{"id":422,"date":"2017-10-17T06:55:17","date_gmt":"2017-10-17T06:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=422"},"modified":"2020-02-21T18:16:45","modified_gmt":"2020-02-21T18:16:45","slug":"loslassen-lernen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=422","title":{"rendered":"Loslassen lernen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein paar kurze Gedanken. Sortiert auf der Autobahn auf dem Weg von A nach B. Aufgeschrieben auf einer G\u00e4stecouch. Das Herz voll von Fragen, Emotionen, Dankbarkeit und der ambivalenten Sehnsucht nach Stetigkeit und Aufbruch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Goldener Herbst. Weinberge bei W\u00fcrzburg in leuchtendem Gelb. Kiefernw\u00e4lder um Berlin in sattem und vom Herbst unbeeindrucktem Gr\u00fcn. Efeuranken in tiefem Rot. Das meiste sehe ich durch Autoscheiben hindurch an mir vorbei ziehen. Heute bin ich auf dem Weg nach Basel und sitze selbst hinterm Steuer meines quietschenden Kleinwagens. Gestern war ich noch in Berlin und habe alles vom R\u00fccksitz aus, durch die get\u00f6nten Scheiben eines fremden Mercedes, beobachtet. So schnell wie die Landschaft und die Kilometer an mir vorbei fliegen, so schnell scheint auch die Zeit zu vergehen.&nbsp;<strong>Eigentlich ver-geht die Zeit nicht, sie ver-rast.<\/strong>&nbsp;Es ist schon Mitte Oktober. Bald sind die B\u00e4ume kahl und das frische Laub wird anfangen zu modern.&nbsp;<em>Das Loslassen f\u00e4llt mir schwer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es war sch\u00f6n in Berlin. Ich durfte zu einer Konferenz und habe dort viele Menschen getroffen, die ich nur einmal im Jahr sehe. Menschen, die an den unterschiedlichsten Orten der Welt f\u00fcr Jesus am Start sind. Es war wunderbar all die Geschichten zu h\u00f6ren, gemeinsam zu beten, zu lachen, zu singen und zu essen. Kulturunterschiede zu atmen und Sprachbarrieren wegzukichern. Aber es ging viel zu schnell vorbei. Pl\u00f6tzlich war nicht mehr Freitagabend, sondern Sonntagmorgen. Aufr\u00e4umen, verabschieden. Einige werden in Regionen fliegen, wo es lebensgef\u00e4hrlich ist, Christ zu sein. &#8218;Gott befohlen&#8216;, bekommt eine andere Tiefe. &#8218;Bis n\u00e4chstes Jahr, so Gott will und wir leben.&#8216; Ich will die Umarmung nicht l\u00f6sen.&nbsp;<em>Das Loslassen f\u00e4llt mir schwer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nun bin ich in der Schweiz und Berlin scheint weiter entfernt als die 860 Kilometer. Mein Inneres kommt nur langsam mit. Das merke ich an meinen Tr\u00e4umen. Sie sind chaotisch und \u00fcberladen. Papas Tod dr\u00e4ngt in ihnen nach oben und bringt die Erinnerungen an Mamas Sterben mit sich. Beide sind an Krebs gestorben. Beide Male hielt ich die H\u00e4nde am Sterbebett und ein Teil von mir h\u00e4lt sie noch immer fest.&nbsp;<em>Das Loslassen f\u00e4llt mir schwer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin kein gro\u00dfer Freund vom Wandel. Das f\u00e4llt mir umso mehr auf, als Gott mich mit Abenteurern in eine Familie und eine Gemeinde gesteckt hat. Da sind Menschen, die den Wechsel feiern, die neugierig das Neue begr\u00fc\u00dfen. Menschen, die wundervolle Visionen von einer Zukunft haben und die mutig und fr\u00f6hlich voran gehen. W\u00e4hrend ich mich am liebsten mit Decke und Kuschelkissen in eine Ecke verdr\u00fccken w\u00fcrde um skeptisch zu gucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Leben lehrt mich gerade, dass ich loslassen muss, um weiter zu gehen. Und dass es keinen Sinn macht, stehen