{"id":447,"date":"2017-11-21T11:15:11","date_gmt":"2017-11-21T11:15:11","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=447"},"modified":"2020-02-20T23:16:59","modified_gmt":"2020-02-20T23:16:59","slug":"jesus-macht-das-schon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=447","title":{"rendered":"Jesus macht das schon"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\"> Es ist Sonntag morgens, 6.00 Uhr. Ich sitze mit Bibel und Kaffee bewaffnet auf meinem Sessel und versuche mich selbst davon zu \u00fcberzeugen, wie unglaublich entspannt ich bin. Im Predigerseminar hat man uns schlie\u00dflich auf so eine Situation vorbereitet: wenn man mit predigen dran ist, aber keine Predigt hat. Weil trotz aller Anstrengung kein ausreichendes Zeitfenster da war, in dem man sie h\u00e4tte schreiben k\u00f6nnen. Gott sieht das und hilft einem dann, hie\u00df es. Man solle die verbleibende Zeit ins Gebet investieren und anschlie\u00dfend das Wenige weitergeben, das man hat. Gott mache dann den Rest. Hm\u2026okay\u2026also eigentlich alles wie immer.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegeben, damals, aus der Sicherheit des Seminars heraus gedacht, f\u00fchlte sich dieses Szenario sogar recht attraktiv an. Denn es schwang eine Mischung aus Nervenkitzel und Vertrauen mit. Abenteuer. Jesus \u00fcbernimmt f\u00fcr einen die Predigt. Wie cool.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nun, nur wenige Stunden bevor diese Situation Realit\u00e4t werden wird, f\u00fchlt es sich nicht mehr so attraktiv an und auch nicht mehr gut. Abenteuer? Ja, und wie. Ich glaub ich mag keine Abenteuer.&nbsp;<strong>Im gleichen Moment verlassen mich dann auch schon die Nerven.<\/strong>&nbsp;Die Gebete sind bruchst\u00fcckhaft und bestehen eigentlich nur noch aus &#8222;Jesus&#8230;.Jesus&#8230;.Jesus&#8220;. (Das ist ein bisschen die fromme Version von &#8222;Oh Gott, oh Gott, oh Gott.&#8220;)<\/p>\n\n\n\n<p>Verzweifelt starre ich auf meine Bibel.&nbsp;<em>&#8222;Jesus, nun sag doch was.&#8220;<\/em>&nbsp;Aber aktuell w\u00fcrde&nbsp;<em>sagen<\/em>&nbsp;nichts mehr bringen. Er m\u00fcsste schon&nbsp;<em>schreien<\/em>, um gegen den Sturm meiner Gedanken anzukommen. Ich entwickle hektisch ein grobes Predigtkonzept, angelehnt an eine Auslegung, die ich vor kurzem geschrieben habe. So. Beten und jetzt macht Jesus den Rest.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch es will nicht so recht klappen.<\/strong>&nbsp;Immer wieder versuche ich den Faden zu finden, versuche es durchzusprechen. Und immer wieder verliere ich mich in Details und Randthemen. Buchst\u00e4blich stundenlang.<\/p>\n\n\n\n<p>Es klappt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inzwischen ist es kurz nach zw\u00f6lf Uhr.<\/strong>&nbsp;Eine Freundin hat angerufen und f\u00fcr mich gebetet. Sie wird die Gottesdienstleitung machen und freut sich schon sehr. Sie hat mich beruhigt und gleichzeitig f\u00fchle ich mich schuldig, weil ich immer noch nichts vorzuweisen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann f\u00e4llt mir ein Spruch von Augustinus ein.<strong><em>&#8222;In dir muss brennen, was du in anderen entz\u00fcnden willst.&#8220;<\/em><\/strong>&nbsp;Ich horche in mich hinein und suche nach etwas, das brennt. Au\u00dfer meinem Magen. Und schlie\u00dflich finde ich es:&nbsp;<strong>Die private Zeit mit Jesus.<\/strong>&nbsp;Das Anlehnen an ihn, das Atmen und sein d\u00fcrfen. Und dann mit Jesus zusammen in die Bibel zu gehen, einen Vers heraus zu suchen und diesen durchzugehen. Fragen zu stellen, Antworten aufzuschreiben. So lange zu graben und zu buddeln, bis man auf einen Schatz st\u00f6\u00dft. Das liebe ich. Es gibt eine Methode, die mir dabei besonders hilft:&nbsp;<strong>Bibelmeditation.