{"id":183,"date":"2019-01-01T07:35:00","date_gmt":"2019-01-01T07:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=183"},"modified":"2020-02-21T19:48:39","modified_gmt":"2020-02-21T19:48:39","slug":"zerknautschtes-neues-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=183","title":{"rendered":"Zerknautschtes Neues Jahr"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Neujahr ist vorbei. Mein Schlafrhythmus ist \u00fcber die Feiertage v\u00f6llig aus den Fugen geraden. Meine Gedanken und Emotionen sind unsortiert, was der Psychothriller, in dem ich mich die letzten Tage verloren habe, nicht unbedingt besser gemacht hat. Sch\u00f6n war&#8217;s trotzdem. Innerlich verknotet versuche ich die losen F\u00e4den meines Lebens, die ich kurz nach Weihnachten fr\u00f6hlich hab fallen lassen, wieder aufzunehmen. Eigentlich wollte ich doch das neue Jahr geplant haben. Wie immer. Aber trotz ausbleibender Grippe (juhuu, mit der ungeliebten Tradition gebrochen!) habe ich es nicht getan zwischen den Jahren. Und jetzt steuere ich etwas unkoordiniert in den Januar.Es ist fr\u00fcher Morgen. Drau\u00dfen ist es stockdunkel, was mir aber ganz gut passt. Ich bin \u00fcberm\u00fcdet und meine Augen sind noch entsprechend lichtempfindlich. Daher leuchtet heute Morgen nur die kleine Nachtischlampe, die ich mit an den Schreibtisch genommen habe. Mein Mann ist bereits wach, nippt an seinem Kaffee und ist in die Bibel versunken. Neidisch beobachte ich ihn einen Moment lang aus dem Augenwinkel. Seine Konzentrationsf\u00e4higkeit liegt deutlich \u00fcber meiner. Neben ihm k\u00f6nnte jetzt irgendwas in Flammen aufgehen, aber er w\u00fcrde dennoch erstmal seinen Abschnitt zu Ende lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wickle mich in eine Decke und setze mich an den Tisch. W\u00fcrde ich mich jetzt auf das Sofa fallen lassen, w\u00fcrde ich sofort einschlafen. Ich schnuppere am Kaffee gegen meine M\u00fcdigkeit an und widerstehe der Versuchung mich einfach wieder ins Bett zu legen. Den Bibelleseplan schiebe ich zur Seite. Ich k\u00f6nnte die Konzentration ohnehin nicht \u00fcber drei Kapitel halten. Also greife ich nach dem kleinen Heft mit den &#8218;Morgengr\u00fc\u00dfen&#8216;, das Achim so sehr liebt und in dem f\u00fcr jeden Tag des Jahres ein Spruch und eine Bibelstelle steht. Fast wie die Losung, nur k\u00fcrzer. Das kommt mir entgegen. Mein Blick f\u00e4llt auf einen Auszug aus Psalm 62,8.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Meine Rettung gr\u00fcndet sich auf Gott allein,<br>Auch meine Ehre verdanke ich nur ihm.<br>Er ist der Fels der mir Halt gibt,<br>Meine Zuflucht finde ich bei ihm.<br><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich schreibe ihn ab. Denn so lange ich schreibe, schlafe ich wenigstens nicht wieder ein. Dann reflektiere ich &#8211; ebenfalls schriftlich, sicher ist sicher. Ich \u00fcberlege, was ich mit den einzelnen Worten verbinde und was sie \u00fcber Gott und \u00fcber mich aussagen. An dem Abschnitt &#8222;Meine Ehre verdanke ich nur ihm.&#8220;, bleibe ich h\u00e4ngen. Meine Gedanken sind z\u00e4h, der Kaffee hilft kaum. &#8222;Ehre&#8220;. Was f\u00fcr ein Wort. Aus dem Geschichtsunterricht und aus unz\u00e4hligen Museumsbesuchen hat sich Ehre mit dem Kampf f\u00fcr das Vaterland verbunden. Ein mehr als fahler Beigeschmack macht sich breit. Und die Ereignisse in Chemnitz letztes Jahr lassen es nicht besser werden. Ich sch\u00fcttle die Gedanken ab. Was bedeutet es, wenn Gott meine Ehre ist? Ich sehe mich in Gedanken vor Stolz wachsen, w\u00e4hrend ich auf Gott zeige und einer Gruppe von Leuten sage: &#8222;Das da, das ist mein Papa.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, vielleicht ist das Ehre. Ein Wert, den ich bekomme, weil ich zu jemandem geh\u00f6re. Jemand der gro\u00df und wunderbar ist. Jemand, der sich eigentlich nicht mit mir abgeben m\u00fcsste und bei dem sich viele fragen, warum er sich ausgerechnet diese blasse Frau ausgesucht hat und in sie so vernarrt ist.