{"id":162,"date":"2019-04-02T05:40:00","date_gmt":"2019-04-02T05:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=162"},"modified":"2020-02-21T19:57:19","modified_gmt":"2020-02-21T19:57:19","slug":"alte-stimmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=162","title":{"rendered":"Alte Stimmen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Wohnung k\u00f6nnte sauberer sein.<br>Der Blogartikel ist irgendwie nicht gut genug.<br>W\u00e4re ich eine echte Freundin, w\u00fcrde ich mich viel \u00f6fter melden.<br>Meine Gedanken schweifen schon wieder ab; als treue Mitarbeiterin sollte ich mehr bei der Sache sein.<br>Ich sollte meinen Mann mehr im Gebet unterst\u00fctzen.<br>\u00dcberhaupt k\u00f6nnte ich mehr beten.<br>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Gedanken begleiten mich. Oft sind sie nicht ausformuliert, sondern h\u00e4ngen als vage Gef\u00fchle in meinem Kopf. Ein ungem\u00fctlicher Drang, der es mir schwer macht mit mir zufrieden zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter all dem stehen Stimmen. Stimmen aus meiner Vergangenheit oder Gegenwart. Diese Stimmen sagen, dass ich etwas leisten muss, damit die Menschen und auch Gott mich lieben k\u00f6nnen. Damit sie gl\u00fccklich sind, stolz auf mich und sich mir liebevoll zuwenden. Wenn ich nur flei\u00dfig, nett, zuverl\u00e4ssig und zuvorkommend genug bin, dann\u2026ja\u2026was dann\u2026? Dann w\u00e4re mir die Liebe sicher. Ich h\u00e4tte sie mir verdient. Menschen k\u00f6nnten sich zwar immer noch abwenden, aber Gott ist gerecht. Wenn ich so perfekt bin, dann kann er gar nicht anders als mich lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, dass es nicht stimmt. Gottes Liebe ist bedingungslos. Buchst\u00e4blich. Es gibt kein wenn-dann bei Gottes Liebe.<br>Es ist schon erstaunlich, wie klar mir die Theorie im Kopf ist &#8211; und wie wenig dieses Wissen im Alltag das Ruder \u00fcbernimmt. Ich habe mich \u00fcber Jahrzehnte so sehr an meine inneren Stimmen gew\u00f6hnt, die nach Perfektion rufen, dass ich reflexartig reagiere, sobald eine den Mund aufmacht.<br>Was mich beruhigt ist, dass dieses &#8218;Zucken&#8216; eine absolut menschliche Regung zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Adenauer hat gesagt: &#8222;Die Krankheit unserer Zeit ist der Perfektionismus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und Paulus schreibt an die Gemeinden in Galatien: Seid ihr so unverst\u00e4ndig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr&#8217;s denn nun im Fleisch vollenden? (Gal. 3,3)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Galater hatten das Geschenk von Gottes Liebe angenommen und ausgepackt, hatten sich gefreut. Und merkten nun wie schwer es war im Alltag damit zu leben. Alles geschenkt? Ohne Gegenleistung? <\/p>\n\n\n\n<p>Aber da gab es eine L\u00f6sung, die eifrige Stimmen sofort einfl\u00fcsterten: ihr m\u00fcsst euch beschneiden lassen, erst dann geh\u00f6rt ihr richtig dazu. Ihr d\u00fcrft bestimmte Dinge nicht essen, das mag Gott nicht; wenn ihr sie esst, verliert ihr Gotte Liebe. Ihr m\u00fcsst stattdessen folgendes tun\u2026und ihr d\u00fcrft dieses und jenes nicht mehr tun\u2026&#8220;<br>Nach und nach schlichen sich Gesetze ein. Eine Wenn-dann-Liebe, die viel leichter zu akzeptieren ist, als die bedingungslose Liebe eines Vater zu seinem Kind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann die Galater gut verstehen. Das Gef\u00fchl mir Gottes Liebe zu erarbeiten\u2026das kenne ich gut. Doch die Bibel verspricht uns, dass wir geliebt sind. V\u00f6llig und ausschlie\u00dflich, weil Gott es beschlossen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gewisse Lebensf\u00fchrung geh\u00f6rt dazu, wenn man Christ wird. Nach und nach ver\u00e4ndert sich unser Verhalten. Aber das tut es, weil