alltägliches,  Dankbarkeit

Zwischen Jammern und Dankbarkeit

Immer wieder erwische ich mich beim Jammern. Das ist generell eine Schwachstelle bei mir. Ich fühle mich schnell übersehen und/oder benachteiligt. Inzwischen bin ich aber lange genug mit Jesus und mit freundlichen ermahnenden Menschen unterwegs, dass mir wenigstens bewusst wird, wenn ich wieder in den Jammermodus verfalle.

Meiner Erfahrung nach bringt es wenig, mir das Jammern zu verbieten. Es einfach zur Seite zu schieben sorgt nur dafür, dass sich etwas in mir staut: Emotionen der unschönen Art. Und die brechen hervor, sobald ich nicht mehr die Kraft habe, den Deckel oben drauf zu halten. Das passiert dann meist in den ungünstigsten Situationen: Am Abend beim Ältestentreffen meiner Gemeinde, wenn ich nach einem langen Tag erschöpft bin. Bei einem längeren Ausflug mit vielen Menschen. Beim Einkaufen, wenn ich in der Obstabteilung den dritten versehentlichen Schubser abbekommen habe.

Meine Reaktionen sind selten laut, das entspricht nicht meinem Wesen. Aber ich kann fies werden, vor allem mit Worten. Inzwischen kann ich diese Worte in meinem Mund behalten. Aber sie sind trotzdem da. Messerscharf und nur formuliert, um zu verletzen. Das ist beschämend und mein einziger Trost ist, dass sie mir wirklich nur noch selten über die Lippen kommen. Dennoch zeigen sie mir, wie es in mir aussieht. Dass Jesus und meine Lieben mich trotzdem mögen, macht mich unendlich dankbar.

Trotzdem will ich nicht so bleiben. Ich möchte, dass ich böse Sachen gar nicht mehr in mir drin formuliere. Und ein erster Schritt ist da, mein Jammern als Indikator zu sehen, dass etwas in mir nicht stimmt. Dann muss ich mir Zeit nehmen, um rauszufinden, was das ist.

Oft sind es Sehnsüchte. Sehnsüchte nach etwas, das ich nicht habe, aber gerne hätte…aber oftmals gar nicht wirklich brauche… Sondern einfach nur unglaublich gerne hätte. Einen Garten zum Beispiel.

Mein Therapieansatz für so eine Jammerquelle: danken für das, was ich habe.

  • Danke für meine große Wohnung, in der ich sicher wohnen kann.
  • Danke für die Harmonie mit den Menschen um mich herum.
  • Danke für die wunderschöne Natur, den Wald und die Weinberge.
  • Danke, dass ich jederzeit den Garten von Freunden mit nutzen darf.
  • Danke, dass ich einen Balkon habe.
  • Danke, dass ich Zimmerpflanzen habe, die bereits seit über einem Jahr bei mir leben – und sogar wachsen!
  • Danke für den Frühling, die Vögel, den Geruch nach Blumen und frisch gemähtem Gras.

Einen Garten hätte ich immer noch gerne. Aber mein inneres Jammern hat aufgehört (vorerst…es kommt wieder, da bin ich ganz sicher). Den restlichen Wunsch lege ich Gott hin. Und suche immer mal wieder im Internet, ob sich ein Garten findet. Aber mein Glück hängt nicht davon ab. Ich bin reich beschenkt. Und ich bete, dass ich das niemals vergesse.

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