{"id":906,"date":"2020-07-21T02:56:34","date_gmt":"2020-07-21T00:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=906"},"modified":"2020-07-20T15:57:34","modified_gmt":"2020-07-20T13:57:34","slug":"die-sache-mit-dem-neid","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=906","title":{"rendered":"Die Sache mit dem Neid"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Bekannter aus der Schweiz ist Radfahren und schickt Bilder. Fotos in strahlenden Farben: blauer Himmel und t\u00fcrkises Wasser zwischen gr\u00fcngrauen Bergen. Meine spontane Reaktion: <em>&#8222;Boah, ich bin so neidisch auf dich.&#8220;<\/em> Seine spontane Reaktion: <em>&#8222;Dazu bist du doch gar nicht in der Lage.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Laune steigt. Ich f\u00fchle mich geschmeichelt und sonne mich kurz in diesem Fremdbild meines unneidischen Selbst. Es ist sch\u00f6n mich durch diese Augen zu sehen. Ich sehe dann eine Frau, die in sich ruht. Die sich mit ihren Freunden freut und anderen Menschen ihr Gl\u00fcck und alles was damit zusammenh\u00e4ngt g\u00f6nnt. Eine Frau, mit der man gerne zusammen ist. Ja, so will ich eigentlich auch sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dummerweise sehe ich nicht nur meine nette Fassade, sondern auch die muffeligen Gedanken dahinter. Ob ich Menschen ihr Gl\u00fcck g\u00f6nne, h\u00e4ngt leider nur zu oft von meiner eigenen Stimmung ab. Geht es mir gut, darf&#8217;s auch anderen gut gehen. F\u00fchle ich mich benachteiligt oder -noch schlimmer- <strong>\u00fcbersehen<\/strong>, dann wird&#8217;s ganz schnell eng mit dem freundlichen G\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neid. Das hei\u00dft jemandem etwas nicht g\u00f6nnen, weil man es gerne f\u00fcr sich haben m\u00f6chte. Und wenn man selbst es nicht haben kann, dann soll es der andere gef\u00e4lligst auch nicht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Bibel hei\u00dft es immer wieder, dass Jesus aus Neid an&#8217;s Kreuz genagelt wurde. Weil er Menschen hatte, die ihm glaubten und ihm mit Leidenschaft nachfolgten. Weil er Wunder tun konnte. Weil er sich eine N\u00e4he zu Gott dem Vater herausnahm. Das machte die f\u00fchrenden M\u00e4nner neidisch. Sie wollten das auch. Und wenn sie es nicht haben konnten, dann sollte Jesus es auch nicht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft habe ich anderen Frauen ihre Kinder geneidet. Wenn sie, einfach so, schwanger wurden. Und ich mich von Gott und der Welt \u00fcbergangen und \u00fcbersehen gef\u00fchlt habe. Da war es nicht nur schlimm, dass ich selbst Monat f\u00fcr Monat mit Grauen die beginnenden Regelschmerzen begr\u00fc\u00dfen musste. Es war auch schlimm, mit ansehen zu m\u00fcssen, wie andere dieses Erlebnis nicht teilten.<\/p>\n\n\n\n<p>Verr\u00fcckt, oder? Denn gleichzeitig w\u00fcnsche ich es keiner Frau, dass sie es erleben muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Meinem Freund in der Schweiz g\u00f6nne ich seine Radtouren durch die Berge (mit Akkufahrrad, was ich ihm nicht nur g\u00f6nne, sondern auch aus tiefster Seele nachvollziehen kann). Aber wie ginge es mir, wenn er mir, Woche f\u00fcr Woche, Bilder von der Nordsee schicken w\u00fcrde? Von Ausfl\u00fcgen durch die D\u00fcnen oder Picknick am Strand? W\u00e4re ich immer noch so g\u00f6nnerhaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Neid ist kurzsichtig. Neid m\u00f6chte klein halten; wegnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will so nicht sein. Ich m\u00f6chte g\u00f6nnen, m\u00f6chte mich mitfreuen, mitjubeln. Aus tiefstem Herzen, nicht nur an der Oberfl\u00e4che. Daher bin ich sehr erleichtert, wenn andere Menschen mich nicht als neidisch wahr nehmen. Denn es ist meine Entscheidung, anderen Menschen ihr Gl\u00fcck von Herzen g\u00f6nnen zu wollen und mein eigenes mit beiden H\u00e4nden zu ergreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht weist die Bibel deswegen so oft darauf hin, dass wir Gott Danke sagen sollen. Danke sagen, f\u00fcr das wer er ist und f\u00fcr das was er gibt. Dankbarkeit ist ein Game Changer. Sie verstellt den Fokus im Leben von dem was man vermisst