{"id":272,"date":"2018-11-06T06:00:07","date_gmt":"2018-11-06T06:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=272"},"modified":"2020-02-21T19:30:43","modified_gmt":"2020-02-21T19:30:43","slug":"geliebt-genug-um-mutig-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=272","title":{"rendered":"Geliebt genug um mutig zu sein"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich \u00fcber meine Kindheit schreibe, k\u00f6nnte man leicht das Gef\u00fchl bekommen, sie sei perfekt gewesen. Das war sie nicht. Neulich besuchte mich meine Schwester und w\u00e4hrend \u00fcber einem Glas Wein der Abend zur Nacht wurde, kamen viele Kindheitserinnerungen hoch. Wir landeten bei dem Thema: &#8222;Ich liebe ja unsere Eltern, aber als Kind wollte ich nie so werden wie sie.&#8220; (Was hei\u00dft: alt. Naja, und vielleicht noch so einiges andere.)<\/p>\n<p>Das Thema brachte es mit sich, dass vor allem die anstrengenden Erinnerungen hoch kamen. Angefangen bei den kleinen Alltagsmomenten, die meine Schwester und ich uns anders gew\u00fcnscht h\u00e4tten, wie z.B. lieber einen lachenden und mit uns umhertobenden Vater zu haben, anstatt einen st\u00e4ndig arbeitenden, der viel zu schnell von der Lautst\u00e4rke seiner Kinder genervt war und oft genug mit emotionaler Abwesenheit gl\u00e4nzte. Bis hin zu den gro\u00dfen Lebensentscheidungen unserer Eltern, die sie zwar oft in Frage stellten, aber nie den Mut fanden diese zu \u00e4ndern. Wie zum Beispiel ein eigenes Haus zu bauen oder die Arbeitgeber zu wechseln.<\/p>\n<p>W\u00e4re ihr Leben anders verlaufen, wenn sie mehr Mut gehabt h\u00e4tten? Manchmal denke ich \u00fcber diese Momente im Leben unserer Eltern nach, die im Nachhinein Entscheidungsmomente waren.<br \/>\nSie h\u00e4tten ihr Leben \u00e4ndern k\u00f6nnen. Aber sie haben es nie getan. Denn \u00c4nderungen kosten. Sie kosten Sicherheit, Energie und oft Geld. Und davor hatten unsere Eltern Angst. Denn so unbequem ein Leben auch sein mag, es ist wenigstens vertraut. Also fuhren wir jeden Urlaub an den gleichen Ort in D\u00e4nemark oder \u00d6sterreich, was meine Eltern gleichzeitig liebten und hassten. Also zogen wir nie um, obwohl meine Mama gerne einen Garten gehabt h\u00e4tte, den sie selbst gestalten wollte. Also blieben meine Eltern bei ihren jeweiligen Arbeitgebern, auch wenn sie die Sehnsucht l\u00e4ngst in andere Richtungen zog. Ich wei\u00df, dass sie sich, obwohl sie im Grunde gl\u00fccklich waren, oft wie in einem K\u00e4fig f\u00fchlten.<\/p>\n<p>Wie ist es bei mir? Als ich klein war, holte ich mir oft den schweren ADAC-Atlas meiner Eltern auf mein Bett, schlug wahllos eine Seite auf und fuhr mit dem Finger \u00fcber die bunten Karten. Dann stellte ich mir vor, wie es dort wohl war\u2026in S\u00fcdamerika, am Nordpol oder in Schleswig Holstein. Und ich nahm mir vor, sp\u00e4ter Weltreisende zu werden. Mit einem Schiff mit R\u00e4dern unten dran, damit ich auch \u00fcberall hinkomme.<br \/>\nWas ich werden wollte, wusste ich nicht so genau. &#8218;Was mit Menschen.&#8216;, das hat man mir von Anfang an geraten. &#8218;Das kannst du so gut&#8216;.