{"id":383,"date":"2017-06-28T09:59:00","date_gmt":"2017-06-28T09:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=383"},"modified":"2020-02-20T22:01:33","modified_gmt":"2020-02-20T22:01:33","slug":"lass-uns-rauben-gehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=383","title":{"rendered":"Lass uns rauben gehen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Mein Vater wollte sein Leben lang nichts von Gott wissen. Auf meinen Glauben reagierte er oft mit milden Spott, mit einem leichten Kopfsch\u00fctteln oder er reagierte gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist drei Tage nach der Gemeindefreizeit und ich fahre nach Hause zu Papa. Der Zauber der Freizeit verfliegt. Zwar hallen noch immer die Gebete nach und viele aufmunternde Nachrichten von Freunden begleiten mich auf meinem Smartphone. Dennoch fahre ich wieder in eine \u201aandere Welt\u2018. Beten f\u00e4llt mir mit jedem Meter schwerer. Ein Ph\u00e4nomen, das ich schon h\u00e4ufiger beobachtet habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Auto bete ich ein letztes intensives Gebet, bevor ich die Autobahn verlasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Und mir kommt der Vers von Markus 3,27 in den Sinn.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Andererseits kann aber auch niemand in das Haus eines Starken eindringen und ihm seinen Besitz rauben, wenn er den Starken nicht vorher fesselt. Dann allerdings kann er sein Haus ausrauben.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und dann habe ich pl\u00f6tzlich den vagen Eindruck, dass Jesus leise antwortet:&nbsp;<strong>\u201eAu ja. Lass uns rauben gehen.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter sitze ich bei meinem Papa im Wohnzimmer und bin geschockt. Es ist nur vier Wochen her, seit ich das letzte Mal hier war. Aber von dem Mann den ich kannte ist kaum noch etwas \u00fcbrig. Keine Farbe, keine Kraft, kein Leuchten. Er will \u00fcber den Abbruch der Therapien reden, wof\u00fcr er aufgrund eines Schlaganfalls meine Zustimmung und \u00dcbersetzung bei den \u00c4rzten braucht. Es war mein letztes Druckmittel. Ich hatte mit ihm abgemacht, dass er mit mir \u00fcber Jesus reden muss, sollte er die Therapien beenden. Nicht sehr elegant, ich wei\u00df. Aber Verzweiflung l\u00e4sst einen komische Wege einschlagen. Und nun lasse ich diesen Deal fallen.&nbsp;<strong>Kein Jesus, kein Kampf mehr.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und dann sieht mich mein Vater an und versucht mir verst\u00e4ndlich zu machen, dass er mit mir reden muss. Er wird ganz aufgeregt. Ich r\u00e4tsle&nbsp;was er mir sagen will, denn seit dem Schlaganfall, hat er seine Sprache verloren. Er versteht noch alles, aber ihm fallen keine Worte mehr ein. Nach einigem R\u00e4tseln und einem schlie\u00dflich sehr ungehalten werdenden Vater, f\u00e4llt mir nur noch \u201eMagst du \u00fcber Jesus reden?\u201c ein. F\u00fchlt sich komisch pelzig an, diesen Namen in diesem Wohnzimmer auszusprechen. Mein Vater jubelt auf. \u201eJa.\u201c Er beugt sich mit einigem Kraftaufwand nach vorne und schaut mich gespannt an. Ich f\u00fchle mich hilflos und \u00fcberfordert. All die Kurse in Evangelisation und ich sitze da und wei\u00df nicht was ich sagen soll. Ganz toll, Frau Predigerin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich r\u00e4tsle noch eine Weile mit meinem Vater, was er wohl \u00fcber Jesus wissen will, bis ich irgendwann heraus platze. \u201eWillst du Jesus dein Leben geben?\u201c Papa schaut mich an und sagt leise. \u201eJa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chsten Minuten heule ich. Papa wartet geduldig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt? Wie macht man das, wenn jemand nicht reden kann? Wenn jemand noch nichts \u00fcber Gott wei\u00df. Geht das?&nbsp;<strong>Kann er \u201aja\u2018 zu einem Gott sagen, den er nicht kennt?<\/strong>&nbsp;Und wie bringe ich meinem Vater das Thema Schuld und Umkehr nahe, ohne ihn zu verprellen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schlage mit zitternder Stimme vor, dass ich ein Gebet laut formuliere. Und dass er \u201eJa. Amen.\u201c sagen soll, wenn er dem Gebet zustimmt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann formuliere ich, ein wenig h\u00f6lzern. Und Papa unterbricht mich immer wieder, um \u201aJa\u2018 zu sagen. Nicht einfach nur so. Er ist aufgeregt, hat Tr\u00e4nen in den Augen. Murmelt immer wieder etwas unverst\u00e4ndliches. Als ich abschlie\u00dfe, sagt er noch einmal \u201aJa, Amen.\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war es.&nbsp;<strong>Mein Vater ist in Sicherheit.<\/strong>&nbsp;Er lehnt sich entspannt zur\u00fcck. Ich bin klatschnass geschwitzt. Vier Tage sp\u00e4ter stirbt mein Vater. Es geht schnell und schmerzlos.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLass uns rauben gehen.