alltägliches,  Entspannung

Kopfurlaub

Nach einem Tag am Computer, fällt es mir Abends oft schwer abzuschalten. Sowohl den Computer, als auch meinen Kopf. Es ist bequemer von Word auf Chrome zu wechseln und dann auf YouTube zu versacken, als aufzustehen und meinen ruhigen Feierabend zu gestalten. Gestalten ist aktiv und braucht Energie. Die Energie Entscheidungen zu treffen und sie im Anschluss umzusetzen: Was wollen wir essen? Wer bereitet es zu und wer räumt danach das Küchenchaos auf? Eigentlich mag ich es, mir die Schürze umzubinden und in der Küche zu stehen. Es ist für mich eine Trennlinie geworden zwischen Arbeit und Freizeit. Eigentlich eine sehr schöne. Aber gerade auch anstrengend.

Selbst die Kerzen im Wohnzimmer anzuzünden und eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, ist mir häufig schon zu viel. Dabei ist das ein Aufwand von nicht einmal einer Minute und verändert den ganzen Abend. Eigentlich mag ich diese bewussten Momente des Kerzenanzündens doch. Eigentlich.

‚Eigentlich‘ ist mein neues heißgeliebtgehasstes Unwort.

Eigentlich bilde ich mir ein, eine kommunikative, unkomplizierte Ehe zu führen. Eigentlich können wir uns gut unterhalten. In letzter Zeit wurden allerdings die Alleinezeiten ausgedehnter. Die Gespräche kürzer und auch irgendwie…hilfloser. Das Problem: es gibt nicht’s zu erzählen.

„Wie war es heute bei dir auf Arbeit?“
„Ähnlich wie bei dir, ich saß ja im gleichen Zimmer.“

Nicken. Schweigen.

„Und was hast du in der Mittagspause gemacht?“
„Ich war mit dir spazieren.“

Nicken. Schweigen.

„Was möchtest du nächste Woche machen?“
„Wenn ich es mir aussuchen kann? Freunde treffen, schwimmen und in die Sauna gehen, unser Lieblingsrestaurant besuchen, im Wald spazieren gehen ohne Slalom um Menschengrüppchen gehen zu müssen.“

Seufzen. „Ja. Es ist halt wie’s ist.“
Nicken. Schweigen. Plötzliches Lachen. Was für eine absurde Situation.

Da bekommt ‚Wir haben uns nichts mehr zu sagen‘ eine ganz neue Dimension, wenn auch eine deutlich harmlosere. Ermüdend ist es trotzdem.

Am Anfang haben wir noch Urlaube geplant. Aber selbst das haben wir inzwischen eingestellt, weil es Sehnsüchte füttert, die gerade nicht befriedigt werden können.

Aber dann bin ich auf ein paar Fragen gekommen, deren Antworten mich brennend interessieren. Die meine Träume anstacheln und mir mehr über den Gatten verraten. (Und über Freundinnen, die werden nämlich demnächst auch dran glauben müssen. 🙂 )

Es sind Fragen, die weit genug weg sind, damit sie keine Naherwartungen an einen Urlaub schüren, den es nicht geben wird. Und sie sind inhaltlich so ‚entgrenzt‘, dass es beim Träumen bleiben kann und keinem von uns suggeriert wird: So muss der nächste Urlaub werden, damit ich glücklich bin.‘

Einfach nur ein wenig träumen und sich mal wieder unterhalten können, auch wenn der Alltag gerade wenig Abwechslung bietet.

  • Wenn du eine Gruppe von Menschen, die noch nie in Deutschland waren, das Land zeigen dürftest, welche zehn Stationen würdest du wählen und was würdet ihr dort tun?
  • Welche fünf Städte auf dieser Welt würdest du gerne bereisen, wenn Geld, Reisezeit, Gefahr (und in meinem Fall große achtbeinige Tiere) keine Rollen spielen?
  • Was war dein beeindruckendstes Reiseerlebnis als Kind? Warum?
  • Wieder unabhängig von Geld und vom Chef genehmigter Urlaubsdauer: wie würdest du deinen Traumurlaub gestalten? Hotel oder Ferienwohnung? Eigene Insel? Mit Freunden und Gemeinde in einem riesigen Schloss oder lieber allein in einer Hütte? An einem festen Ort oder Rundreise? Geplant oder spontan? Oder ganz anders?

Ein lieber Gruß an euch von einer Tine, die seit Wochen ihrem Kopf zu erklären versucht, dass der Dänemarkurlaub dieses Jahr nicht stattfinden wird.


Noch was ganz anderes. Einige von euch kennen mich ja persönlich und/oder haben ein wenig mehr Einblick in den Lebensalltag und was sonst noch so an Stürmen über uns herein bricht. Gerade trifft uns im Freundeskreis ein harter Schlag, nicht unerwartet aber bitter. Und ich kann mir vorstellen, dass einige sich fragen, wie ich über solche Banalitäten wie Urlaubsträume schreiben kann.

Manche Dinge brauchen Abstand, bevor ich mich ihnen nähern kann. Und vor allem dann, wenn der Alltag zermürbend und verstörend ist, hilft es mir hin und wieder eine Auszeit davon zu nehmen. Nicht um zu verleugnen oder zu verdrängen. Sondern um wieder Kraft zu sammeln für den nächsten Tag. Ich glaube das ist für uns alle wichtig in schwierigen Zeiten. Seid gesegnet und fühlt euch fest umarmt. Jesus ist mit uns, er lässt uns nicht los.

In den nächsten Wochen (und mit etwas Abstand) mehr davon, ohne kryptische Andeutungen.

2 Comments

  • Vera

    Ja, alles hat seine Zeit. Momentan das Warten, Aushalten und mehr denn je das Hüten des Herzens. Und da kann ich Dir nur zustimmen, liebe Tine, dass es manchmal auch einen gewissen innerlichen Abstand braucht, um Manchem aus neuer Perspektive zu begegnen oder es verarbeiten zu können. Dazu gehört, die Seele mit Gutem zu nähren, das in und trotz allem da ist, sich gegenseitig mit inspirierenden Fragen von der Oberfläche weg zu locken (danke für diese Anregung!) und durch Träume ein wenig Farbe in den momentan oft monotonen Alltag zu bringen und unserer tiefen Sehnsucht auf die Spur zu kommen. Darin muss auch ich mich täglich neu üben!.
    P.S.: Gehörst Du auch zu den Menschen mit Spinnenphobie?

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