{"id":386,"date":"2017-07-19T10:43:14","date_gmt":"2017-07-19T10:43:14","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=386"},"modified":"2020-02-21T11:39:17","modified_gmt":"2020-02-21T11:39:17","slug":"das-gemeinsame-fruehstueck-entfaellt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=386","title":{"rendered":"Das gemeinsame Fr\u00fchst\u00fcck entf\u00e4llt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Ich liebe den fr\u00fchen Morgen. F\u00fcr viele ist das der absolute Irrsinn &#8211; verst\u00e4ndlicher Weise. Aber ich mag die Zeit der Ruhe. Die Zeit vor all den Mails, Telefonaten und Aufgaben. Die Zeit, in der ich nicht funktionieren muss, sondern einfach sein darf &#8211; ungeschminkt und langsam, mit Kissenabdruck im Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Tag beginnt gegen halb sieben&nbsp;und die erste Stunde vom Tag geh\u00f6rt mir. Erst wird Kaffee gekocht und&nbsp;dann kuschle ich mich mit Decke und Bibel auf meinen Lieblingssessel. Fr\u00fchst\u00fcck mit Jesus.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute f\u00fchle ich mich wund und verletzlich und ich w\u00fcrde es nicht ertragen, w\u00fcrde Gott an diesem Morgen schweigen.&nbsp;<strong>Also vermeide ich jede Situation, in der ich etwas von ihm erwarten k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich gestehe ihm ein Lobpreislied zu, allerdings nur via mp3 und&nbsp;halb \u00fcbert\u00f6nt vom Geschrabbel der elektrischen Zahnb\u00fcrste in meinem Mund. Ein kurzes Gebet, in dem ich Gott mitteile, dass das gemeinsame Fr\u00fchst\u00fcck heute ausf\u00e4llt. Und dass ich wei\u00df, dass er mich liebt, aber dass ich mir manchmal nicht sicher bin, ob er meine Schmerzen wirklich wahrnimmt. Ein wenig ein schlechtes Gewissen habe ich,&nbsp;denn schlie\u00dflich geht es mir ja gut. Eigentlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit knapp vier Jahren versuchen mein Mann und ich ein Kind zu bekommen. Aus dem anf\u00e4nglich&nbsp;fiebrigen Hoffen, wurde zuversichtliches Warten, bis die Zuversicht irgendwann still schweigend verschwand. Seit einem Jahr schwanke ich zwischen Verzweiflung und akzeptieren wollen.&nbsp;<strong>An manchen Tagen ist es in Ordnung.<\/strong>&nbsp;Wir k\u00f6nnen ausschlafen, reisen, Essen gehen. Wir k\u00f6nnen uns in der Gemeinde engagieren, wir m\u00fcssen zeitlich auf niemanden R\u00fccksicht nehmen. Wir sind unabh\u00e4ngig. An anderen Tagen schl\u00e4gt die Leere voll zu und mir bleibt nichts anderes \u00fcbrig als mich mit meinem vollen Gewicht an Jesus zu h\u00e4ngen und zu hoffen, dass er nicht losl\u00e4sst. Manchmal habe ich das Gef\u00fchl unter den Aufgaben und dem Entschluss andere mit meinem Leid nicht zu belasten, einfach zu verschwinden. Siehst du mich noch Jesus? Siehst du noch wie es mir wirklich geht? Ich sehe es selbst kaum mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist so ein Tag. Ich f\u00fchle mich schon Morgens ersch\u00f6pft.&nbsp;<strong>Die Wohnung ist heute keine Oase der Ruhe sondern so still wie ein Grab.&nbsp;<\/strong>Ich schleiche ins Bad, von dort&nbsp;zur\u00fcck ins Wohnzimmer und k\u00e4mpfe mit den Tr\u00e4nen, w\u00e4hrend eine schneidende Stimme in meinem Kopf sagt:&nbsp;<em>&#8222;Stell dich nicht so an. Anderen geht&#8217;s viel schlechter. Du lebst in einer gl\u00fccklichen Ehe, das ist ein riesen Geschenk&#8230;.und \u00fcberhaupt, in Afrika verhungern Kinder!