{"id":954,"date":"2020-09-22T01:56:08","date_gmt":"2020-09-21T23:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=954"},"modified":"2020-09-21T11:59:57","modified_gmt":"2020-09-21T09:59:57","slug":"viele-menschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=954","title":{"rendered":"Viele Menschen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Spoiler: Ich schreibe in diesem Artikel in Kategorien von Introvertiert und Extrovertiert. Wen das \u00e4rgert, weil er solche Einteilungen nicht mag, der darf diesen Artikel fr\u00f6hlich \u00fcbersehen. Oder ihn lesen wie man Fisch isst: die Gr\u00e4ten einfach ausspucken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist es morgens beim Aufstehen wieder dunkel drau\u00dfen. Die Sonne schl\u00e4ft noch und selbst die V\u00f6gel sind ruhig geworden. Die Luft ist k\u00fchl und feucht, auch dann, wenn es tags\u00fcber noch sehr warm ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Jesus dankbar f\u00fcr diese Zeit. Es ist wie eine z\u00e4rtliche Erinnerung daran, dass man nicht immer 120 Prozent geben kann.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Gerade stecke ich in der Mitte von zwei Wochen, vor denen ich Angst hatte. Und, wenn ich ehrlich bin, immer noch habe. Wer dem Blog schon eine Zeit lang folgt, der wei\u00df, dass ich auf der stark introvertierten Seite des Lebens geparkt bin. Es macht mir nichts aus tagelang allein zu sein und mit niemandem zu reden. Es st\u00f6rt mich nicht, wenn ich im Urlaub an einen K\u00fcstenabschnitt fahre, der winterlich verwaist ist und au\u00dfer dem kleinen Tante Emma Laden, nichts im Ort mehr ge\u00f6ffnet hat. Im Gegenteil: das sind die Momente, in denen ich zur Ruhe kommen kann. Dieses Jahr spiele ich zum ersten Mal mit dem Gedanken komplett alleine in den Urlaub zu fahren. Nur Jesus und ich und eine kleine H\u00fctte am Wald. (Mit meiner Ehe ist \u00fcbrigens alles okay, keine Sorge.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass ich Menschen nicht mag und nicht gerne unter Menschen bin. Aber es kostet mich viel Energie. Es kostet mich \u00dcberwindung aus mir heraus zu gehen, mich auf Gespr\u00e4che einzulassen, meine Gedanken in Zaum zu halten und mich auf mein Gegen\u00fcber zu konzentrieren. <strong>Konversation ist f\u00fcr mich immer wieder wie ein beherzter Sprung in einen Windkanal: aufregend, belebend und unendlich anstrengend.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daher habe ich gelernt, dass ich nach sozialen Aktivit\u00e4ten Ruhezeiten brauche. Ich brauche Zeit, um das Erlebte und Geh\u00f6rte zu verarbeiten. Idealerweise habe ich nach einem Gespr\u00e4ch das doppelte an Zeit um es zu verarbeiten. Das ist krass viel. Leider.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erholung schlafe ich viel, arbeite am Schreibtisch mit meinem Handy im Flugmodus. Ich gehe allein in den Wald oder starre einfach nur auf die Raufasertapete und verbinde in Gedanken die Punkte. Faszinierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst meine Gebete sind in solchen Momenten nur noch Seufzer oder Schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Woche war von Feiern gepr\u00e4gt: Einschulung, Taufe, Geburtstag. Keine einzige der Feiern wollte ich verpassen, <strong>weil mir die jeweiligen Menschen sehr viel bedeuten.<\/strong> Gott sei Dank spielte das Wetter mit, denn aufgrund von Corona fanden alle Feiern drau\u00dfen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kommt eine Woche mit Konferenz, fremden Menschen, Besuchen bei Freunden und Verwandten, die ich auf dem Weg besuchen m\u00f6chte. Alles Begegnungen, auf die ich mich freue. Und doch habe ich Angst. Es wird wenig bis keine M\u00f6glichkeiten geben mich zur\u00fcck zu ziehen. Kraft zu tanken. Zu sortieren. Ich habe Angst, dass ich den Menschen nicht gerecht werden kann. Dass ich aus \u00dcberforderung heraus ein zerst\u00f6rerisches Verhalten an den Tag lege. Ich habe Angst vor der Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mir zus\u00e4tzlich zu schaffen macht ist, dass nur wenig Menschen es verstehen k\u00f6nnen. Nach au\u00dfen hin wirkt es oft seltsam. \u00dcberspannt. Ich-Bezogen. Was ist an dem abendlichen Gespr\u00e4che bei Wein und Chips bitte anstrengend? Warum sollte ein gemeinsames Fr\u00fchst\u00fcck mit frischen Croissants ein Problem sein? Ich habe keine Antwort auf diese Fragen. Zumindest keine, die verstanden werden k\u00f6nnte. Also schweige ich, l\u00e4chle, und versuche mir nichts anmerken zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oft ringe ich deswegen mit Gott. Ich verstehe nicht, warum er mich so gemacht hat.