alltägliches

Kreativ

Keine Angst vorm leeren Blatt. So oder so ähnlich lautete der Titel eines Buches, das ich vor ein paar Jahren aus einer Bücherkiste gezogen habe, um dann nie drin zu lesen. Nur an den Titel erinnere ich mich noch. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht einmal, ob es sich um ein Lehrbuch über wissenschaftliches Schreiben oder um ein Mutmachbuch für angehende Schriftsteller gehandelt hat. 

Dennoch ist es ein Satz, an den ich mich regelmäßig erinnere, sobald ich ein neues Dokument in Word aufmache oder in meinem Notizheft eine neue Seite aufschlage.

Die letzten Wochen blieben meine Blätter leer. Und das obwohl mein Kopf voll ist. Voll von Alltagsdingen. Und schwindelig von dem Alltagskarussell, in das ich dann irgendwann halt doch einsteigen musste und dass mir in unregelmäßigen Abständen ein fröhliches „Huuuiiiiii“ oder ein genervt-erschöpftes „Aaaaahhhhh“ entlockt.

Kreativität findet bei mir im Alltag statt und nicht in der Abgeschiedenheit einer hübsch eingerichteten Schreibstube mit Blick auf einen See, wie ich mir das so oft wünschen würde. Meine Texte entstehen außerdem meist unter Druck, weil ich ohne Druck nur schlecht in die Hufe komme. Und normalerweise klappte das auch immer. Nur in den letzten Wochen nicht. 

Ich habe einmal gelesen, dass man die innere Kreativität füttern soll. Mit dem, was einen inspiriert, zum Beispiel gute Literatur, ein Spaziergang durch die Natur oder durch Städte, ein Museumsbesuch, Gespräche mit inspirierenden Menschen. 

„Das ist ja alles schön und gut, aber woher soll ich bitte die Zeit nehmen? Jesus, du musst mir helfen!“

Die Antwort kam dann auch. Allerdings nicht wie erhofft in einem übernatürlichem Kreativitätsschub. Sondern mit einem sanften aber deutlichem Hinweis auf mein Smartphone und die Nutzungszeiten. 

Ich muss zugeben, als ich die App öffnete, die im Hintergrund mitschneidet wie mein Medienverhalten ist, war ich schockiert. (Hab die App dann schnell wieder zu gemacht, da hatte ich die Zahlen aber ja schon gesehen.)  Wie kann jemand, der von sich behauptet keine Zeit zu haben, so viele Stunden am Tag in/mit/an diesem Gerät verbringen?        

Der YouTube-Algorithmus hat mich fest im Griff. Stunde für Stunde für Stunde. Und obwohl ich mir gerne Videos von kreativen Menschen anschaue, scheint es meine eigene Kreativität nicht zu füttern. Mein Sozialverhalten auch nicht. Meine Stimmung erst recht nicht. Leider. 

Also zurück ins echte, reale Leben. Das ist gar nicht so leicht. Aber hey, zumindest ist das heutige Blatt nicht leer geblieben. Und ihr wisst, was bei mir los ist und warum Sendepause war. 

Danke für eure Treue. 

Jetzt muss ich nur noch herausfinden, was mein innerer Kreativling gerne essen mag. 

2 Comments

  • Esther

    Oh, das kenne ich! Schimpfe immer wieder auf die komischen Leute, die ständig am Bildschirm hängen, aber selber habe ich auch eine lange Zeit auf Instagram und Co. jeden Tag.
    Danke, dass du das nicht verheimlichst. Zusammen ist es leichter, das zu ändern.
    Gottes Segen!

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