{"id":414,"date":"2017-09-19T06:37:00","date_gmt":"2017-09-19T06:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=414"},"modified":"2020-02-21T18:00:50","modified_gmt":"2020-02-21T18:00:50","slug":"privileg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=414","title":{"rendered":"Privileg"},"content":{"rendered":"\n<p>Einmal im Jahr fahren mein Liebster und ich nach D\u00e4nemark in unseren Jetzt-ist-mal-alles-egal-Urlaub. Und da ich tats\u00e4chlich am besten entspannen kann, wenn ich eine vertraute Umgebung um mich habe, fahren wir gezielt an den gleichen Ort, in das gleiche Haus und ich pflanze meinen Hintern sofort nach dem Auspacken der Koffer in die gleiche Couchecke. Da sitze ich dann und schaue zu, wie Achim Feuer im Kamin macht. Und wenn ich den Kopf um ca. 45 Grad nach links drehe, kann ich das Hafenbecken und dahinter das Meer sehen. Die wilde, wunderbare Nordsee.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft haben wir f\u00fcr diese Art von Urlaub fassungsloses Kopfsch\u00fctteln erhalten.&nbsp;<em>\u201eJedes Jahr an den gleichen Ort? Nach D\u00e4nemark?! Freiwillig? Im Winter? Ist das nicht furchtbar langweilig? Da passiert doch nichts, da sind doch nicht mal Menschen!\u201c&nbsp;<\/em>&#8211; Ganz genau.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fahren Anfang des Jahres an diesen kleinen Fischerort an der d\u00e4nischen Westk\u00fcste. In diesem Ort ist im Sommer schon nicht viel los und den Geb\u00e4uden nach zu urteilen, ist die gr\u00f6\u00dfte Attraktion ein Eisstand am Hafen. Der hat aber um diese Jahreszeit geschlossen. Genau so wie der Tante Emma Laden. Und damit ist das \u00f6ffentliche Leben praktisch schon beschrieben. Der Strand ist wie leer gefegt. Nur M\u00f6wen, Wellen, Wind und wir. In dieser Umgebung kann ich entspannen, mich vom Wind durchpusten lassen und schlie\u00dflich mit einer Tasse hei\u00dfen Kakao und einem guten Buch vor dem Kamin versacken. Oder mit einem drei Fragezeichen H\u00f6rspiel und einem Glas Sekt in der Wanne sitzen. (Fragt mich nicht woher diese Kombi kommt, sie macht aber unglaublich Spa\u00df.)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zwischen Jesus und mir ist diese Zeit besonders. Anders als zu Hause habe ich in D\u00e4nemark keine feste Zeit, in der ich bete oder Bibel lese. Manchmal sitze ich morgens mit Bibel oder meinem Notizbuch auf der Couch, schaue \u00fcbers Wasser und merke, wie Gott sich dazu setzt. Ganz still. Manchmal schalte ich aber auch so ab, dass weder Achim noch Jesus viel mit mir anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei unserem letzten Urlaub gab es wieder mal diese Tage. Ich habe gerade &#8218;Girl on the train&#8216; fertig gelesen und bin das erste Mal seit zwei Tagen wieder ansprechbar. Als ich aus dem Buch auftauche, ist es drau\u00dfen bereits dunkel. Mit einem schlechten Gewissen (ich habe mich um nichts gek\u00fcmmert; nicht ums Essen; nicht um meinen Mann; ich glaube ich habe nicht mal geduscht) schiele ich zu Achim, der allerdings nur fr\u00f6hlich grinst.&nbsp;<em>\u201eHallo, wieder da?.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich grinse zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich langsam in der Realit\u00e4t ankomme und versuche die Buchgeschichte abzustreifen,&nbsp; nehme ich noch ein zweites, stilles&nbsp;<em>\u201eHallo.&#8220;&nbsp;<\/em>&nbsp;wahr. Und diesen leichten, aber vertrauten Drang. Dieses Anschieben, das nicht aus mir selbst kommt. Jesus ruft mich. Und er ruft mich nach drau\u00dfen. Etwas ungl\u00e4ubig schaue ich hinaus in die pechschwarze Nacht. Es kann sehr dunkel sein, wenn man in einem schlafenden Fischerdorf in D\u00e4nemark ist. Be\u00e4ngstigend dunkel. Ich beginne etwas unruhig auf der Couch herum zu rutschen. Vielleicht habe ich mich ja verh\u00f6rt. Bestimmt sogar.