<\/strong> Warum ich nicht auch voller Freude mit Menschen zusammen sein kann um dann energiegeladen in die n\u00e4chsten sozialen Aktivit\u00e4ten zu starten. Warum ist das anderen verg\u00f6nnt und mir nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dann begegne ich anderen Introvertierten. Meistens haben wir es erst mal schwer miteinander, weil es manchmal gar nicht so leicht ist, den Kontakt aufzunehmen. Dann sp\u00fcre ich die Tiefe dieser Menschen. Diese Stille Kraft und die versteckten Welten voller Wunder. Ich sp\u00fcre das Kribbeln in meinem Nacken, wenn ich in diese fremden Welten eingeladen werde und Menschen mich in ihre Seele schauen lassen. <strong>Dann f\u00e4llt mir wieder auf, wie einmalig und herrlich wir gemacht sind. Jeder von uns, egal wie er oder sie tickt und wie sein Charakter gestrickt ist.<\/strong> Denn ich bin auch nicht nur still und nachdenklich. Ich habe auch meine quirligen und aufgeweckten Phasen. Und selbst meine extrovertiertesten Freundinnen haben diese stille Tiefe in sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind wunderbar. Und ich will lernen aufzuh\u00f6ren mich oder andere zu verurteilen. Und im Gegenzug mehr diese wundervolle Vielfalt feiern. Jeder von uns hat viele St\u00e4rken. Und Schw\u00e4chen. <strong>Wenn wir das eine akzeptieren, warum dann nicht auch das andere umarmen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Ich atme noch einmal tief die k\u00fchle Morgenluft ein. Ich muss und kann nicht 120 Prozent leisten. Oft nicht mal 100 Prozent. <strong>Ich bin nicht perfekt und wahrscheinlich werden mir auch n\u00e4chste Woche einige Fehler und Dummheiten unterlaufen.<\/strong> Ja, ich habe gro\u00dfen Respekt vor den n\u00e4chsten Tagen. Aber ich will darauf vertrauen, dass Jesus mich durchf\u00fchrt und an den anstrengenden Stellen tr\u00e4gt. Ich hoffe auf seinen Segen. <\/p>\n\n\n\n<p>Gerne d\u00fcrft ihr in euren Gebeten mit an mich denken. Das w\u00fcrde mir viel bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eure Tine<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spoiler: Ich schreibe in diesem Artikel in Kategorien von Introvertiert und Extrovertiert. Wen das \u00e4rgert, weil er solche Einteilungen nicht mag, der darf diesen Artikel fr\u00f6hlich \u00fcbersehen. Oder ihn lesen wie man Fisch isst: die Gr\u00e4ten einfach ausspucken. Jetzt ist es morgens beim Aufstehen wieder dunkel drau\u00dfen. Die Sonne schl\u00e4ft noch und selbst die V\u00f6gel sind ruhig geworden. Die Luft ist k\u00fchl und feucht, auch dann, wenn es tags\u00fcber noch sehr warm ist. Ich bin Jesus dankbar f\u00fcr diese Zeit. Es ist wie eine z\u00e4rtliche Erinnerung daran, dass man nicht immer 120 Prozent geben kann. Gerade stecke ich in der Mitte von zwei Wochen, vor denen ich Angst hatte. Und, wenn ich ehrlich bin, immer noch habe. Wer dem Blog schon eine Zeit lang folgt, der wei\u00df, dass ich auf der stark introvertierten Seite des Lebens geparkt bin. Es macht mir nichts aus tagelang allein zu sein und mit niemandem zu reden. Es st\u00f6rt mich nicht, wenn ich im Urlaub an einen K\u00fcstenabschnitt fahre, der winterlich verwaist ist und au\u00dfer dem kleinen Tante Emma Laden, nichts im Ort mehr ge\u00f6ffnet hat. Im Gegenteil: das sind die Momente, in denen ich zur Ruhe kommen kann. Dieses Jahr spiele ich zum ersten Mal mit dem Gedanken komplett alleine in den Urlaub zu fahren. Nur Jesus und ich und eine kleine H\u00fctte am Wald. (Mit meiner Ehe ist \u00fcbrigens alles okay, keine Sorge.) Das hei\u00dft nicht, dass ich Menschen nicht mag und nicht gerne unter Menschen