wir von Jesus gepr\u00e4gt werden und weil wir ihn lieben. Nicht, damit er uns lieben kann. Das ist ein riesen Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte die L\u00fcgenstimmen in meinem Kopf entlarven, die mir einfl\u00fcstern, dass ich nur liebenswert bin, wenn ich alles richtig und bestm\u00f6glich mache. Ich m\u00f6chte mich stattdessen in Gottes Liebe fallen lassen, auch und gerade dann, wenn ich nichts liebenswertes an mir finde. Denn schlie\u00dflich kennt mich Gott und wusste vorher auf was er sich einl\u00e4sst, als er mich in seine Familie geholt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wohnung k\u00f6nnte sauberer sein.Der Blogartikel ist irgendwie nicht gut genug.W\u00e4re ich eine echte Freundin, w\u00fcrde ich mich viel \u00f6fter melden.Meine Gedanken schweifen schon wieder ab; als treue Mitarbeiterin sollte ich mehr bei der Sache sein.Ich sollte meinen Mann mehr im Gebet unterst\u00fctzen.\u00dcberhaupt k\u00f6nnte ich mehr beten.&#8230; Solche Gedanken begleiten mich. Oft sind sie nicht ausformuliert, sondern h\u00e4ngen als vage Gef\u00fchle in meinem Kopf. Ein ungem\u00fctlicher Drang, der es mir schwer macht mit mir zufrieden zu sein. Hinter all dem stehen Stimmen. Stimmen aus meiner Vergangenheit oder Gegenwart. Diese Stimmen sagen, dass ich etwas leisten muss, damit die Menschen und auch Gott mich lieben k\u00f6nnen. Damit sie gl\u00fccklich sind, stolz auf mich und sich mir liebevoll zuwenden. Wenn ich nur flei\u00dfig, nett, zuverl\u00e4ssig und zuvorkommend genug bin, dann\u2026ja\u2026was dann\u2026? Dann w\u00e4re mir die Liebe sicher. Ich h\u00e4tte sie mir verdient. Menschen k\u00f6nnten sich zwar immer noch abwenden, aber Gott ist gerecht. Wenn ich so perfekt bin, dann kann er gar nicht anders als mich lieben. Ich wei\u00df, dass es nicht stimmt. Gottes Liebe ist bedingungslos. Buchst\u00e4blich. Es gibt kein wenn-dann bei Gottes Liebe.Es ist schon erstaunlich, wie klar mir die Theorie im Kopf ist &#8211; und wie wenig dieses Wissen im Alltag das Ruder \u00fcbernimmt. Ich habe mich \u00fcber Jahrzehnte so sehr an meine inneren Stimmen gew\u00f6hnt, die nach Perfektion rufen, dass ich reflexartig reagiere, sobald eine den Mund aufmacht.Was mich beruhigt ist, dass dieses &#8218;Zucken&#8216; eine absolut menschliche Regung zu sein scheint. Adenauer hat gesagt: &#8222;Die Krankheit unserer Zeit ist der Perfektionismus.&#8220; Und Paulus schreibt an die Gemeinden in Galatien: Seid ihr so unverst\u00e4ndig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr&#8217;s denn nun im Fleisch vollenden? (Gal. 3,3) Die Galater hatten das Geschenk von Gottes Liebe angenommen und ausgepackt, hatten sich gefreut. Und merkten nun wie schwer es war im Alltag damit zu leben. Alles geschenkt? Ohne Gegenleistung? Aber da gab es eine L\u00f6sung, die eifrige Stimmen sofort einfl\u00fcsterten: ihr m\u00fcsst euch beschneiden lassen, erst dann geh\u00f6rt ihr richtig dazu. Ihr d\u00fcrft bestimmte Dinge nicht essen, das mag Gott nicht; wenn ihr sie esst, verliert ihr Gotte Liebe. Ihr m\u00fcsst stattdessen folgendes tun\u2026und ihr d\u00fcrft dieses und jenes nicht mehr tun\u2026&#8220;Nach und nach schlichen sich Gesetze ein. Eine Wenn-dann-Liebe, die viel leichter zu akzeptieren ist, als die bedingungslose Liebe eines Vater zu seinem Kind. Ich kann die Galater gut verstehen. Das Gef\u00fchl mir Gottes Liebe zu erarbeiten\u2026das kenne ich gut. Doch die Bibel verspricht uns, dass wir geliebt sind. V\u00f6llig und ausschlie\u00dflich, weil Gott es beschlossen hat. Eine gewisse Lebensf\u00fchrung geh\u00f6rt dazu, wenn man Christ wird. Nach und nach ver\u00e4ndert sich unser Verhalten. Aber das tut es, weil wir von Jesus gepr\u00e4gt werden und weil wir ihn lieben. 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