{"id":332,"date":"2018-04-17T07:48:41","date_gmt":"2018-04-17T07:48:41","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=332"},"modified":"2020-02-20T16:50:05","modified_gmt":"2020-02-20T16:50:05","slug":"umgang-mit-trauer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=332","title":{"rendered":"Umgang mit Trauer"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Seit gef\u00fchlten Wochen, h\u00e4nge ich innerlich beim Thema Trauer fest. Ich wei\u00df nicht, was genau der Ausl\u00f6ser war. Vielleicht, dass im Freundes- und Bekanntenkreis wieder verst\u00e4rkt Krebs- oder Todesf\u00e4lle aufgetreten sind. Vielleicht ist es auch nur der zeitliche Abstand, der zul\u00e4sst, dass manches nach oben kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder werde ich gefragt, wie man mit Trauer gut umgehen kann. Nach acht Jahren sollte ich eigentlich eine souver\u00e4ne Antwort geben k\u00f6nnen. (Zumindest bilde ich mir ein, die geben k\u00f6nnen zu sollen\u2026oder so.) Doch das f\u00e4llt mir nach wie vor schwer. Meine gr\u00f6\u00dfte F\u00e4higkeit ist das aktive Verdr\u00e4ngen. Darin bin ich ganz gro\u00df. Und es ist das letzte, was ich empfehlen kann. Beim Nachdenken dar\u00fcber, was mir geholfen hat, kam ich auf das Bild der Trauerwellen:<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich das erste Mal mit dem Schmerz der Trauer konfrontiert wurde, war ich v\u00f6llig \u00fcberfordert. Ich wusste nichts dar\u00fcber wie Trauern funktioniert und war weder in der Lage noch Willens mir irgendeine Theorie dar\u00fcber anzulesen. In mir herrschte Chaos, w\u00e4hrend das Leben drau\u00dfen ganz normal weiterging \u2013 ich schwamm irgendwie mit. Nach und nach begriff ich: Trauer kommt in Wellen. Diese Erkenntnis half mir zu verstehen, wie es sein kann, dass ich im einen Moment mit Freunden herzlich lache und mich im n\u00e4chsten Moment die pure Verzweiflung packt.<\/p>\n\n\n\n<p>Also stellte ich mich auf die Trauerwellen ein, hielt nach ihnen Ausschau, versuchte mich zu wappnen \u2013 und versagte kl\u00e4glich. Etwas mit dem Wellenbild stimmte nicht, es deckte sich nicht mit dem was ich erlebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann besuchte ich ein Hallenbad, mit einem modernen Wellenbecken. Dieses Becken war nicht vier- sondern vieleckig. Die Wellenmaschinen waren an unterschiedlichen Seiten angebracht. Was sie erzeugten war ein Auf und Ab an Wellenbergen und -t\u00e4lern. Mal trifft es einen von vorne, mal von hinten und mal gar nicht. In diesem Becken war nicht vorhersehbar von wo die n\u00e4chste Welle kommen und wie hoch sie sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Trauerwellen sind nicht wie Wellen am Strand, die immer von vorne und in einem stetigen Rhythmus auf einen zurollen. Trauerwellen sind chaotisch und oft nicht vorhersehbar. Diese Erkenntnis hat mir geholfen. Weil diese Wellen sind, wie sie sind, darf ich mir erlauben, nicht immer gut mit ihnen umgehen zu k\u00f6nnen. Deswegen darf ich mir Zeit lassen und mich nach ein paar heftigen Wellen erst einmal erholen. Und ich darf mich an dem Wissen festhalten, dass ich einen Gott habe, der bei Sturm \u00fcber Wellen gehen kann und mich h\u00e4lt, wenn ich drohe unterzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit gef\u00fchlten Wochen, h\u00e4nge ich innerlich beim Thema Trauer fest. Ich wei\u00df nicht, was genau der Ausl\u00f6ser war. Vielleicht, dass im Freundes- und Bekanntenkreis wieder verst\u00e4rkt Krebs- oder Todesf\u00e4lle aufgetreten sind. Vielleicht ist es auch nur der zeitliche Abstand, der zul\u00e4sst, dass manches nach oben kommt. Immer wieder werde ich gefragt, wie man mit Trauer gut umgehen kann. Nach acht Jahren sollte ich eigentlich eine souver\u00e4ne Antwort geben k\u00f6nnen. (Zumindest bilde ich mir ein, die geben k\u00f6nnen zu sollen\u2026oder so.) Doch das f\u00e4llt mir nach wie vor schwer. Meine gr\u00f6\u00dfte F\u00e4higkeit ist das aktive Verdr\u00e4ngen. Darin bin ich ganz gro\u00df. Und es ist das letzte, was ich empfehlen kann. Beim Nachdenken dar\u00fcber, was mir geholfen hat, kam ich auf das Bild der Trauerwellen: Als ich das erste Mal mit dem Schmerz der Trauer konfrontiert wurde, war ich v\u00f6llig \u00fcberfordert. Ich wusste nichts dar\u00fcber wie Trauern funktioniert und war weder in der Lage noch Willens mir irgendeine Theorie dar\u00fcber anzulesen. In mir herrschte Chaos, w\u00e4hrend das Leben drau\u00dfen ganz normal weiterging \u2013 ich schwamm irgendwie mit. Nach und nach begriff ich: Trauer kommt in Wellen. Diese Erkenntnis half mir zu verstehen, wie es sein kann, dass ich im einen Moment mit Freunden herzlich lache und mich im n\u00e4chsten Moment die pure Verzweiflung packt. Also stellte ich mich auf die Trauerwellen ein, hielt nach ihnen Ausschau, versuchte mich zu wappnen \u2013 und versagte kl\u00e4glich. Etwas mit dem Wellenbild stimmte nicht, es deckte sich nicht mit dem was ich erlebte. Dann besuchte ich ein Hallenbad, mit einem modernen Wellenbecken. Dieses Becken war nicht vier- sondern vieleckig. Die Wellenmaschinen waren an unterschiedlichen Seiten angebracht. Was sie erzeugten war ein Auf und Ab an Wellenbergen und -t\u00e4lern. Mal trifft es einen von vorne, mal von hinten und mal gar nicht. In diesem Becken war nicht vorhersehbar von wo die n\u00e4chste Welle kommen und wie hoch sie sein w\u00fcrde. Trauerwellen sind nicht wie Wellen am Strand, die immer von vorne und in einem stetigen Rhythmus auf einen zurollen. Trauerwellen sind chaotisch und oft nicht vorhersehbar. Diese Erkenntnis hat mir geholfen. Weil diese Wellen sind, wie sie sind, darf ich mir erlauben, nicht immer gut mit ihnen umgehen zu k\u00f6nnen. Deswegen darf ich mir Zeit lassen und mich nach ein paar heftigen Wellen erst einmal erholen. 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