
Zurück in’s Boot
Gestrandet. Auf eine positive Art und Weise. Immer mal wieder im Jahr lasse ich mich hier anspülen, im Schwarzwald (diesmal mit WLAN), in einem Konferenzzentrum. Ich bin die Jüngste hier, mit Abstand. Was nur verständlich ist, denn andere Menschen meines Alters müssen jetzt entweder im Büro sitzen und/oder sich um Kind, Haus und Hof kümmern.
Ich muss mich gerade nur darum kümmern, ob ich zum Abendessen eine Portion Lasagne und ein Eis oder zwei Portionen Lasagne und kein Eis essen möchte.
Ich esse zwei Portionen und ein Eis. Erwachsensein rockt.
Noch immer beschäftigt mich das Thema Fokus. Die letzten Wochen waren so voll mit allem. Mit Renovierung, mit Gemeinde, mit Ausflügen, lachen, lernen, genervt sein.
Leben eben.
Das mag ich.
In solch turbulenten Phasen fällt es mir allerdings oft schwer, den Fokus zu halten. Im blubbernden Alltag auf Jesus schauen, das hört sich so simpel an. Und es ist auch ganz leicht über Petrus die Augen zu verdrehen, wenn man liest, wie er auf’s stürmische Wasser geht und nach den ersten paar Schritten nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Wellenberge sieht und prompt absäuft.
Doch wenn in meinem Alltag die Wellen höher schlagen (wenn auch nur im übertragenen Sinn), dann ist es plötzlich gar nicht mehr so einfach, Jesus nicht aus dem Blick zu verlieren. Es gibt so viel, was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht und viel lauter ist, als die leise Stimme von Gott. Es sind Dinge, die mich interessieren, die notwendig sind oder für die ich Verantwortung übernommen habe.
Und zack ist es Abend und ich habe zwischendrin schlicht vergessen mit Jesus zu reden. Also noch schnell ein Gute-Nacht-Jesus-Alibi-Gebet und der Vorsatz, dass Morgen alles besser wird.
Was es nicht wurde.
Jetzt bin ich hier, im ruhigen Schwarzwald. In einem Haus, in dem seit Jahrzehnten gebetet wird. So etwas verändert einen Ort. Hier kann ich zur Ruhe kommen.
Nur um zu merken, dass sich selbst an so einem Ort der Blick nicht von allein Jesus zuwendet. Es braucht immer die Entscheidung. Vor allem dann, wenn man wie ich eine längere Pause gemacht hat. Der Kopf war bei ihm, das Herz war irgendwo anders.
In der Bibel steht, dass Jesus sofort bei Petrus war, als dieser unter geht. Nicht irgendwann, nicht gerade noch rechtzeitig, sondern sofort. Und dann gehen beide zurück ins Boot. Der Moment in dem ich nach Jesus rufe, ist der Moment, in dem er bei mir ist. Er war nie wirklich weg. Nur ich war weg. Jetzt sind wir wieder zusammen unterwegs. Aber es wird einige Zeit dauern, bis ich meinen Rhythmus wieder habe. (Es hat ja auch ein Stück gedauert, bis ich ihn verloren hatte.)
Nun heißt es Dinge zu suchen, die neben dem Kopf auch das Herz ansprechen. Auch die Zeit mit Jesus will gestaltet werden. Und während ich noch überlege, was momentan am besten ins Leben passt, setzt sich eine liebe Frau neben mich in die Bank. Sie packt ihre Bibel aus, schlägt sie auf und meint entschuldigend, als sie meinen Blick sieht: „Wenn mir etwas wichtig wird, dann schreibe ich das gleich in meine Bibel, damit ich es nicht vergesse.“ Und so sieht ihre Bibel auch aus: voll mit wichtigen Dingen, die Gott ihr während Predigten, Gebeten und gemeinsamen Zeiten ins Herz gelegt hat. Die Seiten sind bunt und persönlich. Eine Schatzkarte die von vielen privaten Stunden zwischen ihr und Jesus zeugt.
Und da ist es: mein Herzklopfen, meine Sehnsucht. Ich habe das auch mal gemacht, aber wie lange ist das jetzt her? In der folgenden Gebetszeit frage ich Jesus leise: „Wollen wir später zusammen Bibel lesen? Ich hätte meine Buntstifte dabei. Aber du musst mitlesen und mir Dinge ins Herz legen.“
Und dann glaube ich ein lächelndes „Ja, das machen wir.“ zu hören, irgendwo ganz tief in mir drinnen. Ein erster Schritt zurück ins Boot.