{"id":76,"date":"2019-12-02T06:30:00","date_gmt":"2019-12-02T06:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=76"},"modified":"2020-02-21T20:12:06","modified_gmt":"2020-02-21T20:12:06","slug":"zeit-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=76","title":{"rendered":"Zeit nehmen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Es hat gefroren heute Nacht. Jetzt scheint die Sonne, aber es ist bitterkalt. Frisch. Die Hausd\u00e4cher funkeln unter mir und die K\u00e4lte der Fliesen meines Balkons krabbelt durch meine dicken Socken. Ich sp\u00fcre, dass mein Gesicht rot ist, vor allem die Nase. In der Luft h\u00e4ngt der vage Geruch von Schornsteinrauch. Ich mag das, es erinnert mich an meine Kindheit.<br>Ich f\u00fchle mich lebendig heute Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeindeversammlung liegt hinter mir. Der letzte gro\u00dfe Termin. Es steht bis Neujahr nichts mehr an. Schweren Herzens und dann doch erleichtert, habe ich mich in diesem Jahr gegen einen Adventskalender auf diesem Blog entschieden. Doch nach einem betriebsamen Sommer sehne ich mich in diesem Dezember nach Ruhe. Nach einer Pause um in mich zu gehen und dort ein wenig aufzur\u00e4umen. Gedanken zu sortieren, mich vielleicht von manchen zu trennen und wiederum andere in ein Regal mit den sch\u00f6nen Erinnerungen zu legen. Ich bin dankbar, dass ich mir dieses Jahr daf\u00fcr Zeit nehmen kann. Einfach ganz frech: Zeit genommen. Der getriebene Teil in mir ist emp\u00f6rt. Aber ich habe das Gef\u00fchl, dass Gott l\u00e4chelt. Und ich l\u00e4chle auch. Zeit genommen. Und unwillig sein, sie wieder her zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch meine Estherreihe liegt gerade brach. Es begann damit, dass ich eine kleine Auslegung zu Nehemia schreiben durfte. Nehemia lebte am gleichen Ort wie Esther, nur ein wenig sp\u00e4ter. In Gedanken durch die gleiche Burg Susa zu laufen, doch dort v\u00f6llig unterschiedlichen Personen zu begegnen, hat mich ziemlich verspult. Daher muss Esther warten. Das wurmt mich. Etwas anzufangen und dann erstmal liegen zu lassen&#8230;f\u00fcr so etwas sch\u00e4me ich mich. Dinge nicht fertig bekommen. Was sollen denn die Leute denken? Aber vielleicht denken die Leute ja gar nichts. Vielleicht haben Menschen ganz andere Dinge im Kopf, als sich um meine Sachen zu sorgen. Und vielleicht sollte ich mich weniger um die Gedanken anderer Menschen sorgen. Immerhin hab ich eigene Gedanken, da muss ich nicht in fremden K\u00f6pfen ruminterpretieren. Mein Leben w\u00e4re \u00fcberhaupt entspannter, wenn ich, anstatt zu interpretieren, mehr fragen und mehr zuh\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird mir zu kalt auf dem Balkon. Ein letztes Mal atme ich die frische Luft ein, sp\u00fcre wie es in den Lungen kribbelt. Es riecht nach Ver\u00e4nderung. So wie die Jahreszeiten wechseln, habe ich das Gef\u00fchl, dass sich auch bei mir etwas \u00e4ndert. In mir. Um mich herum. So wie man im M\u00e4rz merkt, dass der Fr\u00fchling kommt, selbst wenn noch einige Wochen Winter vor einem liegen. Der Umbruch ist dennoch sp\u00fcrbar. So geht es mir gerade.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch vor der Ver\u00e4nderung liegt die Pause. Das Kraft sammeln und zur Ruhe kommen. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Ich nehme mir die Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat gefroren heute Nacht. Jetzt scheint die Sonne, aber es ist bitterkalt. Frisch. Die Hausd\u00e4cher funkeln unter mir und die K\u00e4lte der Fliesen meines Balkons krabbelt durch meine dicken Socken. Ich sp\u00fcre, dass mein Gesicht rot ist, vor allem die Nase. In der Luft h\u00e4ngt der vage Geruch von Schornsteinrauch. Ich mag das, es erinnert mich an meine Kindheit.Ich f\u00fchle mich lebendig heute Morgen. Die Gemeindeversammlung liegt hinter mir. Der letzte gro\u00dfe Termin. Es steht bis Neujahr nichts mehr an. Schweren Herzens und dann doch erleichtert, habe ich mich in diesem Jahr gegen einen Adventskalender auf diesem Blog entschieden. Doch nach einem betriebsamen Sommer sehne ich mich in diesem Dezember nach Ruhe. Nach einer Pause um in mich zu gehen und dort ein wenig aufzur\u00e4umen. Gedanken zu sortieren, mich vielleicht von manchen zu trennen und wiederum andere in ein Regal mit den sch\u00f6nen Erinnerungen zu legen. Ich bin dankbar, dass ich mir dieses Jahr daf\u00fcr Zeit nehmen kann. Einfach ganz frech: Zeit genommen. Der getriebene Teil in mir ist emp\u00f6rt. Aber ich habe das Gef\u00fchl, dass Gott l\u00e4chelt. Und ich l\u00e4chle auch. Zeit genommen. Und unwillig sein, sie wieder her zu geben. Auch meine Estherreihe liegt gerade brach. Es begann damit, dass ich eine kleine Auslegung zu Nehemia schreiben durfte. Nehemia lebte am gleichen Ort wie Esther, nur ein wenig sp\u00e4ter. In Gedanken durch die gleiche Burg Susa zu laufen, doch dort v\u00f6llig unterschiedlichen Personen zu begegnen, hat mich ziemlich verspult. Daher muss Esther warten. Das wurmt mich. Etwas anzufangen und dann erstmal liegen zu lassen&#8230;f\u00fcr so etwas sch\u00e4me ich mich. Dinge nicht fertig bekommen. Was sollen denn die Leute denken? Aber vielleicht denken die Leute ja gar nichts. Vielleicht haben Menschen ganz andere Dinge im Kopf, als sich um meine Sachen zu sorgen. Und vielleicht sollte ich mich weniger um die Gedanken anderer Menschen sorgen. Immerhin hab ich eigene Gedanken, da muss ich nicht in fremden K\u00f6pfen ruminterpretieren. Mein Leben w\u00e4re \u00fcberhaupt entspannter, wenn ich, anstatt zu interpretieren, mehr fragen und mehr zuh\u00f6ren w\u00fcrde. Es wird mir zu kalt auf dem Balkon. Ein letztes Mal atme ich die frische Luft ein, sp\u00fcre wie es in den Lungen kribbelt. Es riecht nach Ver\u00e4nderung. So wie die Jahreszeiten wechseln, habe ich das Gef\u00fchl, dass sich auch bei mir etwas \u00e4ndert. In mir. Um mich herum. So wie man im M\u00e4rz merkt, dass der Fr\u00fchling kommt, selbst wenn noch einige Wochen Winter vor einem liegen. Der Umbruch ist dennoch sp\u00fcrbar. So geht es mir gerade. Doch vor der Ver\u00e4nderung liegt die Pause. Das Kraft sammeln und zur Ruhe kommen. Ganz ohne schlechtes Gewissen. 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