{"id":369,"date":"2018-02-06T08:21:00","date_gmt":"2018-02-06T08:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=369"},"modified":"2020-02-20T21:27:40","modified_gmt":"2020-02-20T21:27:40","slug":"gebetsschule-im-liegen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=369","title":{"rendered":"Gebetsschule im Liegen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Da bin ich wieder. Ihr Lieben, danke f\u00fcr eure Geduld. Nach einer wirklich fiesen Erk\u00e4ltung mit Fiebersch\u00fcben und der theatralischen \u00dcberzeugung, dass es nun zu Ende geht, hat sich nach der ersten Woche noch ein Bakterienstamm in mir breit gemacht. Damit war die bereits fortgeschrittene Genesung praktisch wieder auf Null gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich dachte ich, dass man auch vom Bett aus gut am PC arbeiten kann, aber dem war nicht so. Ich konnte gar nichts machen; au\u00dfer Taschent\u00fccher verbrauchen und so ger\u00e4uschvoll husten, wie es sonst nur 80-j\u00e4hre Raucher hinbekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war hart. Nicht allein die eigene Hilflosigkeit machte mir zu schaffen, sondern auch das Gef\u00fchl anderen zur Last zu fallen, denn mein Mann musste mich komplett versorgen. Also fing ich an vor Gott zu jammern. Dabei hatte ich ein gro\u00dfes Vorbild:<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Jahren hatten wir ein befreundetes Paar mit drei Kindern bei uns zu Gast. Die zwei Jungs waren schon alt genug um nach dem Essen allein auf den Spielplatz zu gehen. Das M\u00e4dchen war erst drei und durfte nicht mit. Die Mutter hatte Spielsachen dabei und schlug ein Alternativprogramm vor. Woraufhin dieses zarte, junge Gesch\u00f6pf einen Wutanfall bekommen hat, der\u2026mir fehlt ein passender Vergleich. Die Eltern blieben entspannt. Nur Achim und ich schielten immer mal wieder fasziniert zu dem Kind, das sich inzwischen unter mein Minitrampolin verzogen hatte und dort mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen auf den Boden trommelte, w\u00e4hrend die Tr\u00e4nen nur so spritzten. Pl\u00f6tzlich war Ruhe. Sie war vor Ersch\u00f6pfung eingeschlafen. Nach einer halben Stunde wachte sie auf. V\u00f6llig orientierungslos in einem fremden Haus unter einem fremden Trampolin liegend. Dann kam die Erinnerung zur\u00fcck und mit ihr ging der Wutanfall nahtlos in die zweite Runde. Ich musste leider lachen. (War nicht so f\u00f6rderlich f\u00fcr ihre Stimmung.)<\/p>\n\n\n\n<p>Meine letzten zwei Wochen verliefen nun ungef\u00e4hr so wie bei der Kleinen: Vor Gott jammern, einschlafen, aufwachen, orientieren, weiterjammern.&nbsp;<em>&#8222;Wieso kann ich nicht schreiben? Warum darf ich nicht in die Bibelschule? Du wei\u00dft doch was auf Arbeit los ist, die brauchen mich. Ich will in meine Gemeinde. Ich will meine Oma besuchen.&#8220;<\/em>&nbsp;usw. usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus blieb entspannt, wie die Mutter damals. Als ich mich soweit ausgeheult hatte, dass ich bereit war zuzuh\u00f6ren &#8211; gut, ehrlich gestanden war ich eigentlich nur dabei innerlich Luft zu holen f\u00fcr die n\u00e4chste Runde &#8211; kam&nbsp;<strong>die sanfte Aufforderung, meine Zeit doch im F\u00fcrbittegebet zu verbringen anstatt im Selbstmitleid.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das wollte ich nun gar nicht h\u00f6ren. W\u00e4hrend ich noch im Bett lag und vor mich hingr\u00fcbelte, ob ich mich vielleicht verh\u00f6rt h\u00e4tte, gab mein Handy einen leisen Ton von sich. Eine Freundin bat um Gebetsunterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ging es weiter. Immer mehr Anfragen kamen. Die gingen nicht alle ausschlie\u00dflich an mich, aber ich war definitiv die Person, die am meisten Zeit von allen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcrbitte f\u00e4llt mir schwer.