{"id":353,"date":"2018-02-27T17:10:00","date_gmt":"2018-02-27T17:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=353"},"modified":"2020-02-20T17:13:47","modified_gmt":"2020-02-20T17:13:47","slug":"schlaflos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=353","title":{"rendered":"Schlaflos"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Es ist so dunkel, dass ich die Zimmerdecke nicht erkennen kann. Ich starre trotzdem hoch. Bis eben habe ich noch tief geschlafen. Jetzt nicht mehr. Es gab kein Ger\u00e4usch, das mich geweckt hat. Auch mein Herz schl\u00e4gt ganz ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig. Aber da ist keine Spur von M\u00fcdigkeit mehr. Als h\u00e4tte ich nicht bis vor zehn Sekunden geschlafen, sondern nur geblinzelt. Ich angle nach dem Handy, um auf die Uhr zu sehen und schlage mir die Hand an dem fremden Bettrahmen an. Ich unterdr\u00fccke ein Schimpfen, um Achim nicht zu wecken, der im anderen Bett schl\u00e4ft. Kurz nach 1 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Art von Aufwachen ist selten bei mir. Normalerweise schnellt beim Aufwachen mein Puls hoch und ich bekomme meine erste Tagesdosis Adrenalin. Kickstart my day. Die Male, bei denen ich so wach geworden bin wie jetzt, kann ich an einer Hand abz\u00e4hlen. Bisher passierte es immer aus einem Grund:&nbsp;<strong>Jesus will mir etwas sagen.<\/strong>&nbsp;Und ich kann mir denken was. Ich drehe mich im Bett um, umarme mein Kuschelkissen, vergrabe mich tiefer in der Decke und presse die Augen zusammen. Vielleicht klappt es, dass ich doch wieder einschlafe.<\/p>\n\n\n\n<p>Tut es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Minuten sp\u00e4ter, gebe ich seufzend auf und gehe ins Gebet. Es f\u00e4llt mir schwer. Ich bin aufgew\u00fchlt und meine Emotionen toben. So wie der See Genezareth getobt haben muss, als die J\u00fcnger im Boot sa\u00dfen. Ich sehe Jesus auf mich zukommen, \u00fcber meine Gef\u00fchlswellen hinweg. Aber anstatt, dass er dem Sturm Einhalt gebietet und mich ruhig macht damit wir reden k\u00f6nnen, lockt er mich aus meinem Boot. Was so ziemlich das Letzte ist, was ich gerade m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag zuvor waren Achim und ich auf dieser Konferenz angekommen. Es war aufw\u00fchlend: Menschen, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte, endlich wieder umarmen zu k\u00f6nnen. Zu sehen, wie aus Menschen der n\u00e4chsten Generation Paare und aus Paaren Familien geworden sind. Der Stich, dass ich langsam zu den Alten geh\u00f6re \u2013 zu den Alten und kinderlosen. Als w\u00fcrde das Leben weitergehen \u2013 ohne mich. Ich darf nur zusehen. (edit: Was nat\u00fcrlich nicht wahr ist. Ich lebe sehr wohl ein Leben. Nur kann ich das in manchen Situationen nicht so klar sehen.) Dann das Aufeinandertreffen mit Menschen, mit denen nicht alles im Reinen ist. Trotz Aussprachen und Vergebung steht eine Mauer zwischen uns, die es uns fast unm\u00f6glich macht, uns bei der Begr\u00fc\u00dfung in die Augen zu sehen. Die Zeit des nicht-sehens scheint die Mauer nur dicker, statt br\u00f6seliger gemacht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun liege ich hier, in einem stockfinsteren Herbergszimmer und versuche genau diese Mauer nicht anzusehen. Ich hab\u2018s schon so oft versucht sie niederzurei\u00dfen und jedes Mal tat es danach mehr weh als vorher. Jesus ist nah am Boot und hilft mir heraus. Seufzend gebe ich nach \u2013 vorher werde ich ja ohnehin keinen Schlaf finden.Ich versuche in dem Gef\u00fchlschaos einen Anhaltspunkt zu finden. Ich f\u00fchle mich ungerecht behandelt. Es sind b\u00f6se Worte gefallen. Verhalten, dass mich tief verletzt und verunsichert hat. Dinge, die ich als falsch und unfair empfinde. Menschen, die mich in eine Ecke gestellt haben, in die ich nicht wollte. Ehe ich es mich versehe, befinde ich mich in einem inneren Dialog, in dem ich abwechselnd meine Position verteidige um dann wieder m\u00f6glichst harte S\u00e4tze zu formulieren, die nur ein Ziel haben: zu verletzen. Mein Frust, meine Wut und Entt\u00e4uschung, die seit Jahren im inneren Sumpf gelegen haben, brodeln hoch. Und \u00fcberhaupt, wie kann man mit mir nicht klar kommen, ich bin doch so nett!! Im Gegensatz zu den anderen. \u00dcberhaupt scheine ich die einzig normale Person in dem ganzen Haufen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wolltest du diese Woche nicht deinen Fokus aufs Segnen richten? Das ist also das, was du mit Segnen meinst?