alltägliches

Möbel und Alltag

Seit November…NOVEMBER…tun wir jetzt rum mit unserer Renovierung. Andere Leute bauen in dieser Zeit ein Haus, gründen ’ne Familie und legen sich einen Hund zu. Wir bauen Möbel mit Imbusschraubenschlüsseln zusammen und wohnen ansonsten zwischen Kartons.

Letzte Woche war es mal wieder soweit: das blaugelbe Möbelhaus unseres Vertrauens musste angefahren werden. Stresspunkt einer jeden Beziehung. Nun haben wir ja inzwischen Erfahrung. Wir wissen um die benebelnde Wirkung, die eine Palette ‚Sinnlig‘-Duftkerzen ausüben kann, so dass man am Schluss eine Topfpflanzen kauft, obwohl man nen Schrank wollte. Also haben wir uns diesmal einen Einkaufszettel gemacht (clever!). Gedacht war der Einkauf als taktischer Zugriff: Stärken, rein, Zugriff, raus. Also: Restaurant – Möbel – DAS ERDGESCHOSS – raus. 

Aber der Schwede funktioniert nicht nach deutschem Plan. So gar nicht.

Restaurant, Ankerpunkt unserer Kraft, Startpunkt einer jeden Möbelmission.
Getränkespender kaputt, Pommes aus. Verständnisloses Entsetzen meinerseits, während ich hektisch auf den nicht funktionierenden Cola-Knopf drücke und mein Mann mit leerem Magen und noch leererem Teller vor der leeren Pommeswarmhalteplatte steht. Warten. Danach doch noch Pommes, aber nur halb durch. Mann hat schlechte Laune wegen fehlender Organisation, Frau hat auch schlechte Laune, wegen fehlendem Zucker. Denkbar schlechter Start.

Weiter in die Möbelabteilung. Schreibtischstuhl, Regal. Beides vorrätig. Haken dran. Sehr gut. Laune steigt. Haben wieder Oberwasser. Luftholen, Mut zusammennehmen, Treppe runter.

Erdgeschoss, Königsdisziplin. Wir hatten uns im Vorfeld auf Gläser geeinigt (nur ein Eingeweihter weiß, wieviel Wunder in diesem zierlichen Satz steckt). Die Gläser unserer Einigkeit sind aber ausverkauft. 
Mann emotional nach der Pommes- und nun noch der Gläsersache völlig neben der Spur, biegt ungeplanter Weise bei den Pfannen rechts ab. Erste Verspannung bei Frau. 

Handtücher – genaue Vorstellung unsererseits…Umbau ikeaseits…man findet…nichts. Zwanzig Minuten später, endlich: zwei Gästehandtücher ergattert, ganz unten in der Gitterbox. 4 Euro und beginnendes nervöses Augenzucken und Sturmfrisur bei Frau. Gatte hat aber zwei Pfannen…läuft…

Kissenbezüge für Couch…senfgelb…mein nervöses Augenzucken verstärkt sich. Der Mann ist klug genug das Päckchen kommentarlos zurückzulegen. 

Teppich für mein Zimmer, vorher rausgesucht und farblich abgestimmt auf Bilder, die an die Wand sollen….ausverkauft. Nichts ähnliches vorhanden. Nicht mal annähernd ähnlich. Stimmung bei Frau kippt endgültig, da hilft es auch nichts, dass der Mann mit allem ihm zur Verfügung stehendem Elan nach einem adäquaten Ersatz sucht. Ich kapituliere.

Bilderrahmen…zum Glück hatte ich die Liste mit dem was ich wollte schon geschrieben. Der Mann ist nämlich in dieser Abteilung innerhalb von 2 Minuten fertig, weil das meiste was er wollte nicht vorrätig ist. Nun ist er richtig frustriert und hat keinen Bock mehr. Gar keinen. Der Kassensog, dem die meisten Männer in diesem Areal erliegen (vielleicht auch weil hinter den Kassen das Hotdogland liegt), erfasst ihn und ich werde panisch.
Hektisch suche ich meine Ribbarahmen zusammen, komme aber nicht recht weiter, weil ich mich in der Größe vertan habe und nun alles um eine Größe runterrechnen muss. Spickzettel wertlos.