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich schaut Achim von seinem Computerspiel auf, in das er sich seit ein paar Tagen verkrochen hat. (Er geh\u00f6rt zu den Menschen, die dabei wirklich entspannen k\u00f6nnen. Es ist mir ein R\u00e4tsel, aber es funktioniert.)<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDu, was h\u00e4ltst du davon raus und an den Strand zu gehen?\u201c&nbsp;<\/em>Ich seufze und muss dann lachen. Nat\u00fcrlich. So ein Zufall.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Minuten sp\u00e4ter stehen wir, dick eingepackt und mit einer Taschenlampe bewaffnet, drau\u00dfen am Hafen. Es ist eine nahezu windstille Nacht und das Meer ist ungew\u00f6hnlich ruhig. Wir gehen vom schwach beleuchteten Hafen \u00fcber die D\u00fcnen an den Strand. Das letzte Licht des Hafens verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor uns liegt die Nordsee. Und sie ist noch schw\u00e4rzer als die Nacht. Es gibt keinen Horizont, keinen Punkt, an dem sich das Auge noch festhalten k\u00f6nnte. Die Weite und die Gewalt des ruhigen Wassers ist erschlagend. Es scheint mich gleichzeitig hinaus und hinunter zu ziehen und ich merke wie Panik in mir aufsteigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00e4nde in den Taschen zu F\u00e4usten geballt braucht es einige Zeit, bis ich den Gef\u00fchlscocktail, der in mir explodiert ist, soweit im Griff habe, so dass ich nicht kopflos zur\u00fcck ins Haus renne. In mir ist etwas aufgestiegen, das ich kaum beschreiben kann. Angst? Das trifft es nicht. Furcht. Ehrfurcht. Unruhe. Gleichzeitig f\u00fchle ich mich beeindruckt, hingezogen, erschrocken und\u2026ja\u2026verg\u00e4nglich. Das hier ist viel zu gro\u00df f\u00fcr mich. In mir hallt einer der ersten Verse der Bibel.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eUnd der Geist Gottes schwebte \u00fcber dem Wasser.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich hatte mir den Geist Gottes immer als kleinen Lichtpunkt \u00fcber dunklem Wasser vorgestellt. Aber er ist kein kleiner Lichtpunkt. Er ist m\u00e4chtig. Omnipr\u00e4sent. Soviel umfassender als die Gewalt des Wassers unter ihm. Mein Herz h\u00e4mmert. Ohne es zu merken, habe ich mich von Achim zur\u00fcck in die D\u00fcnen f\u00fchren lassen. Dort zieht er mich neben sich in den Sand und wir liegen, Seite an Seite, in einer L\u00fccke aus Schilfgras und schauen in den Himmel. Eine kurze Pause von der erschlagenden Dunkelheit vor mir. Doch kaum sehe ich nach oben, beginnt mein Herz wieder zu rasen. Sterne. Ich hatte sie vorher nicht wahr genommen. Aber sie sind da. Tausende. Wie ein riesiger Diamantteppich h\u00e4ngen sie \u00fcber uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Still und ehrf\u00fcrchtig liegen wir im Sand. Jeder h\u00e4ngt seinen eigenen Gedanken nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann passiert es. Ein kleiner Lichtpunkt l\u00f6st sich aus der Szenerie \u00fcber uns und zieht in einer hellen Spur \u00fcber den Himmel, bis er im Nichts verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie ist f\u00fcr dich.