{"id":317,"date":"2018-06-12T06:28:04","date_gmt":"2018-06-12T06:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=317"},"modified":"2020-02-20T16:29:40","modified_gmt":"2020-02-20T16:29:40","slug":"so-kann-man-also-auch-beten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=317","title":{"rendered":"So kann man also auch beten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Es ist ein sonniger Montag und mein freier Tag. Mein rechtes Bein ist noch immer schmerzfrei und ich genie\u00dfe die Freiheit, die das f\u00fcr mich bedeutet. Fr\u00fch morgens habe ich mich mit Rucksack und Wanderschuhen auf dem Weg gemacht. Es ist keine atemberaubende Tour. Es wird kaum Pl\u00e4tze mit Ausblick geben und die H\u00f6henmeter sind \u00fcberschaubar. Es geht viel durch den Wald, an kleinen B\u00e4chen entlang und \u00fcber Felder. Entspannt. Das ist mir gerade recht.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Kopf summen die Gedanken wie ein Schwarm sehr aufgeregter Bienen. Gesch\u00e4ftig und ohne eine f\u00fcr mich erkennbare Struktur. Ich versuche gar nicht erst Ordnung reinzubringen, am Schluss gehen die noch auf mich los.<br>Dieser Umgang ist neu f\u00fcr mich. Noch vor einem halben Jahr h\u00e4tte ich versucht die Gedanken einzufangen, zu sortieren und ordentlich aufzupieken. Doch heute wird nicht sortiert. Stattdessen laufe ich. Setze einen Fu\u00df vor den anderen. Gedanken kommen, formulieren sich und sind im n\u00e4chsten Moment wieder verschwunden. Die Themen passen nicht zueinander, sind durchtr\u00e4nkt von unterschiedlichsten Emotionen. Sie zu betrachten ist, als w\u00fcrde ich durch ein Kaleidoskop sehen: wirre Farben und Formen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beten wie ich es gewohnt bin &#8211; also S\u00e4tze mit Anliegen formulieren &#8211; hat in diesem Zustand wenig Sinn, es sei denn ich mache es laut. Das w\u00fcrde mich \u00dcberwindung kosten, mitten in der freien Natur. Was sollen denn die B\u00e4ume von mir denken!? Oder &#8211; noch schlimmer &#8211; andere Wanderer. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich einfach das Handy ans Ohr nehmen und so tun als w\u00fcrde ich telefonieren. Damit w\u00fcrde ich viel weniger bekloppt wirken, so lang mich keiner fragt mit wem ich telefoniere und ich antworten muss: &#8222;Mit Gott.&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ich will nicht nur nicht sortieren, ich will mich auch nicht \u00fcberwinden laut zu sprechen. Mir ist gerade nicht nach Sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Gebet hat sich ver\u00e4ndert in den letzten Monaten. Jesus und ich schweigen viel, obwohl ich gef\u00fchlt deutlich mehr Zeit in seiner Gegenwart verbringe. Es ist ein angenehmes Schweigen. Nicht jenes Schweigen, das sich bei mir regelm\u00e4\u00dfig einstellt, wenn ich erfolglos versuche mit Menschen Smalltalk zu betreiben. (An alle, die das schon mal mit mir durchmachen mussten: Es tut mir furchtbar leid! Es liegt nicht an euch. Ich kann&#8217;s einfach nicht und meine Unf\u00e4higkeit ist offensichtlich tempor\u00e4r ansteckend.)<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, das Schweigen beim Gebet ist nicht unangenehm. Es ist ein vertrautes Schweigen.<br>Dann, manchmal, sagt Jesus etwas. Das mag ich. Ich h\u00f6re seine Stimme gerne. Nicht immer bin ich mir sicher, ob er es ist, oder ob es aus mir selbst kommt. Doch auch das nehme ich inzwischen deutlich gelassener hin, denn, was soll schon passieren? Er sagt mir ja in der Regel nicht, dass ich die Welt retten oder einen Vertrauenssprung aus dem 10. Stock machen soll. Meistens sind es kleine Liebesbekundungen von ihm, die er mir zuspricht oder ein kurzer Impuls einen Menschen anzul\u00e4cheln oder meine Hilfe anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich nicht gerade schweige, habe ich angefangen Fragen zu stellen. Ich frage Jesus, wie es ihm geht. Ob er gerade etwas auf dem Herzen hat. Ich lausche, ohne mich dem Druck auszusetzen etwas h\u00f6ren zu m\u00fcssen. Danach schweigen wir wieder. Ich bitte Jesus mir die Dinge wichtig zu machen, die ihm wichtig sind und vertraue darauf, dass er das tun wird und das ich mit dem, was er mir sagen wird, auch umgehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich gehe, betrachte ich weiter meine Gedankenfetzen, merke, wie sie mit jedem Kilometer, den ich zur\u00fcck