{"id":323,"date":"2018-05-29T06:35:08","date_gmt":"2018-05-29T06:35:08","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=323"},"modified":"2020-02-20T16:36:36","modified_gmt":"2020-02-20T16:36:36","slug":"real-nach-draussen-mit-natur-und-so","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=323","title":{"rendered":"Real nach drau\u00dfen. Mit Natur und so."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">In einem Seelsorgeseminar sagte der Dozent:&nbsp;<em>&#8222;Reale Entspannung findet man nicht in einer virtuellen Welt.&#8220;<\/em>&nbsp;Der Satz ist mir h\u00e4ngen geblieben. Ich bin ein virtuell-entspanner, das muss ich leider zugeben. Sobald ich eine kurze Pause habe, geht mein Griff zum Smartphone und ich \u00f6ffne fast automatisch den Messenger, Pinterest und YouTube. (Meist genau in dieser Reihenfolge.)<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem bin ich ein \u00c4sthetik-Junkie. Ich mag die liebevoll aufgenommenen Vlogs von Frauen, die aus ihrem Leben berichten und ich mag sch\u00f6ne Fotos. Dabei ist es mir egal ob auf dem Foto ein dekorierter Esstisch abgebildet ist oder ein vom Zelteingang aus aufgenommenes Bergpanorama im Morgenlicht. Oft verliere ich mich in solchen Fotos, bekomme Fernweh oder Lust meine Wohnung zu dekorieren. Der Frust bleibt nat\u00fcrlich nicht aus, denn meine Dekoversuche wollen so gar nicht die Qualit\u00e4t erreichen, die mir Pinterest als normal spiegelt. (Von Instagram halte ich mich wohlweislich fern, das w\u00e4re der Untergang meines emotionalen Gleichgewichts.)<br>Dennoch mag ich die Bilder und komme immer wieder zu ihnen zur\u00fcck. Und ja&#8230;ich genie\u00dfe das. Auch wenn es mich innerlich oft ein wenig unruhig macht, ich g\u00f6nne es mir. Doch richtig entspannen? Nein, eher nicht. Zumindest nicht in dem Ma\u00dfe, wie ich Entspannung br\u00e4uchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Wochen waren gespickt mit Feiertagen, die so g\u00fcnstig lagen, dass sich das ein oder andere verl\u00e4ngerte Wochenende rausholen lie\u00df. Da mein Mann nette Kollegen hat (die alle Kinder haben und somit dankbar sind, wenn mein Mann in den Schulferien die Stellung im B\u00fcro h\u00e4lt), konnten wir die Br\u00fcckentage voll aussch\u00f6pfen. Wir waren im Schwarzwald und dort zu Fu\u00df unterwegs. Ich bin Jesus so dankbar, dass mein Bein gehalten hat. Ich konnte tats\u00e4chlich wandern gehen. \u00dcber Felsen klettern, die F\u00fc\u00dfe ins kalte Wasser h\u00e4ngen und auf Felsvorspr\u00fcngen mit ausgebreiteten Armen &#8222;Ich bin die K\u00f6nigin der Welt&#8220; rufen. (Von sehr kleinen Felsvorspr\u00fcngen, denn ich hab H\u00f6henangst). Wir waren am Schluchtensteig unterwegs, eine Wanderung, die ich mir seit Jahren w\u00fcnsche, die wir aber nie in Angriff genommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Bildern von Pinterest im Kopf startete ich die Tour. Und war\u2026entt\u00e4uscht. Es waren einige Menschen unterwegs, also nichts mit wilder Einsamkeit (klar, sch\u00f6nes Wetter und verl\u00e4ngertes Wochenende, da will jeder raus). Die Schnappsch\u00fcsse, die Achim und ich von uns gemacht haben, reichten bei Weitem nicht an das Bildmaterial heran, das ich vom Internet her gewohnt war. Meine Entt\u00e4uschung wuchs. Heimlich, im Unterbewusstsein. Mit sehr realen Auswirkungen auf meine Stimmung. Es dauerte einige Stunden (!), bis ich merkte was los war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Mann hat diese Pinterest-Pr\u00e4gung nicht. Auf einem Felsvorsprung (deutlich h\u00f6her, da keine H\u00f6henangst) stehend seufze er stattdessen gl\u00fccklich: &#8222;Gott ist doch ein K\u00fcnstler.