{"id":916,"date":"2020-08-04T01:44:00","date_gmt":"2020-08-03T23:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=916"},"modified":"2020-08-03T16:44:39","modified_gmt":"2020-08-03T14:44:39","slug":"die-sache-mit-der-selbstverleugnung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=916","title":{"rendered":"Die Sache mit der Selbstverleugnung"},"content":{"rendered":"\n<p>Selbstverleugnung. Ein Wort, \u00fcber das man immer mal wieder im Neuen Testament stolpert. Bei mir l\u00f6st es, je nach Grundstimmung, Resignation, Schuldgef\u00fchle oder Aggression aus. Und in letzter Zeit auch Neugier.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn derjenige, der Selbstverleugnung verlangt ist schlie\u00dflich Jesus. Dieser Jesus, der mir \u00fcber die letzten Jahre mit schier unendlicher Geduld bewiesen hat, dass er mich wirklich liebt &#8211; auch an meinen nicht so sonnigen Tagen. Auch und gerade dann, wenn ich an mir selbst \u00fcberhaupt nichts liebenswertes finde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also dieser Jesus, der in Menschen ganz vernarrt ist, sagt, dass man sich selbst verleugnen soll, dann kann damit nicht das gemeint sein, was mir so oft begegnet. N\u00e4mlich ein <strong>getarnter Selbsthass<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber das nicht gemeint ist, was ist dann gemeint?<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Selbstwertgef\u00fchl war nie wirklich gro\u00df, der Wunsch zu gefallen daf\u00fcr riesig. Daher versuchte ich mein Verhalten an die Erwartungen anderer anzupassen. Wenn es langweilige Aufgaben zu erledigen gab, dann meldete ich mich. Einerseits in der<strong> Hoffnung Lob zu bekommen<\/strong>. Andererseits in der stillen \u00dcberzeugung, dass die Zeit der anderen ohnehin viel zu kostbar war, um sie mit einer langweiligen Aufgabe zu verbringen. Ich dachte dann, das w\u00e4re diese Selbstverleugnung. Heute wei\u00df ich, dass es das nicht war. Denn <strong>es gab \u00fcberhaupt kein Selbst, dass ich h\u00e4tte verleugnen k\u00f6nnen<\/strong>. Es gab nur Fremderwartung.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst nach und nach, als mein Selbstwertgef\u00fchl wuchs (es ist ganz sch\u00f6n schwer, immer wieder von einem Gott gesagt zu bekommen, wie wunderbar er einen findet und kein wachsendes Selbstwertgef\u00fchl zu haben), wuchs auch der <strong>Mut, zu mir selbst zu stehen<\/strong>. Ja zu sagen, wenn ich Ja meinte. Und Nein zu sagen, wenn ich Nein meinte. Und nicht, weil ich glaubte, dass andere es h\u00f6ren wollten. Aufgaben dann zu \u00fcbernehmen, wenn ich Zeit und Lust dazu hatte. <strong>Das Wort &#8218;Nein&#8216;<\/strong>, \u00f6ffnete mir ganz neue T\u00fcren und mit Ende 20 erlebte ich sowas wie meine erste Trotzphase. Sehr zum Leid meiner Mitmenschen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Tine k\u00f6nntest du mal..?&#8220;&#8230;&#8220;NEIN.&#8220; &#8222;Aber du wei\u00dft doch noch gar nicht&#8230;&#8220;&#8230;&#8220;NEIN.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Berauschender Zustand. Jetzt, wo meine kleine Nichte in dieser Phase ist (bemerkenswerter Weise mit 3, nicht mit 30), merke ich, wie irre anstrengend das ist:<strong> herauszufinden wer man ist<\/strong>.\u00a0 Das ist f\u00fcr alle Beteiligten ein Nervenkrieg. Aber es ist notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hat sich mein Verhalten normalisiert. Ich sage Ja, wenn ich Ja meine und k\u00e4mpfe nach wie vor, mir das &#8218;Nein&#8216; zu erhalten. Das klappt nicht immer. