{"id":285,"date":"2018-09-25T03:57:00","date_gmt":"2018-09-25T03:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=285"},"modified":"2020-02-21T19:19:47","modified_gmt":"2020-02-21T19:19:47","slug":"alltagsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=285","title":{"rendered":"Alltagsfreiheit"},"content":{"rendered":"\n<p>\n\nM\u00fcde komme ich in die K\u00fcche geschlichen. Drau\u00dfen ist es noch dunkel, hier drinnen riecht es bereits verlockend nach Fr\u00fchst\u00fcck. Mein Mann dr\u00fcckt mir den Kaffee in die Hand, den er eigentlich f\u00fcr sich gemacht hatte. Ich schnurre ein Dankesch\u00f6n, was sich aber mehr nach einem Grunzen anh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere K\u00fcche ist klein. Zu klein um einen Tisch oder auch nur einen Stuhl unterzubringen. Wenn man sich hier hinsetzen will, ist man gezwungen den Boden zu nehmen. In meinem Alter \u00fcberlegt man sich das zwei Mal, man muss schlie\u00dflich irgendwann auch wieder hoch.<br>Also verlasse ich die kuschelige K\u00fcche und wandere ins dunkle Wohnzimmer. Hier leuchtet nur ein Lichterschlauch, der urspr\u00fcnglich mal als Weihnachtsdeko gedacht war, von dem ich mich im Januar aber einfach nicht trennen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sommer mit seiner warmen Tr\u00e4gheit ist vorbei und der Alltag hat uns seit zwei Wochen wieder. Ich lehne mich an die Wand neben der Balkont\u00fcr und schaue nach drau\u00dfen \u00fcber die noch schlafende Stadt. Alltag. Das Wort Alltag wird oft so gebraucht, als w\u00e4re darin kein Platz f\u00fcr Farben. Als w\u00e4re Alltag der Ort, wo sich dr\u00fcckende Gewichte auf die Brust legen, das Atmen schwer machen und jegliche Leichtigkeit erstickt. Alltag, der Ort der Arbeit, der Fremdbestimmung und der Sehnsucht nach der Freiheit. Zumindest war es f\u00fcr mich lange Zeit so.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wer sagt, dass es so sein muss? Wer darf bestimmen, wie wir unseren Alltag leben? Jesus hat gesagt, dass wir zur Freiheit berufen sind. Nicht nur an den Wochenenden, nicht nur im Urlaub. Freiheit, das bedeutet entscheiden zu d\u00fcrfen, wie ich mein Leben gestalten und sehen m\u00f6chte. Nicht nur in den gro\u00dfen Entscheidungen, sondern vor allem auch in den kleinen. Manche Dinge m\u00fcssen gemacht werden, aber mit welcher Einstellung ich sie mache, das darf mir niemand vorschreiben. Es sind die kleinen Momente, die ein Leben lebenswert machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahrelang habe ich mich als Opfer meiner Arbeit gesehen. Getrieben von Pflichten hetzte ich von einem Termin zum n\u00e4chsten, w\u00e4hrend der Perfektionismus es mir unm\u00f6glich machte eine Aufgabe zu meiner Zufriedenheit abzuschlie\u00dfen. Kurz vor der Deadline presste ich es irgendwie noch in Form und f\u00fchlte mich hinterher mies. Einen Gro\u00dfteil meiner Studienzeit habe ich so verbracht. Schade, denn eigentlich liebe ich es zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann habe ich angefangen mich dagegen zu wehren, mich als Opfer meines Lebens zu sehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sto\u00dfe mich von der Wand ab, gehe zum Tisch, mache das kleine Licht an und \u00f6ffne meine Bibel und mein Notizbuch. Die n\u00e4chste Stunde geh\u00f6rt Jesus und mir. Achim gesellt sich dazu und jeder von uns liest schweigend und versinkt in seinen eigenen Gedanken. Ich glaube, f\u00fcr mich hat der Wechsel hier angefangen. Hier, in dieser Stunde, die ich genie\u00dfen darf, bevor alle anderen wach sind. Hier habe ich erfahren was es hei\u00dft f\u00fcr seine eigenen Lebensziele zu arbeiten. Manchmal m\u00fcde und nicht immer mit \u00fcbersch\u00e4umender Begeisterung. Aber mein Ziel ist es Jesus immer n\u00e4her kennen zu lernen und mich von ihm pr\u00e4gen zu lassen. Das braucht Zeit, also nehme ich sie mir, auch wenn das bedeutet, dass ich mich nicht nochmal im Bett umdrehen kann. Auch wenn es bedeutet, dass mir Menschen, die davon Erfahren, mit Skepsis begegnen. (Das f\u00e4llt mir \u00fcberhaupt nicht leicht, denn am Liebsten werde ich von jedem &#8211; und zu jeder Zeit &#8211; gemocht.)