{"id":172,"date":"2019-02-12T07:14:28","date_gmt":"2019-02-12T07:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=172"},"modified":"2020-02-21T19:51:44","modified_gmt":"2020-02-21T19:51:44","slug":"die-seele-geht-zu-fuss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=172","title":{"rendered":"Die Seele geht zu Fu\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist unversch\u00e4mt warm. Hier, hinter der Fensterscheibe, durch die eine Februarsonne lacht, die so tut als sei Juni. L\u00e4ngst habe ich mich aus meinem dicken Wollpulli gesch\u00e4lt, die Augen geschlossen und h\u00e4nge wie eine geschmolzene Wachspuppe im Tr\u00e4gertop auf meinem Stuhl. Drau\u00dfen bl\u00e4st ein kalter Wind, aber davon bekomme ich hier nichts mit. Hier ist die Illusion von Sommer und ich bin gerade nicht gewillt sie mir nehmen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Seele kommt zur Zeit nur langsam mit. Egal ob ich abends auf dem Sofa sitze, Freunde besuche, arbeite oder mich ins Bett kuschle. Meine Seele flackert wie ein Irrlicht hinter mir her und versucht den Ort zu finden, wo sich der Rest von mir aufh\u00e4lt. Wenn sie ankommt, bin ich aber meist schon wieder weg.<br>Die Hobbytheologin in mir verdreht bei diesen Gedankeng\u00e4ngen die Augen, denn das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Seele &#8211; nefesh &#8211; meint den kompletten Menschen. Da gibt es keinen kleinen Lichtball der, getrennt vom Rest, kopflos umherirrt.<br>Und dennoch beschreibt das Bild mein aktuelles Lebensgef\u00fchl am besten. Meine Gedanken sind zu schnell, meine k\u00f6rperlichen Aufenthaltsorte zu unterschiedlich, als dass ich das Gef\u00fchl h\u00e4tte, ganz bei mir zu sein. Mein Leben gleicht einem Bienenschwarm. Und meine Seele ist die kleine dicke Hummel, die versucht nicht abgeh\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Seele geht zu Fu\u00df.&#8220; Das habe ich mal irgendwo gelesen. Ich gehe selten zu Fu\u00df. Ich fahre mit der Bahn, dem Auto und an ganz schlimmen Tagen, steige ich sogar in Flugzeuge. Die Welt ist riesig, aber weil sie f\u00fcr uns klein geworden ist, m\u00fcssen wir uns schneller bewegen. Zu schnell? Und dann ist da noch das Internet, das einen Gro\u00dfteil meines Alltags diktiert. Eine Welt, in welcher Distanzen keine Rolle spielen, sondern Daten, Informationen, Content. Auch hier bewegt sich alles schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne w\u00e4rmt meine Haut und dringt langsam bis zu meinen winterkalten Knochen durch.<br>Wir brauchen Zeiten der Ruhe. Ich brauche sie. Jesus hat sie gebraucht. Er hat sie sich auch genommen. Fr\u00fchmorgens oder sp\u00e4tabends mit dem Vater allein. Oder mit seinen J\u00fcngern. Zu Fu\u00df zwischen den Wirkungsorten seines Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht meine gro\u00dfe St\u00e4rke Pausen zu machen. Still zu sein. Auch wenn ich Ruhe liebe &#8211; lieben will &#8211; macht sie mich oft nerv\u00f6s. Meine Gedanken werden dann lauter. Und bevor sie anfangen zu schreien, schaue ich lieber schnell auf&#8217;s Handy und schreibe ein paar Nachrichten, mache ein paar Termine aus. Und meine Seele hummelt tapferersch\u00f6pft hinter mir her.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus, lehre mich still zu sein. Du warst zu deinen Zeiten als Mensch Meister darin. Und ich m\u00f6chte es lernen. Ich wei\u00df, ich bin blutiger Anf\u00e4nger, aber du bist ein sehr guter Lehrer. Ich vertraue dir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist unversch\u00e4mt warm. Hier, hinter der Fensterscheibe, durch die eine Februarsonne lacht, die so tut als sei Juni. L\u00e4ngst habe ich mich aus meinem dicken Wollpulli gesch\u00e4lt, die Augen geschlossen und h\u00e4nge wie eine geschmolzene Wachspuppe im Tr\u00e4gertop auf meinem Stuhl. Drau\u00dfen bl\u00e4st ein kalter Wind, aber davon bekomme ich hier nichts mit. Hier ist die Illusion von Sommer und ich bin gerade nicht gewillt sie mir nehmen zu lassen. Meine Seele kommt zur Zeit nur langsam mit. Egal ob ich abends auf dem Sofa sitze, Freunde besuche, arbeite oder mich ins Bett kuschle. Meine Seele flackert wie ein Irrlicht hinter mir her und versucht den Ort zu finden, wo sich der Rest von mir aufh\u00e4lt. Wenn sie ankommt, bin ich aber meist schon wieder weg.Die Hobbytheologin in mir verdreht bei diesen Gedankeng\u00e4ngen die Augen, denn das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Seele &#8211; nefesh &#8211; meint den kompletten Menschen. Da gibt es keinen kleinen Lichtball der, getrennt vom Rest, kopflos umherirrt.Und dennoch beschreibt das Bild mein aktuelles Lebensgef\u00fchl am besten. Meine Gedanken sind zu schnell, meine k\u00f6rperlichen Aufenthaltsorte zu unterschiedlich, als dass ich das Gef\u00fchl h\u00e4tte, ganz bei mir zu sein. Mein Leben gleicht einem Bienenschwarm. Und meine Seele ist die kleine dicke Hummel, die versucht nicht abgeh\u00e4ngt zu werden. &#8222;Die Seele geht zu Fu\u00df.&#8220; Das habe ich mal irgendwo gelesen. Ich gehe selten zu Fu\u00df. Ich fahre mit der Bahn, dem Auto und an ganz schlimmen Tagen, steige ich sogar in Flugzeuge. Die Welt ist riesig, aber weil sie f\u00fcr uns klein geworden ist, m\u00fcssen wir uns schneller bewegen. Zu schnell? Und dann ist da noch das Internet, das einen Gro\u00dfteil meines Alltags diktiert. Eine Welt, in welcher Distanzen keine Rolle spielen, sondern Daten, Informationen, Content. Auch hier bewegt sich alles schnell. Die Sonne w\u00e4rmt meine Haut und dringt langsam bis zu meinen winterkalten Knochen durch.Wir brauchen Zeiten der Ruhe. Ich brauche sie. Jesus hat sie gebraucht. Er hat sie sich auch genommen. Fr\u00fchmorgens oder sp\u00e4tabends mit dem Vater allein. Oder mit seinen J\u00fcngern. Zu Fu\u00df zwischen den Wirkungsorten seines Lebens. Es ist nicht meine gro\u00dfe St\u00e4rke Pausen zu machen. Still zu sein. Auch wenn ich Ruhe liebe &#8211; lieben will &#8211; macht sie mich oft nerv\u00f6s. Meine Gedanken werden dann lauter. Und bevor sie anfangen zu schreien, schaue ich lieber schnell auf&#8217;s Handy und schreibe ein paar Nachrichten, mache ein paar Termine aus. Und meine Seele hummelt tapferersch\u00f6pft hinter mir her. Jesus, lehre mich still zu sein. Du warst zu deinen Zeiten als Mensch Meister darin. Und ich m\u00f6chte es lernen. Ich wei\u00df, ich bin blutiger Anf\u00e4nger, aber du bist ein sehr guter Lehrer. 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