Da kommen mir zwei fremde kleine Mädchen zur Hilfe, die an einen Dekolaterne nicht ran kommen und einen Helden brauchen. Ich leihe ihnen meinen und hab 3 Minuten Spielraum. Die neuen Bilderrahmengrößen herauszufinden erfordert mehr Rechenleistung als mein Gehirn gerade zur Verfügung stellen kann. Ich hatte geahnt, dass sich der fehlende Colazucker bemerkbar machen würde. Mann kommt wieder, ist unruhig, hilft aber dennoch. Stellt allerdings auch ständig Fragen wie: „Bist du sicher? Willst du das so? Hast du dir die Hängung auch genau angeschaut?“

Schließlich geben wir dem Kassensog nach und lassen uns zum Ausgang spülen. Bin innerlich erschöpft, frustriert und gehässig. Kleiner Blackout auf Höhe der Kerzen und Pflanzen, komme erst in der Fundgrube wieder zu mir. Verbiete dem Mann den Hotdog, als Strafe, weil er bei den Bilderrahmen meine dekorative Kompetenz in Frage gestellt hat.

Kurz noch Panik bei der Warenausgabe, weil die Pakete fast nicht ins Auto passen. 
Auf der Heimfahrt noch bei einem Privathaus gehalten, weil da jemand über eBay Kleinanzeigen einen Teppich verkauft. Das hilft der Laune aber auch nicht mehr.

Zu Hause ne Flasche Wein aufgemacht und den Ehesegen wieder gerade gehängt. 

Eigentlich lief doch alles recht gut. Und die neue Topfpflanze, von der ich mich nicht erinnern kann sie gekauft zu haben, macht sich ganz wunderbar neben dem Sideboard.

3 Comments

  • Christina

    haha Tine! Super geschrieben!Mir bleibt der IKEA -Besuch mit einer Freundin in Erinnerung die mich begleitet hat und meinte sie braucht nur eine Vanille-Duft-Kerze. An der Kasse hat sie dann 100 Euro dafür bezahlt :-). Soviel zur Benebelnden Wirkung – ich bin sicher die sprühen was in die Markthalle… NÄchstes Mal nimmst Du uns mit! Wir kennen uns bestens aus und es ist Samus Lieblingsladen! Schick Dir liebste Grüße!!! Und: Euer Zuhause ist schön. Vor allem deshalb weil ihr Beide da seid. Alles andere ist nur Deko:-)

  • Petra H.

    Ooooohhhh, Tine! Morgen steht besagtes Möbelhaus auf meinem Plan…..Ich habe „eigentlich“ eine Sache auf meiner Liste, eine neue Schreibtischlampe. Ich fahre ohne Mann, der weigert sich seit geraumer Zeit, diesen blau-gelben Moloch zu betreten. Hat so seine Erfahrungen……Nach deinem Erzählen werde ich schon mal eine Vorauswahl treffen, kann ja nicht schaden.Immerhin liegt der neue Katalog bereit. Werde vorher was essen und was zu trinken einpacken, man weiß ja nie……..;-)!

  • Becky

    Luuustig… Tut mir leid, dass der Besuch dort nicht so schön lief. Zufälligerweise habe ich GERADE eben den neuen Katalog durchgeblättert. Wir düfen-müssen auch ganz bald zu dem Laden. Der Umzug kommt in greifbare Nähe – Juhuu!
    Ich glaube aber, ich gehe lieber ohne Mann. Muss dann zwar zwei mal fahren (unfreiwillige Retouren) aber dafür hab ich beim Einkaufen mehr Spass 😆

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