{"id":436,"date":"2017-11-14T06:06:58","date_gmt":"2017-11-14T06:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=436"},"modified":"2020-02-20T23:09:24","modified_gmt":"2020-02-20T23:09:24","slug":"evangelisationspanik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=436","title":{"rendered":"Evangelisationspanik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Meine Bibelschule hat wieder angefangen. Nach einer l\u00e4ngeren Pause freue ich mich nun wie ein Keks, wieder starten zu k\u00f6nnen. Also fuhr ich vor einigen Wochen gut gelaunt zum Studiengespr\u00e4ch mit meiner Mentorin, um das kommende Semester zu planen. Sie strahlt mich an, geht meine Kurse durch und stockt dann.\u00a0<em>&#8222;Dir fehlt ja noch ein Tag bei Evangelisation. Das trifft sich gut, der Kurs l\u00e4uft wieder, du kannst an dem letzten Kurstag teilnehmen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet Evangelisation. 5 Freitage, in denen wir verschiedene Methoden durchgehen, wie man seinen Glauben teilen kann. Wie man Worte findet um das auszudr\u00fccken, was man im eigenen Leben am meisten liebt. Vier Freitage Theorie: kein Problem. Ein Freitag Praxis: gro\u00dfes Problem. Mein Praxistag steht noch aus. Aus gutem Grund, ich hab n\u00e4mlich Angst davor.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es nicht mein prim\u00e4res Problem Worte zu finden. Zumindest dann nicht, wenn ich diese Worte schreiben darf. Meinetwegen spreche ich sie auch. Von vorne. Wo Menschen gezielt hinkommen um sie zu h\u00f6ren. Das ist okay. Was mich allerdings in Panik versetzt sind Situationen, wo ich fremde Menschen direkt ansprechen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Aller Geschlechterklischees zum Trotz, bin in meiner Ehe definitiv ich diejenige, die lieber eine halbe Stunde orientierungslos im Kreis f\u00e4hrt, anstatt einmal anzuhalten und nach dem Weg zu fragen. Man kann sich also vorstellen, welche Mengen an Angstschwei\u00df bei mir ausbrechen, wenn ich Passanten nicht nur nach dem Weg fragen, sondern ihnen &#8218;den Weg&#8216; erkl\u00e4ren soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem entsprechend steigerte sich meine Panik vor einem Jahr immer weiter, bis sie an besagtem Praxistag in einem Absacken des Kreislaufs und einem Kopf in der Klosch\u00fcssel m\u00fcndete. Mein Mann meldete mich krank und ich sch\u00e4mte mich ein paar Tage halb zu Tode.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun geht es also in die zweite Runde (und das wo ich so sehr gehofft hatte, man h\u00e4tte einfach vergessen, dass ich nicht teilgenommen habe).<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Freitag Morgen und mir ist erneut schlecht. Aber nicht so schlimm wie vor einem Jahr. Ich bin schwei\u00dfgebadet aufgewacht und liege nun mit geschlossenen Augen im Bett, bete still um Mut. Gleichzeitig bin ich genervt von mir selbst. Schluss jetzt mit diesem Gezicke. Was soll schon passieren. Schlimmstenfalls sagen die Leute &#8222;Nein danke&#8220; und gehen weiter. Genervter als von anderen Menschen, die einen Tag t\u00e4glich in der Stadt ansprechen, sind sie davon auch nicht. Ich schaue aus dem Fenster. Drau\u00dfen regnet es britisch, d.h. Hunde und Katzen. Ich blinzle. Meine Laune steigt. Es regnet nicht einfach nur. Das ist die Sintflut 2.0. Bei so einem Wetter werden wir definitiv nicht auf die Stra\u00dfe gehen. Und selbst wenn, werden wir dort alleine sein. Ich ertappe mich dabei, wie ich die ganze Autofahrt \u00fcber lautstark zu meiner Lieblings-CD gegen die Scheibenwischer ansinge. Noah war ein Archetyp.