{"id":149,"date":"2019-05-14T07:30:00","date_gmt":"2019-05-14T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=149"},"modified":"2020-02-21T20:02:53","modified_gmt":"2020-02-21T20:02:53","slug":"nachostergedanken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=149","title":{"rendered":"Nachostergedanken"},"content":{"rendered":"\n<p>Langsam bekomme ich die Gedanken und Gef\u00fchle sortiert. Die Emotionen h\u00e4ngen \u00fcbrigens immer noch bei Ostern, also zeitlich ziemlich hinterher. Gerade bin ich nun mit Karfreitag fertig geworden. Um den Ostersonntag k\u00fcmmere ich mich irgendwann demn\u00e4chst. Dass die gro\u00dfen Feste aber auch immer so emotional sein m\u00fcssen. Oder geht das nur mir so?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Zu Hause &#8211; damit meine ich bei Achim und mir &#8211; gibt es keine Ostertradition.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sollten wir uns eine zulegen, doch ohne Kinder ist das m\u00fchsam.<br>Dieser Satz ist gleichzeitig wahr und eine Ausrede.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausrede deshalb, weil man Traditionen schafft, um sich zu erinnern. Und erinnern ist nicht nur f\u00fcr Kinder wichtig. Wahr deshalb, weil bei Festen in der Bibel immer wieder beschrieben ist:&nbsp;<em>&#8222;Wenn ihr das feiert, dann werden euch eure Kinder fragen warum ihr das macht. Und dann erz\u00e4hlt ihnen, die Geschichte von dem, was passiert ist.&#8220;&nbsp;<\/em>Ohne (kindliche) Fragen, wird das Worte finden nicht zu einer dringenden (oder vielleicht besser: dr\u00e4ngenden) Angelegenheit. Und was nicht laut dr\u00e4ngelt, wird leicht \u00fcbersehen, zumindest bei uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Traditionen zu Weihnachten und Ostern haben sich langsam ausgeschlichen. Die Feste wurden in unseren Ursprungsfamilien sehr unterschiedlich gefeiert. Und so richtig klar war und ist es uns nicht, wie wir selbst denn nun feiern wollen. Jedes Jahr auf&#8217;s Neue stehe ich hilflos vor der Aufgabe der Dekoration, der Men\u00fcfolge und der Frage mit wem man wo und vor allem was macht. Das endet meist damit, dass es ein Tiefk\u00fchlgericht zu einer Flasche Wein gibt: Weihnachten rot, Ostern wei\u00df&#8230;keine Ahnung warum, vielleicht weil das besser zur Deko passt. Bzw. besser passen w\u00fcrde, denn zumindest zu Ostern f\u00e4llt die Deko meist aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Osterfest fiel neben der Deko auch die Gemeinschaft flach. An Karfreitag hatte mich eine Migr\u00e4ne so fest im Griff, dass ich buchst\u00e4blich nur meine Raufasertapete um mich ertrug. Auch wenn mir Herz geblutet hat.&nbsp;<strong>Denn Karfreitag ist der einzige Feiertag mit den zarten Knospen einer Tradition.<\/strong>&nbsp;Meine Gemeinde besteigt seit ein paar Jahren einen H\u00fcgel in Stuttgart, den Birkenkopf, auf dem ein riesiges Kreuz steht. Und dann singen wir dort oben Lieder und denken daran, was Jesus f\u00fcr uns getan hat. Manchmal weinen wir ein bisschen, weil wir so dankbar sind und der Kreuzestod von Jesus trotzdem so schlimm war.<br>Und mein pers\u00f6nliches Highlight war, als eins unserer kleinen Kinder nach einem halbst\u00fcndigen Aufstieg das leere Kreuz gesehen und entt\u00e4uscht aufgeschrien hat:&nbsp;<em><strong>&#8222;Er ist schon weg, wir sind zu sp\u00e4t.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Karfreitag bin ich alleine in meinem abgedunkeltem Zimmer. Drau\u00dfen vor dem Haus findet eine t\u00fcrkische Hochzeit statt. Offenbar wird gerade die Braut abgeholt. Es ist laut und fr\u00f6hlich.&nbsp;<strong>Ich muss mich zusammenrei\u00dfen um das nicht pers\u00f6nlich zu nehmen.<\/strong>&nbsp;Es ist auch noch kurz vor 15 Uhr, der Todesstunde von Jesus. Drau\u00dfen orientalische Musik, Silvesterb\u00f6ller und gr\u00f6lende M\u00e4nnerstimmen. Muss das sein? Ein einziger Tag im Jahr, wo man einfach mal die Klappe halten und nachdenken k\u00f6nnte.&nbsp;<strong>Ich f\u00fchle mich provoziert, getreten und verachtet und reagiere innerlich nicht dem\u00fctig, sondern aggressiv.<\/strong>&nbsp;Mein Kopf tut sein \u00dcbriges dazu. Ganz tief in mir drin, bin ich \u00fcberhaupt kein netter Mensch, muss ich wieder einmal mit Entsetzen feststellen. F\u00fcr all die Aggressionen und den Hass, der gerade in mir aufsteigt, ist Jesus gestorben.