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Im Tal wird aus dem ‚Er‘ ein ‚Du‘

Psalm 23 gehört zu den Psalmen, die ich im Konfi-Unterricht auswendig lernen musste. Vor allem mit dem zweiten Teil tat ich mir echt schwer und ich erinnere mich noch heute, wie blöd und überflüssig ich das alles fand.

Heute bin ich froh, dass dieser Psalm in meinem Kopf ist. Dass er an einer Stelle abgespeichert ist, wo ich ihn wahrscheinlich nie wieder verliere. Immer wieder drängt er nach vorne, vor allem dann, wenn das Leben schwer wird.

‚Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal…‘

Das finstere Tal.

Als Kind stellte ich mir eine Schlucht vor. Komischer Weise immer von oben, so dass ich selbst als Zuschauer nach unten schauen konnte, wo ein kleines Mädchen entlangläuft. Als Zuschauer sah ich, dass die Schlucht dunkel war, aber ich selbst war im Licht und wenig betroffen. Auch das Ende der Schlucht konnte ich sehen und von daher war ich relativ entspannt. Außerdem war und bin ich von Filmen gewohnt, dass die anstrengenden Zeiten (z.B. das Training von Rocky) im Schnelldurchlauf mit motivierender Musik gezeigt werden. Und nicht gähnend langsam in Echtzeit. Das will ja niemand sehen.

Doch wenn man drin steckt, dann ist es nicht der Schnelldurchlauf. Es läuft keine gute Musik. Und es ist nicht entspannt. Und obwohl ich selbst in Krisenzeiten meist vom Kopf her weiß, dass sie einmal enden werden, begreifen meine Gefühle das in der Regel nicht. Da kann ich noch so überzeugend auf mich selbst einargumentieren.

Der Psalm sagt, dass Gott mit uns durch dieses Tal geht. Er steht nicht mit dem Klemmbrett außerhalb und bewertet unsere Performance. Gott bleibt an unserer Seite. Immer wieder sagt die Bibel, dass Gott mit uns mitleidet. Warum er manche Dinge dann nicht abkürzt, weiß ich nicht. Doch nicht einmal bei Jesus hat er eine Abkürzung genommen.

Doch etwas ist mir aufgefallen: viele Menschen, die mit Gott durch dunkle Täler gegangen sind, kommen verändert aus ihnen heraus. Ruhiger. Stärker. Oft fällt es mir leichter mich vor solchen Menschen zu öffnen und mich verletzlich zu zeigen. Ich habe bei ihnen weniger Angst Verurteilung zu erfahren. Und ich kann ihre tiefe Verbindung zu Gott spüren.

Ich glaube das hat auch David erlebt, der den Psalm 23 geschrieben hat. In dem Psalm passiert die Veränderung. Als es ihm gut geht und er nur über  Versorgung nachdenkt, ist Gott ein ‚er‘. Als es eng wird, wird Gott zum ‚du‘.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf grüner Auge und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße um seines Namens Willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.
Dein Stecken und Stab trösten mich.

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