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter stehe ich im Vorlesungsraum vor Aufstellern von &#8218;My Story&#8216; einer Internetplattform f\u00fcr christliche Zeugnisse und sehe in die nerv\u00f6sen Gesichter meiner Kommilitonen. Mein Dozent begr\u00fc\u00dft mich strahlend.&nbsp;<em>&#8222;Du ahnst nicht, was wir heute vor haben. Wir nehmen unsere Zeugnisse auf und stellen sie ins Internet. Ist das nicht toll?!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hmpf.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele behaupten ja, dass Gott keinen Humor h\u00e4tte. Das kann ich so nicht best\u00e4tigen. Er hat nur teils einen ganz anderen als ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Was soll ich sagen\u2026wir sind tats\u00e4chlich nicht raus auf die Stra\u00dfe. Wir haben unsere Zeugnisse aufgenommen. Ja, ich habe mich vor die Kamera gesetzt, unvorbereitet, etwas konfus und mal wieder klatschnass geschwitzt. Aber ich hab es getan. Und heute Morgen im B\u00fcrgerzentrum habe ich dem netten jungen Mann am Schalter eine gesegnete Woche gew\u00fcnscht. Nicht nur eine gute Woche, sondern eine gesegnete. Sein kurzes Stocken m\u00fcndete in ein breites L\u00e4cheln und ein &#8222;Danke&#8220;. Dann blitzte sein Kreuz um den Hals auf. Hm\u2026.okay\u2026.wieder nur den eigenen Clan getroffen. Macht nichts, fang ich halt klein an.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man nicht auf der Stra\u00dfe Menschen ansprechen muss, um seinen Glauben zu teilen. Jeder darf und muss da seinen eigenen Weg finden, \u00fcber seinen Glauben zu sprechen. Aber Angst sollte uns nicht abhalten, den Mund aufzubekommen. Also \u00fcbe ich jetzt im Kleinen. Und da sich meine Gemeinde f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr &#8222;Evangelisation&#8220; auf die Fahne geschrieben hat, werde ich noch viele M\u00f6glichkeiten haben, meine Form des Erz\u00e4hlens zu finden. Hoffentlich ohne zu kollabieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Bibelschule hat wieder angefangen. Nach einer l\u00e4ngeren Pause freue ich mich nun wie ein Keks, wieder starten zu k\u00f6nnen. Also fuhr ich vor einigen Wochen gut gelaunt zum Studiengespr\u00e4ch mit meiner Mentorin, um das kommende Semester zu planen. Sie strahlt mich an, geht meine Kurse durch und stockt dann.\u00a0&#8222;Dir fehlt ja noch ein Tag bei Evangelisation. Das trifft sich gut, der Kurs l\u00e4uft wieder, du kannst an dem letzten Kurstag teilnehmen.&#8220; Mist. Ausgerechnet Evangelisation. 5 Freitage, in denen wir verschiedene Methoden durchgehen, wie man seinen Glauben teilen kann. Wie man Worte findet um das auszudr\u00fccken, was man im eigenen Leben am meisten liebt. Vier Freitage Theorie: kein Problem. Ein Freitag Praxis: gro\u00dfes Problem. Mein Praxistag steht noch aus. Aus gutem Grund, ich hab n\u00e4mlich Angst davor. Nun ist es nicht mein prim\u00e4res Problem Worte zu finden. Zumindest dann nicht, wenn ich diese Worte schreiben darf. Meinetwegen spreche ich sie auch. Von vorne. Wo Menschen gezielt hinkommen um sie zu h\u00f6ren. Das ist okay. Was mich allerdings in Panik versetzt sind Situationen, wo