&#8220;<\/em>&nbsp;&#8230;.Ja, stimmt ja; irgendwie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe auf meinen Sessel, rolle mich zu einem Ball, ziehe die Decke \u00fcber mich und frage mich, ob ich unsichtbar werden k\u00f6nnte,&nbsp;wenn ich nur lange genug die Augen zu mache. Hat aber als Kind schon nicht geklappt. Also mache ich seufzend den Laptop an, beschlie\u00dfe aber unter der Decke und im Schlafanzug zu bleiben.&nbsp;<strong>Ein trotziges Zugest\u00e4ndnis an mein wundes Inneres<\/strong>&nbsp;und der Segen der im&nbsp;Homeoffice arbeitenden. Auf dem Bildschirm meines PCs blinkt es &#8211; sie haben eine neue Nachricht. Meine Laune bessert sich etwas, als ich den Absender lese. Meine Freundin Christina.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schreibt mir ein paar liebe Zeilen, dass sie heute Morgen sehr an mich denken muss. Und sie schickt mir einen Link zu einem Text, den sie vor \u00fcber einem Jahr geschrieben hat. \u00dcber den Muttertag, wenn man keine Mutter sein darf. Und als ich den Text lese wei\u00df ich, dass es nicht nur sie ist, die mir hier einen Gru\u00df sendet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Danke f\u00fcr jeden Augenblick im vergangenen Jahr, an dem du dich um Gottes geliebte Kinder gek\u00fcmmert hast.<\/p><p>Danke f\u00fcr deine F\u00fcrsorglichkeit, f\u00fcr deine Hingabe im kleinen, alle die Momente die kaum jemand wahrgenommen hat.&nbsp;<\/p><p>Danke, dass du deine Sehnsucht bewahrst, ein Ort an dem dir Gott immer wieder ganz nah begegnen kann.&nbsp;<\/p><p>Danke f\u00fcr deine Geduld und Liebe.&nbsp;<\/p><p>Ich sehe dich. Gott sieht dich.&nbsp;<\/p><p>Danke.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Den kompletten Text gibt es&nbsp;<a href=\"http:\/\/denspatzinderhand.blogspot.de\/2016\/05\/wenn-der-muttertag-ein-schmerzhafter.html\">hier<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da ist es, das Reden Gottes, nach dem ich mich heute Morgen so sehne<\/strong>, und an das ich nicht glauben wollte. In den warmen Worten die ich lese, schwingt die Stimme von Jesus mit.&nbsp;<strong>&#8222;Ich sehe Dich. An jedem Tag. Ich lass Dich nicht los.&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck ist Jesus nicht an die Kan\u00e4le gebunden, die ich ihm zubillige. Und er ist so viel n\u00e4her und liebevoller, als ich es oft erwarte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich liebe den fr\u00fchen Morgen. F\u00fcr viele ist das der absolute Irrsinn &#8211; verst\u00e4ndlicher Weise. Aber ich mag die Zeit der Ruhe. Die Zeit vor all den Mails, Telefonaten und Aufgaben. Die Zeit, in der ich nicht funktionieren muss, sondern einfach sein darf &#8211; ungeschminkt und langsam, mit Kissenabdruck im Gesicht. Mein Tag beginnt gegen halb sieben&nbsp;und die erste Stunde vom Tag geh\u00f6rt mir. Erst wird Kaffee gekocht und&nbsp;dann kuschle ich mich mit Decke und Bibel auf meinen Lieblingssessel. Fr\u00fchst\u00fcck mit Jesus. Heute nicht. Heute f\u00fchle ich mich wund und verletzlich und ich w\u00fcrde es nicht ertragen, w\u00fcrde Gott an diesem Morgen schweigen.&nbsp;Also vermeide ich jede Situation, in der ich etwas von ihm erwarten k\u00f6nnte. Ich gestehe ihm ein Lobpreislied zu, allerdings nur via mp3 und&nbsp;halb \u00fcbert\u00f6nt vom Geschrabbel der elektrischen Zahnb\u00fcrste in meinem Mund. Ein kurzes Gebet, in dem ich Gott mitteile, dass das gemeinsame Fr\u00fchst\u00fcck heute ausf\u00e4llt. Und dass ich wei\u00df, dass er mich liebt, aber dass ich mir manchmal nicht sicher bin, ob er meine Schmerzen wirklich wahrnimmt. Ein wenig ein schlechtes Gewissen habe ich,&nbsp;denn schlie\u00dflich geht es mir ja gut. Eigentlich. Seit knapp vier Jahren versuchen mein Mann und ich ein Kind zu bekommen. Aus dem anf\u00e4nglich&nbsp;fiebrigen Hoffen, wurde zuversichtliches Warten, bis die Zuversicht irgendwann still schweigend verschwand. Seit einem Jahr schwanke ich zwischen Verzweiflung und akzeptieren wollen.