herzensgarten“.

Daher ist dieser Blogbeitrag gleichzeitig auch eine Urlaubsankündigung. Ich verreise für drei Wochen in einen inneren Urlaub. Bitte verzeiht mir, dass ich in dieser Zeit nicht regulär bloggen werde. Zwar würde ich euch gerne mitnehmen (dann hätte ich auch ein wenig Ablenkung). Aber reflektierte Offenheit und Authentizität ist eine Sache. Mit Dreck und Bitterkeit verschmierte Weltansichten um sich zu werfen, eine ganz andere. Letzteres muss ja nicht sein ;-). Bestimmt schreibe ich aber die ein oder andere ‚Postkarte‘.

8 Comments

  • Christina

    Liebe Tine!
    Mal wieder findest du Worte für Herzensgefühle und Zustände wo man nur nickend und leise lachend und am Ende mit Tränen in den Augen vor dem Computer sitzt…Ja, genau so ist es. Das kenne ich auch so gut. Wieviel Arbeit so ein „innerer Garten“ machen kann. Und wie schön Du das beschreibst, wie es ist Jesus beim Jäten an der Seite zu haben. Danke. Und SEGEN für dich bei der Gartenarbeit! Ich finde ja dein Garten schon so wunderschön!!! (aber vielleicht gerade deshalb ist es wichtig dem Unkraut einhalt zu gebieten). SEGEN zu Dir, liebe Gartenfreundin ::-).

  • Sonja

    Liebe Tine, danke für das schöne Bild von Jesus, wie er mit dir gärtnert und gleichzeitig die Kaffeepause nicht vergisst. Dieses liebevolle Bild nehme ich gerne mit, es spricht mich sehr an. Weil Gartenarbeit auch ein wiederkehrendes Thema bei mir ist. Und ich mag sie auch nicht sehr. Herzlichst Sonja

  • Nici

    Ach, das kommt mir so bekannt vor. Stark von dir, dass du dich so gut reflektieren kannst und weißt, was du jetzt brauchst. Ich wünsche dir ganz viel Segen und auch ein bisschen Freude bei der Gartenarbeit!
    Liebe Grüße, Nici

  • Die Vorgärtnerin

    liebe Tine, ich weiß es: eines Tages wirst du dich mit vielleicht schmerzendem Rücken zurücklehnen und stolz betrachten, was du mit Jesus zusammen geschafft hast.
    Ich hab das auch alles mal gemacht, nur dass meine Wurzeln anders hießen.
    Na ja, und von dem winzigen und unbedeutenden Unterschied abgesehen, dass ich das Gärtnern liiieeebe. (nomen est omen)

    __________________
    nachzulesen in vielen Beiträgen in meinem Blog ab April 2010 bis ungefähr Oktober 2012.

  • the

    Liebe Tine,
    ich hänge lange noch bei deinem Bild und bin ganz bewegt und berührt! Danke für deine offenen und tiefen Worte! Ich wünsche dir eine intensive Urlaubs- und Gartenzeit!! Liebe Grüße sendet dir the

  • Petra H.

    Liebe Tine!
    Ich wünsche dir von Herzen den Beistand des Allerhöchsten, dem, der dich kennt, wie du selbst nicht! Der weiß, was du brauchst und der dich in den Tiefen deiner selbst liebt. In allem Schweren wünsche ich dir, dass du Seine Liebe wahrnehmen kannst, egal was ist! Ach , und ich wünsch dir so viel mehr!!!!
    Du bist so „echt“ und das mag ich so sehr. Echt wohltuend!!!!
    Liebe Tine, sei gedrückt von
    Petra!!!!!

  • Tine

    Ihr lieben, wunderbaren Menschen.

    Danke! Für all diese Lieben Kommentare. Ihr ahnt nicht, wie gut mir das tut, was ihr mir zusprecht und wie ihr mir damit auch den Rücken frei haltet. Ich war so unsicher, ob ich mir die Pause gönnen darf.

    Es tut mir gerade sehr gut einfach mal nichts zu machen, mit Jesus spazieren zu gehen, stumpf YouTube zu gucken oder zu lesen.

    Fühlt euch fest umarmt. Ihr tut mir so gut. Danke danke!

    Eure Tine

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