{"id":80,"date":"2019-11-19T06:42:00","date_gmt":"2019-11-19T06:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=80"},"modified":"2020-04-28T10:45:36","modified_gmt":"2020-04-28T10:45:36","slug":"alltag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=80","title":{"rendered":"Alltag"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie oft habe ich bereits \u00fcber den Sabbat geschrieben? Dar\u00fcber, dass wir Menschen nicht dazu gedacht sind, wie Roboter zu funktionieren. Sabbat, das meint keine Arbeitsbesprechungen mit Gott, sondern diese zweckfreie Zeit des Miteinanders. Des Schweigens, des Lachens und des Auftankens. Jesus hat uns das vorgelebt. In den Evangelien lesen wir immer wieder, dass er sich die Zeiten mit seinem Vater nahm. Weil er sie brauchte. Weil wir sie brauchen. Theoretisch wei\u00df ich das. Praktisch vergesse ich oft, lasse mich von falschem Ehrgeiz oder der &#8218;ich-mache-das-nur-noch-schnell-fertig-Illusion&#8216; antreiben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;w\u00e4hrend ich diese Worte tippe ist Montag. Montag der 18.11.2019. Es ist 13.04 Uhr. Ich bin noch immer im Morgenmantel. Mein bisheriges Essen bestand aus einer halben Tafel Schokolade und 5 Tassen Kaffee. Ein ernstes Warnsignal, dass Tine nicht mehr funktioniert. Der Geschirrsp\u00fcler ist fertig, und sollte ausger\u00e4umt werden. Die Waschmaschine nicht, weil ich sie noch nicht eingeschaltet habe. Montag ist mein Putztag, d.h. es ist der Tag mit der maximal zeitlichen Entfernung zum letzten Putzen. So sieht es hier auch aus: der K\u00fcchenboden erz\u00e4hlt die kulinarische Geschichte der letzten Woche. Im Arbeitszimmer dr\u00e4ngt ein Auftrag auf meine Best\u00e4tigung, einige weitere auf Abschluss und mindestens drei Aufgaben leuchten in vorwurfsvollem Rot.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist so \u00fcberhaupt nicht &#8218;der Montag&#8216;, wie ich ihn mir vorstelle. Ich m\u00f6chte Dinge unter Kontrolle haben, m\u00f6chte der Zeit voraus sein, m\u00f6chte energiegeladen, souver\u00e4n und fokussiert in die Woche starten. Und nicht \u00fcberfordert und energietankleer.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Schwester durchbricht meine hilflose Lethargie, indem sie am Telefon mit einer Stimme, die erstaunlich nach der unserer Mutter klingt, sagt:&nbsp;<em>&#8222;Jetzt schreibst du erstmal den Blogartikel. Und k\u00fcmmerst dich um die roten Aufgaben. Danach machst du f\u00fcr heute Schluss.&#8220;<\/em>&nbsp;Ein Teil von mir m\u00f6chte, dass die Stimme weiter sagt:&nbsp;<em>&#8222;Und dann trinken wir in der K\u00fcche Kaffee. Ich hole uns was vom B\u00e4cker.&#8220;<\/em>&nbsp;Und wenn ich dann in die K\u00fcche k\u00e4me, dann w\u00e4re die Eckbank von der Heizung ganz warm. Es w\u00fcrden Kerzen brennen und es w\u00fcrde irgendwie nach Advent riechen, obwohl noch gar nicht Advent ist. Wir w\u00fcrden zusammen sitzen, ich w\u00fcrde von den ganzen Sachen der letzten Tage erz\u00e4hlen. W\u00fcrde mir alles von der Seele reden, was sich da angestaut hat. Meine kleine Nichte w\u00fcrde w\u00e4hrenddessen mit ihrer Knetmasse spielen und dabei ebenfalls ununterbrochen reden. Ganz die Tante.<br>Doch meine Schwester wohnt zu weit weg um mal eben vorbei zu kommen. Und meine K\u00fcche ist nicht nur verw\u00fcstet, sondern auch zu klein, um einer heizungswarmen Eckbank Platz zu bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber kurz hatte ich Kontakt zu dem was ich vermisse: N\u00e4he, Ruhe, verstanden werden. Ein St\u00fcck Heimat in dem Wellenchaos von Eigen- und Fremderwartungen. Und noch k\u00fcrzer hatte ich den Eindruck einer vertrauten Stimme in meinem Herzen:&nbsp;<em>&#8222;Du fehlst mir auch.