zu bleiben. Denn das Leben bleibt nicht stehen. Zum Gl\u00fcck habe ich Menschen um mich herum, von denen ich die Sch\u00f6nheit des Loslassens lernen darf. Einfach indem ich sie beobachte. Und ich habe einen Gott, dem ich vertrauen kann und der leise und geduldig auf mich einredet, bis ich bereit bin, die Sicherheit meiner Ecke zu verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar kurze Gedanken. Sortiert auf der Autobahn auf dem Weg von A nach B. Aufgeschrieben auf einer G\u00e4stecouch. Das Herz voll von Fragen, Emotionen, Dankbarkeit und der ambivalenten Sehnsucht nach Stetigkeit und Aufbruch. Goldener Herbst. Weinberge bei W\u00fcrzburg in leuchtendem Gelb. Kiefernw\u00e4lder um Berlin in sattem und vom Herbst unbeeindrucktem Gr\u00fcn. Efeuranken in tiefem Rot. Das meiste sehe ich durch Autoscheiben hindurch an mir vorbei ziehen. Heute bin ich auf dem Weg nach Basel und sitze selbst hinterm Steuer meines quietschenden Kleinwagens. Gestern war ich noch in Berlin und habe alles vom R\u00fccksitz aus, durch die get\u00f6nten Scheiben eines fremden Mercedes, beobachtet. So schnell wie die Landschaft und die Kilometer an mir vorbei fliegen, so schnell scheint auch die Zeit zu vergehen.&nbsp;Eigentlich ver-geht die Zeit nicht, sie ver-rast.&nbsp;Es ist schon Mitte Oktober. Bald sind die B\u00e4ume kahl und das frische Laub wird anfangen zu modern.&nbsp;Das Loslassen f\u00e4llt mir schwer. Es war sch\u00f6n in Berlin. Ich durfte zu einer Konferenz und habe dort viele Menschen getroffen, die ich nur einmal im Jahr sehe. Menschen, die an den unterschiedlichsten Orten der Welt f\u00fcr Jesus am Start sind. Es war wunderbar all die Geschichten zu h\u00f6ren, gemeinsam zu beten, zu lachen, zu singen und zu essen. Kulturunterschiede zu atmen und Sprachbarrieren wegzukichern. Aber es ging viel zu schnell vorbei. Pl\u00f6tzlich war nicht mehr Freitagabend, sondern Sonntagmorgen. Aufr\u00e4umen, verabschieden. Einige werden in Regionen fliegen, wo es lebensgef\u00e4hrlich ist, Christ zu sein. &#8218;Gott befohlen&#8216;, bekommt eine andere Tiefe. &#8218;Bis n\u00e4chstes Jahr, so Gott will und wir leben.&#8216; Ich will die Umarmung nicht l\u00f6sen.&nbsp;Das Loslassen f\u00e4llt mir schwer. Nun bin ich in der Schweiz und Berlin scheint weiter entfernt als die 860 Kilometer. Mein Inneres kommt nur langsam mit. Das merke ich an meinen Tr\u00e4umen. Sie sind chaotisch und \u00fcberladen. Papas Tod dr\u00e4ngt in ihnen nach oben und bringt die Erinnerungen an Mamas Sterben mit sich. Beide sind an Krebs gestorben. Beide Male hielt ich die H\u00e4nde am Sterbebett und ein Teil von mir h\u00e4lt sie noch immer fest.&nbsp;Das Loslassen f\u00e4llt mir schwer. Ich bin kein gro\u00dfer Freund vom Wandel. Das f\u00e4llt mir umso mehr auf, als Gott mich mit Abenteurern in eine Familie und eine Gemeinde gesteckt hat. Da sind Menschen, die den Wechsel feiern, die neugierig das Neue begr\u00fc\u00dfen. Menschen, die wundervolle Visionen von einer Zukunft haben und die mutig und fr\u00f6hlich voran gehen. W\u00e4hrend ich mich am liebsten mit Decke und Kuschelkissen in eine Ecke verdr\u00fccken w\u00fcrde um skeptisch zu gucken. Mein Leben lehrt mich gerade, dass ich loslassen muss, um weiter zu gehen. Und dass es keinen Sinn macht, stehen zu bleiben. Denn das Leben bleibt nicht stehen. Zum Gl\u00fcck habe ich Menschen um mich herum, von denen ich die Sch\u00f6nheit des Loslassens lernen darf. Einfach indem ich sie beobachte. 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