{"id":329,"date":"2018-04-24T06:39:56","date_gmt":"2018-04-24T06:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=329"},"modified":"2020-02-20T16:42:13","modified_gmt":"2020-02-20T16:42:13","slug":"das-schmeckt-irgendwie-bitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=329","title":{"rendered":"Das schmeckt irgendwie bitter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Still streife ich durch die Wohnung. Meine, normalerweise ganz passable, Ordnung hat sich in den letzten Wochen in einem unkreativem Durcheinander aufgel\u00f6st.<br>Ich lehne meine Stirn gegen den k\u00fchlen T\u00fcrrahmen des Wohnzimmers. Seit ein paar Tagen f\u00fchle ich mich fiebrig, ohne dass ich Fieber h\u00e4tte.<br>Die Wohnung spiegelt ziemlich gut meinen inneren Zustand wider: Chaos.<\/p>\n\n\n\n<p>Es fing vor dem D\u00e4nemarkurlaub an, mit Tr\u00e4umen und Gedanken \u00fcber meine Eltern. Ostern kamen Schmerzen \u00fcber die Kinderlosigkeit dazu, von denen ich dachte, dass ich inzwischen einen deutlich besser Umgang damit gefunden h\u00e4tte. Gleichzeitig meldete sich am Ostermontag meine entz\u00fcndete Sehne im rechten Bein zur\u00fcck, weshalb l\u00e4ngere Spazierg\u00e4nge oder gar Radfahren in den Fr\u00fchling zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Mein, zugegeben nicht sehr heldenhafter, Umgang damit l\u00e4sst sich am besten in zwei Worten zusammenfassen: Frustration und Resignation.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie hei\u00dft es in der Bibel so treffend: &#8222;Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank.&#8220; Und wenn das Herz krank ist, dann f\u00fchlt sich der Kopf hei\u00df an, auch wenn man kein Fieber hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lasse mich im T\u00fcrrahmen auf den Boden sinken, schlie\u00dfe die Augen und atme. Sind wir also mal wieder an diesem Punkt. (Ich rede gerne von &#8218;wir&#8216;, wenn ich in einer bl\u00f6den Situation stecke.) Eigentlich ist es mir schon seit dem Urlaub im Februar klar, dass diese Zeit auf mich zukommt. Aber wie so oft war mein Gedanke: das wird diesmal schon nicht so schlimm werden\u2026vielleicht verschwindet es ja auch von allein wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Tut es nat\u00fcrlich nicht. Und wenn der Zustand meiner Wohnung tats\u00e4chlich meinen inneren Zustand widerspiegelt, dann ist es allerh\u00f6chste Eisenbahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vergleiche mein Seelenleben zuweilen mit einem inneren Garten. Das Bild ist recht h\u00fcbsch, vor allem, wenn es darum geht, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, dem Vogelgezwitscher zuzuh\u00f6ren und an Blumen zu riechen (mein innerer Garten ist sehr disneygepr\u00e4gt. Es wird auch gelegentlich gesungen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das besinnliche Bild wird weniger sch\u00f6n, wenn es an die Gartenarbeit geht. Doch der Zustand meiner Wohnung und mein hei\u00dfer Kopf sagen mir, dass es an der Zeit ist, mir die Pflanzen, die gerade in meinem Garten vor sich hinwachsen, etwas genauer anzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In mir w\u00e4chst Bitterkeit. Mal wieder. Dieses Zeug ist eine fiese Angelegenheit. Es kommt zwischen all den Gew\u00e4chsen wie Liebe, Hoffnung, Wertsch\u00e4tzung oder R\u00fccksichtnahme, so herrlich anspruchslos daher. Es braucht keine Aufmerksamkeit, es ern\u00e4hrt sich selbst\u00e4ndig von meinen psychischen Abf\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dummerweise hat Bitterkeit die Eigenschaften von Minze\u2026einmal gepflanzt, bekommst du sie nie wieder los. Das Wurzelwerk ist flink, weit verzweigt und widerstandsf\u00e4hig, so dass es an den unm\u00f6glichsten Stellen immer wieder auftaucht. Man muss ihm weder Pflege noch Platz