<\/strong>&nbsp;Es braucht f\u00fcr mich viel Kraft die Anliegen mit Gott durchzusprechen, still zu halten und nicht in blinden Hilfsaktionismus zu verfallen, L\u00f6sungspl\u00e4ne auszuarbeiten oder \u00e4hnliches.&nbsp;<strong>Sondern &#8218;einfach&#8216; nur Gott hinhalten, zuh\u00f6ren, abgeben.<\/strong>&nbsp;Und am n\u00e4chsten Tag das gleiche wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass F\u00fcrbitte die Welt ver\u00e4ndert. Denn Gott l\u00e4sst sich bitten, er h\u00f6rt unsere Anliegen und nimmt sie ernst. Und ich bin davon \u00fcberzeugt, dass F\u00fcrbitten uns selbst ver\u00e4ndern. So geben wir Gott die M\u00f6glichkeit, dass er uns seine Sicht der Dinge mitteilen kann und uns seine Liebe f\u00fcr die Menschen gibt, f\u00fcr die wir bitten. Auf diese Weise lernen wir begreifen, dass Gott handelt.<br>Das ist die Theorie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Praxis sieht f\u00fcr mich anders aus, denn in ihr erlebe ich immer wieder mein Scheitern.<\/strong>&nbsp;Abschweifende Gedanken, Wut \u00fcber Ungerechtigkeit im Leben anderer, Gef\u00fchle des Mitleids. Nun lerne ich langsam, auch diese Gef\u00fchle mit Gott zu besprechen und sie als Teil der F\u00fcrbitte zu sehen, ohne vom eigentlich Thema abzuschweifen. Ich kann nicht sagen, dass mir das immer gut gelungen ist in den letzten Tagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bin ich beim Lesen auf folgenden Satz gesto\u00dfen:&nbsp;<strong>Das Gebet h\u00e4ngt nicht von dem ab der es spricht, sondern von dem, der es h\u00f6rt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Spruch hat mich durch die zweite Woche getragen. Anbetung und F\u00fcrbitte haben sich vermischt und wurden zu etwas f\u00fcr mich v\u00f6llig Neuem. Vor allem geschah eins: ich entspannte mich.&nbsp;<strong>Meine Gebete m\u00fcssen weder perfekt noch vollst\u00e4ndig sein, damit Gott sie versteht.<\/strong>&nbsp;Kennt ihr diesen Moment, wo einem etwas, das man theoretisch schon lang wei\u00df, pl\u00f6tzlich vom Kopf ins Herz rutscht? Das ist bei mir passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mich noch immer nicht als treue F\u00fcrbitterin bezeichnen. Aber es war definitiv ein guter Anfang. Ein Anfang voller Abschweifen, konfuser Gedanken, Fragen und Wegd\u00f6sen (weil ich eben doch krank war und im Liegen wach zu bleiben ist schon im gesunden Zustand nicht meine St\u00e4rke.) Aber auch ein Anfang voller Liebe zu den Menschen, die Gott in mein Leben gestellt hat und voller Dankbarkeit, dass Gebet immer geht. Selbst im Bett liegend und vor sich hinhustend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da bin ich wieder. Ihr Lieben, danke f\u00fcr eure Geduld. 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Das M\u00e4dchen war erst drei und durfte nicht mit. Die Mutter hatte Spielsachen dabei und schlug ein Alternativprogramm vor. Woraufhin dieses zarte, junge Gesch\u00f6pf einen Wutanfall bekommen hat, der\u2026mir fehlt ein passender Vergleich. Die Eltern blieben entspannt. Nur Achim und ich schielten immer mal wieder fasziniert zu dem Kind, das sich inzwischen unter mein Minitrampolin verzogen hatte und dort mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen auf den Boden trommelte, w\u00e4hrend die Tr\u00e4nen nur so spritzten. Pl\u00f6tzlich war Ruhe. Sie war vor Ersch\u00f6pfung eingeschlafen. Nach einer halben Stunde wachte sie auf. V\u00f6llig orientierungslos in einem fremden Haus unter einem fremden Trampolin liegend. Dann kam die Erinnerung zur\u00fcck und mit ihr ging der Wutanfall nahtlos in die zweite Runde. Ich musste leider lachen. (War nicht so f\u00f6rderlich f\u00fcr ihre Stimmung.) Meine letzten zwei Wochen verliefen nun ungef\u00e4hr so wie bei der Kleinen: Vor Gott jammern, einschlafen, aufwachen, orientieren, weiterjammern.