{"id":143,"date":"2019-05-28T20:00:00","date_gmt":"2019-05-28T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=143"},"modified":"2020-02-21T20:04:19","modified_gmt":"2020-02-21T20:04:19","slug":"von-der-idee-grenzen-zu-sprengen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=143","title":{"rendered":"Von der Idee Grenzen zu sprengen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Eigentlich war dieser Text gar nicht als Blogbeitrag gedacht, sondern als pers\u00f6nliche Geschichte. Sollte meine Nichte sp\u00e4ter mal fragen, was ihre Tante so f\u00fcr ein Mensch gewesen ist, dann kann sie diese Geschichten lesen. Aber jetzt bin ich gerade so zappelig und f\u00fchle mich irgendwie allein und m\u00f6chte alles teilen. Wie sch\u00f6n, dass ich euch habe.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Manchmal im Leben erwischt einen eine lustige Idee. Lustige Ideen kommen meist unangek\u00fcndigt. Und sie springen einen gerne an, oft von hinten, so dass man sich richtig arg erschrickt. Und wenn einen so eine Idee \u00fcberrumpelt hat, ist man pl\u00f6tzlich der \u00dcberzeugung, sie sei die beste aller Ideen, die jemals ein Mensch hatte.<br>Erz\u00e4hlt man einem lieben und vern\u00fcnftigen Menschen von dieser Idee, dann bekommt man gesagt, dass das eine sehr bl\u00f6de Idee ist und man es lassen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: Den Fahrradlenker mit \u00fcberkreuzten Armen anfassen und schauen ob das gut funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt aber in jedem Freundeskreis (mindestens) einen Menschen, der statt &#8222;Du spinnst ja.&#8220; sagt: &#8222;H\u00f6rt sich gut an, ich mach mit.&#8220; Solche Menschen nennt man dann beste Freunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei mir sind diese Menschen Ruth und Sven. Es ist ziemlich egal mit welcher absurden Idee ich um die Ecke komme, mindestens einer von den beiden f\u00e4ngt schon mal an konkret zu planen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun bin ich von Natur aus ein elendiger Feigling. An den meisten Tagen reicht mir schon ein Gang in den Keller, um meinen Abenteuerhunger vollends zu befriedigen.<br>Fast elf Jahre bin ich nun mit Jesus unterwegs. Und seitdem bin ich mutiger geworden. Ich mag gef\u00e4hrliche Abenteuer zwar immer noch am liebsten, wenn sie zwischen zwei Buchdeckeln stattfinden und meine Definition von wilder Party hat eher was mit einem Glas Rotwein, einem verregneten Abend und dem freien Zugriff auf die e-books meiner B\u00fccherei zu tun, als mit rausgehen und um die H\u00e4user ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ich folge einem Gott der einen gerne mal aus dem Boot auf&#8217;s Wasser ruft. Das hei\u00dft, dass er einen aus der Komfort-Zone holt und einen herausfordert. Das hat mir lange Zeit nicht gepasst. Doch Gottes liebevolle Hartn\u00e4ckigkeit kommt, zumindest bei mir, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter an ihr Ziel. Der Rahmen, in dem ich mich fr\u00fcher bewegt habe und dessen Grenzen durch meine \u00c4ngste definiert war, wird weiter. Die Welt wird gr\u00f6\u00dfer. Das ist ein wunderbares Gef\u00fchl.<br>Und inzwischen finde ich einen ersten zarten Gefallen daran, Angstgrenzen zu sprengen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor drei Monaten kam sie dann, die neueste Idee. Und zwar \u00fcberfiel sie mich, als ich gerade im Internet unterwegs war, auf der Seite einer Gartenschau. Ich wollte ein bisschen Blumen gucken. Aber die haben auf dieser Gartenschau nicht nur Blumenbeete angelegt, sondern auch Wanderwege. Und weil in der Gruppe wandern am sch\u00f6nsten ist, organisiert der Wanderverein ein Gruppenevent, stand da auf der Seite.