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h6>Es ist 18.30 Uhr<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Geschirrsp\u00fcler ist ausger\u00e4umt, der Boden bereit f\u00fcr neue Klebrigkeiten und die W\u00e4sche trocknet im Nebenzimmer. Der Blogbeitrag ist fast fertig. Die roten Aufgaben sind erledigt und die restlichen Sachen so \u00fcber die n\u00e4chsten Tage verteilt, dass sie bew\u00e4ltigbar wirken. Der Druck und das Gef\u00fchl der \u00dcberforderung sind abgeklungen. Ich hatte Telefonate mit meinen Lieblingsmenschen und f\u00fchle ich mich innendrin etwas aufger\u00e4umter und weniger wund. Nun ist das Handy im Flugmodus. Ich bin jetzt nicht da. Unerreichbar, so wie Jesus oft, wenn er beten war. Ich sitze hier. Auf meinem Sofa. Inzwischen ist es dunkel drau\u00dfen. Meine Haut riecht nach meinem Lieblingsduschgel und die F\u00fc\u00dfe stecken in dicken Wollsocken. Kerzen brennen. Es ist kein kompletter Sabbat. Aber es ist ein Moment der Ruhe, der N\u00e4he und des Verstanden Werdens.&nbsp;<em>&#8222;Du hast mir auch gefehlt Jesus, verzeih. Irgendwann lerne ich es.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie oft habe ich bereits \u00fcber den Sabbat geschrieben? Dar\u00fcber, dass wir Menschen nicht dazu gedacht sind, wie Roboter zu funktionieren. Sabbat, das meint keine Arbeitsbesprechungen mit Gott, sondern diese zweckfreie Zeit des Miteinanders. Des Schweigens, des Lachens und des Auftankens. Jesus hat uns das vorgelebt. In den Evangelien lesen wir immer wieder, dass er sich die Zeiten mit seinem Vater nahm. Weil er sie brauchte. Weil wir sie brauchen. Theoretisch wei\u00df ich das. Praktisch vergesse ich oft, lasse mich von falschem Ehrgeiz oder der &#8218;ich-mache-das-nur-noch-schnell-fertig-Illusion&#8216; antreiben&#8230; &#8230;w\u00e4hrend ich diese Worte tippe ist Montag. Montag der 18.11.2019. Es ist 13.04 Uhr. Ich bin noch immer im Morgenmantel. Mein bisheriges Essen bestand aus einer halben Tafel Schokolade und 5 Tassen Kaffee. Ein ernstes Warnsignal, dass Tine nicht mehr funktioniert. Der Geschirrsp\u00fcler ist fertig, und sollte ausger\u00e4umt werden. Die Waschmaschine nicht, weil ich sie noch nicht eingeschaltet habe. Montag ist mein Putztag, d.h. es ist der Tag mit der maximal zeitlichen Entfernung zum letzten Putzen. So sieht es hier auch aus: der K\u00fcchenboden erz\u00e4hlt die kulinarische Geschichte der letzten Woche. Im Arbeitszimmer dr\u00e4ngt ein Auftrag auf meine Best\u00e4tigung, einige weitere auf Abschluss und mindestens drei Aufgaben leuchten in vorwurfsvollem Rot. Das ist so \u00fcberhaupt nicht &#8218;der Montag&#8216;, wie ich ihn mir vorstelle. Ich m\u00f6chte Dinge unter Kontrolle haben, m\u00f6chte der Zeit voraus sein, m\u00f6chte energiegeladen, souver\u00e4n und fokussiert in die Woche starten. Und nicht \u00fcberfordert und energietankleer. Meine Schwester durchbricht meine hilflose Lethargie, indem sie am Telefon mit einer Stimme, die erstaunlich nach der unserer Mutter klingt, sagt:&nbsp;&#8222;Jetzt schreibst du erstmal den Blogartikel. Und k\u00fcmmerst dich um die roten Aufgaben. Danach machst du f\u00fcr heute Schluss.&#8220;&nbsp;Ein Teil von mir m\u00f6chte, dass die Stimme weiter sagt:&nbsp;&#8222;Und dann trinken wir in der K\u00fcche Kaffee. Ich hole uns was vom B\u00e4cker.&#8220;&nbsp;Und wenn ich dann in die K\u00fcche k\u00e4me, dann w\u00e4re die Eckbank von der Heizung ganz warm. Es w\u00fcrden Kerzen brennen und es w\u00fcrde irgendwie nach Advent riechen, obwohl noch gar nicht Advent ist. Wir w\u00fcrden zusammen sitzen, ich w\u00fcrde von den ganzen Sachen der letzten Tage erz\u00e4hlen. W\u00fcrde mir alles von der Seele reden, was sich da angestaut hat. Meine kleine Nichte w\u00fcrde w\u00e4hrenddessen mit ihrer Knetmasse spielen und dabei ebenfalls ununterbrochen reden. Ganz die Tante.Doch meine Schwester wohnt zu weit weg um mal eben vorbei zu kommen. Und meine K\u00fcche ist nicht nur verw\u00fcstet, sondern auch zu klein, um einer heizungswarmen Eckbank Platz zu bieten. Aber kurz hatte ich Kontakt zu dem was ich vermisse: N\u00e4he, Ruhe, verstanden werden. Ein St\u00fcck Heimat in dem Wellenchaos von Eigen- und Fremderwartungen. Und noch k\u00fcrzer hatte ich den Eindruck einer vertrauten Stimme in meinem Herzen:&nbsp;&#8222;Du fehlst mir auch.&#8220; Es ist 18.30 Uhr Der Geschirrsp\u00fcler ist ausger\u00e4umt, der Boden bereit f\u00fcr neue Klebrigkeiten und die W\u00e4sche trocknet im Nebenzimmer. Der Blogbeitrag ist fast fertig. 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