geben &#8211; es nimmt sich beides &#8211; auf Kosten aller anderen Dinge, die ich in meinem inneren Garten so gerne wachsen sehen m\u00f6chte. Einen Unterschied gibt es jedoch: Minze ist wenigstens noch zu was zu gebrauchen. Ausgewachsene Bitterkeit ist nicht nur nicht sch\u00f6n, sie ist giftig. Ausgewachsene Bitterkeit wird nach und nach alles t\u00f6ten: die Lebensfreude, die Liebe, die Beziehungen. Ich habe gelegentlich mit bitteren Menschen zu tun. Es ist nicht lustig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der k\u00fchle T\u00fcrstock an meinem R\u00fccken gibt mir Halt. Ich seufze. Gegen Bitterkeit hilft nur eines: runter auf die Knie und anfangen zu j\u00e4ten. Keine sch\u00f6ne Arbeit. Eine dreckige Arbeit, denn man muss graben. Anstrengend, manchmal schmerzhaft und\u2026naja\u2026\u00e4tzend halt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Erfahrung habe ich gelernt: Bitterkeit begegnet man am besten nicht allein, sondern im Gebet. Und weil Jesus beim J\u00e4ten hilft und er viel netter (und erfahrener) ist als ich, wird es nicht nur Stunden der Arbeit geben, sondern auch Kaffee in der Fr\u00fchlingssonne, F\u00fc\u00dfe in den Gartenteich h\u00e4ngen und Abends unter den bl\u00fchenden Apfelb\u00e4umen sitzen und reden (oder singen).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich seufze. Was ich brauche, sind ein paar Tage bei Gott. Urlaub in seiner N\u00e4he und ein bisschen Arbeitseinsatz in meinem &#8222;Herzensgarten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist dieser Blogbeitrag gleichzeitig auch eine Urlaubsank\u00fcndigung. Ich verreise f\u00fcr drei Wochen in einen inneren Urlaub. Bitte verzeiht mir, dass ich in dieser Zeit nicht regul\u00e4r bloggen werde. Zwar w\u00fcrde ich euch gerne mitnehmen (dann h\u00e4tte ich auch ein wenig Ablenkung). Aber reflektierte Offenheit und Authentizit\u00e4t ist eine Sache. Mit Dreck und Bitterkeit verschmierte Weltansichten um sich zu werfen, eine ganz andere. Letzteres muss ja nicht sein ;-). Bestimmt schreibe ich aber die ein oder andere &#8218;Postkarte&#8216;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Still streife ich durch die Wohnung. Meine, normalerweise ganz passable, Ordnung hat sich in den letzten Wochen in einem unkreativem Durcheinander aufgel\u00f6st.Ich lehne meine Stirn gegen den k\u00fchlen T\u00fcrrahmen des Wohnzimmers. Seit ein paar Tagen f\u00fchle ich mich fiebrig, ohne dass ich Fieber h\u00e4tte.Die Wohnung spiegelt ziemlich gut meinen inneren Zustand wider: Chaos. Es fing vor dem D\u00e4nemarkurlaub an, mit Tr\u00e4umen und Gedanken \u00fcber meine Eltern. Ostern kamen Schmerzen \u00fcber die Kinderlosigkeit dazu, von denen ich dachte, dass ich inzwischen einen deutlich besser Umgang damit gefunden h\u00e4tte. Gleichzeitig meldete sich am Ostermontag meine entz\u00fcndete Sehne im rechten Bein zur\u00fcck, weshalb l\u00e4ngere Spazierg\u00e4nge oder gar Radfahren in den Fr\u00fchling zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Mein, zugegeben nicht sehr heldenhafter, Umgang damit l\u00e4sst sich am besten in zwei Worten zusammenfassen: Frustration und Resignation. Wie hei\u00dft es in der Bibel so treffend: &#8222;Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank.&#8220; Und wenn das Herz krank ist, dann f\u00fchlt sich der Kopf hei\u00df an, auch wenn man kein Fieber hat. Ich lasse mich im T\u00fcrrahmen auf den Boden sinken, schlie\u00dfe die Augen und atme. Sind wir also mal wieder an diesem Punkt. (Ich rede gerne von &#8218;wir&#8216;, wenn ich in einer bl\u00f6den Situation stecke.) Eigentlich ist es mir schon seit dem Urlaub im Februar klar, dass diese Zeit auf mich zukommt. Aber wie so oft war mein Gedanke: das wird diesmal schon nicht so schlimm werden\u2026vielleicht verschwindet es ja auch von allein wieder. Tut es nat\u00fcrlich nicht. Und wenn der Zustand meiner Wohnung tats\u00e4chlich meinen inneren Zustand widerspiegelt, dann ist es allerh\u00f6chste Eisenbahn. Ich vergleiche mein Seelenleben zuweilen mit einem inneren Garten. Das Bild ist recht h\u00fcbsch, vor allem, wenn es darum geht, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, dem Vogelgezwitscher zuzuh\u00f6ren und an Blumen zu riechen (mein innerer Garten ist sehr disneygepr\u00e4gt. Es wird auch gelegentlich gesungen.) Das besinnliche Bild wird weniger sch\u00f6n, wenn es an die Gartenarbeit geht. Doch der Zustand meiner Wohnung und mein hei\u00dfer Kopf sagen mir, dass es an der Zeit ist, mir die Pflanzen, die gerade in meinem Garten vor sich hinwachsen, etwas genauer anzusehen. In mir w\u00e4chst Bitterkeit. Mal wieder. Dieses Zeug ist eine fiese Angelegenheit. Es kommt zwischen all den Gew\u00e4chsen wie Liebe, Hoffnung, Wertsch\u00e4tzung oder R\u00fccksichtnahme, so herrlich anspruchslos daher. Es braucht keine Aufmerksamkeit, es ern\u00e4hrt sich selbst\u00e4ndig von meinen psychischen Abf\u00e4llen. Dummerweise hat Bitterkeit die Eigenschaften von Minze\u2026einmal gepflanzt, bekommst du sie nie wieder los. Das Wurzelwerk ist flink, weit verzweigt und widerstandsf\u00e4hig, so dass es an den unm\u00f6glichsten Stellen immer wieder auftaucht. Man muss ihm weder Pflege noch Platz geben &#8211; es nimmt sich beides &#8211; auf Kosten aller anderen Dinge, die ich in meinem inneren Garten so gerne wachsen sehen m\u00f6chte. Einen Unterschied gibt es jedoch: Minze ist wenigstens noch zu was zu gebrauchen. Ausgewachsene Bitterkeit ist nicht nur nicht sch\u00f6n, sie ist giftig. Ausgewachsene Bitterkeit wird nach und nach alles t\u00f6ten: die Lebensfreude, die Liebe, die Beziehungen. Ich habe gelegentlich mit bitteren Menschen zu tun. Es ist nicht lustig. Der k\u00fchle T\u00fcrstock an meinem R\u00fccken gibt mir Halt. Ich seufze. Gegen Bitterkeit hilft nur eines: runter auf die Knie und anfangen zu j\u00e4ten. Keine sch\u00f6ne Arbeit. Eine dreckige Arbeit, denn man muss graben. Anstrengend, manchmal schmerzhaft und\u2026naja\u2026\u00e4tzend halt. Aus der Erfahrung habe ich gelernt: Bitterkeit begegnet man am besten nicht allein, sondern im Gebet. Und weil Jesus beim J\u00e4ten hilft und er viel netter (und erfahrener) ist als ich, wird es nicht nur Stunden der Arbeit geben, sondern auch Kaffee in der Fr\u00fchlingssonne, F\u00fc\u00dfe in den Gartenteich h\u00e4ngen und Abends unter den bl\u00fchenden Apfelb\u00e4umen sitzen und reden (oder singen). Ich seufze. Was ich brauche, sind ein paar Tage bei Gott. Urlaub in seiner N\u00e4he und ein bisschen Arbeitseinsatz in meinem &#8222;Herzensgarten&#8220;. Daher ist dieser Blogbeitrag gleichzeitig auch eine Urlaubsank\u00fcndigung. Ich verreise f\u00fcr drei Wochen in einen inneren Urlaub. Bitte verzeiht mir, dass ich in dieser Zeit nicht regul\u00e4r bloggen werde. Zwar w\u00fcrde ich euch gerne mitnehmen (dann h\u00e4tte ich auch ein wenig Ablenkung). Aber reflektierte Offenheit und Authentizit\u00e4t ist eine Sache. Mit Dreck und Bitterkeit verschmierte Weltansichten um sich zu werfen, eine ganz andere. Letzteres muss ja nicht sein ;-). Bestimmt schreibe ich aber die ein oder andere &#8218;Postkarte&#8216;.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":330,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[47,48,33],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/329"}],"collection":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=329"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":331,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions\/331"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/330"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}