bin. Aber es kostet mich viel Energie. Es kostet mich \u00dcberwindung aus mir heraus zu gehen, mich auf Gespr\u00e4che einzulassen, meine Gedanken in Zaum zu halten und mich auf mein Gegen\u00fcber zu konzentrieren. Konversation ist f\u00fcr mich immer wieder wie ein beherzter Sprung in einen Windkanal: aufregend, belebend und unendlich anstrengend. Daher habe ich gelernt, dass ich nach sozialen Aktivit\u00e4ten Ruhezeiten brauche. Ich brauche Zeit, um das Erlebte und Geh\u00f6rte zu verarbeiten. Idealerweise habe ich nach einem Gespr\u00e4ch das doppelte an Zeit um es zu verarbeiten. Das ist krass viel. Leider. Zur Erholung schlafe ich viel, arbeite am Schreibtisch mit meinem Handy im Flugmodus. Ich gehe allein in den Wald oder starre einfach nur auf die Raufasertapete und verbinde in Gedanken die Punkte. Faszinierend. Selbst meine Gebete sind in solchen Momenten nur noch Seufzer oder Schweigen. Die letzte Woche war von Feiern gepr\u00e4gt: Einschulung, Taufe, Geburtstag. Keine einzige der Feiern wollte ich verpassen, weil mir die jeweiligen Menschen sehr viel bedeuten. Gott sei Dank spielte das Wetter mit, denn aufgrund von Corona fanden alle Feiern drau\u00dfen statt. Jetzt kommt eine Woche mit Konferenz, fremden Menschen, Besuchen bei Freunden und Verwandten, die ich auf dem Weg besuchen m\u00f6chte. Alles Begegnungen, auf die ich mich freue. Und doch habe ich Angst. Es wird wenig bis keine M\u00f6glichkeiten geben mich zur\u00fcck zu ziehen. Kraft zu tanken. Zu sortieren. Ich habe Angst, dass ich den Menschen nicht gerecht werden kann. Dass ich aus \u00dcberforderung heraus ein zerst\u00f6rerisches Verhalten an den Tag lege. Ich habe Angst vor der Ersch\u00f6pfung. Was mir zus\u00e4tzlich zu schaffen macht ist, dass nur wenig Menschen es verstehen k\u00f6nnen. Nach au\u00dfen hin wirkt es oft seltsam. \u00dcberspannt. Ich-Bezogen. Was ist an dem abendlichen Gespr\u00e4che bei Wein und Chips bitte anstrengend? Warum sollte ein gemeinsames Fr\u00fchst\u00fcck mit frischen Croissants ein Problem sein? Ich habe keine Antwort auf diese Fragen. Zumindest keine, die verstanden werden k\u00f6nnte. Also schweige ich, l\u00e4chle, und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Oft ringe ich deswegen mit Gott. Ich verstehe nicht, warum er mich so gemacht hat. Warum ich nicht auch voller Freude mit Menschen zusammen sein kann um dann energiegeladen in die n\u00e4chsten sozialen Aktivit\u00e4ten zu starten. Warum ist das anderen verg\u00f6nnt und mir nicht? Doch dann begegne ich anderen Introvertierten. Meistens haben wir es erst mal schwer miteinander, weil es manchmal gar nicht so leicht ist, den Kontakt aufzunehmen. Dann sp\u00fcre ich die Tiefe dieser Menschen. Diese Stille Kraft und die versteckten Welten voller Wunder. Ich sp\u00fcre das Kribbeln in meinem Nacken, wenn ich in diese fremden Welten eingeladen werde und Menschen mich in ihre Seele schauen lassen. Dann f\u00e4llt mir wieder auf, wie einmalig und herrlich wir gemacht sind. Jeder von uns, egal wie er oder sie tickt und wie sein Charakter gestrickt ist. Denn ich bin auch nicht nur still und nachdenklich. Ich habe auch meine quirligen und aufgeweckten Phasen. Und selbst meine extrovertiertesten Freundinnen haben diese stille Tiefe in sich. Wir sind wunderbar. Und ich will lernen aufzuh\u00f6ren mich oder andere zu verurteilen. Und im Gegenzug mehr diese wundervolle Vielfalt feiern. Jeder von uns hat viele St\u00e4rken. Und Schw\u00e4chen. Wenn wir das eine akzeptieren, warum dann nicht auch das andere umarmen. Ich atme noch einmal tief die k\u00fchle Morgenluft ein. Ich muss und kann nicht 120 Prozent leisten. Oft nicht mal 100 Prozent. Ich bin nicht perfekt und wahrscheinlich werden mir auch n\u00e4chste Woche einige Fehler und Dummheiten unterlaufen. Ja, ich habe gro\u00dfen Respekt vor den n\u00e4chsten Tagen. Aber ich will darauf vertrauen, dass Jesus mich durchf\u00fchrt und an den anstrengenden Stellen tr\u00e4gt. Ich hoffe auf seinen Segen. Gerne d\u00fcrft ihr in euren Gebeten mit an mich denken. Das w\u00fcrde mir viel bedeuten. 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