&#8220;&nbsp;<\/em>Die ruhige Stimme von Jesus dringt in mein Bewusstsein. Er musste nicht mal Schreien, um sich im Sturm Geh\u00f6r zu verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Nein es ist nicht Segnen. Ich bin so w\u00fctend, verst\u00f6rt und ver\u00e4rgert, dass ich genau das Gegenteil tue. Ich will in Gedanken mein Gegen\u00fcber klein halten, will die Verletzungen weiter geben, die ich sp\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es braucht Zeit.&nbsp;<\/strong>Es braucht in dieser Nacht viel Zeit, bis ich mich dazu durchringen kann, das erste Segnungsgebet zu sprechen.&nbsp;<strong>Es kostet \u00dcberwindung.<\/strong>&nbsp;Mein Ego jault gequ\u00e4lt. Aber der Sturm flacht ab. Immer wieder, wiederhole ich das kurze Gebet. Jesus spricht es mit. Und schlie\u00dflich sinkt es in mein Herz und ich kann meinen, was ich sage.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es vorbei ist, schaue ich auf den Haufen aus meinen Verletzungen und Wunden. Es ist jetzt so ruhig in mir, dass ich sie besser sehen kann. Jesus stellt sich dazu. Wir werden sie einzeln durchgehen.&nbsp;<strong>Jesus wird sie heilen.<\/strong>&nbsp;Sie werden nicht unter den Teppich gekehrt. Ich bin Jesus wichtig und er wird daf\u00fcr sorgen, dass jede dieser Wunden versorgt ist. Doch nicht mehr heute Nacht. Heute Nacht war gef\u00fchlt eine OP am offenen Herzen. Jetzt braucht es Pause und Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Schritt wird sein, noch einmal das Gespr\u00e4ch mit den Personen zu suchen. Schritt f\u00fcr Schritt.&nbsp;<strong>Das Meine zu tun, damit die Mauer verschwindet, unter der die anderen wahrscheinlich ebenso leiden wie ich.<\/strong>&nbsp;Und falls sie das nicht tun, kann wenigstens ich mit der Sache abschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist so dunkel, dass ich die Zimmerdecke nicht erkennen kann. Ich starre trotzdem hoch. Bis eben habe ich noch tief geschlafen. Jetzt nicht mehr. Es gab kein Ger\u00e4usch, das mich geweckt hat. Auch mein Herz schl\u00e4gt ganz ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig. Aber da ist keine Spur von M\u00fcdigkeit mehr. Als h\u00e4tte ich nicht bis vor zehn Sekunden geschlafen, sondern nur geblinzelt. Ich angle nach dem Handy, um auf die Uhr zu sehen und schlage mir die Hand an dem fremden Bettrahmen an. Ich unterdr\u00fccke ein Schimpfen, um Achim nicht zu wecken, der im anderen Bett schl\u00e4ft. Kurz nach 1 Uhr. Diese Art von Aufwachen ist selten bei mir. Normalerweise schnellt beim Aufwachen mein Puls hoch und ich bekomme meine erste Tagesdosis Adrenalin. Kickstart my day. Die Male, bei denen ich so wach geworden bin wie jetzt, kann ich an einer Hand abz\u00e4hlen. Bisher passierte es immer aus einem Grund:&nbsp;Jesus will mir etwas sagen.&nbsp;Und ich kann mir denken was. Ich drehe mich im Bett um, umarme mein Kuschelkissen, vergrabe mich tiefer in der Decke und presse die Augen zusammen. Vielleicht klappt es, dass ich doch wieder einschlafe. Tut es nicht. Zehn Minuten sp\u00e4ter, gebe ich seufzend auf und gehe ins Gebet. Es f\u00e4llt mir schwer. Ich bin aufgew\u00fchlt und meine Emotionen toben. So wie der See Genezareth getobt haben muss, als die J\u00fcnger im Boot sa\u00dfen. Ich sehe Jesus auf mich zukommen, \u00fcber meine Gef\u00fchlswellen hinweg. Aber anstatt, dass er dem Sturm Einhalt gebietet und mich ruhig macht damit wir reden k\u00f6nnen, lockt er mich aus meinem Boot. Was so ziemlich das Letzte ist, was ich gerade m\u00f6chte. Am Tag zuvor waren Achim und ich auf dieser Konferenz angekommen. Es war aufw\u00fchlend: Menschen, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte, endlich wieder umarmen zu k\u00f6nnen. Zu sehen, wie aus