<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt noch einige Lebensbereiche, in denen ich nicht recht wei\u00df, wo ich hin will. Oft merke ich erst was ich mir w\u00fcnsche oder was ich vermisse, wenn ich es bei anderen sehe und anfange sie darum zu beneiden und sehns\u00fcchtig zu beobachten. Am Anfang habe ich mich gesch\u00e4mt, dass ich neidisch bin. Stolz bin ich darauf immer noch nicht, aber inzwischen versuche ich den Neid als Indikator f\u00fcr meine eigenen Tr\u00e4ume zu sehen und Menschen daf\u00fcr zu Segnen, dass sie den Mut haben, f\u00fcr ihre Tr\u00e4ume gerade zu stehen und in sie zu investieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle meine Tr\u00e4ume sind umsetzenswert oder umsetzbar. Manche schlie\u00dfen sich sogar gegenseitig aus. Aber es liegt an mir mich zu entscheiden und dann mutig f\u00fcr das zu arbeiten, was ich erreichen kann. Immer in Absprache mit Jesus und mit meinem Mann. Aber die beiden lassen mir erstaunlich viel Freiraum. Zumindest deutlich mehr als mir meine \u00c4ngste, Sorgen oder meine Tr\u00e4gheit lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen wird es langsam hell und ich werde wacher. Ein neuer bunter Alltag. Und ein Tag voller Dankbarkeit, dass ich frei sein darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcde komme ich in die K\u00fcche geschlichen. Drau\u00dfen ist es noch dunkel, hier drinnen riecht es bereits verlockend nach Fr\u00fchst\u00fcck. Mein Mann dr\u00fcckt mir den Kaffee in die Hand, den er eigentlich f\u00fcr sich gemacht hatte. Ich schnurre ein Dankesch\u00f6n, was sich aber mehr nach einem Grunzen anh\u00f6rt. Unsere K\u00fcche ist klein. Zu klein um einen Tisch oder auch nur einen Stuhl unterzubringen. Wenn man sich hier hinsetzen will, ist man gezwungen den Boden zu nehmen. In meinem Alter \u00fcberlegt man sich das zwei Mal, man muss schlie\u00dflich irgendwann auch wieder hoch.Also verlasse ich die kuschelige K\u00fcche und wandere ins dunkle Wohnzimmer. Hier leuchtet nur ein Lichterschlauch, der urspr\u00fcnglich mal als Weihnachtsdeko gedacht war, von dem ich mich im Januar aber einfach nicht trennen wollte. Der Sommer mit seiner warmen Tr\u00e4gheit ist vorbei und der Alltag hat uns seit zwei Wochen wieder. Ich lehne mich an die Wand neben der Balkont\u00fcr und schaue nach drau\u00dfen \u00fcber die noch schlafende Stadt. Alltag. Das Wort Alltag wird oft so gebraucht, als w\u00e4re darin kein Platz f\u00fcr Farben. Als w\u00e4re Alltag der Ort, wo sich dr\u00fcckende Gewichte auf die Brust legen, das Atmen schwer machen und jegliche Leichtigkeit erstickt. Alltag, der Ort der Arbeit, der Fremdbestimmung und der Sehnsucht nach der Freiheit. Zumindest war es f\u00fcr mich lange Zeit so. Aber wer sagt, dass es so sein muss? Wer darf bestimmen, wie wir unseren Alltag leben? Jesus hat gesagt, dass wir zur Freiheit berufen sind. Nicht nur an den Wochenenden, nicht nur im Urlaub. Freiheit, das bedeutet entscheiden zu d\u00fcrfen, wie ich mein Leben gestalten und sehen m\u00f6chte. Nicht nur in den gro\u00dfen Entscheidungen, sondern vor allem auch in den kleinen. Manche Dinge m\u00fcssen gemacht werden, aber mit welcher Einstellung ich sie mache, das darf mir niemand vorschreiben. Es sind die kleinen Momente, die ein Leben lebenswert machen. Jahrelang habe ich mich als Opfer meiner Arbeit gesehen. Getrieben von Pflichten hetzte ich von einem Termin zum n\u00e4chsten, w\u00e4hrend der Perfektionismus es mir unm\u00f6glich machte eine Aufgabe zu meiner Zufriedenheit abzuschlie\u00dfen. Kurz vor der Deadline presste ich es irgendwie noch in Form und f\u00fchlte mich hinterher mies. Einen Gro\u00dfteil meiner Studienzeit habe ich so verbracht. Schade, denn eigentlich liebe ich es zu lernen. Wann habe ich angefangen mich dagegen zu wehren, mich als Opfer meines Lebens zu sehen? Ich sto\u00dfe mich von der Wand ab, gehe zum Tisch, mache das kleine Licht an und \u00f6ffne meine Bibel und mein Notizbuch. Die n\u00e4chste Stunde geh\u00f6rt Jesus und mir. Achim gesellt sich dazu und jeder von uns liest schweigend und versinkt in seinen eigenen Gedanken. Ich glaube, f\u00fcr mich hat der Wechsel hier angefangen. Hier, in dieser Stunde, die ich genie\u00dfen darf, bevor alle anderen wach sind. Hier habe ich erfahren was es hei\u00dft f\u00fcr seine eigenen Lebensziele zu arbeiten. Manchmal m\u00fcde und nicht immer mit \u00fcbersch\u00e4umender Begeisterung. Aber mein Ziel ist es Jesus immer n\u00e4her kennen zu lernen und mich von ihm pr\u00e4gen zu lassen. Das braucht Zeit, also nehme ich sie mir, auch wenn das bedeutet, dass ich mich nicht nochmal im Bett umdrehen kann. Auch wenn es bedeutet, dass mir Menschen, die davon Erfahren, mit Skepsis begegnen. (Das f\u00e4llt mir \u00fcberhaupt nicht leicht, denn am Liebsten werde ich von jedem &#8211; und zu jeder Zeit &#8211; gemocht.) Es gibt noch einige Lebensbereiche, in denen ich nicht recht wei\u00df, wo ich hin will. Oft merke ich erst was ich mir w\u00fcnsche oder was ich vermisse, wenn ich es bei anderen sehe und anfange sie darum zu beneiden und sehns\u00fcchtig zu beobachten. Am Anfang habe ich mich gesch\u00e4mt, dass ich neidisch bin. 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