&nbsp;&#8222;Wieso kann ich nicht schreiben? Warum darf ich nicht in die Bibelschule? Du wei\u00dft doch was auf Arbeit los ist, die brauchen mich. Ich will in meine Gemeinde. Ich will meine Oma besuchen.&#8220;&nbsp;usw. usw. Jesus blieb entspannt, wie die Mutter damals. Als ich mich soweit ausgeheult hatte, dass ich bereit war zuzuh\u00f6ren &#8211; gut, ehrlich gestanden war ich eigentlich nur dabei innerlich Luft zu holen f\u00fcr die n\u00e4chste Runde &#8211; kam&nbsp;die sanfte Aufforderung, meine Zeit doch im F\u00fcrbittegebet zu verbringen anstatt im Selbstmitleid. Das wollte ich nun gar nicht h\u00f6ren. W\u00e4hrend ich noch im Bett lag und vor mich hingr\u00fcbelte, ob ich mich vielleicht verh\u00f6rt h\u00e4tte, gab mein Handy einen leisen Ton von sich. Eine Freundin bat um Gebetsunterst\u00fctzung. Und so ging es weiter. Immer mehr Anfragen kamen. Die gingen nicht alle ausschlie\u00dflich an mich, aber ich war definitiv die Person, die am meisten Zeit von allen hatte. F\u00fcrbitte f\u00e4llt mir schwer.&nbsp;Es braucht f\u00fcr mich viel Kraft die Anliegen mit Gott durchzusprechen, still zu halten und nicht in blinden Hilfsaktionismus zu verfallen, L\u00f6sungspl\u00e4ne auszuarbeiten oder \u00e4hnliches.&nbsp;Sondern &#8218;einfach&#8216; nur Gott hinhalten, zuh\u00f6ren, abgeben.&nbsp;Und am n\u00e4chsten Tag das gleiche wieder. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass F\u00fcrbitte die Welt ver\u00e4ndert. Denn Gott l\u00e4sst sich bitten, er h\u00f6rt unsere Anliegen und nimmt sie ernst. Und ich bin davon \u00fcberzeugt, dass F\u00fcrbitten uns selbst ver\u00e4ndern. So geben wir Gott die M\u00f6glichkeit, dass er uns seine Sicht der Dinge mitteilen kann und uns seine Liebe f\u00fcr die Menschen gibt, f\u00fcr die wir bitten. Auf diese Weise lernen wir begreifen, dass Gott handelt.Das ist die Theorie. Die Praxis sieht f\u00fcr mich anders aus, denn in ihr erlebe ich immer wieder mein Scheitern.&nbsp;Abschweifende Gedanken, Wut \u00fcber Ungerechtigkeit im Leben anderer, Gef\u00fchle des Mitleids. Nun lerne ich langsam, auch diese Gef\u00fchle mit Gott zu besprechen und sie als Teil der F\u00fcrbitte zu sehen, ohne vom eigentlich Thema abzuschweifen. Ich kann nicht sagen, dass mir das immer gut gelungen ist in den letzten Tagen. Dann bin ich beim Lesen auf folgenden Satz gesto\u00dfen:&nbsp;Das Gebet h\u00e4ngt nicht von dem ab der es spricht, sondern von dem, der es h\u00f6rt. Dieser Spruch hat mich durch die zweite Woche getragen. Anbetung und F\u00fcrbitte haben sich vermischt und wurden zu etwas f\u00fcr mich v\u00f6llig Neuem. Vor allem geschah eins: ich entspannte mich.&nbsp;Meine Gebete m\u00fcssen weder perfekt noch vollst\u00e4ndig sein, damit Gott sie versteht.&nbsp;Kennt ihr diesen Moment, wo einem etwas, das man theoretisch schon lang wei\u00df, pl\u00f6tzlich vom Kopf ins Herz rutscht? Das ist bei mir passiert. Ich w\u00fcrde mich noch immer nicht als treue F\u00fcrbitterin bezeichnen. Aber es war definitiv ein guter Anfang. Ein Anfang voller Abschweifen, konfuser Gedanken, Fragen und Wegd\u00f6sen (weil ich eben doch krank war und im Liegen wach zu bleiben ist schon im gesunden Zustand nicht meine St\u00e4rke.) Aber auch ein Anfang voller Liebe zu den Menschen, die Gott in mein Leben gestellt hat und voller Dankbarkeit, dass Gebet immer geht. 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