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Darf ich diese Leidenschaft des Buddelns und Grabens teilen? Nicht als Predigt, sondern als Workshop. Die Menschen, die ich liebe mit hinein nehmen in das, was mich so fasziniert.&nbsp;<strong>Ich bin unsicher, denn ich wei\u00df, dass meine Faszination f\u00fcr die Bibel l\u00e4ngst nicht von jedem geteilt wird<\/strong>; dass einige es sogar als Druck empfinden. Und diesen Druck will ich auf keinen Fall verst\u00e4rken. Ich will locken, nicht dr\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Zweifel bleibt keine Zeit mehr. Ich schaffe es gerade noch unter die Dusche zu springen, die Sachen f\u00fcr den kurz entschlossenen Workshop zusammen zu suchen und alles zum Auto zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gottesdienst wird f\u00fcr mich eine Achterbahnfahrt. Die Freude meine Lieblingsmenschen zu sehen, der vergebliche Versuch bei der Musik des Lobpreises anzubeten, schlie\u00dflich der Workshop. Mein Herz h\u00e4mmert und das Blut rauscht so laut in meinen Ohren, dass ich mich selbst kaum verstehe.&nbsp;<strong>Ich schalte auf Autopilot und hoffe, dass Jesus \u00fcbernimmt.<\/strong>&nbsp;Dann ist es auch schon vorbei. Umarmungen, Verabschiedungen, Jacke an, raus. Ersch\u00f6pft, verwirrt und irgendwie desillusioniert sitze ich in meinem Auto.&nbsp;<strong>War das jetzt gut oder war es eine Katastrophe?<\/strong>&nbsp;Haben die Leute etwas f\u00fcr sich mitnehmen k\u00f6nnen? War Jesus dabei?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich eiere nach Hause, falle dort auf die Couch und sp\u00fcre wie die&nbsp;<strong>Post-Predigt-Depression<\/strong>&nbsp;nach mir greift. Ich f\u00fchle mich leer und habe nur die stille Hoffnung an diesem Nachmittag nicht mehr kaputt gemacht, als aufgebaut zu haben. M\u00fcde packe alle meine destruktiven Gef\u00fchle und Gedanken zu einem Paket und gebe es in einem kurzen Gebet an Gott zur\u00fcck. Er hat mich auf diese Position gesetzt. Ich habe mein Bestes gegeben. Das war nur heute nicht so wirklich viel.&nbsp;<em>&#8222;Mach was draus Jesus. Ich kann nicht mehr.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heute, nur einen Tag sp\u00e4ter, wei\u00df ich,&nbsp;<strong>dass Jesus tats\u00e4chlich etwas draus gemacht hat.<\/strong>&nbsp;Er hat die Zeit genutzt und hat zu Menschen gesprochen, ist ihnen in der Bibelmeditation begegnet. Einzelne Nachrichten erreichen mich, von Menschen, die von Jesus ber\u00fchrt wurden, die Strahlen. Dieses Strahlen steckt mich an und St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kann ich die schlechten Gef\u00fchle absch\u00fctteln.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Danke Jesus, dass du mich auch gebrauchen kannst, wenn ich so gar nicht funktionieren will. Danke, dass du Menschen begegnest und uns diese speziellen Zeiten mit dir schenkst. Es gibt nichts sch\u00f6neres als zu sehen, wie du wirkst.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Sonntag morgens, 6.00 Uhr. Ich sitze mit Bibel und Kaffee bewaffnet auf meinem Sessel und versuche mich selbst davon zu \u00fcberzeugen, wie unglaublich entspannt ich bin. Im Predigerseminar hat man uns schlie\u00dflich auf so eine Situation vorbereitet: wenn man mit predigen dran ist, aber keine Predigt hat. Weil trotz aller Anstrengung kein ausreichendes Zeitfenster da war, in dem man sie h\u00e4tte schreiben k\u00f6nnen. Gott sieht das und hilft einem dann, hie\u00df es. Man solle die verbleibende Zeit ins Gebet investieren und anschlie\u00dfend das Wenige weitergeben, das man hat. Gott mache dann den Rest. Hm\u2026okay\u2026also eigentlich alles wie immer. Zugegeben, damals, aus der Sicherheit des Seminars heraus gedacht, f\u00fchlte sich dieses Szenario sogar recht attraktiv an. Denn es schwang eine Mischung aus Nervenkitzel und Vertrauen mit. Abenteuer. Jesus \u00fcbernimmt f\u00fcr einen die Predigt. Wie cool. Doch nun, nur wenige Stunden bevor diese Situation Realit\u00e4t werden wird, f\u00fchlt es sich nicht mehr so attraktiv an und auch nicht mehr gut. Abenteuer? Ja, und wie. Ich glaub ich mag keine Abenteuer.