oder zu brauchen glaubt, hin zu dem, was man bereits hat. Und wenn dann immer noch ein gro\u00dfes Loch im Leben bleibt, dann darf ich meinen Gott bitten, dass er es f\u00fcllt. Mit sich selbst oder etwas, das er mir gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit zur Theorie. Und nun hab ich ein Leben lang Zeit es fr\u00f6hlich zu \u00fcben. Die Zeit werde ich auch brauchen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bekannter aus der Schweiz ist Radfahren und schickt Bilder. Fotos in strahlenden Farben: blauer Himmel und t\u00fcrkises Wasser zwischen gr\u00fcngrauen Bergen. Meine spontane Reaktion: &#8222;Boah, ich bin so neidisch auf dich.&#8220; Seine spontane Reaktion: &#8222;Dazu bist du doch gar nicht in der Lage.&#8220; Meine Laune steigt. Ich f\u00fchle mich geschmeichelt und sonne mich kurz in diesem Fremdbild meines unneidischen Selbst. Es ist sch\u00f6n mich durch diese Augen zu sehen. Ich sehe dann eine Frau, die in sich ruht. Die sich mit ihren Freunden freut und anderen Menschen ihr Gl\u00fcck und alles was damit zusammenh\u00e4ngt g\u00f6nnt. Eine Frau, mit der man gerne zusammen ist. Ja, so will ich eigentlich auch sein. Dummerweise sehe ich nicht nur meine nette Fassade, sondern auch die muffeligen Gedanken dahinter. Ob ich Menschen ihr Gl\u00fcck g\u00f6nne, h\u00e4ngt leider nur zu oft von meiner eigenen Stimmung ab. Geht es mir gut, darf&#8217;s auch anderen gut gehen. F\u00fchle ich mich benachteiligt oder -noch schlimmer- \u00fcbersehen, dann wird&#8217;s ganz schnell eng mit dem freundlichen G\u00f6nnen. Neid. Das hei\u00dft jemandem etwas nicht g\u00f6nnen, weil man es gerne f\u00fcr sich haben m\u00f6chte. Und wenn man selbst es nicht haben kann, dann soll es der andere gef\u00e4lligst auch nicht haben. In der Bibel hei\u00dft es immer wieder, dass Jesus aus Neid an&#8217;s Kreuz genagelt wurde. Weil er Menschen hatte, die ihm glaubten und ihm mit Leidenschaft nachfolgten. Weil er Wunder tun konnte. Weil er sich eine N\u00e4he zu Gott dem Vater herausnahm. Das machte die f\u00fchrenden M\u00e4nner neidisch. Sie wollten das auch. Und wenn sie es nicht haben konnten, dann sollte Jesus es auch nicht haben. Oft habe ich anderen Frauen ihre Kinder geneidet. Wenn sie, einfach so, schwanger wurden. Und ich mich von Gott und der Welt \u00fcbergangen und \u00fcbersehen gef\u00fchlt habe. Da war es nicht nur schlimm, dass ich selbst Monat f\u00fcr Monat mit Grauen die beginnenden Regelschmerzen begr\u00fc\u00dfen musste. Es war auch schlimm, mit ansehen zu m\u00fcssen, wie andere dieses Erlebnis nicht teilten. Verr\u00fcckt, oder? Denn gleichzeitig w\u00fcnsche ich es keiner Frau, dass sie es erleben muss. Meinem Freund in der Schweiz g\u00f6nne ich seine Radtouren durch die Berge (mit Akkufahrrad, was ich ihm nicht nur g\u00f6nne, sondern auch aus tiefster Seele nachvollziehen kann). Aber wie ginge es mir, wenn er mir, Woche f\u00fcr Woche, Bilder von der Nordsee schicken w\u00fcrde? Von Ausfl\u00fcgen durch die D\u00fcnen oder Picknick am Strand? W\u00e4re ich immer noch so g\u00f6nnerhaft? Wahrscheinlich nicht. Neid ist kurzsichtig. Neid m\u00f6chte klein halten; wegnehmen. Ich will so nicht sein. Ich m\u00f6chte g\u00f6nnen, m\u00f6chte mich mitfreuen, mitjubeln. Aus tiefstem Herzen, nicht nur an der Oberfl\u00e4che. Daher bin ich sehr erleichtert, wenn andere Menschen mich nicht als neidisch wahr nehmen. Denn es ist meine Entscheidung, anderen Menschen ihr Gl\u00fcck von Herzen g\u00f6nnen zu wollen und mein eigenes mit beiden H\u00e4nden zu ergreifen. Vielleicht weist die Bibel deswegen so oft darauf hin, dass wir Gott Danke sagen sollen. Danke sagen, f\u00fcr das wer er ist und f\u00fcr das was er gibt. Dankbarkeit ist ein Game Changer. Sie verstellt den Fokus im Leben von dem was man vermisst oder zu brauchen glaubt, hin zu dem, was man bereits hat. Und wenn dann immer noch ein gro\u00dfes Loch im Leben bleibt, dann darf ich meinen Gott bitten, dass er es f\u00fcllt. Mit sich selbst oder etwas, das er mir gibt. Soweit zur Theorie. Und nun hab ich ein Leben lang Zeit es fr\u00f6hlich zu \u00fcben. 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