{"id":320,"date":"2018-06-05T06:32:02","date_gmt":"2018-06-05T06:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=320"},"modified":"2020-02-20T16:32:46","modified_gmt":"2020-02-20T16:32:46","slug":"lobpreisgabe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=320","title":{"rendered":"Lobpreisgabe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die letzten Tage waren sehr warm und die dr\u00fcckende Schw\u00fcle hat sich in dem Gemeinschaftsraum unterm Dach festgesetzt. Die Fenster zur schattigen R\u00fcckseite des Geb\u00e4udes sind offen und eine erste k\u00fchle Abendbrise weht herein. Kurz \u00fcberlege ich, mich umzusetzen, weg aus der Mitte des Raumes und hin zu den Fenstern. Aber das Rauschen des Wildbachs, der hinterm Haus vorbei schie\u00dft, setzt sich sogar gegen die beiden e-Gitarren durch. Wenn ich mich heute auf den Lobpreis konzentrieren will, sollte ich Ablenkungen meiden. Wasser ist f\u00fcr mich eine riesen Ablenkung. Ist es m\u00f6glich ein Lieblingselement zu haben? Dann ist meins das Wasser. Obwohl\u2026Luft ist auch ganz arg toll. Wind macht gl\u00fccklich\u2026gl\u00fccklicher als Wasser\u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>Wo war ich\u2026Ach ja, Lobpreisabend, Dachzimmer, Gitarren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit drei Tagen sind wir hier auf unserer j\u00e4hrlichen Gemeindefreizeit. Es kommt mir viel l\u00e4nger vor. Das Haus ist voll. Voll mit wunderbaren Menschen. Voll mit Leben, mit Kindern und mit\u2026laut. Mir war nat\u00fcrlich klar, dass Menschen laut sein k\u00f6nnen, aber ich hatte vergessen WIE laut. Vor allem dann, wenn gut die H\u00e4lfte davon (kleine) Kinder sind, die in der abgeschiedenen Herberge einmal nach Herzenslust miteinander toben d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist schon Samstagabend. Ich schaue in die Runde aus vertrauten Gesichtern und muss l\u00e4cheln. Es kristallisiert sich heraus, wer von den Leuten extrovertiert ist und in der Gegenwart von Menschen auftankt und wer zu den introvertierten geh\u00f6rt, die Gemeinschaft zwar genie\u00dfen, aber zum Regenerieren &#8218;Alleine-Zeit&#8216; br\u00e4uchten. Es sind einige m\u00fcde Gesichter um mich herum und auch ich geh\u00f6re dazu. Meine Spannkraft hat seit Mittwochabend merklich nachgelassen und ich frage mich, ob ich in diesem Zustand \u00fcberhaupt f\u00e4hig bin anzubeten. Oder ob ich einfach ins Bett gehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erklingen die ersten Akkorde. Ich sitze nahe bei den Musikern, schlie\u00dfe die Augen. Ich versuche Gedanken wie&nbsp;<em>&#8222;Ob ich wohl gerade sehr zerrupft aussehe? Ob ich einen komischen Gesichtsausdruck habe? Singe ich zu falsch und st\u00f6rt das jemanden?&#8220;<\/em>&nbsp;auszublenden und einfach nur da zu sein. Ich will mich auf Jesus konzentrieren. Doch meine Gedanken schwirren und kurz habe ich etwas Panik. Denn ich wei\u00df wie viele Lieder gespielt werden und ich bef\u00fcrchte, dass es f\u00fcr meinen ersch\u00f6pften Kopf nicht ausreicht in die n\u00f6tige Konzentration zu kommen. Ich gebe mein Bestes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geplanten Lieder h\u00e4tten nicht gereicht. Doch die Jungs an den Instrumenten h\u00f6ren nicht auf zu spielen. Auch nicht, als sie alle vorbereiteten Lieder durch haben. Sie machen einfach mit anderen Liedern weiter. (Was f\u00fcr Lobpreisleiter gar nicht so einfach ist, habe ich mir sagen lassen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann passiert es. Endlich l\u00f6st sich etwas in mir. Mir wird es&nbsp;<em>halbegal,<\/em>&nbsp;wie ich wohl nach au\u00dfen hin wirke und ob mein Gesinge schr\u00e4g klingt. Auch den anderen scheint es so zu gehen, denn etwas \u00e4ndert sich. Wir werden lauter, klingen mutiger, echter. Gemeinsam klingen unsere Stimmen anders als allein. So als h\u00e4tten wir nicht nur