{"id":181,"date":"2019-01-15T06:33:00","date_gmt":"2019-01-15T06:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=181"},"modified":"2020-02-21T19:45:35","modified_gmt":"2020-02-21T19:45:35","slug":"ein-zimmer-voller-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=181","title":{"rendered":"Ein Zimmer voller Zukunft"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich sitze auf dem Boden meines Zimmers. Heute habe ich mir frei genommen. Mein Kalender hat es stumm ertragen. Ich habe lange geschlafen. Und danach lag ich noch l\u00e4nger im Bett, hab die Kuscheldecke bis \u00fcber die Nasenspitze gezogen, gegrinst und mich diebisch gefreut, dass ich so unvern\u00fcnftig bin und nicht aufstehe.<br>Erst gegen Mittag bin ich im Schlafanzug in mein Zimmer geschlurft, die dicken Wintersocken an den F\u00fc\u00dfen. Und hier bin ich noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem neuen Jahr geht auch die Renovierung weiter. In den n\u00e4chsten drei Wochen ist mein Zimmer dran. Mein Zimmer ist ein &#8218;Platzhalterzimmer&#8216;. Es sollte vor\u00fcbergehend meines sein, bis ein kleines Wesen bei uns einziehen und Platz beanspruchen w\u00fcrde. Aber das kleine Wesen kam nicht. Und nun haben wir die schwere Entscheidung getroffen, die Platzhalterzimmer mit seinen zusammengew\u00fcrfelten Platzhalterm\u00f6beln umzugestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Zimmer wird nun wirklich mein Zimmer. Mit neuer Farbe an der Wand, einem neuen Laminat, Wohlf\u00fchlm\u00f6beln und einem Kuschelteppich, in den ich meine nackten Zehen stecken kann. Auch Mamas Sekret\u00e4r soll hier seinen eigenen Platz bekommen.<br>Ich freue mich auf mein Zimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch davor kommt der schwierige Teil. In diesem Prozess stecke ich nun gerade: Loslassen. Wegr\u00e4umen. Meine Platzhalterm\u00f6bel sind voll mit Dingen, die sich \u00fcber die Jahre angesammelt haben. Kindheitserinnerungen, Studienrelikte und Zeug, dass ich nur kurz in die Schublade gelegt und sp\u00e4ter mal durchsehen wollte. Das Zimmer ist voller Kram, den ich nicht brauche (zumindest in den letzten Jahren nicht), den ich aber auf gar keinen Fall weggeben m\u00f6chte, sobald ich die Schublade aufgezogen und die Dinge angesehen habe. Ungesehen wegwerfen ist allerdings auch keine Alternative, es k\u00f6nnte ja was wichtiges dabei sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hole mir einen Kakao, setze mich erneut auf den Boden, ziehe einen Karton aus dem Regal und gehe die Sachen durch. Meine Phase als ich Sticken lernen wollte. Mit Stickrahmen. War nicht so gut. Ein Umschlag mit alten Postkarten von Mama. Ihre zierliche Handschrift trifft mich unvorbereitet. Der Stapel B\u00fccher, der sich hinter einem Korb versteckt hat ist daf\u00fcr leichter durchsortiert. Im Strickkorb waren die Motten. Gott sei Dank, das ist alles ruiniert und nimmt mir die Entscheidung ab. M\u00fcll.<br>Die Zeit vergeht. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck sortiere ich mich durch die Regalreihen. Als das erste von vier Regalen leer ist, bin ich erleichtert und ersch\u00f6pft.<br>Im Wohnzimmer wartet das neue Sofa. Ich schlafe ein, nur wenige Minuten nachdem ich mich darauf gekuschelt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chsten Tage werde ich noch mit Ausmisten besch\u00e4ftigt sein. Ich k\u00f6nnte das auch verschieben. Niemand zwingt mich jede einzelne Schublade durchzugehen. Aber ich m\u00f6chte, dass mein neues Zimmer mit Dingen gef\u00fcllt ist, die zu mir passen. Ich m\u00f6chte nicht mehr mit Angst kleine Kartons \u00f6ffnen und bef\u00fcrchten, dass ich ungewollt auf Karten von Mama sto\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie hei\u00dft dieser ausgelutschte Spruch: Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will nach vorne sehen, mit leichtem Gep\u00e4ck reisen. Ich m\u00f6chte, dass ich Dinge besitze, die ich liebe und brauche. Und nicht, dass mich Dinge besitzen, die es aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden in meine Schr\u00e4nke geschafft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erst ein Regal, aber ich f\u00fchle mich schon jetzt leichter. Ja, ich freue mich auf mein neues Zimmer. Ein Raum, in den ich mich zur\u00fcckziehen kann, in dem Jesus wohnen soll und in den ich Freunde