\u201c<\/em>, nehme ich leise in meinem Herzen wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir steigen Tr\u00e4nen in die Augen. Als kleines M\u00e4dchen war es mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch eine Sternschnuppe zu sehen. Es war dieser Wunsch, den ich heimlich bei jeder ausgeblasenen Geburtstagskerze hatte. Einmal fragte mich der Vater eines Freundes, was ich mir gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Er bohrte so lange, bis ich es ihm verriet. Daraufhin lachte er auf und meinte fr\u00f6hlich:<em>&nbsp;\u201eJetzt hast du\u2019s verraten, jetzt geht\u2019s nie in Erf\u00fcllung.\u201c<\/em>&nbsp; Als Kind brach f\u00fcr mich eine Welt zusammen. Das war ganz sch\u00f6n fies.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun? Nun hab ich einen Vater, dem alle Sterne und Sternschnuppen geh\u00f6ren. Und er findet gar nicht, dass dieser Geburtstagswunsch nicht in Erf\u00fcllung gehen kann. Still und mit Tr\u00e4nen in den Augen liege ich da und bette das eben geschehene in meine Erinnerung ein. Es bekommt einen besonderen, mit Samt ausgeschlagenen, Platz in meinem Ged\u00e4chtnis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als die K\u00e4lte langsam durch unsere Jacken kriecht, machen wir uns auf den R\u00fcckweg. Noch immer jagt mir die dunkle Gewalt des Meeres Furcht \u00fcber den R\u00fccken, w\u00e4hrend in meinem Innern die tiefe Dankbarkeit, das Vertrauen und die neue Perle meiner Erinnerung gl\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht, ja bestimmt, ist es so, dass wir in unserem Leben mit Jesus beides brauchen: eine Ahnung davon, dass wir es eben nicht nur mit einem Freund und Bruder zu tun haben, der sich f\u00fcr uns auf Augenh\u00f6he begeben hat. Sondern, dass er auch der Sch\u00f6pfer ist, der Herr \u00fcber alle Gewalten. M\u00e4chtig, unbegreiflich und nicht kontrollierbar.&nbsp;Und gleichzeitig diese stille Gewissheit und die Erfahrung, wie nah, liebevoll, besch\u00fctzend und vorsichtig dieser allm\u00e4chtige Gott mit uns umgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Gedanken und Erinnerungen starte ich nun in die Vorbereitungswoche zum &#8217;neuen Jahr&#8216;. Ich bin neugierig, was Gott vor hat. Und ich bin unendlich dankbar f\u00fcr die Pause, die er mir geschenkt hat. Ich durfte schlafen (aufgrund von schlechtem Wetter&#8230;.wirklich sehr schlechtem Wetter&#8230;hab ich sogar deutlich mehr Schlaf abbekommen, als ich vorhatte), ich durfte gutes Essen genie\u00dfen und vor allem durfte ich viel Nachdenken und Sortieren. Was f\u00fcr ein Privileg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/laufforum24.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/moon-2615528_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-415\" srcset=\"http:\/\/nurheute.net\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/moon-2615528_640.jpg 640w, http:\/\/nurheute.net\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/moon-2615528_640-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Foto by  Dimitris Vetsikas. Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal im Jahr fahren mein Liebster und ich nach D\u00e4nemark in unseren Jetzt-ist-mal-alles-egal-Urlaub. Und da ich tats\u00e4chlich am besten entspannen kann, wenn ich eine vertraute Umgebung um mich habe, fahren wir gezielt an den gleichen Ort, in das gleiche Haus und ich pflanze meinen Hintern sofort nach dem Auspacken der Koffer in die gleiche Couchecke. Da sitze ich dann und schaue zu, wie Achim Feuer im Kamin macht. Und wenn ich den Kopf um ca. 45 Grad nach links drehe, kann ich das Hafenbecken und dahinter das Meer sehen. Die wilde, wunderbare Nordsee. Oft haben wir f\u00fcr diese Art von Urlaub fassungsloses Kopfsch\u00fctteln erhalten.&nbsp;\u201eJedes Jahr an den gleichen Ort? Nach D\u00e4nemark?! Freiwillig? Im Winter? Ist das nicht furchtbar langweilig? Da passiert doch nichts, da sind doch nicht mal Menschen!