pers\u00f6nliche Stimme, sondern auch eine gemeinsame als Gemeinde. (Wer schon einmal auf einem Konzert war, kennt das.) Wenn ich mich konzentriere leuchten aus dieser einen neuen Stimme immer wieder einzelne Stimmen meiner Freunde hervor. Sie sind mir so vertraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen d\u00e4mmert es, hier drinnen ist Gemeinde. Die Texte der Lieder werden zu Gebeten, getragen durch die Musik. Ich will nicht aufh\u00f6ren zu anzubeten. Es f\u00fchlt sich an, als h\u00e4tte ich lange Durst gehabt und nun w\u00fcrde mir endlich jemand eine Flasche mit Wasser an die Lippen halten. Ich halte die Flasche krampfhaft fest und will nicht, dass sie mir wieder weggenommen wird. Ich sp\u00fcre die Abh\u00e4ngigkeit von den Lobpreisleitern da vorne, davon, dass sie weiter machen und mir helfen. Und sie machen weiter. Ich trinke und trinke. Bis der Durst nachl\u00e4sst. Bis ich mich zufrieden zur\u00fccksinken lasse und die Augen \u00f6ffne. Drau\u00dfen ist es Nacht. Ich sehe in leuchtende Gesichter. Und in m\u00fcde Gesichter. Die letzten T\u00f6ne verklingen. Ich hatte mich ganz auf Jesus konzentriert, doch was ich gesehen habe, ist seine Gemeinde. All diese wundervollen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Abend habe ich neu erlebt, was Gemeinde sein kann. Weit weg von unseren Unterschieden und kleinen Reibereien, die es bei uns genau so gibt, wie \u00fcberall anders, wo Menschen aufeinander treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam auf Jesus sehen, sich verlieren d\u00fcrfen, ohne sich dabei aufgeben zu m\u00fcssen. Sich von Menschen dienen zu lassen, die von Gott begabt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich gerade aufstehe und gehen will, bekomme ich die Reflektion der Lobpreiser mit, die kurz kritisch \u00fcber einige falsche Akkorde oder Rhythmusschwierigkeiten diskutieren. Ich muss grinsen und bekomme zum ersten Mal ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie wenig Perfektion und Heiligkeit miteinander zu tun haben. Heiligkeit, einzig beeinflusst von der Motivation und der Herzenshaltung, nicht vom Ergebnis. Hoffentlich kann ich mir diese Erkenntnis behalten, wenn das n\u00e4chste Mal mein Dienst und meine Gaben gefragt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke Gemeinde f\u00fcr die sch\u00f6ne Zeit mit euch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Tage waren sehr warm und die dr\u00fcckende Schw\u00fcle hat sich in dem Gemeinschaftsraum unterm Dach festgesetzt. Die Fenster zur schattigen R\u00fcckseite des Geb\u00e4udes sind offen und eine erste k\u00fchle Abendbrise weht herein. Kurz \u00fcberlege ich, mich umzusetzen, weg aus der Mitte des Raumes und hin zu den Fenstern. Aber das Rauschen des Wildbachs, der hinterm Haus vorbei schie\u00dft, setzt sich sogar gegen die beiden e-Gitarren durch. Wenn ich mich heute auf den Lobpreis konzentrieren will, sollte ich Ablenkungen meiden. Wasser ist f\u00fcr mich eine riesen Ablenkung. Ist es m\u00f6glich ein Lieblingselement zu haben? Dann ist meins das Wasser. Obwohl\u2026Luft ist auch ganz arg toll. Wind macht gl\u00fccklich\u2026gl\u00fccklicher als Wasser\u2026? Wo war ich\u2026Ach ja, Lobpreisabend, Dachzimmer, Gitarren. Seit drei Tagen sind wir hier auf unserer j\u00e4hrlichen Gemeindefreizeit. Es kommt mir viel l\u00e4nger vor. Das Haus ist voll. Voll mit wunderbaren Menschen. Voll mit Leben, mit Kindern und mit\u2026laut. Mir war nat\u00fcrlich klar, dass Menschen laut sein k\u00f6nnen, aber ich hatte vergessen WIE laut. Vor allem dann, wenn gut die H\u00e4lfte davon (kleine) Kinder sind, die in der abgeschiedenen Herberge einmal nach Herzenslust miteinander toben d\u00fcrfen. Jetzt ist schon Samstagabend. Ich schaue in die Runde aus vertrauten Gesichtern und muss l\u00e4cheln. Es kristallisiert sich heraus, wer von den Leuten extrovertiert ist und in der Gegenwart