alltägliches

Gelb

Eine kleine persönliche Notiz am Anfang (weil der Rest dieses Blogs ja so unpersönlich ist…). Ich habe diese Woche lange überlegt, ob und was ich schreiben kann. Das Unwetter und die vielen Menschenleben, die es gefordert hat verbieten es eigentlich über solche Nichtigkeiten zu schreiben, wie ich es heute tue. Ich glaube wir alle sind erschüttert und hilflos. Beten hilft. Aber es kommt mir gerade so wenig vor. Ich sehe die Bilder im Internet und kann kaum glauben, dass es Orte sind, die so nah liegen. Freunde von mir sind betroffen, wenn auch -Gott sei Dank!- nicht von Todesfällen.

Ich bin in Gedanken und Gebeten auch bei euch und hoffe, dass euch und eure Lieben das Unwetter verschont hat.

Ich habe mich entschieden dennoch aus meinem Alltag zu schreiben. Auch wenn er so völlig trivial weiterläuft. Doch Gespräche mit Freundinnen zeigen mir immer wieder, dass nicht nur ich gerade an der Alltagsfront kämpfe. Und vielleicht betrifft es ja auch die eine oder den anderen von euch und es hilft zu sehen, dass man nicht alleine ist.


Der Alltag hat mich wieder. Wie jedes Jahr nach dem Urlaub habe ich mir vorgenommen, nicht wieder in die alte Hektik zurück zu fallen. Wie jedes Jahr ist dieser Vorsatz bereits in den ersten Tagen gekippt.

Gerade gibt es wenig Coronaeinschränkungen. Und das soziale Leben hat Nachholbedarf. Da wollen Hochzeiten gefeiert werden, die schon so lange auf eine Feier warten. Sommerfeste stehen auf dem Plan, Treffen mit Freunden in Eiscafés oder bei einem Abendessen außer Haus. Sitzungen, die wieder real stattfinden können. Verwandtschaftsbesuche stehen an. Der Sommer, der mit seinen Wetterlaunen da einschränkt, wo Corona sich zurückgezogen hat, schiebt die Aktionen auf einen immer kleineren Zeitraum zusammen. Und langsam bekomme ich Panik.

So lange habe ich mich auf genau diese Dinge gefreut. Und nun fühle ich mich überrollt. Wenn ich in meinen Kalender schaue und die frei verfügbaren Zeiträume schmelzen sehe, wird mir Angst. Schnell knalle ich ein paar gelbe Zeitblöcke in meinen digitalen Planer. Gelb, das sind die Termine, die ich mit mir selbst habe. Nur Jesus und mein Mann dürfen da rein.  Längst ist der Sommer ausgebucht und die ersten vorwurfsvollen Sätze von Bekannten fallen: „Du hast ja nie Zeit.“. Schuldbewusst lösche ich nach und nach meine gelben Blöcke wieder raus und trage Termine ein. Wer weiß wie der Herbst wird und was da alles stattfinden kann. Vielleicht wird es ja ein gelber Herbst. Keine Ahnung ob diese Denkweise pessimistisch, optimistisch oder realistisch ist. Ich weiß grad nicht mehr was ich denken oder fühlen soll.

Und dann fällt mir wieder ein, was ich am Sommer eigentlich mag. Wonach ich mich in den langen Winternächten gerne zurückerinnere und auf was ich mich schon im März freue.

  • Unter einem Baum sitzen und lesen.
  • Dem Morgennebel zusehen, wie er zwischen den Hügeln aufsteigt und verschwindet.
  • Ferne Rasenmähergeräusche.
  • Jesusspaziergänge in der Morgenfrische
  • Wasserplantschen und glückliches Kinderkreischen.
  • Der Geruch von frischen Pommes und heißem Asphalt gemischt mit Freibadchlorwasser.
  • In der Hängematte liegen und Sprachnachrichten von Freundinnen anhören.
  • Eis essen!
  • Sommernachtsgeräusche

Ich weiß nicht wie ich diese Sachen unterbringen soll. Aber eigentlich brauchen die wenigsten davon wirklich viel Zeit. Eigentlich sind die meisten Sachen Momentaufnahmen. Bewusstes Wahrnehmen. Oder ein Zeitfenster von einer halben Stunde. Das bietet so gut wie jeder Tag, auch wenn kein gelber Block im Kalender ist.

Trotzdem schaffe ich es nicht immer. Oft bin ich zu hektisch, zu sehr gefangen in meinen Gedanken und Aufgabenlisten. Aber vielleicht hilft mir dieser Beitrag mich zumindest in dieser Woche ab und zu daran zu erinnern.

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