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch ich lerne immer mehr <strong>meine eigenen Bed\u00fcrfnisse wahrzunehmen<\/strong> und bewusst zur\u00fcck stellen und mich f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse anderer zu entscheiden. Nicht, weil ich Angst habe, sonst nicht geliebt zu sein. Sondern weil ich <strong>andere wertsch\u00e4tzen<\/strong> will. <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine bewusste Entscheidung und die geht ab und zu auf Kosten meiner Freizeit, meiner Bequemlichkeit und auch meiner Bed\u00fcrfnisse. Ich verwirkliche mich in dieser Zeit nicht selbst, sondern gebe anderen und deren Bed\u00fcrfnissen Raum. <strong>Ohne mich selbst zu hassen<\/strong>. Ohne mich von anderen und deren Bewertungen abh\u00e4ngig zu machen. Einfach nur, weil ich wei\u00df, dass es Jesus zum L\u00e4cheln bringt. Und mich auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstverleugnung. Ein Wort, \u00fcber das man immer mal wieder im Neuen Testament stolpert. Bei mir l\u00f6st es, je nach Grundstimmung, Resignation, Schuldgef\u00fchle oder Aggression aus. Und in letzter Zeit auch Neugier. Denn derjenige, der Selbstverleugnung verlangt ist schlie\u00dflich Jesus. Dieser Jesus, der mir \u00fcber die letzten Jahre mit schier unendlicher Geduld bewiesen hat, dass er mich wirklich liebt &#8211; auch an meinen nicht so sonnigen Tagen. Auch und gerade dann, wenn ich an mir selbst \u00fcberhaupt nichts liebenswertes finde. Wenn also dieser Jesus, der in Menschen ganz vernarrt ist, sagt, dass man sich selbst verleugnen soll, dann kann damit nicht das gemeint sein, was mir so oft begegnet. N\u00e4mlich ein getarnter Selbsthass. Wenn aber das nicht gemeint ist, was ist dann gemeint? Mein Selbstwertgef\u00fchl war nie wirklich gro\u00df, der Wunsch zu gefallen daf\u00fcr riesig. Daher versuchte ich mein Verhalten an die Erwartungen anderer anzupassen. Wenn es langweilige Aufgaben zu erledigen gab, dann meldete ich mich. Einerseits in der Hoffnung Lob zu bekommen. Andererseits in der stillen \u00dcberzeugung, dass die Zeit der anderen ohnehin viel zu kostbar war, um sie mit einer langweiligen Aufgabe zu verbringen. Ich dachte dann, das w\u00e4re diese Selbstverleugnung. Heute wei\u00df ich, dass es das nicht war. Denn es gab \u00fcberhaupt kein Selbst, dass ich h\u00e4tte verleugnen k\u00f6nnen. Es gab nur Fremderwartung. Erst nach und nach, als mein Selbstwertgef\u00fchl wuchs (es ist ganz sch\u00f6n schwer, immer wieder von einem Gott gesagt zu bekommen, wie wunderbar er einen findet und kein wachsendes Selbstwertgef\u00fchl zu haben), wuchs auch der Mut, zu mir selbst zu stehen. Ja zu sagen, wenn ich Ja meinte. Und Nein zu sagen, wenn ich Nein meinte. Und nicht, weil ich glaubte, dass andere es h\u00f6ren wollten. Aufgaben dann zu \u00fcbernehmen, wenn ich Zeit und Lust dazu hatte. Das Wort &#8218;Nein&#8216;, \u00f6ffnete mir ganz neue T\u00fcren und mit Ende 20 erlebte ich sowas wie meine erste Trotzphase. Sehr zum Leid meiner Mitmenschen. &#8222;Tine k\u00f6nntest du mal..?&#8220;&#8230;&#8220;NEIN.&#8220; &#8222;Aber du wei\u00dft doch noch gar nicht&#8230;&#8220;&#8230;&#8220;NEIN.&#8220; Berauschender Zustand. Jetzt, wo meine kleine Nichte in dieser Phase ist (bemerkenswerter Weise mit 3, nicht mit 30), merke ich, wie irre anstrengend das ist: herauszufinden wer man ist.\u00a0 Das ist f\u00fcr alle Beteiligten ein Nervenkrieg. Aber es ist notwendig. Inzwischen hat sich mein Verhalten normalisiert. Ich sage Ja, wenn ich Ja meine und k\u00e4mpfe nach wie vor, mir das &#8218;Nein&#8216; zu erhalten. Das klappt nicht immer. Doch ich lerne immer mehr meine eigenen Bed\u00fcrfnisse wahrzunehmen und bewusst zur\u00fcck stellen und mich f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse anderer zu entscheiden. Nicht, weil ich Angst habe, sonst nicht geliebt zu sein. Sondern weil ich andere wertsch\u00e4tzen will. Das ist eine bewusste Entscheidung und die geht ab und zu auf Kosten meiner Freizeit, meiner Bequemlichkeit und auch meiner Bed\u00fcrfnisse. Ich verwirkliche mich in dieser Zeit nicht selbst, sondern gebe anderen und deren Bed\u00fcrfnissen Raum. Ohne mich selbst zu hassen. Ohne mich von anderen und deren Bewertungen abh\u00e4ngig zu machen. Einfach nur, weil ich wei\u00df, dass es Jesus zum L\u00e4cheln bringt. 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