{"id":275,"date":"2018-10-30T06:00:34","date_gmt":"2018-10-30T06:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=275"},"modified":"2020-02-21T19:29:32","modified_gmt":"2020-02-21T19:29:32","slug":"wind-gebet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=275","title":{"rendered":"Wind &#038; Gebet"},"content":{"rendered":"<p>Ich glaube, alles begann mit den Spazierg\u00e4ngen &#8218;am Hang&#8216;. Der Hang, das war eine geteerte Stra\u00dfe, die hinter dem Haus meiner Eltern aus der Ortschaft hinaus und auf die Felder f\u00fchrte, sich gabelte um sich dann schlie\u00dflich auf einem Schotterweg im Wald zu verlieren. &#8218;Ninnern Hang&#8216; (dt. &#8217;nach Hinten zum Hang&#8216;) gingen meine Eltern gerne, wenn sie sich nach dem Essen ein wenig die F\u00fc\u00dfe vertreten wollten oder um sich vom Wind durchpusten zu lassen. Denn am Hang war es immer windig. Die Stra\u00dfe verlief &#8211; trotz der Namensgebung &#8211; erstaunlich eben und das einzig aufregende waren die Felder die je nach Jahreszeit anders aussahen, aber irgendwie meistens gleich rochen, n\u00e4mlich nach Kuh.<\/p>\n<p>Ich mochte den Hang. Vor allem aber mochte ich es, wenn wir von dort wieder zur\u00fcck kamen. Wenn das Gesicht rot vor K\u00e4lte war und die Wohnung so angenehm warm. Das Spazieren selber war nicht so meins. Wenn ich ehrlich bin, dann war spazieren bis vor zwei Jahren noch das Unwort f\u00fcr mich und ich habe mich dieser T\u00e4tigkeit kategorisch verweigert. Wenn mein Mann mit mir raus wollte, fragte er meistens, ob wir nicht eine halbst\u00fcndige Wanderung machen wollten. (Meistens wollte ich trotzdem nicht, denn auch wandern ist nicht so meins.)<\/p>\n<p>Nun, wo ich nicht mehr joggen gehen oder Radfahren kann (mein Knie will immer noch nicht richtig), wird Wandern langsam zu einer Alternative. Auch die 30 Minuten Wanderungen. Wir wohnen zwar in einem Wohnsilo, aber man ist erstaunlich schnell auf den Feldern. Felder, die je nach Jahreszeit ihr Aussehen \u00e4ndern. Und die erstaunlich wenig nach Kuh riechen. Aber den Wind gibt es auch hier. Und er f\u00fchlt sich vertraut an, wenn auch vielleicht nicht ganz so bei\u00dfend. Wenn ich zwischen den abgeernteten und umgepfl\u00fcgten Feldern spazieren gehe, die F\u00e4uste tief in den Jackentaschen vergraben, werden die Gedanken ruhiger. Das vertraute Gedankenkarussell dreht sich noch eine Weile, bevor es langsam zum Stillstand kommt. Die Bewegung meiner Beine in Verbindung mit dem Wind im Gesicht f\u00fchlt sich vertraut an, so als w\u00fcrde der zeitliche Abstand zur Vergangenheit schrumpfen, bis nur noch eine d\u00fcnne, fast durchsichtige Wand als Trennung zwischen mir und meinem j\u00fcngeren Selbst steht. So nah und doch unerreichbar.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit habe ich geschrieben, dass ich mich auf eine Gebetsreise machen m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte wissen, was es mit dem Gebet auf sich hat, m\u00f6chte dem Geheimnis n\u00e4her kommen. Angetrieben von Sehnsucht nach N\u00e4he zu Gott, nicht aus einem Pflichtgef\u00fchl heraus. Diese Reise hat damals begonnen und auch wenn ich nur langsam vorw\u00e4rts gehe, geht es doch voran. Schritt f\u00fcr Schritt. Buchst\u00e4blich in diesem Fall, denn die Zeiten zwischen den Feldern sind f\u00fcr mich zu einer neuen M\u00f6glichkeit geworden. Sobald der Kopf still ist, beginne ich (momentan noch zaghaft) zu fragen. Ich beginne all die Fragen loszuwerden, die mich besch\u00e4ftigen, \u00fcber Dinge die ich nicht verstehe und die ich doch nur zu gerne begreifen w\u00fcrde.<br \/>\nManchmal sind es ganz einfache aber tiefe Fragen, verletzlich und echt. &#8222;Liebst du mich? Wie sehr liebst du mich?