{"id":295,"date":"2018-07-31T06:04:25","date_gmt":"2018-07-31T06:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=295"},"modified":"2020-02-21T19:00:49","modified_gmt":"2020-02-21T19:00:49","slug":"das-leuchten-suchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=295","title":{"rendered":"Das Leuchten suchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Luft ist noch k\u00fchl, auf dem Balkon. Unter mir liegt die Stadt und die Ausl\u00e4ufer des Remstals. Alles ist saftig gr\u00fcn und der fr\u00fchmorgendliche Verkehr summt darin wie Bienen in einem Bienenstock. Alles wirkt so wacht und quirlig. Nur ich nicht. Der n\u00e4chtliche Traum h\u00e4ngt mir noch nach und will sich nicht recht absch\u00fctteln lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Wochen hat sich eine Schwere auf mein Leben gelegt, die sich auch in den Tr\u00e4umen widerspiegelt. Es fing kurz vor unserem Urlaub an. Der war Anfang Juni und langsam habe ich es satt. Meine Akkus sind leer. Dabei sollten sie voll sein. Denn ich habe in den letzten Wochen gezielt das praktiziert, was man Work-Life-Balance nennt. Aber nach Balance f\u00fchlt es sich so gar nicht an. Eher wie Achterbahnfahrt im Dunkeln. Und das bei \u00fcber 30 Grad Sommerhitze und grellem Licht. Klingt wie ein Widerspruch, erlebt sich aber sehr real.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott sei Dank ist der Sommer die Zeit im Jahr, wo am wenigsten von mir gefordert wird. In der Gemeinde geht alles etwas langsamer zu und auch die restliche Welt scheint einen Gang runter zu schalten. Das gibt mir die M\u00f6glichkeit durchzuh\u00e4ngen. Hier zu sitzen. Dem Verkehr zu lauschen.&nbsp;<strong>Und das sehns\u00fcchtige Ziehen in meinem Bauch wahrzunehmen.<\/strong>&nbsp;Ja, es zieht in meinem Bauch. Oder in meinem Herzen, so genau kann ich das nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann habe ich es zum ersten Mal wahrgenommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube es war vor zirka zw\u00f6lf Jahren, an einem Herbstabend in N\u00fcrnberg. Ich kam gerade von Freunden. Es war sp\u00e4t und ich wollte nach Hause. Auf der Treppe rannte ich in meinen Pastor, der im gleichen Haus wohnte. Er sah furchtbar m\u00fcde aus. Aber unter dieser Ersch\u00f6pfung lag ein Gl\u00fchen. Ein intensives, warmes Licht. Mein Pastor meinte das ernst, die Sache mit Jesus. Jesus war die Kraftquelle, aus der heraus er lebte. Die beiden hatten eine so stabile und selbstverst\u00e4ndliche Beziehung, dass mir damals schlagartig bewusst wurde:&nbsp;<strong>das ist echt.<\/strong>&nbsp;Diese Beziehung war es, die meinen Pastor vor dem ausbrennen bewahrte, selbst in anstrengenden Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem bin ich immer wieder Christen begegnet, die dieses Leuchten hatten. Ein Leuchten, in dem sich tiefe Beziehung, Vertrauen und Intimit\u00e4t spiegeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will das auch. Ich wollte es, seitdem ich in N\u00fcrnberg in diesem Altbautreppenhaus in den Pastor gerannt bin. Und ich will es jetzt, an diesem Sommermorgen auf meinem Balkon.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Am n\u00e4chsten Morgen ging Jesus allein an einen einsamen Ort, um zu beten.<br>(Mk 1,35)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Meine Bibellese hat mich vor zwei Tagen \u00fcber diesen Vers stolpern lassen und er l\u00e4sst mich nicht mehr los. Dieser Vers wird oft dazu gebraucht vor der Zeit aufzustehen und in blindem Aktionismus Gebetslisten abzuarbeiten. Hab ich auch schon versucht\u2026war nicht sch\u00f6n. Doch diesmal nehme ich hinter diesem Vers das gleiche Leuchten wahr, wie in den Augen meines damaligen Pastors.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus, der in seinem Dienst sehr eingespannt war, fl\u00fcchtet sich in einen Raum, in dem er mit seinem Vater alleine ist. Er rechtfertigt sich nicht, meldet sich nicht mal bei seinen J\u00fcngern ab. Er nimmt sich das, was er braucht, um das tun zu k\u00f6nnen, wof\u00fcr er gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will auch in diesen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebet scheint der Schl\u00fcssel zu sein. Doch, wie betet man? Es muss mehr geben,als Gebetslisten abzuarbeiten. Nichts gegen Gebetslisten, die m\u00f6gen ihre Berechtigung haben. Aber nach \u00fcber zehn Jahren kann ich mit Sicherheit sagen, dass dieses Werkzeug in mir kein tiefes Gl\u00fchen erzeugen konnte und mich nicht dauerhaft in einen Raum der Gegenwart Gottes brachte. Doch was bringt mich in diesen Raum, in dem Jesus gelebt hat? Wie ist meine pers\u00f6nliche Art zu beten? Was gibt es \u00fcberhaupt f\u00fcr Arten?