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Hauptsache der Fokus stimmt

Es ist, als würde man eine Parallelwelt betreten. Ein Zimmer, in dem alles gedämpfter ist. Sogar der Sekundenzeiger der großen Uhr an der Wand braucht länger, bis er wandert. Vielleicht ist aber auch einfach nur die Batterie leer.

Es herrscht eine trockene Luft, hier im leeren Konferenzraum. Irgendwie abgestanden, obwohl gerade gelüftet wurde. Die eben noch frische Frühlingsbrise hat praktisch schon Raumtemperatur und tut so, als sei sie nie draußen gewesen. Aus der angrenzenden Küche meldet sich das asthmatische Keuchen des Kaffeeautomats. Normalerweise funktioniert er nicht, bzw. hat irgendwelche Bedürfnisse, die kein Mensch ohne Maschinenbaustudium befriedigen kann. Doch heute lässt er sich das zickige Gerät eine Tasse abringen.

Meine Studienbegleiterin kommt in den Konferenzraum und hat den erbeuteten Kaffee schwesterlich auf zwei Tassen verteilt. Wir nehmen über Eck Platz, damit wir beide in ihren Laptop schauen können, auf dem sich der Plan für mein Studium befindet. Meine Studienfortschritte sind wie der Kaffee – mengenmäßig übersichtlich aber die Qualität ist okay. Die nächsten Schritte sind schnell festgelegt. Wenn man für ein Vollzeitstudium nur einen Tag in der Woche aufbringt, darf man keine Wunder erwarten. Meine Studienbegleiterin weiß das, und zu mir dringt dieser Fakt nach mehreren Jahren nun auch langsam durch.

Für das Gespräch ist eine Stunde eingeplant, die wir bei Weitem nicht brauchen. Und wie ich still gehofft hatte, nutzen wir die übrige Zeit um zu reden. Diese Frau tut mir gut. Ich mag ihre Zielstrebigkeit, ihre Offenheit, Verletzlichkeit und ihre Stärke. Ich mag es hier, in diesem trockenen und warmen Konferenzraum zu sitzen und mich einer älteren Frau anzuvertrauen. Sie nimmt mich ernst, gibt mir Raum, denkt und betet mit mir.
Aber ich weiß auch, dass meine Nöte nicht mit ihr nach Hause gehen. Das entspannt mich. Meine Sorgen, meine Ängste und Gedanken gehören zu mir. Ich kann sie hier teilen, aber ich muss nicht darauf achten, dass sie für diese Frau eine Belastung werden.

Meine Studienbegleiterin tut das, was sie am besten kann: Sie lenkt den Blick auf Jesus. Meinen und ihren. Sie übernimmt das Beten. Sie fügt in meine Alltagsberechnungen den Faktor Gott hinzu, wenn ich bei aller Planung und Engagement vergessen habe, dass ich dieses Leben nicht alleine lebe(n muss). Nicht mal im Studium.
Ich bin so dankbar für diese Frau. Und für alle anderen Menschen, die mich immer wieder daran erinnern, dass Jesus kein Add-On an meinen Alltag, sondern die Basis und das Zentrum ist. Dass er in jedem Moment bei mir ist und dieses Leben mit mir teilt. Dass es nicht um Ergebnisse, sondern um Beziehung geht.

Das sind alles Dinge die ich weiß, die mir aber nicht immer bewusst sind. Es sind Dinge, die ich immer wieder hören muss und hören will. Und die ich anderen Menschen weiter geben möchte. In Situationen, wenn ich mal zuhören darf. Wenn ich den Raum für Gebet anbieten darf. Wenn ich den Blick von mir und von meinem Gegenüber zurecht rücke und uns daran erinnere, dass alles gar nicht so kompliziert ist, wie es sich oft darstellt. Am Ende geht es nicht um Leistung oder Ergebnisse. Nicht um Effizienz. Es geht um Beziehung.

Als ich nach einer Stunde den Konferenzraum verlasse und in die Wirklichkeit mit ihrer frischen Luft, den Klingeln von Telefonen aus den Büros, den wuselnden Studenten auf den Gängen und dem funktionierenden Kaffeeautomaten in der Lobby zurück komme, fühle ich mich leichter und bekomme mein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Ich freue mich auf und an meinem Alltag, der mir bis vor einer Stunde noch überladen und grau vorkam.

Wie hat ein Dozent mal so schön gesagt:

Die Hauptsache ist, dass das, was die Hauptsache ist, auch die Hauptsache bleibt.

Eigentlich war das auf die Auslegung von Bibeltexten bezogen. Aber ich finde, es eignet sich auch gut als Alltagsmotto, wenn mal wieder zu viele Dinge gleichzeitig nach unserer Aufmerksamkeit schreien. Am Ende geht es um Beziehung zu Jesus, ihn besser kennen und vertrauen zu lernen. Das ist die Hauptsache.

One Comment

  • Christina

    Ach DANKE liebe Tine! Das ist so eine gute und wichtige Erinnerung. Und danke, dass du zu den Menschen gehörst die mich mit ihrem Schreiben und in den Begegnungen genau daran immer wieder erinnern: Das Wichtigste ist die Beziehung zu Jesus. Wie froh bin ich, dass wir zusammen unterwegs sind (und – wenn ich das noch anfügen darf – ich glaube ja deine Ergebnisse bei Deinem Studium sind mehr als nur okay;-))

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