lege, langsamer werden. Viele l\u00f6sen sich auf. Ich bin gl\u00fccklich diesen Tag zu haben. Auf diese Weise mit Gott unterwegs sein zu k\u00f6nnen. Jahrelang war mein Gebet verkrampft (und ist es teilweise immer noch). Diese neue Art des Gebets passt so viel besser zu mir und zu der Art meiner Beziehung zu Gott. Ich bin Jesus dankbar, dass er sich so auf uns Menschen einl\u00e4sst. Und das er sogar mit einem Viel-Denk-wenig-Sprech-Menschen wie mir eine Art findet Intimit\u00e4t zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Tour kommt dann ein neuer Gedanke: Kaffee und Kuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus sagt nichts dazu, aber ich meine sein L\u00e4cheln sp\u00fcren zu k\u00f6nnen. Und dann fallen die restlichen Gedanken im Kaleidoskop an ihren Platz und ergeben: eindeutig das Bild einer Schwarzw\u00e4lder Kirschtorte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein sonniger Montag und mein freier Tag. Mein rechtes Bein ist noch immer schmerzfrei und ich genie\u00dfe die Freiheit, die das f\u00fcr mich bedeutet. Fr\u00fch morgens habe ich mich mit Rucksack und Wanderschuhen auf dem Weg gemacht. Es ist keine atemberaubende Tour. Es wird kaum Pl\u00e4tze mit Ausblick geben und die H\u00f6henmeter sind \u00fcberschaubar. Es geht viel durch den Wald, an kleinen B\u00e4chen entlang und \u00fcber Felder. Entspannt. Das ist mir gerade recht. In meinem Kopf summen die Gedanken wie ein Schwarm sehr aufgeregter Bienen. Gesch\u00e4ftig und ohne eine f\u00fcr mich erkennbare Struktur. Ich versuche gar nicht erst Ordnung reinzubringen, am Schluss gehen die noch auf mich los.Dieser Umgang ist neu f\u00fcr mich. Noch vor einem halben Jahr h\u00e4tte ich versucht die Gedanken einzufangen, zu sortieren und ordentlich aufzupieken. Doch heute wird nicht sortiert. Stattdessen laufe ich. Setze einen Fu\u00df vor den anderen. Gedanken kommen, formulieren sich und sind im n\u00e4chsten Moment wieder verschwunden. Die Themen passen nicht zueinander, sind durchtr\u00e4nkt von unterschiedlichsten Emotionen. Sie zu betrachten ist, als w\u00fcrde ich durch ein Kaleidoskop sehen: wirre Farben und Formen. Beten wie ich es gewohnt bin &#8211; also S\u00e4tze mit Anliegen formulieren &#8211; hat in diesem Zustand wenig Sinn, es sei denn ich mache es laut. Das w\u00fcrde mich \u00dcberwindung kosten, mitten in der freien Natur. Was sollen denn die B\u00e4ume von mir denken!? Oder &#8211; noch schlimmer &#8211; andere Wanderer. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich einfach das Handy ans Ohr nehmen und so tun als w\u00fcrde ich telefonieren. Damit w\u00fcrde ich viel weniger bekloppt wirken, so lang mich keiner fragt mit wem ich telefoniere und ich antworten muss: &#8222;Mit Gott.&#8220;. Doch ich will nicht nur nicht sortieren, ich will mich auch nicht \u00fcberwinden laut zu sprechen. Mir ist gerade nicht nach Sprechen. Mein Gebet hat sich ver\u00e4ndert in den letzten Monaten. Jesus und ich schweigen viel, obwohl ich gef\u00fchlt deutlich mehr Zeit in seiner Gegenwart verbringe. Es ist ein angenehmes Schweigen. Nicht jenes Schweigen, das sich bei mir regelm\u00e4\u00dfig einstellt, wenn ich erfolglos versuche mit Menschen Smalltalk zu betreiben. (An alle, die das schon mal mit mir durchmachen mussten: Es tut mir furchtbar leid! Es liegt nicht an euch. 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Ich bitte Jesus mir die Dinge wichtig zu machen, die ihm wichtig sind und vertraue darauf, dass er das tun wird und das ich mit dem, was er mir sagen wird, auch umgehen kann. W\u00e4hrend ich gehe, betrachte ich weiter meine Gedankenfetzen, merke, wie sie mit jedem Kilometer, den ich zur\u00fcck lege, langsamer werden. Viele l\u00f6sen sich auf. Ich bin gl\u00fccklich diesen Tag zu haben. Auf diese Weise mit Gott unterwegs sein zu k\u00f6nnen. Jahrelang war mein Gebet verkrampft (und ist es teilweise immer noch). Diese neue Art des Gebets passt so viel besser zu mir und zu der Art meiner Beziehung zu Gott. Ich bin Jesus dankbar, dass er sich so auf uns Menschen einl\u00e4sst. Und das er sogar mit einem Viel-Denk-wenig-Sprech-Menschen wie mir eine Art findet Intimit\u00e4t zu leben. Am Ende der Tour kommt dann ein neuer Gedanke: Kaffee und Kuchen. Jesus sagt nichts dazu, aber ich meine sein L\u00e4cheln sp\u00fcren zu k\u00f6nnen. 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