Angst,  Dankbarkeit,  Kleine Abenteuer

Träumen Flügel geben oder: die Sache mit der Höhenangst

Geschafft. Die Mail mit den geschriebenen Texten ist abgeschickt. Ich bin erleichtert. Und müde. Erst in den nächsten Tagen werde ich realisieren, was für ein großer Stein mir vom Herzen geplumpst ist. Aber von vorne.


Es heißt, dass man nur außerhalb seiner Komfortzone wächst. Ein Spruch, der mich nervt, denn ich finde es innerhalb meiner Komfortzone recht gemütlich. Gleichzeitig mag ich es, Neues zu erleben. Bzw….ich mag es abends im Bett zu liegen und zu wissen, dass ich etwas Neues erlebt habe.

Herausforderungen anzunehmen bedeutet, sich Ängsten zu stellen. Zumindest für mich. Die Angst zu versagen. Die Angst mich lächerlich zu machen, weil ich mir mehr zugetraut habe, als ich tatsächlich zu leisten imstande war. Und die Angst davor, mich mit der Realität auseinander zu setzen, die vielleicht so ganz anders ist, als meine weichgezeichneten, pastellfarbenen Träumereien. Als Jugendliche las ich mal den Spruch: „Manche Träume muss man begraben, damit sie für ewig leben.“ Das war über Jahre meine perfekte Ausrede, um mich nicht zu bewegen. Eine todsichere Sache – vor allem für die Träume.

Als ich vor ein paar Jahren mit dem Schreiben anfing, wollte ich diesen Traum nicht wirklich umsetzen. Denn so lange ich nur träumte, konnte ich mir vorstellen, dass es Menschen gab, die meine Texte lesen wollten. Ich konnte davon träumen, dass Menschen motiviert würden, ihren eigenen Weg mit Jesus neu zu gestalten. Ich konnte davon träumen Emotionen hervorzurufen. Lachen, Weinen, Augenrollen.
Als Christina vom schönsten Spatz der Welt dann fragte, ob ich einen Text auf ihrem Blog veröffentlichen wollte, kam die Angst. Die Angst, dass mein wunderschöner Traum wie eine Seifenblase zerplatzen würde, sobald er mit der Realität in Berührung käme. Die Angst zu versagen.

Er ist auch geplatzt. Wie ein Kokon und heraus schlüpfte etwas mit Flügeln. Seitdem fliege ich und zwischendrin stelle ich immer mal wieder fest, dass ich Höhenangst habe und eigentlich gar nicht fliegen kann. Ich stelle fest, dass es anstrengend ist und herausfordernd und wunderbar.

Mitte Februar diesen Jahres kam die Anfrage von Faszination Bibel, ob ich eine kleine Auslegungsreihe schreiben würde. Ich kann nicht sagen, was mir das bedeutete. Ich war tagelang wie elektrisiert. Im Glückstaumel. Nur um dann zu merken, dass diese Art von Texten außerhalb meiner Komfortzone liegt. Die Angst zu versagen war lähmend. Ich wollte es doch besonders gut machen. Die Zeit, die mir zur Verfügung stand war wegen Studium und Gemeinde ohnehin stark begrenzt. Mein Leben schrumpfte immer mehr um diese Aufgabenblöcke herum. Daher auch hier die Blogpause.

Nun sind die Texte fertig und abgeschickt. Die Angst ist immer noch da: dass es nicht reicht. Nicht gut genug ist. Dass ich mich lächerlich gemacht habe. Und gleichzeitig die Erleichterung: es ist geschafft.

Ich habe Jesus gefragt, ob ich auf’s Wasser gehen darf. Er hat gerufen. Ich bin gegangen. Ich bin zwischendrin ein paar Mal fast abgesoffen, aber er hat mich festgehalten. Sein Glaube reicht für meinen kurzen Glauben mit.

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass viele unserer Träume Wünsche sind, die Gott uns in’s Herz gelegt hat. Vor allem dann, wenn es darum geht, von ihm zu erzählen, Menschen lieb zu haben, zu helfen und ein wenig mehr Licht in diese Welt zu bringen. Es ist beängstigend sich diesen Träumen zu stellen. Und frustrierend, wenn manche Türen nicht (sofort) aufgehen. Doch es lohnt sich, zu kämpfen und sich den Ängsten zu stellen. Jede von uns ist einzigartig. Und das sind unsere Träume auch. Wir sollten sie nicht begraben.

4 Comments

  • christina

    oh,, ich bin so gespannt auf deine Bibelauslegungen! Ich finde das ist so eine große Gabe von dir! Und Gaben muß man schließlich teilen:-). Wie dankbar bin ich, dass du dich das „Fliegen“ traust. Vielleicht sind wir dabei wie die Hummeln, die ja physikalisch gesehen eigentlich gar nicht fliegen können, aber sie fliegen trotzdem. Wahrscheinlich weil sie nicht viel darüber nachdenken und weil es ihnen Freude macht …. Ich drück dich und freu mich weiter auf jeden geschriebenen Text, der von dir kommt!

    • Tine

      Ach du tolle Frau. Danke für’s Mut machen und Anfeuern und Flügel geben. Nicht nur bei mir, du machst das für so viele.
      Und das mit der Hummel ist ein perfektes Bild. Schlüpfen die aus Kokons? Ich muss den Text umschreiben 😀

  • Sonja

    Liebe Tine – wie wunderbar, diese Anfrage – und dass du es gewagt hast. „Bzw….ich mag es abends im Bett zu liegen und zu wissen, dass ich etwas Neues erlebt habe.“ – genau! Du triffst auch meine Gefühle auf den Punkt! Danke, dass du schreibst. Danke, dass du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt. Danke, dass du dich traust! Liebste Grüsse!!!

  • Sonja Gold

    Liebe Tine, jeder deiner Texte ist wunderbar und berührt das Herz. Lässt einen lachen und weinen und fühlt sich an, als ob du neben mir sitzt und erzählst. Es ist ganz natürlich und leicht wie eine Feder. So, wie du bist kleines. Sei gedrückt. Gruß Sonja

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