&#8220; Dieser Satz holte mich in die Realit\u00e4t zur\u00fcck. Wir sind umgeben von so viel Sch\u00f6nheit. Alles ist fr\u00fchlingsgr\u00fcn, in der Schlucht gluckst die Wutach (ich liebe das Ger\u00e4usch von Wasser). Wir hatten schon einen herrlichen Wasserfall gesehen an diesem Tag. Ich kann mich bewegen und bin gesegnet mit einem K\u00f6rper, der mich durch diese Schlucht tr\u00e4gt. Ohne Schmerzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab da packte ich das Handy weg. Meine G\u00fcte, fiel mir das schwer. Es gab kaum noch Fotos. Und auch wenn ich den stillen Wunsch hatte, das meine Augen Fotos machen k\u00f6nnten, habe ich die Zeit doch einfach nur genossen. Atmen, Farben sehen, Ger\u00e4usche h\u00f6ren. Am Ende vom Tag in der Ferienwohnung den Bl\u00fctenstaub aus den Haaren waschen und ersch\u00f6pft und gl\u00fccklich, mit platt gelaufenen F\u00fc\u00dfen, auf die Couch fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesen Tagen war mein Akku aufgeladen. Die Gedanken wurden ruhiger, die Lebensneugier gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, dass es mir besser geht, wenn ich meine freie Zeit drau\u00dfen verbringe. Nicht nur der Psyche geht es besser. Auch meinem K\u00f6rper tut die Bewegung gut. Kopfschmerzen lassen nach, ich bin wacher und die Gelenke h\u00f6ren auf zu knacksen. Und nun, wo ich wieder gehen kann, will ich diese Freiheit, die ich fr\u00fcher als normal (manchmal sogar als l\u00e4stig) angesehen habe, mehr nutzen. Dennoch geht es mir oft so, dass ich lieber in Youtube versacke, als mir die Schuhe anzuziehen und f\u00fcr eine halbe Stunde \u00fcber die Felder zu schlendern. Der Schweinehund geht nicht gern Gassi.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn ich es lernen will auf mich selbst zu achten und f\u00fcr mich zu sorgen, dann werde ich mehr Entspannung in der realen Welt suchen m\u00fcssen. Auch wenn der Schweinehund erstmal jammert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Seelsorgeseminar sagte der Dozent:&nbsp;&#8222;Reale Entspannung findet man nicht in einer virtuellen Welt.&#8220;&nbsp;Der Satz ist mir h\u00e4ngen geblieben. Ich bin ein virtuell-entspanner, das muss ich leider zugeben. Sobald ich eine kurze Pause habe, geht mein Griff zum Smartphone und ich \u00f6ffne fast automatisch den Messenger, Pinterest und YouTube. (Meist genau in dieser Reihenfolge.) Au\u00dferdem bin ich ein \u00c4sthetik-Junkie. Ich mag die liebevoll aufgenommenen Vlogs von Frauen, die aus ihrem Leben berichten und ich mag sch\u00f6ne Fotos. Dabei ist es mir egal ob auf dem Foto ein dekorierter Esstisch abgebildet ist oder ein vom Zelteingang aus aufgenommenes Bergpanorama im Morgenlicht. Oft verliere ich mich in solchen Fotos, bekomme Fernweh oder Lust meine Wohnung zu dekorieren. Der Frust bleibt nat\u00fcrlich nicht aus, denn meine Dekoversuche wollen so gar nicht die Qualit\u00e4t erreichen, die mir Pinterest als normal spiegelt. (Von Instagram halte ich mich wohlweislich fern, das w\u00e4re der Untergang meines emotionalen Gleichgewichts.)Dennoch mag ich die Bilder und komme