\u201c&nbsp;&#8211; Ganz genau. Wir fahren Anfang des Jahres an diesen kleinen Fischerort an der d\u00e4nischen Westk\u00fcste. In diesem Ort ist im Sommer schon nicht viel los und den Geb\u00e4uden nach zu urteilen, ist die gr\u00f6\u00dfte Attraktion ein Eisstand am Hafen. Der hat aber um diese Jahreszeit geschlossen. Genau so wie der Tante Emma Laden. Und damit ist das \u00f6ffentliche Leben praktisch schon beschrieben. Der Strand ist wie leer gefegt. Nur M\u00f6wen, Wellen, Wind und wir. In dieser Umgebung kann ich entspannen, mich vom Wind durchpusten lassen und schlie\u00dflich mit einer Tasse hei\u00dfen Kakao und einem guten Buch vor dem Kamin versacken. Oder mit einem drei Fragezeichen H\u00f6rspiel und einem Glas Sekt in der Wanne sitzen. (Fragt mich nicht woher diese Kombi kommt, sie macht aber unglaublich Spa\u00df.) Auch zwischen Jesus und mir ist diese Zeit besonders. Anders als zu Hause habe ich in D\u00e4nemark keine feste Zeit, in der ich bete oder Bibel lese. Manchmal sitze ich morgens mit Bibel oder meinem Notizbuch auf der Couch, schaue \u00fcbers Wasser und merke, wie Gott sich dazu setzt. Ganz still. Manchmal schalte ich aber auch so ab, dass weder Achim noch Jesus viel mit mir anfangen k\u00f6nnen. Bei unserem letzten Urlaub gab es wieder mal diese Tage. Ich habe gerade &#8218;Girl on the train&#8216; fertig gelesen und bin das erste Mal seit zwei Tagen wieder ansprechbar. Als ich aus dem Buch auftauche, ist es drau\u00dfen bereits dunkel. Mit einem schlechten Gewissen (ich habe mich um nichts gek\u00fcmmert; nicht ums Essen; nicht um meinen Mann; ich glaube ich habe nicht mal geduscht) schiele ich zu Achim, der allerdings nur fr\u00f6hlich grinst.&nbsp;\u201eHallo, wieder da?.\u201c Ich grinse zur\u00fcck. W\u00e4hrend ich langsam in der Realit\u00e4t ankomme und versuche die Buchgeschichte abzustreifen,&nbsp; nehme ich noch ein zweites, stilles&nbsp;\u201eHallo.&#8220;&nbsp;&nbsp;wahr. Und diesen leichten, aber vertrauten Drang. Dieses Anschieben, das nicht aus mir selbst kommt. Jesus ruft mich. Und er ruft mich nach drau\u00dfen. Etwas ungl\u00e4ubig schaue ich hinaus in die pechschwarze Nacht. Es kann sehr dunkel sein, wenn man in einem schlafenden Fischerdorf in D\u00e4nemark ist. Be\u00e4ngstigend dunkel. Ich beginne etwas unruhig auf der Couch herum zu rutschen. Vielleicht habe ich mich ja verh\u00f6rt. Bestimmt sogar. Pl\u00f6tzlich schaut Achim von seinem Computerspiel auf, in das er sich seit ein paar Tagen verkrochen hat. (Er geh\u00f6rt zu den Menschen, die dabei wirklich entspannen k\u00f6nnen. Es ist mir ein R\u00e4tsel, aber es funktioniert.) \u201eDu, was h\u00e4ltst du davon raus und an den Strand zu gehen?\u201c&nbsp;Ich seufze und muss dann lachen. Nat\u00fcrlich. So ein Zufall. Zehn Minuten sp\u00e4ter stehen wir, dick eingepackt und mit einer Taschenlampe bewaffnet, drau\u00dfen am Hafen. Es ist eine nahezu windstille Nacht und das Meer ist ungew\u00f6hnlich ruhig. Wir gehen vom schwach beleuchteten Hafen \u00fcber die D\u00fcnen an den Strand. Das letzte Licht des Hafens verschwindet. Vor uns liegt die Nordsee. Und sie ist noch schw\u00e4rzer als die Nacht. Es gibt keinen Horizont, keinen Punkt, an dem sich das Auge noch festhalten k\u00f6nnte. Die Weite und die Gewalt des ruhigen Wassers ist erschlagend. Es scheint mich gleichzeitig hinaus und hinunter zu ziehen und ich merke wie Panik in mir aufsteigt. Die H\u00e4nde in den Taschen zu F\u00e4usten geballt braucht es einige Zeit, bis ich den Gef\u00fchlscocktail, der in mir explodiert ist, soweit im Griff habe, so dass ich nicht kopflos zur\u00fcck ins Haus renne. In mir ist etwas aufgestiegen, das ich kaum beschreiben kann. Angst? Das trifft es nicht. Furcht. Ehrfurcht. Unruhe. Gleichzeitig f\u00fchle ich mich beeindruckt, hingezogen, erschrocken und\u2026ja\u2026verg\u00e4nglich. Das hier ist viel zu gro\u00df f\u00fcr mich. In mir hallt einer der ersten Verse der Bibel. \u201eUnd der Geist Gottes schwebte \u00fcber dem Wasser.