zurück zu Jesus

Gebetsschule im Liegen

Da bin ich wieder. Ihr Lieben, danke für eure Geduld. Nach einer wirklich fiesen Erkältung mit Fieberschüben und der theatralischen Überzeugung, dass es nun zu Ende geht, hat sich nach der ersten Woche noch ein Bakterienstamm in mir breit gemacht. Damit war die bereits fortgeschrittene Genesung praktisch wieder auf Null gesetzt.

Eigentlich dachte ich, dass man auch vom Bett aus gut am PC arbeiten kann, aber dem war nicht so. Ich konnte gar nichts machen; außer Taschentücher verbrauchen und so geräuschvoll husten, wie es sonst nur 80-jähre Raucher hinbekommen.

Das war hart. Nicht allein die eigene Hilflosigkeit machte mir zu schaffen, sondern auch das Gefühl anderen zur Last zu fallen, denn mein Mann musste mich komplett versorgen. Also fing ich an vor Gott zu jammern. Dabei hatte ich ein großes Vorbild:

Vor einigen Jahren hatten wir ein befreundetes Paar mit drei Kindern bei uns zu Gast. Die zwei Jungs waren schon alt genug um nach dem Essen allein auf den Spielplatz zu gehen. Das Mädchen war erst drei und durfte nicht mit. Die Mutter hatte Spielsachen dabei und schlug ein Alternativprogramm vor. Woraufhin dieses zarte, junge Geschöpf einen Wutanfall bekommen hat, der…mir fehlt ein passender Vergleich. Die Eltern blieben entspannt. Nur Achim und ich schielten immer mal wieder fasziniert zu dem Kind, das sich inzwischen unter mein Minitrampolin verzogen hatte und dort mit Händen und Füßen auf den Boden trommelte, während die Tränen nur so spritzten. Plötzlich war Ruhe. Sie war vor Erschöpfung eingeschlafen. Nach einer halben Stunde wachte sie auf. Völlig orientierungslos in einem fremden Haus unter einem fremden Trampolin liegend. Dann kam die Erinnerung zurück und mit ihr ging der Wutanfall nahtlos in die zweite Runde. Ich musste leider lachen. (War nicht so förderlich für ihre Stimmung.)

Meine letzten zwei Wochen verliefen nun ungefähr so wie bei der Kleinen: Vor Gott jammern, einschlafen, aufwachen, orientieren, weiterjammern. „Wieso kann ich nicht schreiben? Warum darf ich nicht in die Bibelschule? Du weißt doch was auf Arbeit los ist, die brauchen mich. Ich will in meine Gemeinde. Ich will meine Oma besuchen.“ usw. usw.

Jesus blieb entspannt, wie die Mutter damals. Als ich mich soweit ausgeheult hatte, dass ich bereit war zuzuhören – gut, ehrlich gestanden war ich eigentlich nur dabei innerlich Luft zu holen für die nächste Runde – kam die sanfte Aufforderung, meine Zeit doch im Fürbittegebet zu verbringen anstatt im Selbstmitleid.

Das wollte ich nun gar nicht hören. Während ich noch im Bett lag und vor mich hingrübelte, ob ich mich vielleicht verhört hätte, gab mein Handy einen leisen Ton von sich. Eine Freundin bat um Gebetsunterstützung.

Und so ging es weiter. Immer mehr Anfragen kamen. Die gingen nicht alle ausschließlich an mich, aber ich war definitiv die Person, die am meisten Zeit von allen hatte.

Fürbitte fällt mir schwer. Es braucht für mich viel Kraft die Anliegen mit Gott durchzusprechen, still zu halten und nicht in blinden Hilfsaktionismus zu verfallen, Lösungspläne auszuarbeiten oder ähnliches. Sondern ‚einfach‘ nur Gott hinhalten, zuhören, abgeben. Und am nächsten Tag das gleiche wieder.

Ich bin davon überzeugt, dass Fürbitte die Welt verändert. Denn Gott lässt sich bitten, er hört unsere Anliegen und nimmt sie ernst. Und ich bin davon überzeugt, dass Fürbitten uns selbst verändern. So geben wir Gott die Möglichkeit, dass er uns seine Sicht der Dinge mitteilen kann und uns seine Liebe für die Menschen gibt, für die wir bitten. Auf diese Weise lernen wir begreifen, dass Gott handelt.
Das ist die Theorie.

Die Praxis sieht für mich anders aus, denn in ihr erlebe ich immer wieder mein Scheitern. Abschweifende Gedanken, Wut über Ungerechtigkeit im Leben anderer, Gefühle des Mitleids. Nun lerne ich langsam, auch diese Gefühle mit Gott zu besprechen und sie als Teil der Fürbitte zu sehen, ohne vom eigentlich Thema abzuschweifen. Ich kann nicht sagen, dass mir das immer gut gelungen ist in den letzten Tagen.

Dann bin ich beim Lesen auf folgenden Satz gestoßen: Das Gebet hängt nicht von dem ab der es spricht, sondern von dem, der es hört.

Dieser Spruch hat mich durch die zweite Woche getragen. Anbetung und Fürbitte haben sich vermischt und wurden zu etwas für mich völlig Neuem. Vor allem geschah eins: ich entspannte mich. Meine Gebete müssen weder perfekt noch vollständig sein, damit Gott sie versteht. Kennt ihr diesen Moment, wo einem etwas, das man theoretisch schon lang weiß, plötzlich vom Kopf ins Herz rutscht? Das ist bei mir passiert.

Ich würde mich noch immer nicht als treue Fürbitterin bezeichnen. Aber es war definitiv ein guter Anfang. Ein Anfang voller Abschweifen, konfuser Gedanken, Fragen und Wegdösen (weil ich eben doch krank war und im Liegen wach zu bleiben ist schon im gesunden Zustand nicht meine Stärke.) Aber auch ein Anfang voller Liebe zu den Menschen, die Gott in mein Leben gestellt hat und voller Dankbarkeit, dass Gebet immer geht. Selbst im Bett liegend und vor sich hinhustend.

4 Comments

  • Christina

    Danke für dein Beten!!! Danke, dass du dich von Jesus herausfordern lässt….(das Beispiel mit dem Wutanfall des kleinen Mädchens ist super! :-)). )Ich vermisse dich und wünsch dir weiter gute Besserung und hoffe wir sehen uns bald wieder. Schick Dir eine dicke Umarmung xxx

  • Doro

    Wie schön, dass es dir besser geht!
    Ja für andere beten ist ein Geschenk, um aus dem eigenen Kummer und Problemkarusell raus zu kommen. Leider vergesse ich das auch manchmal:(
    Ich hoffe wir sehen uns bald!

  • Becky

    Ich fühl mich verstanden!
    Danke für Deinen Post! Ich bin auch keine gute Fürbitterin – schlafe dabei häufig ein, komme mir beim Beten komisch vor, weil ich denke, Gott weiß das doch schon alles, verliere mich in meinen Gedanken… Gut zu lesen, dass das kein Einzelphänomen ist 😉
    Und ein tolles Zitat: „Das Gebet hängt nicht von dem ab der es spricht, sondern von dem, der es hört.“. Thanks for sharing!
    Und weiterhin gute Besserung!!!

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