einladen kann. Ein Zimmer voller Leben, voller Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze auf dem Boden meines Zimmers. Heute habe ich mir frei genommen. Mein Kalender hat es stumm ertragen. Ich habe lange geschlafen. Und danach lag ich noch l\u00e4nger im Bett, hab die Kuscheldecke bis \u00fcber die Nasenspitze gezogen, gegrinst und mich diebisch gefreut, dass ich so unvern\u00fcnftig bin und nicht aufstehe.Erst gegen Mittag bin ich im Schlafanzug in mein Zimmer geschlurft, die dicken Wintersocken an den F\u00fc\u00dfen. Und hier bin ich noch. Mit dem neuen Jahr geht auch die Renovierung weiter. In den n\u00e4chsten drei Wochen ist mein Zimmer dran. Mein Zimmer ist ein &#8218;Platzhalterzimmer&#8216;. Es sollte vor\u00fcbergehend meines sein, bis ein kleines Wesen bei uns einziehen und Platz beanspruchen w\u00fcrde. Aber das kleine Wesen kam nicht. Und nun haben wir die schwere Entscheidung getroffen, die Platzhalterzimmer mit seinen zusammengew\u00fcrfelten Platzhalterm\u00f6beln umzugestalten. Mein Zimmer wird nun wirklich mein Zimmer. Mit neuer Farbe an der Wand, einem neuen Laminat, Wohlf\u00fchlm\u00f6beln und einem Kuschelteppich, in den ich meine nackten Zehen stecken kann. Auch Mamas Sekret\u00e4r soll hier seinen eigenen Platz bekommen.Ich freue mich auf mein Zimmer. Doch davor kommt der schwierige Teil. In diesem Prozess stecke ich nun gerade: Loslassen. Wegr\u00e4umen. Meine Platzhalterm\u00f6bel sind voll mit Dingen, die sich \u00fcber die Jahre angesammelt haben. Kindheitserinnerungen, Studienrelikte und Zeug, dass ich nur kurz in die Schublade gelegt und sp\u00e4ter mal durchsehen wollte. Das Zimmer ist voller Kram, den ich nicht brauche (zumindest in den letzten Jahren nicht), den ich aber auf gar keinen Fall weggeben m\u00f6chte, sobald ich die Schublade aufgezogen und die Dinge angesehen habe. Ungesehen wegwerfen ist allerdings auch keine Alternative, es k\u00f6nnte ja was wichtiges dabei sein. Ich hole mir einen Kakao, setze mich erneut auf den Boden, ziehe einen Karton aus dem Regal und gehe die Sachen durch. Meine Phase als ich Sticken lernen wollte. Mit Stickrahmen. War nicht so gut. Ein Umschlag mit alten Postkarten von Mama. Ihre zierliche Handschrift trifft mich unvorbereitet. Der Stapel B\u00fccher, der sich hinter einem Korb versteckt hat ist daf\u00fcr leichter durchsortiert. Im Strickkorb waren die Motten. Gott sei Dank, das ist alles ruiniert und nimmt mir die Entscheidung ab. M\u00fcll.Die Zeit vergeht. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck sortiere ich mich durch die Regalreihen. Als das erste von vier Regalen leer ist, bin ich erleichtert und ersch\u00f6pft.Im Wohnzimmer wartet das neue Sofa. Ich schlafe ein, nur wenige Minuten nachdem ich mich darauf gekuschelt habe. Die n\u00e4chsten Tage werde ich noch mit Ausmisten besch\u00e4ftigt sein. Ich k\u00f6nnte das auch verschieben. Niemand zwingt mich jede einzelne Schublade durchzugehen. Aber ich m\u00f6chte, dass mein neues Zimmer mit Dingen gef\u00fcllt ist, die zu mir passen. Ich m\u00f6chte nicht mehr mit Angst kleine Kartons \u00f6ffnen und bef\u00fcrchten, dass ich ungewollt auf Karten von Mama sto\u00dfe. Wie hei\u00dft dieser ausgelutschte Spruch: Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens. Ich will nach vorne sehen, mit leichtem Gep\u00e4ck reisen. Ich m\u00f6chte, dass ich Dinge besitze, die ich liebe und brauche. Und nicht, dass mich Dinge besitzen, die es aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden in meine Schr\u00e4nke geschafft haben. Es ist erst ein Regal, aber ich f\u00fchle mich schon jetzt leichter. Ja, ich freue mich auf mein neues Zimmer. Ein Raum, in den ich mich zur\u00fcckziehen kann, in dem Jesus wohnen soll und in den ich Freunde einladen kann. Ein Zimmer voller Leben, voller Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":571,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[8,3],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181"}],"collection":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=181"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":182,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions\/182"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/571"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/nurheute.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}