&nbsp;Im gleichen Moment verlassen mich dann auch schon die Nerven.&nbsp;Die Gebete sind bruchst\u00fcckhaft und bestehen eigentlich nur noch aus &#8222;Jesus&#8230;.Jesus&#8230;.Jesus&#8220;. (Das ist ein bisschen die fromme Version von &#8222;Oh Gott, oh Gott, oh Gott.&#8220;) Verzweifelt starre ich auf meine Bibel.&nbsp;&#8222;Jesus, nun sag doch was.&#8220;&nbsp;Aber aktuell w\u00fcrde&nbsp;sagen&nbsp;nichts mehr bringen. Er m\u00fcsste schon&nbsp;schreien, um gegen den Sturm meiner Gedanken anzukommen. Ich entwickle hektisch ein grobes Predigtkonzept, angelehnt an eine Auslegung, die ich vor kurzem geschrieben habe. So. Beten und jetzt macht Jesus den Rest. Doch es will nicht so recht klappen.&nbsp;Immer wieder versuche ich den Faden zu finden, versuche es durchzusprechen. Und immer wieder verliere ich mich in Details und Randthemen. Buchst\u00e4blich stundenlang. Es klappt nicht. Inzwischen ist es kurz nach zw\u00f6lf Uhr.&nbsp;Eine Freundin hat angerufen und f\u00fcr mich gebetet. Sie wird die Gottesdienstleitung machen und freut sich schon sehr. Sie hat mich beruhigt und gleichzeitig f\u00fchle ich mich schuldig, weil ich immer noch nichts vorzuweisen habe. Dann f\u00e4llt mir ein Spruch von Augustinus ein.&#8222;In dir muss brennen, was du in anderen entz\u00fcnden willst.&#8220;&nbsp;Ich horche in mich hinein und suche nach etwas, das brennt. Au\u00dfer meinem Magen. Und schlie\u00dflich finde ich es:&nbsp;Die private Zeit mit Jesus.&nbsp;Das Anlehnen an ihn, das Atmen und sein d\u00fcrfen. Und dann mit Jesus zusammen in die Bibel zu gehen, einen Vers heraus zu suchen und diesen durchzugehen. Fragen zu stellen, Antworten aufzuschreiben. So lange zu graben und zu buddeln, bis man auf einen Schatz st\u00f6\u00dft. Das liebe ich. Es gibt eine Methode, die mir dabei besonders hilft:&nbsp;Bibelmeditation. Darf ich diese Leidenschaft des Buddelns und Grabens teilen? Nicht als Predigt, sondern als Workshop. Die Menschen, die ich liebe mit hinein nehmen in das, was mich so fasziniert.&nbsp;Ich bin unsicher, denn ich wei\u00df, dass meine Faszination f\u00fcr die Bibel l\u00e4ngst nicht von jedem geteilt wird; dass einige es sogar als Druck empfinden. Und diesen Druck will ich auf keinen Fall verst\u00e4rken. Ich will locken, nicht dr\u00e4ngen. F\u00fcr Zweifel bleibt keine Zeit mehr. Ich schaffe es gerade noch unter die Dusche zu springen, die Sachen f\u00fcr den kurz entschlossenen Workshop zusammen zu suchen und alles zum Auto zu tragen. Der Gottesdienst wird f\u00fcr mich eine Achterbahnfahrt. Die Freude meine Lieblingsmenschen zu sehen, der vergebliche Versuch bei der Musik des Lobpreises anzubeten, schlie\u00dflich der Workshop. Mein Herz h\u00e4mmert und das Blut rauscht so laut in meinen Ohren, dass ich mich selbst kaum verstehe.&nbsp;Ich schalte auf Autopilot und hoffe, dass Jesus \u00fcbernimmt.&nbsp;Dann ist es auch schon vorbei. Umarmungen, Verabschiedungen, Jacke an, raus. Ersch\u00f6pft, verwirrt und irgendwie desillusioniert sitze ich in meinem Auto.&nbsp;War das jetzt gut oder war es eine Katastrophe?&nbsp;Haben die Leute etwas f\u00fcr sich mitnehmen k\u00f6nnen? War Jesus dabei? Ich eiere nach Hause, falle dort auf die Couch und sp\u00fcre wie die&nbsp;Post-Predigt-Depression&nbsp;nach mir greift. Ich f\u00fchle mich leer und habe nur die stille Hoffnung an diesem Nachmittag nicht mehr kaputt gemacht, als aufgebaut zu haben. M\u00fcde packe alle meine destruktiven Gef\u00fchle und Gedanken zu einem Paket und gebe es in einem kurzen Gebet an Gott zur\u00fcck. Er hat mich auf diese Position gesetzt. Ich habe mein Bestes gegeben. 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