\u201c Ich habe Jesus neu kennen gelernt in den letzten Tagen. Ich dachte immer, dass Bekehrung ausschlie\u00dflich eine Art Liebestanz ist: Jesus lockt, zieht und schiebt uns, bis wir nachgeben und in seine Arme fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch meinen Papa hat er geraubt. Aus einem Haus, in dem er ungl\u00fccklich und gefangen war.&nbsp;<strong>Ich hab den SEK-Jesus kennen gelernt.<\/strong>&nbsp;Einen Jesus, der auf die Gebete seiner Kinder h\u00f6rt und der handelt. Und wie er gehandelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich es meiner Schwester am Telefon mit tr\u00e4nenerstickter Stimme erz\u00e4hle, dass Papa sich bekehrt hat, kommt von ihr nur ein leiser, gl\u00fccklicher und ersch\u00fctterter Satz, der mich seither begleitet:<em>&nbsp;<strong>\u201eWenn Jesus das kann, dann kann er alles.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Vater wollte sein Leben lang nichts von Gott wissen. Auf meinen Glauben reagierte er oft mit milden Spott, mit einem leichten Kopfsch\u00fctteln oder er reagierte gar nicht. Es ist drei Tage nach der Gemeindefreizeit und ich fahre nach Hause zu Papa. Der Zauber der Freizeit verfliegt. Zwar hallen noch immer die Gebete nach und viele aufmunternde Nachrichten von Freunden begleiten mich auf meinem Smartphone. Dennoch fahre ich wieder in eine \u201aandere Welt\u2018. Beten f\u00e4llt mir mit jedem Meter schwerer. Ein Ph\u00e4nomen, das ich schon h\u00e4ufiger beobachtet habe. Im Auto bete ich ein letztes intensives Gebet, bevor ich die Autobahn verlasse. Und mir kommt der Vers von Markus 3,27 in den Sinn. Andererseits kann aber auch niemand in das Haus eines Starken eindringen und ihm seinen Besitz rauben, wenn er den Starken nicht vorher fesselt. Dann allerdings kann er sein Haus ausrauben. Und dann habe ich pl\u00f6tzlich den vagen Eindruck, dass Jesus leise antwortet:&nbsp;\u201eAu ja. Lass uns rauben gehen.\u201c Wenig sp\u00e4ter sitze ich bei meinem Papa im Wohnzimmer und bin geschockt. Es ist nur vier Wochen her, seit ich das letzte Mal hier war. Aber von dem Mann den ich kannte ist kaum noch etwas \u00fcbrig. Keine Farbe, keine Kraft, kein Leuchten. Er will \u00fcber den Abbruch der Therapien reden, wof\u00fcr er aufgrund eines Schlaganfalls meine Zustimmung und \u00dcbersetzung bei den \u00c4rzten braucht. Es war mein letztes Druckmittel. Ich hatte mit ihm abgemacht, dass er mit mir \u00fcber Jesus reden muss, sollte er die Therapien beenden. Nicht sehr elegant, ich wei\u00df. Aber Verzweiflung l\u00e4sst einen komische Wege einschlagen. Und nun lasse ich diesen Deal fallen.&nbsp;Kein Jesus, kein Kampf mehr. Und dann sieht mich mein Vater an und versucht mir verst\u00e4ndlich zu machen, dass er mit mir reden muss. Er wird ganz aufgeregt. Ich r\u00e4tsle&nbsp;was er mir sagen will, denn seit dem Schlaganfall, hat er seine Sprache verloren. Er versteht noch alles, aber ihm fallen keine Worte mehr ein. Nach einigem R\u00e4tseln und einem schlie\u00dflich sehr ungehalten werdenden Vater, f\u00e4llt mir nur noch \u201eMagst du \u00fcber Jesus reden?\u201c ein. F\u00fchlt sich komisch pelzig an, diesen Namen in diesem Wohnzimmer auszusprechen. Mein Vater jubelt auf. \u201eJa.\u201c Er beugt sich mit einigem Kraftaufwand nach vorne und schaut mich gespannt an. Ich f\u00fchle mich hilflos und \u00fcberfordert. All die Kurse in Evangelisation und ich sitze da und wei\u00df nicht was ich sagen soll. Ganz toll, Frau Predigerin.&nbsp; Ich r\u00e4tsle noch eine Weile mit meinem Vater, was er wohl \u00fcber Jesus wissen will, bis ich irgendwann heraus platze. \u201eWillst du Jesus dein Leben geben?\u201c Papa schaut mich an und sagt leise. \u201eJa.\u201c Die n\u00e4chsten Minuten heule ich. Papa wartet geduldig. Und jetzt? Wie macht man das, wenn jemand nicht reden kann? Wenn jemand noch nichts \u00fcber Gott wei\u00df. Geht das?&nbsp;Kann er \u201aja\u2018 zu einem Gott sagen, den er nicht kennt?&nbsp;Und wie bringe ich meinem Vater das Thema Schuld und Umkehr nahe, ohne ihn zu verprellen? Ich schlage mit zitternder Stimme vor, dass ich ein Gebet laut formuliere. Und dass er \u201eJa. Amen.\u201c sagen soll, wenn er dem Gebet zustimmt.&nbsp; Dann formuliere ich, ein wenig h\u00f6lzern. Und Papa unterbricht mich immer wieder, um \u201aJa\u2018 zu sagen. Nicht einfach nur so. Er ist aufgeregt, hat Tr\u00e4nen in den Augen. Murmelt immer wieder etwas unverst\u00e4ndliches. Als ich abschlie\u00dfe, sagt er noch einmal \u201aJa, Amen.\u2018. Das war es.&nbsp;Mein Vater ist in Sicherheit.&nbsp;Er lehnt sich entspannt zur\u00fcck. Ich bin klatschnass geschwitzt. Vier Tage sp\u00e4ter stirbt mein Vater. Es geht schnell und schmerzlos. \u201eLass uns rauben gehen.\u201c Ich habe Jesus neu kennen gelernt in den letzten Tagen. 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