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sch\u00e4le mich aus dem Gartenstuhl und beginne meinen Streifzug durch die Wohnung, s\u00e4mtliche B\u00fccherregale ablaufend. Am Ende habe ich einen h\u00fcbschen Stapel B\u00fccher zusammen, alle zum Thema Gebet. Kaum eins kenne ich. Wann habe ich aufgeh\u00f6rt zu lesen? Ich habe keine Ahnung, ob die B\u00fccher gut oder schlecht sind. Ob sie einen Schl\u00fcssel zu dem Raum in mir enthalten, in dem das Leuchten ist. Oder ob sie pure Zeitverschwendung sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich bin neugierig. Meine Frage ist so alt wie das Christentum selbst. Auch die J\u00fcnger hatten sie (&#8222;Lehrer, lehre uns beten.&#8220;). Und ich bin gespannt welche Antworten und Ans\u00e4tze Christen vor mir hatten, als sie dieser Frage auf den Grund gegangen sind. Also, was soll&#8217;s\u2026es ist Sommer, es ist ruhig. Ich wei\u00df nach meinem fr\u00fchen Feierabend gerade ohnehin nichts mit mir anzufangen, also kann ich mich auch auf Schatzsuche begeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fcck auf!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"651\" height=\"867\" src=\"https:\/\/laufforum24.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/BuecherueberGebet.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-297\" srcset=\"http:\/\/nurheute.net\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/BuecherueberGebet.jpg 651w, http:\/\/nurheute.net\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/BuecherueberGebet-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Luft ist noch k\u00fchl, auf dem Balkon. Unter mir liegt die Stadt und die Ausl\u00e4ufer des Remstals. Alles ist saftig gr\u00fcn und der fr\u00fchmorgendliche Verkehr summt darin wie Bienen in einem Bienenstock. Alles wirkt so wacht und quirlig. Nur ich nicht. 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Dem Verkehr zu lauschen.&nbsp;Und das sehns\u00fcchtige Ziehen in meinem Bauch wahrzunehmen.&nbsp;Ja, es zieht in meinem Bauch. Oder in meinem Herzen, so genau kann ich das nicht sagen. Wann habe ich es zum ersten Mal wahrgenommen? Ich glaube es war vor zirka zw\u00f6lf Jahren, an einem Herbstabend in N\u00fcrnberg. Ich kam gerade von Freunden. Es war sp\u00e4t und ich wollte nach Hause. Auf der Treppe rannte ich in meinen Pastor, der im gleichen Haus wohnte. Er sah furchtbar m\u00fcde aus. Aber unter dieser Ersch\u00f6pfung lag ein Gl\u00fchen. Ein intensives, warmes Licht. Mein Pastor meinte das ernst, die Sache mit Jesus. Jesus war die Kraftquelle, aus der heraus er lebte. Die beiden hatten eine so stabile und selbstverst\u00e4ndliche Beziehung, dass mir damals schlagartig bewusst wurde:&nbsp;das ist echt.&nbsp;Diese Beziehung war es, die meinen Pastor vor dem ausbrennen bewahrte, selbst in anstrengenden Zeiten. Seitdem bin ich immer wieder Christen begegnet, die dieses Leuchten hatten. Ein Leuchten, in dem sich tiefe Beziehung, Vertrauen und Intimit\u00e4t spiegeln. Ich will das auch. Ich wollte es, seitdem ich in N\u00fcrnberg in diesem Altbautreppenhaus in den Pastor gerannt bin. Und ich will es jetzt, an diesem Sommermorgen auf meinem Balkon. Am n\u00e4chsten Morgen ging Jesus allein an einen einsamen Ort, um zu beten.(Mk 1,35) Meine Bibellese hat mich vor zwei Tagen \u00fcber diesen Vers stolpern lassen und er l\u00e4sst mich nicht mehr los. Dieser Vers wird oft dazu gebraucht vor der Zeit aufzustehen und in blindem Aktionismus Gebetslisten abzuarbeiten. Hab ich auch schon versucht\u2026war nicht sch\u00f6n. Doch diesmal nehme ich hinter diesem Vers das gleiche Leuchten wahr, wie in den Augen meines damaligen Pastors. Jesus, der in seinem Dienst sehr eingespannt war, fl\u00fcchtet sich in einen Raum, in dem er mit seinem Vater alleine ist. Er rechtfertigt sich nicht, meldet sich nicht mal bei seinen J\u00fcngern ab. Er nimmt sich das, was er braucht, um das tun zu k\u00f6nnen, wof\u00fcr er gekommen ist. Ich will auch in diesen Raum. Gebet scheint der Schl\u00fcssel zu sein. Doch, wie betet man? Es muss mehr geben,als Gebetslisten abzuarbeiten. Nichts gegen Gebetslisten, die m\u00f6gen ihre Berechtigung haben. Aber nach \u00fcber zehn Jahren kann ich mit Sicherheit sagen, dass dieses Werkzeug in mir kein tiefes Gl\u00fchen erzeugen konnte und mich nicht dauerhaft in einen Raum der Gegenwart Gottes brachte. Doch was bringt mich in diesen Raum, in dem Jesus gelebt hat? Wie ist meine pers\u00f6nliche Art zu beten? Was gibt es \u00fcberhaupt f\u00fcr Arten? Ich sch\u00e4le mich aus dem Gartenstuhl und beginne meinen Streifzug durch die Wohnung, s\u00e4mtliche B\u00fccherregale ablaufend. Am Ende habe ich einen h\u00fcbschen Stapel B\u00fccher zusammen, alle zum Thema Gebet. Kaum eins kenne ich. 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