\u201c Ich hatte mir den Geist Gottes immer als kleinen Lichtpunkt \u00fcber dunklem Wasser vorgestellt. Aber er ist kein kleiner Lichtpunkt. Er ist m\u00e4chtig. Omnipr\u00e4sent. Soviel umfassender als die Gewalt des Wassers unter ihm. Mein Herz h\u00e4mmert. Ohne es zu merken, habe ich mich von Achim zur\u00fcck in die D\u00fcnen f\u00fchren lassen. Dort zieht er mich neben sich in den Sand und wir liegen, Seite an Seite, in einer L\u00fccke aus Schilfgras und schauen in den Himmel. Eine kurze Pause von der erschlagenden Dunkelheit vor mir. Doch kaum sehe ich nach oben, beginnt mein Herz wieder zu rasen. Sterne. Ich hatte sie vorher nicht wahr genommen. Aber sie sind da. Tausende. Wie ein riesiger Diamantteppich h\u00e4ngen sie \u00fcber uns. Still und ehrf\u00fcrchtig liegen wir im Sand. Jeder h\u00e4ngt seinen eigenen Gedanken nach. Und dann passiert es. Ein kleiner Lichtpunkt l\u00f6st sich aus der Szenerie \u00fcber uns und zieht in einer hellen Spur \u00fcber den Himmel, bis er im Nichts verschwindet. \u201eDie ist f\u00fcr dich.\u201c, nehme ich leise in meinem Herzen wahr. Mir steigen Tr\u00e4nen in die Augen. Als kleines M\u00e4dchen war es mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch eine Sternschnuppe zu sehen. Es war dieser Wunsch, den ich heimlich bei jeder ausgeblasenen Geburtstagskerze hatte. Einmal fragte mich der Vater eines Freundes, was ich mir gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Er bohrte so lange, bis ich es ihm verriet. Daraufhin lachte er auf und meinte fr\u00f6hlich:&nbsp;\u201eJetzt hast du\u2019s verraten, jetzt geht\u2019s nie in Erf\u00fcllung.\u201c&nbsp; Als Kind brach f\u00fcr mich eine Welt zusammen. Das war ganz sch\u00f6n fies.&nbsp; Und nun? Nun hab ich einen Vater, dem alle Sterne und Sternschnuppen geh\u00f6ren. Und er findet gar nicht, dass dieser Geburtstagswunsch nicht in Erf\u00fcllung gehen kann. Still und mit Tr\u00e4nen in den Augen liege ich da und bette das eben geschehene in meine Erinnerung ein. Es bekommt einen besonderen, mit Samt ausgeschlagenen, Platz in meinem Ged\u00e4chtnis.&nbsp; Als die K\u00e4lte langsam durch unsere Jacken kriecht, machen wir uns auf den R\u00fcckweg. Noch immer jagt mir die dunkle Gewalt des Meeres Furcht \u00fcber den R\u00fccken, w\u00e4hrend in meinem Innern die tiefe Dankbarkeit, das Vertrauen und die neue Perle meiner Erinnerung gl\u00fchen. Vielleicht, ja bestimmt, ist es so, dass wir in unserem Leben mit Jesus beides brauchen: eine Ahnung davon, dass wir es eben nicht nur mit einem Freund und Bruder zu tun haben, der sich f\u00fcr uns auf Augenh\u00f6he begeben hat. Sondern, dass er auch der Sch\u00f6pfer ist, der Herr \u00fcber alle Gewalten. M\u00e4chtig, unbegreiflich und nicht kontrollierbar.&nbsp;Und gleichzeitig diese stille Gewissheit und die Erfahrung, wie nah, liebevoll, besch\u00fctzend und vorsichtig dieser allm\u00e4chtige Gott mit uns umgeht. Mit diesen Gedanken und Erinnerungen starte ich nun in die Vorbereitungswoche zum &#8217;neuen Jahr&#8216;. Ich bin neugierig, was Gott vor hat. Und ich bin unendlich dankbar f\u00fcr die Pause, die er mir geschenkt hat. 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