ich fremde Menschen direkt ansprechen soll. Aller Geschlechterklischees zum Trotz, bin in meiner Ehe definitiv ich diejenige, die lieber eine halbe Stunde orientierungslos im Kreis f\u00e4hrt, anstatt einmal anzuhalten und nach dem Weg zu fragen. Man kann sich also vorstellen, welche Mengen an Angstschwei\u00df bei mir ausbrechen, wenn ich Passanten nicht nur nach dem Weg fragen, sondern ihnen &#8218;den Weg&#8216; erkl\u00e4ren soll. Dem entsprechend steigerte sich meine Panik vor einem Jahr immer weiter, bis sie an besagtem Praxistag in einem Absacken des Kreislaufs und einem Kopf in der Klosch\u00fcssel m\u00fcndete. Mein Mann meldete mich krank und ich sch\u00e4mte mich ein paar Tage halb zu Tode. Nun geht es also in die zweite Runde (und das wo ich so sehr gehofft hatte, man h\u00e4tte einfach vergessen, dass ich nicht teilgenommen habe). Es ist Freitag Morgen und mir ist erneut schlecht. Aber nicht so schlimm wie vor einem Jahr. Ich bin schwei\u00dfgebadet aufgewacht und liege nun mit geschlossenen Augen im Bett, bete still um Mut. Gleichzeitig bin ich genervt von mir selbst. Schluss jetzt mit diesem Gezicke. Was soll schon passieren. Schlimmstenfalls sagen die Leute &#8222;Nein danke&#8220; und gehen weiter. Genervter als von anderen Menschen, die einen Tag t\u00e4glich in der Stadt ansprechen, sind sie davon auch nicht. Ich schaue aus dem Fenster. Drau\u00dfen regnet es britisch, d.h. Hunde und Katzen. Ich blinzle. Meine Laune steigt. Es regnet nicht einfach nur. Das ist die Sintflut 2.0. Bei so einem Wetter werden wir definitiv nicht auf die Stra\u00dfe gehen. Und selbst wenn, werden wir dort alleine sein. Ich ertappe mich dabei, wie ich die ganze Autofahrt \u00fcber lautstark zu meiner Lieblings-CD gegen die Scheibenwischer ansinge. Noah war ein Archetyp. Wenig sp\u00e4ter stehe ich im Vorlesungsraum vor Aufstellern von &#8218;My Story&#8216; einer Internetplattform f\u00fcr christliche Zeugnisse und sehe in die nerv\u00f6sen Gesichter meiner Kommilitonen. Mein Dozent begr\u00fc\u00dft mich strahlend.&nbsp;&#8222;Du ahnst nicht, was wir heute vor haben. Wir nehmen unsere Zeugnisse auf und stellen sie ins Internet. Ist das nicht toll?!&#8220; Hmpf. Viele behaupten ja, dass Gott keinen Humor h\u00e4tte. Das kann ich so nicht best\u00e4tigen. Er hat nur teils einen ganz anderen als ich. Was soll ich sagen\u2026wir sind tats\u00e4chlich nicht raus auf die Stra\u00dfe. Wir haben unsere Zeugnisse aufgenommen. Ja, ich habe mich vor die Kamera gesetzt, unvorbereitet, etwas konfus und mal wieder klatschnass geschwitzt. Aber ich hab es getan. Und heute Morgen im B\u00fcrgerzentrum habe ich dem netten jungen Mann am Schalter eine gesegnete Woche gew\u00fcnscht. Nicht nur eine gute Woche, sondern eine gesegnete. Sein kurzes Stocken m\u00fcndete in ein breites L\u00e4cheln und ein &#8222;Danke&#8220;. Dann blitzte sein Kreuz um den Hals auf. Hm\u2026.okay\u2026.wieder nur den eigenen Clan getroffen. Macht nichts, fang ich halt klein an. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man nicht auf der Stra\u00dfe Menschen ansprechen muss, um seinen Glauben zu teilen. Jeder darf und muss da seinen eigenen Weg finden, \u00fcber seinen Glauben zu sprechen. Aber Angst sollte uns nicht abhalten, den Mund aufzubekommen. Also \u00fcbe ich jetzt im Kleinen. 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