<\/p>\n<p>Vor zwei Wochen haben mein Mann und ich den Urlaub f\u00fcr 2019 gebucht. Wir werden wieder nach D\u00e4nemark fahren. Wieder an den gleichen Ort. Aber es ist okay. Wir wollen es so. Es ist kein entt\u00e4uschtes Aufgeben von Urlaubszielen, sondern Vorfreude auf die kuschelige Entspannungszeit. Ich habe festgestellt, dass ich gar keine Weltreisende bin, zumindest aktuell nicht. Ich lasse mir Reiseabenteuer gerne von anderen erz\u00e4hlen und ich tr\u00e4ume auch gerne davon. Aber ich genie\u00dfe die Sicherheit des Vertrauten um mich herum, damit ich mich in meinen inneren Welten verlieren kann. Das liebe ich.<br \/>\nStudiert habe ich was &#8218;mit Menschen&#8216;. Dummerweise habe ich im siebten Semester festgestellt, dass ich zwar gut mit Menschen kann, das aber eigentlich gar nicht will. Das Umschwenken nach dem Studium war nicht leicht. Jahrelang war es eine Achterbahnfahrt, gepr\u00e4gt von Selbstzweifel und ziellosem Ausprobieren, w\u00e4hrend meine Mitmenschen Kariere machten. Aber ich habe nicht aufgeh\u00f6rt, bis ich nun endlich das berufliche Leben lebe, das ich mag.<\/p>\n<p>Zur Freiheit berufen zu sein bedeutet f\u00fcr mich zu wissen, wo ich hingeh\u00f6re. Ich geh\u00f6re zu Jesus und ich habe hier meinen Wert. Er liebt mich, nicht nur emotional. Sondern er hat mit seiner ganzen g\u00f6ttlichen Entscheidungskraft sein Ja \u00fcber mir ausgesprochen. Das ist mein Ankerpunkt. Und das gibt mir den Mut Dinge zu \u00e4ndern und auszuprobieren, weil das Wichtigste in meinem Leben sicher ist. Es ist dennoch nicht immer leicht, denn die Pr\u00e4gung meiner Eltern, die sie unfreiwillig an uns Kinder weitergegeben haben, wirkt wie eine Handbremse. Aber ich habe einen freien Willen. Ich darf mein Leben gestalten. Und inzwischen darf ich sogar anderen dabei helfen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Es macht mir riesigen Spa\u00df, zu sehen, wie andere frei werden, ihren Platz suchen und anfangen zu bl\u00fchen. Vielleicht mag ich es ja doch &#8218;was mit Menschen&#8216; zu machen.<\/p>\n<p>Ach: In D\u00e4nemark fahren wir diesmal in ein anderes Haus. HA! Abenteuer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich \u00fcber meine Kindheit schreibe, k\u00f6nnte man leicht das Gef\u00fchl bekommen, sie sei perfekt gewesen. Das war sie nicht. Neulich besuchte mich meine Schwester und w\u00e4hrend \u00fcber einem Glas Wein der Abend zur Nacht wurde, kamen viele Kindheitserinnerungen hoch. Wir landeten bei dem Thema: &#8222;Ich liebe ja unsere Eltern, aber als Kind wollte ich nie so werden wie sie.&#8220; (Was hei\u00dft: alt. Naja, und vielleicht noch so einiges andere.) Das Thema brachte es mit sich, dass vor allem die anstrengenden Erinnerungen hoch kamen. Angefangen bei den kleinen Alltagsmomenten, die meine Schwester und ich uns anders gew\u00fcnscht h\u00e4tten, wie z.B. lieber einen lachenden und mit uns umhertobenden Vater zu haben, anstatt einen st\u00e4ndig arbeitenden, der viel zu schnell von der Lautst\u00e4rke seiner Kinder genervt war und oft genug mit emotionaler Abwesenheit gl\u00e4nzte. Bis hin zu den gro\u00dfen Lebensentscheidungen unserer Eltern, die