&nbsp;<strong>Ich f\u00fchle mich so hilflos.<\/strong><br>Dabei kann ich den feiernden jungen Leuten nicht mal einen Vorwurf machen. Wie sollen sie eine Kultur achten, die keine mehr ist? Immerhin ist aus dem Karfreitag l\u00e4ngst der Car-Freitag geworden, an dem Autoliebhaber deutschlandweit ihre motorisierten Lieblinge ausfahren. Dann doch lieber Hochzeit feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchle mich m\u00fcde und ersch\u00f6pft. Ich will zu meiner Gemeinde, zu den Menschen, die mich lieb haben. Und ich will, dass der Kopf aufh\u00f6rt weh zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ist das ein bisschen so, wie du dich gef\u00fchlt hast, Jesus? Allein, gedem\u00fctigt und voller Sehnsucht nach den Menschen die du liebst? Aber du hast nicht aggressiv reagiert. Du bist sanft geblieben und stark. Starker, sanfter Gott. Du tr\u00e4gst mich zum Vater und machst mich heile. Auch ganz tief innen drin, wo noch \u00fcberhaupt nichts heil ist. Ich bin froh und dankbar, dass du ans Kreuz gegangen bist. Auch wenn es wahnsinnig weh tut. Danke, dass ich daran arbeiten darf dir \u00e4hnlicher zu werden. Und danke, dass es am Ende nicht wichtig sein wird, wie weit ich gekommen bin. Du bist genug, Jesus. Deine Liebe reicht.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Langsam bekomme ich die Gedanken und Gef\u00fchle sortiert. Die Emotionen h\u00e4ngen \u00fcbrigens immer noch bei Ostern, also zeitlich ziemlich hinterher. Gerade bin ich nun mit Karfreitag fertig geworden. Um den Ostersonntag k\u00fcmmere ich mich irgendwann demn\u00e4chst. Dass die gro\u00dfen Feste aber auch immer so emotional sein m\u00fcssen. Oder geht das nur mir so? Zu Hause &#8211; damit meine ich bei Achim und mir &#8211; gibt es keine Ostertradition. Vielleicht sollten wir uns eine zulegen, doch ohne Kinder ist das m\u00fchsam.Dieser Satz ist gleichzeitig wahr und eine Ausrede. Ausrede deshalb, weil man Traditionen schafft, um sich zu erinnern. Und erinnern ist nicht nur f\u00fcr Kinder wichtig. Wahr deshalb, weil bei Festen in der Bibel immer wieder beschrieben ist:&nbsp;&#8222;Wenn ihr das feiert, dann werden euch eure Kinder fragen warum ihr das macht. 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Dieses Osterfest fiel neben der Deko auch die Gemeinschaft flach. An Karfreitag hatte mich eine Migr\u00e4ne so fest im Griff, dass ich buchst\u00e4blich nur meine Raufasertapete um mich ertrug. Auch wenn mir Herz geblutet hat.&nbsp;Denn Karfreitag ist der einzige Feiertag mit den zarten Knospen einer Tradition.&nbsp;Meine Gemeinde besteigt seit ein paar Jahren einen H\u00fcgel in Stuttgart, den Birkenkopf, auf dem ein riesiges Kreuz steht. Und dann singen wir dort oben Lieder und denken daran, was Jesus f\u00fcr uns getan hat. Manchmal weinen wir ein bisschen, weil wir so dankbar sind und der Kreuzestod von Jesus trotzdem so schlimm war.Und mein pers\u00f6nliches Highlight war, als eins unserer kleinen Kinder nach einem halbst\u00fcndigen Aufstieg das leere Kreuz gesehen und entt\u00e4uscht aufgeschrien hat:&nbsp;&#8222;Er ist schon weg, wir sind zu sp\u00e4t.&#8220; Diesen Karfreitag bin ich alleine in meinem abgedunkeltem Zimmer. 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Wie sollen sie eine Kultur achten, die keine mehr ist? Immerhin ist aus dem Karfreitag l\u00e4ngst der Car-Freitag geworden, an dem Autoliebhaber deutschlandweit ihre motorisierten Lieblinge ausfahren. Dann doch lieber Hochzeit feiern. Ich f\u00fchle mich m\u00fcde und ersch\u00f6pft. Ich will zu meiner Gemeinde, zu den Menschen, die mich lieb haben. Und ich will, dass der Kopf aufh\u00f6rt weh zu tun. &#8222;Ist das ein bisschen so, wie du dich gef\u00fchlt hast, Jesus? Allein, gedem\u00fctigt und voller Sehnsucht nach den Menschen die du liebst? Aber du hast nicht aggressiv reagiert. Du bist sanft geblieben und stark. Starker, sanfter Gott. Du tr\u00e4gst mich zum Vater und machst mich heile. Auch ganz tief innen drin, wo noch \u00fcberhaupt nichts heil ist. Ich bin froh und dankbar, dass du ans Kreuz gegangen bist. Auch wenn es wahnsinnig weh tut. Danke, dass ich daran arbeiten darf dir \u00e4hnlicher zu werden. 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