von Menschen auftankt und wer zu den introvertierten geh\u00f6rt, die Gemeinschaft zwar genie\u00dfen, aber zum Regenerieren &#8218;Alleine-Zeit&#8216; br\u00e4uchten. Es sind einige m\u00fcde Gesichter um mich herum und auch ich geh\u00f6re dazu. Meine Spannkraft hat seit Mittwochabend merklich nachgelassen und ich frage mich, ob ich in diesem Zustand \u00fcberhaupt f\u00e4hig bin anzubeten. Oder ob ich einfach ins Bett gehen sollte. Dann erklingen die ersten Akkorde. Ich sitze nahe bei den Musikern, schlie\u00dfe die Augen. Ich versuche Gedanken wie&nbsp;&#8222;Ob ich wohl gerade sehr zerrupft aussehe? Ob ich einen komischen Gesichtsausdruck habe? Singe ich zu falsch und st\u00f6rt das jemanden?&#8220;&nbsp;auszublenden und einfach nur da zu sein. Ich will mich auf Jesus konzentrieren. Doch meine Gedanken schwirren und kurz habe ich etwas Panik. Denn ich wei\u00df wie viele Lieder gespielt werden und ich bef\u00fcrchte, dass es f\u00fcr meinen ersch\u00f6pften Kopf nicht ausreicht in die n\u00f6tige Konzentration zu kommen. Ich gebe mein Bestes. Die geplanten Lieder h\u00e4tten nicht gereicht. Doch die Jungs an den Instrumenten h\u00f6ren nicht auf zu spielen. Auch nicht, als sie alle vorbereiteten Lieder durch haben. Sie machen einfach mit anderen Liedern weiter. (Was f\u00fcr Lobpreisleiter gar nicht so einfach ist, habe ich mir sagen lassen.) Und dann passiert es. Endlich l\u00f6st sich etwas in mir. Mir wird es&nbsp;halbegal,&nbsp;wie ich wohl nach au\u00dfen hin wirke und ob mein Gesinge schr\u00e4g klingt. Auch den anderen scheint es so zu gehen, denn etwas \u00e4ndert sich. Wir werden lauter, klingen mutiger, echter. Gemeinsam klingen unsere Stimmen anders als allein. So als h\u00e4tten wir nicht nur pers\u00f6nliche Stimme, sondern auch eine gemeinsame als Gemeinde. (Wer schon einmal auf einem Konzert war, kennt das.) Wenn ich mich konzentriere leuchten aus dieser einen neuen Stimme immer wieder einzelne Stimmen meiner Freunde hervor. Sie sind mir so vertraut. Drau\u00dfen d\u00e4mmert es, hier drinnen ist Gemeinde. Die Texte der Lieder werden zu Gebeten, getragen durch die Musik. Ich will nicht aufh\u00f6ren zu anzubeten. Es f\u00fchlt sich an, als h\u00e4tte ich lange Durst gehabt und nun w\u00fcrde mir endlich jemand eine Flasche mit Wasser an die Lippen halten. Ich halte die Flasche krampfhaft fest und will nicht, dass sie mir wieder weggenommen wird. Ich sp\u00fcre die Abh\u00e4ngigkeit von den Lobpreisleitern da vorne, davon, dass sie weiter machen und mir helfen. Und sie machen weiter. Ich trinke und trinke. Bis der Durst nachl\u00e4sst. Bis ich mich zufrieden zur\u00fccksinken lasse und die Augen \u00f6ffne. Drau\u00dfen ist es Nacht. Ich sehe in leuchtende Gesichter. Und in m\u00fcde Gesichter. Die letzten T\u00f6ne verklingen. Ich hatte mich ganz auf Jesus konzentriert, doch was ich gesehen habe, ist seine Gemeinde. All diese wundervollen Menschen. An diesem Abend habe ich neu erlebt, was Gemeinde sein kann. Weit weg von unseren Unterschieden und kleinen Reibereien, die es bei uns genau so gibt, wie \u00fcberall anders, wo Menschen aufeinander treffen. Gemeinsam auf Jesus sehen, sich verlieren d\u00fcrfen, ohne sich dabei aufgeben zu m\u00fcssen. Sich von Menschen dienen zu lassen, die von Gott begabt sind. Als ich gerade aufstehe und gehen will, bekomme ich die Reflektion der Lobpreiser mit, die kurz kritisch \u00fcber einige falsche Akkorde oder Rhythmusschwierigkeiten diskutieren. Ich muss grinsen und bekomme zum ersten Mal ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie wenig Perfektion und Heiligkeit miteinander zu tun haben. Heiligkeit, einzig beeinflusst von der Motivation und der Herzenshaltung, nicht vom Ergebnis. Hoffentlich kann ich mir diese Erkenntnis behalten, wenn das n\u00e4chste Mal mein Dienst und meine Gaben gefragt sind. 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