sie zwar oft in Frage stellten, aber nie den Mut fanden diese zu \u00e4ndern. Wie zum Beispiel ein eigenes Haus zu bauen oder die Arbeitgeber zu wechseln. W\u00e4re ihr Leben anders verlaufen, wenn sie mehr Mut gehabt h\u00e4tten? Manchmal denke ich \u00fcber diese Momente im Leben unserer Eltern nach, die im Nachhinein Entscheidungsmomente waren. Sie h\u00e4tten ihr Leben \u00e4ndern k\u00f6nnen. Aber sie haben es nie getan. Denn \u00c4nderungen kosten. Sie kosten Sicherheit, Energie und oft Geld. Und davor hatten unsere Eltern Angst. Denn so unbequem ein Leben auch sein mag, es ist wenigstens vertraut. Also fuhren wir jeden Urlaub an den gleichen Ort in D\u00e4nemark oder \u00d6sterreich, was meine Eltern gleichzeitig liebten und hassten. Also zogen wir nie um, obwohl meine Mama gerne einen Garten gehabt h\u00e4tte, den sie selbst gestalten wollte. Also blieben meine Eltern bei ihren jeweiligen Arbeitgebern, auch wenn sie die Sehnsucht l\u00e4ngst in andere Richtungen zog. Ich wei\u00df, dass sie sich, obwohl sie im Grunde gl\u00fccklich waren, oft wie in einem K\u00e4fig f\u00fchlten. Wie ist es bei mir? Als ich klein war, holte ich mir oft den schweren ADAC-Atlas meiner Eltern auf mein Bett, schlug wahllos eine Seite auf und fuhr mit dem Finger \u00fcber die bunten Karten. Dann stellte ich mir vor, wie es dort wohl war\u2026in S\u00fcdamerika, am Nordpol oder in Schleswig Holstein. Und ich nahm mir vor, sp\u00e4ter Weltreisende zu werden. Mit einem Schiff mit R\u00e4dern unten dran, damit ich auch \u00fcberall hinkomme. Was ich werden wollte, wusste ich nicht so genau. &#8218;Was mit Menschen.&#8216;, das hat man mir von Anfang an geraten. &#8218;Das kannst du so gut&#8216;. Vor zwei Wochen haben mein Mann und ich den Urlaub f\u00fcr 2019 gebucht. Wir werden wieder nach D\u00e4nemark fahren. Wieder an den gleichen Ort. Aber es ist okay. Wir wollen es so. Es ist kein entt\u00e4uschtes Aufgeben von Urlaubszielen, sondern Vorfreude auf die kuschelige Entspannungszeit. Ich habe festgestellt, dass ich gar keine Weltreisende bin, zumindest aktuell nicht. Ich lasse mir Reiseabenteuer gerne von anderen erz\u00e4hlen und ich tr\u00e4ume auch gerne davon. Aber ich genie\u00dfe die Sicherheit des Vertrauten um mich herum, damit ich mich in meinen inneren Welten verlieren kann. Das liebe ich. Studiert habe ich was &#8218;mit Menschen&#8216;. Dummerweise habe ich im siebten Semester festgestellt, dass ich zwar gut mit Menschen kann, das aber eigentlich gar nicht will. Das Umschwenken nach dem Studium war nicht leicht. Jahrelang war es eine Achterbahnfahrt, gepr\u00e4gt von Selbstzweifel und ziellosem Ausprobieren, w\u00e4hrend meine Mitmenschen Kariere machten. Aber ich habe nicht aufgeh\u00f6rt, bis ich nun endlich das berufliche Leben lebe, das ich mag. Zur Freiheit berufen zu sein bedeutet f\u00fcr mich zu wissen, wo ich hingeh\u00f6re. Ich geh\u00f6re zu Jesus und ich habe hier meinen Wert. Er liebt mich, nicht nur emotional. Sondern er hat mit seiner ganzen g\u00f6ttlichen Entscheidungskraft sein Ja \u00fcber mir ausgesprochen. 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