Menschen der n\u00e4chsten Generation Paare und aus Paaren Familien geworden sind. Der Stich, dass ich langsam zu den Alten geh\u00f6re \u2013 zu den Alten und kinderlosen. Als w\u00fcrde das Leben weitergehen \u2013 ohne mich. Ich darf nur zusehen. (edit: Was nat\u00fcrlich nicht wahr ist. Ich lebe sehr wohl ein Leben. Nur kann ich das in manchen Situationen nicht so klar sehen.) Dann das Aufeinandertreffen mit Menschen, mit denen nicht alles im Reinen ist. Trotz Aussprachen und Vergebung steht eine Mauer zwischen uns, die es uns fast unm\u00f6glich macht, uns bei der Begr\u00fc\u00dfung in die Augen zu sehen. Die Zeit des nicht-sehens scheint die Mauer nur dicker, statt br\u00f6seliger gemacht zu haben. Nun liege ich hier, in einem stockfinsteren Herbergszimmer und versuche genau diese Mauer nicht anzusehen. Ich hab\u2018s schon so oft versucht sie niederzurei\u00dfen und jedes Mal tat es danach mehr weh als vorher. Jesus ist nah am Boot und hilft mir heraus. Seufzend gebe ich nach \u2013 vorher werde ich ja ohnehin keinen Schlaf finden.Ich versuche in dem Gef\u00fchlschaos einen Anhaltspunkt zu finden. Ich f\u00fchle mich ungerecht behandelt. Es sind b\u00f6se Worte gefallen. Verhalten, dass mich tief verletzt und verunsichert hat. Dinge, die ich als falsch und unfair empfinde. Menschen, die mich in eine Ecke gestellt haben, in die ich nicht wollte. Ehe ich es mich versehe, befinde ich mich in einem inneren Dialog, in dem ich abwechselnd meine Position verteidige um dann wieder m\u00f6glichst harte S\u00e4tze zu formulieren, die nur ein Ziel haben: zu verletzen. Mein Frust, meine Wut und Entt\u00e4uschung, die seit Jahren im inneren Sumpf gelegen haben, brodeln hoch. Und \u00fcberhaupt, wie kann man mit mir nicht klar kommen, ich bin doch so nett!! Im Gegensatz zu den anderen. \u00dcberhaupt scheine ich die einzig normale Person in dem ganzen Haufen zu sein. &#8222;Wolltest du diese Woche nicht deinen Fokus aufs Segnen richten? Das ist also das, was du mit Segnen meinst?&#8220;&nbsp;Die ruhige Stimme von Jesus dringt in mein Bewusstsein. Er musste nicht mal Schreien, um sich im Sturm Geh\u00f6r zu verschaffen. Nein. Nein es ist nicht Segnen. Ich bin so w\u00fctend, verst\u00f6rt und ver\u00e4rgert, dass ich genau das Gegenteil tue. Ich will in Gedanken mein Gegen\u00fcber klein halten, will die Verletzungen weiter geben, die ich sp\u00fcre. Es braucht Zeit.&nbsp;Es braucht in dieser Nacht viel Zeit, bis ich mich dazu durchringen kann, das erste Segnungsgebet zu sprechen.&nbsp;Es kostet \u00dcberwindung.&nbsp;Mein Ego jault gequ\u00e4lt. Aber der Sturm flacht ab. Immer wieder, wiederhole ich das kurze Gebet. Jesus spricht es mit. Und schlie\u00dflich sinkt es in mein Herz und ich kann meinen, was ich sage. Als es vorbei ist, schaue ich auf den Haufen aus meinen Verletzungen und Wunden. Es ist jetzt so ruhig in mir, dass ich sie besser sehen kann. Jesus stellt sich dazu. Wir werden sie einzeln durchgehen.&nbsp;Jesus wird sie heilen.&nbsp;Sie werden nicht unter den Teppich gekehrt. Ich bin Jesus wichtig und er wird daf\u00fcr sorgen, dass jede dieser Wunden versorgt ist. Doch nicht mehr heute Nacht. Heute Nacht war gef\u00fchlt eine OP am offenen Herzen. Jetzt braucht es Pause und Schlaf. Der n\u00e4chste Schritt wird sein, noch einmal das Gespr\u00e4ch mit den Personen zu suchen. Schritt f\u00fcr Schritt.&nbsp;Das Meine zu tun, damit die Mauer verschwindet, unter der die anderen wahrscheinlich ebenso leiden wie ich.&nbsp;Und falls sie das nicht tun, kann wenigstens ich mit der Sache abschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":355,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[8,48,33],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/353"}],"collection":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=353"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/353\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":356,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/353\/revisions\/356"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/355"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}