Gedankenflug,  zurück zu Jesus

Mein Geheimer Garten

Neulich traf ich mich mit ein paar Freundinnen. Wir versuchen seit einigen Monaten durch das Arbeitsheft von „Tochter Gottes erhebe dich“ von Inka Hammond zu kommen. So richtig weit sind wir noch nicht, aber wir genießen die Abende, die wir gemeinsam verbringen können. Im Kapitel, das für diesen Abend geplant war, ging es um Herzensgärten. Das meint einen Platz im inneren des Menschen, an den man sich zurück ziehen kann; zur Ruhe kommen; Jesus begegnen. Ein Ort, wo man nichts leisten muss, sondern einfach sein darf. Dieser Herzensgarten sieht für jeden Menschen anders aus. Und die Frage war: wenn man ihn sich vorstellt und frei gestalten darf, wie würde er dann für einen selbst aussehen?

Es war spannend zu hören, was für Träume die anderen Mädels von einem Garten haben: verwunschen hinter alten Mauern mit geheimen Verstecken; parkähnlich mit großen weiten Flächen voller Wiesen und Bäumen; mit kleinem See oder einem Bach; verspielt und künstlerisch wie in der barocken Epoche; oder eine fröhliche Mischung aus allem.

Unsere Gärten waren tatsächlich so unterschiedlich wie unsere Persönlichkeiten. Und es machte Spaß mit dem Gedanken zu spielen, Gärtnerin zu sein. Vor allem ich verlor mich sofort in Bildern und wilden Phantasien. Natürlich wäre mein Garten wundervoll – selbst die verwilderten Teile würden Romantik ausstrahlen und nicht etwa Vernachlässigung; die Mauern von Blumen überwuchert mit einem gusseisernen Tor, das direkt an einen Strand führt.

Die einzige, die zurückhaltender mit dem Thema umging, war Manu. Auffallender Weise, die einzige Real-Gartenbesitzerin in unserer Runde. Ihr zaghafter Einwurf war, dass ein Garen echt viel Arbeit ist und auch mit leidenschaftlichem Aufwand nicht zwingend so aussieht, wie man ihn sich wünscht. „Ich habe eine Vorstellung davon, wie er sein könnte. Aber seit Jahren spiegelt er mir stur mein Versagen. Ich finde am Gartenbild so gar nichts entspannendes. Der wird einfach nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Aber hey…“, sie muss auf ihre wunderbare Manuart grinsen, „…wie findet ihr eigentlich meine Distelzucht neben dem Gartentürchen?“

Ich muss gestehen, seit diesem Abend bastle ich in meinem Kopf an meinem Herzensgarten. Und Manus Einwurf wird mir immer präsenter. So wie ihr realer Garten will auch mein Herzensgarten will nicht so, wie ich ihn gerne hätte. Er ist nicht plötzlich da, nur weil ich das so beschlossen habe. Auch ein innerer Ort will angelegt und gepflegt werden. Dinge müssen wachsen. Das braucht Zeit. Manche Dinge, wie negative Gedanken, die ich so lange heimlich kultiviert habe, nehmen Dingen, die ich gerne über mich und andere denken würden, Platz und Licht. Sie müssen gehen, gejätet werden. Offensichtlich gibt es auch im Herzensgarten Disteln.

Aber ich mag diesen Gedanken eines geheimen Ortes. Ich mag es, mir auszumalen, wie ich dort sitze, gemeinsam mit Gott und einfach schweigen kann. Wie wir durch das Tor auf das Meer sehen und manchmal einen Strandspaziergang machen. Ich mag die Vorstellung, dass das alles in mir ist und ich mehr und mehr Zugang zu diesem Ort haben darf.

Wenn es eine Inschrift über dem Eingang geben müsste, dann wäre es, glaube ich, Psalm 91.

Wer unter dem Schutz des höchsten Gottes lebt, darf ruhen bei ihm, der alle Macht hat. Er sagt zum Herrn: »Du bist meine Zuflucht, bei dir bin ich sicher wie in einer Burg. Mein Gott, ich vertraue dir!«

Übrigens übersetzt eine englische Version „den Schutz des höchsten Gottes“ als Secret Place. Und das klingt doch schon sehr nach dem geheimen Garten.

2 Comments

  • Bettina

    Oder: Auch Disteln sind schön, oft erstaunlich ästhetisch und filigran…
    Wir haben vor einigen Jahren hier einen Garten übernommen. Ich habe mich eifrig ans Werk gemacht und wollte pflanzen und sehen: Gurken, Rosen, Blumenwiese…Leider ist der Garten recht schattig und so war ich immer wieder frustriert und unzufrieden.
    Inzwischen versuche ich zu beobachten und wahrzunehmen: wo ist welches Licht, welche Erde…Was wächst hier ganz von allein? Und inzwischen finde ich meine Garten wunderbar – nicht perfekt! O ja, er braucht Pflege, aber vor allem genaues Hinschauen, Freude auch über (oft sehr schön blühende ) „Unkräuter“ und Geduld. Und was Jesus angeht, habe ich das Gefühl, er lächelt mich an, wenn ich so entspannt durch den Garten gehe…: „Gut, oder?“
    Ach ja , und dieses Jahr habe ich viiiiele Himbeeren geerntet, von einer Hecke, die sich quasi selbst angesät hat…Und auch die Gurken haben ihren Platz gefunden.
    So ist der Garten ein wunderbares Bild für mein Leben – auch wenn es sicher tollere, größere, perfektere Gärten gibt….Das ist eben mein Garten.

  • Tine

    Liebe Bettina,
    danke für deinen Kommentar. Am liebsten hätte ich für diesen Beitrag die Kommentarfunktion nach oben gesetzt, damit die Leute zuerst deinen Text lesen. Man merkt eben doch, wenn jemand mit echter Gartenerfahrung schreibt…vom Hinsehen, wertschätzen, von Überraschungen und dem Genießen.

    Danke, dass du dir so viel Zeit genommen hast! Jetzt hab ich fast den Geschmack von Himbeeren auf der Zunge. 🙂

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