immer wieder zu ihnen zur\u00fcck. Und ja&#8230;ich genie\u00dfe das. Auch wenn es mich innerlich oft ein wenig unruhig macht, ich g\u00f6nne es mir. Doch richtig entspannen? Nein, eher nicht. Zumindest nicht in dem Ma\u00dfe, wie ich Entspannung br\u00e4uchte. Die letzten Wochen waren gespickt mit Feiertagen, die so g\u00fcnstig lagen, dass sich das ein oder andere verl\u00e4ngerte Wochenende rausholen lie\u00df. Da mein Mann nette Kollegen hat (die alle Kinder haben und somit dankbar sind, wenn mein Mann in den Schulferien die Stellung im B\u00fcro h\u00e4lt), konnten wir die Br\u00fcckentage voll aussch\u00f6pfen. Wir waren im Schwarzwald und dort zu Fu\u00df unterwegs. Ich bin Jesus so dankbar, dass mein Bein gehalten hat. Ich konnte tats\u00e4chlich wandern gehen. \u00dcber Felsen klettern, die F\u00fc\u00dfe ins kalte Wasser h\u00e4ngen und auf Felsvorspr\u00fcngen mit ausgebreiteten Armen &#8222;Ich bin die K\u00f6nigin der Welt&#8220; rufen. (Von sehr kleinen Felsvorspr\u00fcngen, denn ich hab H\u00f6henangst). Wir waren am Schluchtensteig unterwegs, eine Wanderung, die ich mir seit Jahren w\u00fcnsche, die wir aber nie in Angriff genommen haben. Mit den Bildern von Pinterest im Kopf startete ich die Tour. Und war\u2026entt\u00e4uscht. Es waren einige Menschen unterwegs, also nichts mit wilder Einsamkeit (klar, sch\u00f6nes Wetter und verl\u00e4ngertes Wochenende, da will jeder raus). Die Schnappsch\u00fcsse, die Achim und ich von uns gemacht haben, reichten bei Weitem nicht an das Bildmaterial heran, das ich vom Internet her gewohnt war. Meine Entt\u00e4uschung wuchs. Heimlich, im Unterbewusstsein. Mit sehr realen Auswirkungen auf meine Stimmung. Es dauerte einige Stunden (!), bis ich merkte was los war. Mein Mann hat diese Pinterest-Pr\u00e4gung nicht. Auf einem Felsvorsprung (deutlich h\u00f6her, da keine H\u00f6henangst) stehend seufze er stattdessen gl\u00fccklich: &#8222;Gott ist doch ein K\u00fcnstler.&#8220; Dieser Satz holte mich in die Realit\u00e4t zur\u00fcck. Wir sind umgeben von so viel Sch\u00f6nheit. Alles ist fr\u00fchlingsgr\u00fcn, in der Schlucht gluckst die Wutach (ich liebe das Ger\u00e4usch von Wasser). Wir hatten schon einen herrlichen Wasserfall gesehen an diesem Tag. Ich kann mich bewegen und bin gesegnet mit einem K\u00f6rper, der mich durch diese Schlucht tr\u00e4gt. Ohne Schmerzen. Ab da packte ich das Handy weg. Meine G\u00fcte, fiel mir das schwer. Es gab kaum noch Fotos. Und auch wenn ich den stillen Wunsch hatte, das meine Augen Fotos machen k\u00f6nnten, habe ich die Zeit doch einfach nur genossen. Atmen, Farben sehen, Ger\u00e4usche h\u00f6ren. Am Ende vom Tag in der Ferienwohnung den Bl\u00fctenstaub aus den Haaren waschen und ersch\u00f6pft und gl\u00fccklich, mit platt gelaufenen F\u00fc\u00dfen, auf die Couch fallen. Nach diesen Tagen war mein Akku aufgeladen. Die Gedanken wurden ruhiger, die Lebensneugier gr\u00f6\u00dfer. Ich wei\u00df, dass es mir besser geht, wenn ich meine freie Zeit drau\u00dfen verbringe. Nicht nur der Psyche geht es besser. Auch meinem K\u00f6rper tut die Bewegung gut. Kopfschmerzen lassen nach, ich bin wacher und die Gelenke h\u00f6ren auf zu knacksen. Und nun, wo ich wieder gehen kann, will ich diese Freiheit, die ich fr\u00fcher als normal (manchmal sogar als l\u00e4stig) angesehen habe, mehr nutzen. 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