<br>Ein erstes L\u00e4cheln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Ein sch\u00f6ner Gedanke. Er liebt mich, obwohl ich nichts Besonderes getan habe, nicht mal besonders aussehe &#8211; vor allem nicht heute Morgen. Eine Liebe, die sich v\u00f6llig auf mich bezieht und doch au\u00dferhalb meiner Verantwortung liegt. Meine Ehre liegt bei Jesus. Und ich darf langsam aufwachen. Zerknautscht aber gl\u00fccklich in ein noch konfuses 2019 starten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahr ist vorbei. Mein Schlafrhythmus ist \u00fcber die Feiertage v\u00f6llig aus den Fugen geraden. Meine Gedanken und Emotionen sind unsortiert, was der Psychothriller, in dem ich mich die letzten Tage verloren habe, nicht unbedingt besser gemacht hat. Sch\u00f6n war&#8217;s trotzdem. Innerlich verknotet versuche ich die losen F\u00e4den meines Lebens, die ich kurz nach Weihnachten fr\u00f6hlich hab fallen lassen, wieder aufzunehmen. Eigentlich wollte ich doch das neue Jahr geplant haben. Wie immer. Aber trotz ausbleibender Grippe (juhuu, mit der ungeliebten Tradition gebrochen!) habe ich es nicht getan zwischen den Jahren. Und jetzt steuere ich etwas unkoordiniert in den Januar.Es ist fr\u00fcher Morgen. Drau\u00dfen ist es stockdunkel, was mir aber ganz gut passt. Ich bin \u00fcberm\u00fcdet und meine Augen sind noch entsprechend lichtempfindlich. Daher leuchtet heute Morgen nur die kleine Nachtischlampe, die ich mit an den Schreibtisch genommen habe. Mein Mann ist bereits wach, nippt an seinem Kaffee und ist in die Bibel versunken. Neidisch beobachte ich ihn einen Moment lang aus dem Augenwinkel. Seine Konzentrationsf\u00e4higkeit liegt deutlich \u00fcber meiner. Neben ihm k\u00f6nnte jetzt irgendwas in Flammen aufgehen, aber er w\u00fcrde dennoch erstmal seinen Abschnitt zu Ende lesen. Ich wickle mich in eine Decke und setze mich an den Tisch. W\u00fcrde ich mich jetzt auf das Sofa fallen lassen, w\u00fcrde ich sofort einschlafen. Ich schnuppere am Kaffee gegen meine M\u00fcdigkeit an und widerstehe der Versuchung mich einfach wieder ins Bett zu legen. Den Bibelleseplan schiebe ich zur Seite. Ich k\u00f6nnte die Konzentration ohnehin nicht \u00fcber drei Kapitel halten. Also greife ich nach dem kleinen Heft mit den &#8218;Morgengr\u00fc\u00dfen&#8216;, das Achim so sehr liebt und in dem f\u00fcr jeden Tag des Jahres ein Spruch und eine Bibelstelle steht. Fast wie die Losung, nur k\u00fcrzer. Das kommt mir entgegen. Mein Blick f\u00e4llt auf einen Auszug aus Psalm 62,8. Meine Rettung gr\u00fcndet sich auf Gott allein,Auch meine Ehre verdanke ich nur ihm.Er ist der Fels der mir Halt gibt,Meine Zuflucht finde ich bei ihm. Ich schreibe ihn ab. Denn so lange ich schreibe, schlafe ich wenigstens nicht wieder ein. Dann reflektiere ich &#8211; ebenfalls schriftlich, sicher ist sicher. Ich \u00fcberlege, was ich mit den einzelnen Worten verbinde und was sie \u00fcber Gott und \u00fcber mich aussagen. An dem Abschnitt &#8222;Meine Ehre verdanke ich nur ihm.&#8220;, bleibe ich h\u00e4ngen. Meine Gedanken sind z\u00e4h, der Kaffee hilft kaum. &#8222;Ehre&#8220;. Was f\u00fcr ein Wort. Aus dem Geschichtsunterricht und aus unz\u00e4hligen Museumsbesuchen hat sich Ehre mit dem Kampf f\u00fcr das Vaterland verbunden. Ein mehr als fahler Beigeschmack macht sich breit. Und die Ereignisse in Chemnitz letztes Jahr lassen es nicht besser werden. Ich sch\u00fcttle die Gedanken ab. Was bedeutet es, wenn Gott meine Ehre ist? Ich sehe mich in Gedanken vor Stolz wachsen, w\u00e4hrend ich auf Gott zeige und einer Gruppe von Leuten sage: &#8222;Das da, das ist mein Papa.&#8220; Ja, vielleicht ist das Ehre. 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