&nbsp;An manchen Tagen ist es in Ordnung.&nbsp;Wir k\u00f6nnen ausschlafen, reisen, Essen gehen. Wir k\u00f6nnen uns in der Gemeinde engagieren, wir m\u00fcssen zeitlich auf niemanden R\u00fccksicht nehmen. Wir sind unabh\u00e4ngig. An anderen Tagen schl\u00e4gt die Leere voll zu und mir bleibt nichts anderes \u00fcbrig als mich mit meinem vollen Gewicht an Jesus zu h\u00e4ngen und zu hoffen, dass er nicht losl\u00e4sst. Manchmal habe ich das Gef\u00fchl unter den Aufgaben und dem Entschluss andere mit meinem Leid nicht zu belasten, einfach zu verschwinden. Siehst du mich noch Jesus? Siehst du noch wie es mir wirklich geht? Ich sehe es selbst kaum mehr. Heute ist so ein Tag. Ich f\u00fchle mich schon Morgens ersch\u00f6pft.&nbsp;Die Wohnung ist heute keine Oase der Ruhe sondern so still wie ein Grab.&nbsp;Ich schleiche ins Bad, von dort&nbsp;zur\u00fcck ins Wohnzimmer und k\u00e4mpfe mit den Tr\u00e4nen, w\u00e4hrend eine schneidende Stimme in meinem Kopf sagt:&nbsp;&#8222;Stell dich nicht so an. Anderen geht&#8217;s viel schlechter. Du lebst in einer gl\u00fccklichen Ehe, das ist ein riesen Geschenk&#8230;.und \u00fcberhaupt, in Afrika verhungern Kinder!&#8220;&nbsp;&#8230;.Ja, stimmt ja; irgendwie. Ich gehe auf meinen Sessel, rolle mich zu einem Ball, ziehe die Decke \u00fcber mich und frage mich, ob ich unsichtbar werden k\u00f6nnte,&nbsp;wenn ich nur lange genug die Augen zu mache. Hat aber als Kind schon nicht geklappt. Also mache ich seufzend den Laptop an, beschlie\u00dfe aber unter der Decke und im Schlafanzug zu bleiben.&nbsp;Ein trotziges Zugest\u00e4ndnis an mein wundes Inneres&nbsp;und der Segen der im&nbsp;Homeoffice arbeitenden. Auf dem Bildschirm meines PCs blinkt es &#8211; sie haben eine neue Nachricht. Meine Laune bessert sich etwas, als ich den Absender lese. Meine Freundin Christina. Sie schreibt mir ein paar liebe Zeilen, dass sie heute Morgen sehr an mich denken muss. Und sie schickt mir einen Link zu einem Text, den sie vor \u00fcber einem Jahr geschrieben hat. \u00dcber den Muttertag, wenn man keine Mutter sein darf. Und als ich den Text lese wei\u00df ich, dass es nicht nur sie ist, die mir hier einen Gru\u00df sendet.&nbsp; Danke f\u00fcr jeden Augenblick im vergangenen Jahr, an dem du dich um Gottes geliebte Kinder gek\u00fcmmert hast. Danke f\u00fcr deine F\u00fcrsorglichkeit, f\u00fcr deine Hingabe im kleinen, alle die Momente die kaum jemand wahrgenommen hat.&nbsp; Danke, dass du deine Sehnsucht bewahrst, ein Ort an dem dir Gott immer wieder ganz nah begegnen kann.&nbsp; Danke f\u00fcr deine Geduld und Liebe.&nbsp; Ich sehe dich. Gott sieht dich.&nbsp; Danke. (Den kompletten Text gibt es&nbsp;hier.) Da ist es, das Reden Gottes, nach dem ich mich heute Morgen so sehne, und an das ich nicht glauben wollte. In den warmen Worten die ich lese, schwingt die Stimme von Jesus mit.&nbsp;&#8222;Ich sehe Dich. An jedem Tag. Ich lass Dich nicht los.&#8220; Zum Gl\u00fcck ist Jesus nicht an die Kan\u00e4le gebunden, die ich ihm zubillige. 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