{"id":78,"date":"2019-11-26T06:37:00","date_gmt":"2019-11-26T06:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=78"},"modified":"2020-02-21T20:12:47","modified_gmt":"2020-02-21T20:12:47","slug":"landeanflug","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=78","title":{"rendered":"Landeanflug"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit, dreht das Leben so richtig auf. Meine Freundinnen flippen wie PingPongB\u00e4lle zwischen Martinsm\u00e4rkten, Laternenl\u00e4ufen und Adventsbasarvorbereitungen hin und her. Und w\u00e4hrend wir am Telefon noch fachsimpeln, ob unisolierte Kabel an elektrischen Kinderlaternenst\u00e4ben ein Gesundheitsrisiko darstellen oder normal sind, ist die Zeit auch schon wieder rum.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei mir winken Gemeindeversammlung und&#8230;ja&#8230;nichts weiter. Verbl\u00fcfft habe ich feststellen m\u00fcssen, dass sich dieses Arbeitsjahr f\u00fcr mich langsam dem Ende entgegen neigt. Ich befinde mich im Landeanflug. In wenigen Wochen werden mein Mann und ich ans Meer fahren. Ein paar Tage Wellen, Salzluft und Stille. Lichter beobachten und zur Ruhe kommen. Letztes Jahr haben wir das zum ersten Mal gemacht und es f\u00fchlte sich f\u00fcr mich wie der Ausbruch aus einem viel zu engen Korsett an. Dieses Jahr d\u00fcrfen wir wieder fahren. Mit dem Zug diesmal, ich bin gespannt. Habe ne gro\u00dfz\u00fcgige Portion Humor schon mal auf die Packliste gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist noch Zeit f\u00fcr ein paar liegengebliebene Studienarbeiten und sonstige Opfer meiner Aufschieberitis. Zeit den Schreibtisch zu putzen. Zeit, sich einen Tee zu kochen. 5 T\u00fcrchen noch im Bis-zum-Advent-Kalender. Das erste Mal seit&#8230;lang (oder immer?) nehme ich mir die Zeit, um durch die Wohnung zu gehen und zu \u00fcberlegen, ob ich gerne dekorieren m\u00f6chte. Und dann mache ich mir Weihnachtsmusik an und lege los. Obwohl noch gar nicht Advent ist. Ich bin ein Rebell. Ein Weihnachtsrebell.<\/p>\n\n\n\n<p>Und w\u00e4hrend ich vor mich hinmale und klebe und dekoriere, f\u00e4llt mir auf, f\u00fcr was ich alles dankbar bin. Es gab so viel, allein in den letzten zwei Wochen, was mich so tief ber\u00fchrt und gefreut hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, die mir mit kleinen und gro\u00dfen Gesten zu verstehen geben, dass sie mich m\u00f6gen. Dass ich ihnen wichtig bin.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Sprachnachrichten einer Freundin, die t\u00e4glich bei mir eintrudeln und mich an ihrem Familienleben teilhaben lassen.<\/li><li>Ein selbst gebundener Adventskranz von einer ganz lieben Freundin, die zwischen Chemo, OP und Kinderzimmer eigentlich ganz andere Sorgen h\u00e4tte.<\/li><li>Der Gatte, der uns ein Zelt unter dem Esstisch baut, nur damit seine Frau sich freut und wir unserer kleinen Nichte davon ein Foto schicken k\u00f6nnen.<\/li><li>Ein unerwarteter Brief von der liebsten Frau aus der Schweiz.<\/li><li>Die kurzen &#8218;go for it girl-Gr\u00fc\u00dfe&#8216; meines Wingman, wann immer ich laufen gehe.<\/li><li>Die regelm\u00e4\u00dfigen und lieben Mails einer Leserin, die ich inzwischen kennen lernen durfte. Was f\u00fcr eine fantastische Frau.<\/li><li>Die spontanen &#8218;Komm an unser Kaminfeuer-&#8218; und &#8218;magst du Zimtschnecken?-Einladungen&#8216; unserer perfekten Fast-Nachbarn.<\/li><li>Und so vieles mehr.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Es ist wirklich so&#8230;wenn man erstmal anf\u00e4ngt auf des Sch\u00f6ne und Wertvolle zu sehen, nimmt es pl\u00f6tzlich zu. Der Blick verstellt sich und die Momente beginnen zu leuchten. Wie viele Leuchtmomente habe ich in den letzten Jahren wohl wegen meiner Hektik verpasst? Aber das ist nun egal, ich kann es nicht mehr \u00e4ndern. Aber ich kann jetzt hinsehen. Und ich kann weitergeben. Es sind oft nur so kleine Gesten notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit, dreht das Leben so richtig auf. Meine Freundinnen flippen wie PingPongB\u00e4lle zwischen Martinsm\u00e4rkten, Laternenl\u00e4ufen und Adventsbasarvorbereitungen hin und her. 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Zeit den Schreibtisch zu putzen. Zeit, sich einen Tee zu kochen. 5 T\u00fcrchen noch im Bis-zum-Advent-Kalender. Das erste Mal seit&#8230;lang (oder immer?) nehme ich mir die Zeit, um durch die Wohnung zu gehen und zu \u00fcberlegen, ob ich gerne dekorieren m\u00f6chte. Und dann mache ich mir Weihnachtsmusik an und lege los. Obwohl noch gar nicht Advent ist. Ich bin ein Rebell. Ein Weihnachtsrebell. Und w\u00e4hrend ich vor mich hinmale und klebe und dekoriere, f\u00e4llt mir auf, f\u00fcr was ich alles dankbar bin. Es gab so viel, allein in den letzten zwei Wochen, was mich so tief ber\u00fchrt und gefreut hat. Menschen, die mir mit kleinen und gro\u00dfen Gesten zu verstehen geben, dass sie mich m\u00f6gen. Dass ich ihnen wichtig bin. Die Sprachnachrichten einer Freundin, die t\u00e4glich bei mir eintrudeln und mich an ihrem Familienleben teilhaben lassen. Ein selbst gebundener Adventskranz von einer ganz lieben Freundin, die zwischen Chemo, OP und Kinderzimmer eigentlich ganz andere Sorgen h\u00e4tte. Der Gatte, der uns ein Zelt unter dem Esstisch baut, nur damit seine Frau sich freut und wir unserer kleinen Nichte davon ein Foto schicken k\u00f6nnen. Ein unerwarteter Brief von der liebsten Frau aus der Schweiz. Die kurzen &#8218;go for it girl-Gr\u00fc\u00dfe&#8216; meines Wingman, wann immer ich laufen gehe. Die regelm\u00e4\u00dfigen und lieben Mails einer Leserin, die ich inzwischen kennen lernen durfte. Was f\u00fcr eine fantastische Frau. Die spontanen &#8218;Komm an unser Kaminfeuer-&#8218; und &#8218;magst du Zimtschnecken?-Einladungen&#8216; unserer perfekten Fast-Nachbarn. Und so vieles mehr. Es ist wirklich so&#8230;wenn man erstmal anf\u00e4ngt auf des Sch\u00f6ne und Wertvolle zu sehen, nimmt es pl\u00f6tzlich zu. Der Blick verstellt sich und die Momente beginnen zu leuchten. 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