&#8220;<br \/>\nManchmal sind es Fragen, die schon lange an mir nagen und bei denen ein Schrei meinen Hals hochkrabbelt. Wie die Fragen nach dem Leid im Leben einer Freundin, die aufgrund einer psychischen Erkrankung zur\u00fcck zu ihren Eltern ziehen musste und die doch nichts sehnlicher will als gesund und frei zu sein. Wieso hat Jesus sie noch nicht geheilt, er k\u00f6nnte doch!<br \/>\nUnd manchmal ist es einfach nur die stumme Frage, ob Jesus mir etwas sagen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich kann nicht behaupten, dass ich auf alle Fragen eine Antwort bekomme. Gerade auf die Fragen nach Leid oder dem Warum bleibt es oft erstaunlich ruhig. Allerdings bin ich auch hier meist so emotional, dass ich gar nicht richtig zuh\u00f6ren will. Aber alleine der Prozess des Fragens ist neu f\u00fcr mich. (Ich bin mehr ein Klage-Beter; der danach schuldbewusst eine Danke-Sequenz anh\u00e4ngt\u2026oder vorschiebt, je nachdem wie schnell es mir einf\u00e4llt.) Das Fragen und das H\u00f6ren hat einen neuen Prozess in mir angesto\u00dfen. Es ist gar nicht so leicht zu lauschen. Aber \u00dcbung macht den Meister. Perfektionismus ist bei Gebet wohl nicht angebracht.<\/p>\n<p>Und wenn ich dann durchgepustet und mit rotem Gesicht nach Hause komme, angenehm ruhig und doch voller Erwartung, dann schmeckt die hei\u00dfe Schokolade gleich doppelt so gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich glaube, alles begann mit den Spazierg\u00e4ngen &#8218;am Hang&#8216;. Der Hang, das war eine geteerte Stra\u00dfe, die hinter dem Haus meiner Eltern aus der Ortschaft hinaus und auf die Felder f\u00fchrte, sich gabelte um sich dann schlie\u00dflich auf einem Schotterweg im Wald zu verlieren. &#8218;Ninnern Hang&#8216; (dt. &#8217;nach Hinten zum Hang&#8216;) gingen meine Eltern gerne, wenn sie sich nach dem Essen ein wenig die F\u00fc\u00dfe vertreten wollten oder um sich vom Wind durchpusten zu lassen. Denn am Hang war es immer windig. 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Wir wohnen zwar in einem Wohnsilo, aber man ist erstaunlich schnell auf den Feldern. Felder, die je nach Jahreszeit ihr Aussehen \u00e4ndern. Und die erstaunlich wenig nach Kuh riechen. Aber den Wind gibt es auch hier. Und er f\u00fchlt sich vertraut an, wenn auch vielleicht nicht ganz so bei\u00dfend. Wenn ich zwischen den abgeernteten und umgepfl\u00fcgten Feldern spazieren gehe, die F\u00e4uste tief in den Jackentaschen vergraben, werden die Gedanken ruhiger. Das vertraute Gedankenkarussell dreht sich noch eine Weile, bevor es langsam zum Stillstand kommt. Die Bewegung meiner Beine in Verbindung mit dem Wind im Gesicht f\u00fchlt sich vertraut an, so als w\u00fcrde der zeitliche Abstand zur Vergangenheit schrumpfen, bis nur noch eine d\u00fcnne, fast durchsichtige Wand als Trennung zwischen mir und meinem j\u00fcngeren Selbst steht. So nah und doch unerreichbar. Vor einiger Zeit habe ich geschrieben, dass ich mich auf eine Gebetsreise machen m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte wissen, was es mit dem Gebet auf sich hat, m\u00f6chte dem Geheimnis n\u00e4her kommen. Angetrieben von Sehnsucht nach N\u00e4he zu Gott, nicht aus einem Pflichtgef\u00fchl heraus. Diese Reise hat damals begonnen und auch wenn ich nur langsam vorw\u00e4rts gehe, geht es doch voran. Schritt f\u00fcr Schritt. Buchst\u00e4blich in diesem Fall, denn die Zeiten zwischen den Feldern sind f\u00fcr mich zu einer neuen M\u00f6glichkeit geworden. Sobald der Kopf still ist, beginne ich (momentan noch zaghaft) zu fragen. Ich beginne all die Fragen loszuwerden, die mich besch\u00e4ftigen, \u00fcber Dinge die ich nicht verstehe und die ich doch nur zu gerne begreifen w\u00fcrde. Manchmal sind es ganz einfache aber tiefe Fragen, verletzlich und echt. &#8222;Liebst du mich? Wie sehr liebst du mich?&#8220; Manchmal sind es Fragen, die schon lange an mir nagen und bei denen ein Schrei meinen Hals hochkrabbelt. 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