Dankbarkeit

Geborgenheit

Geborgenheit. Das Wort springt mich förmlich an, als ich in dem Buch über das Fasten blättere. Ich spüre, wie eine tiefe Sehnsucht in mir nach oben fluten will. Ich drücke sie schnell nach unten. Später. Ich werde eine ganze Woche lang Zeit haben Dinge nach oben kommen zu lassen. Jetzt muss ich noch einen Text fertig schreiben, Mails beantworten, die Wohnung halbwegs sauber bekommen und natürlich: packen. Es ist unfassbar, was man für eine Woche des Nicht-Essens alles an Gepäck dabei haben muss.

Das Wort kam wieder. Und mit ihm das Gefühl. Ein zweischneidiges Gefühl für mich. Warum eigentlich? Wer möchte sich nicht geborgen und sicher fühlen?

So wunderbar ist deine Güte, großer Gott, dass wir Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Geborgenheit finden.

Psalm 36,8

Diese Geborgenheit bei Jesus möchte ich haben. Nein, ich will sie nicht nur haben, ich will sie auch spüren. Also bete ich. Versuche zu beten. Ich weiß nicht was ich erwartet habe in dieser Woche. Vielleicht eine dauerhafte, spürbare Präsenz Gottes. Ein Schweben über dem Alltag. Aber ich schwebe nicht. Ich schreie auch nicht nach Pizza. Zumindest nicht laut. Stattdessen spüre ich einen kurzen liebevollen Impuls, fast wie einen inneren Stupser, der mir gleich am Anfang sagt: „Mach einfach. Kümmere dich um dich selbst und um andere. Ich bin dabei.“ Also tue ich das.

Am Mittwoch passiert es dann. Beim Morgensport. Mir war schon den ganzen Morgen über kalt. Der Kreislauf mag nicht so richtig in Schwung kommen. Selbst das Kneippbecken haben nicht geholfen. Inzwischen kommt meine Übelkeit in Wellen. Ich bin wütend auf meinen Körper und enttäuscht. Ich hab ihn doch so lieb gepflegt die letzten Tage, hab mich zu ihm mit Leberwickeln in’s Bett gelegt, hab ihm Ruhe gegönnt, frische Luft und Bewegung. Habe ihn gewässert und gebürstet. Und nun streikt er. Ich schaffe es gerade noch zu einer Bank. Plötzlich sind die Frauen um mich herum. Ich werde hingelegt Füße nach oben und versuche  die Nebel vor meinen Augen wegzubekommen.

Und dann spüre ich eine warme Hand auf meiner Stirn und die Zeit macht einen Satz. Plötzlich bin ich nicht mehr erwachsen, sondern wieder Kind und die Hand ist die meiner Mama. Sanft, warm, beruhigend, tröstend. Eine Hand die sagt „Alles ist gut. Ich bin da, ich gehe nicht weg.“ Ich spüre die Liebe meiner Mama. Und dahinter, größer und wärmer, die zärtliche Liebe Gottes für mich.

Geborgenheit.

Das Gefühl ist geblieben. Nicht so intensiv wie in dem Moment dort auf der Wiese. Aber es ist immer noch da. Eine verlorene Erinnerung ist zurück, kostbar wie ein Juwel. Erst war ich sehr vorsichtig damit, aus Angst mich daran zu verletzen oder es kaputt zu machen. Doch auch jetzt, einige Tage später leuchtet diese Erinnerung wie ein warmes Abendlampenlicht durch Herbstfenster. Ein Kopfwissen über Gott ist ins Herz gerutscht und darf dort nun Wurzeln schlagen und wachsen. Ich darf diesen Raum in meinem Herzen betreten. Und es kam ein weiteres Wort, ein weiteres Gefühl dazu: Dankbarkeit.

Danke Jesus, dass du uns zärtlicher liebst, als sogar eine Mama es könnte.

Die Übelkeit ging übrigens auch weg. Dank einer warmen Hand und einem Löffel Honig.

2 Comments

  • Becky

    Ich bin mit Dir dankbar. Dass Du das erfahren hast. So etwas Wertvolles. Danke Jesus.
    Und wie immer.. wunderschön geschrieben! Du kannst das einfach: „Herzberühr-Texte“ schenken.
    Liebe Grüße, die Becky

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