<br>75 Kilometer in 24 Stunden. Start: 18 Uhr, Ende 18 Uhr des Folgetages. Stirnlampe wird empfohlen, ist ja zwischendrin Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die euphorische Idee mitzumachen, hat mich schlichtweg \u00fcberrannt.<br>Meine Freunde sagen mir, dass es seine sehr dumme Idee ist. Nur Ruth und Sven sind begeistert. Leider muss Sven arbeiten, aber er wird n\u00e4chstes Jahr was \u00e4hnliches machen, aber Ruth hofft, dass sie frei bekommt. Da hilft auch das wilde Vogelzeigen meines Mannes nichts: Wir gehen wandern. Mein Mann kauft seufzend Powerriegel und Blasenpflaster f\u00fcr eine halbe Armee ein. Au\u00dferdem habe ich jetzt zwei Stirnlampen, obwohl ich nur einen Kopf habe. Aber ich habe ja zwei Augen, und nun auch f\u00fcr jedes eine Beleuchtung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Soweit zur Geschichte. Einen Tag vor der Wanderung sieht es so aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen ist die Wanderung&#8230;wieso ist die schon morgen??&#8230;Gestern war die noch in drei Monaten&#8230;Bin mir nicht mehr sicher, ob die Idee wirklich so brillant war&#8230;.vielleicht war&#8217;s auch einfach ne bl\u00f6de Idee&#8230;Wieso muss mein Mann immer recht haben&#8230;Ruth muss doch arbeiten&#8230;Sven plant f\u00fcr&#8217;s n\u00e4chsten Jahr&#8230;h\u00e4tte ich mal darauf gewartet&#8230;Dass ich auch nie warten kann!!&#8230;Was ist nur los mit mir?&#8230;Ich will nicht allein&#8230;<strong>Nachts ist es halt schon sehr dunkel<\/strong>&#8230;im Wald bestimmt noch mehr als im Keller&#8230;Ich war noch niemals in meinem Leben 24 Stunden am St\u00fcck wach&#8230;wozu auch&#8230;ich schlafe meistens gut&#8230;Jesus schl\u00e4ft nie&#8230;im Wald w\u00e4re er dabei&#8230;er kennt den Wald, hat ihn ja gemacht&#8230;und die anderen Menschen hat er auch gemacht&#8230;Ich wei\u00df nicht ob ich mit fremden Menschen wandern gehen will&#8230;am Ende reden die noch mit mir&#8230;Oder keiner redet mit mir&#8230;<strong>vielleicht finden die mich alle bl\u00f6d!<\/strong>&#8230;Ich will nicht, dass die mich bl\u00f6d finden, die sollen mich m\u00f6gen!&#8230;Alle!&#8230;Ich w\u00fcrde sogar die Kartoffelsuppe vom ersten Versorgungsstand teilen&#8230;ich mag Kartoffelsuppe&#8230;und ich mag eigentlich auch mal Nachts im Wald sein&#8230;Ein bisschen heimlich Herr der Ringe spielen&#8230;vielleicht h\u00e4nge ich meinen Ehering an meine Halskette&#8230;nat\u00fcrlich nur, weil die Finger beim Wandern immer so dick anschwellen&#8230;Und dann trage ich treu den Ring in&#8217;s Ziel&#8230;darf ihn dann halt nur nicht in die Holzkohle vom Grill werfen&#8230;aber 75 Kilometer sind weit&#8230;Ich bin noch nie so weit gelaufen&#8230;Und ich hab nicht mal nen Samwise, der mich tragen k\u00f6nnte&#8230;.<strong>Wahrscheinlich ist es l\u00e4cherlich zu glauben, dass ich das schaffen kann<\/strong>&#8230;Im Internet sagen sie, dass man einen starken Willen braucht&#8230;Aber ich hab nur zwei Stirnlampen&#8230;Und Angst hab ich, mal wieder&#8230;die wird mit jedem Tag gr\u00f6\u00dfer&#8230;Besser ich bleibe zu Hause&#8230;einfach nicht hingehen&#8230;aber ich will mich doch nicht mehr von meiner eigenen Angst einsch\u00fcchtern lassen&#8230;oh man, schon morgen&#8230;wie kommen diese Ideen nur immer auf mich?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war dieser Text gar nicht als Blogbeitrag gedacht, sondern als pers\u00f6nliche Geschichte. 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Es gibt aber in jedem Freundeskreis (mindestens) einen Menschen, der statt &#8222;Du spinnst ja.&#8220; sagt: &#8222;H\u00f6rt sich gut an, ich mach mit.&#8220; Solche Menschen nennt man dann beste Freunde. Bei mir sind diese Menschen Ruth und Sven. Es ist ziemlich egal mit welcher absurden Idee ich um die Ecke komme, mindestens einer von den beiden f\u00e4ngt schon mal an konkret zu planen. Nun bin ich von Natur aus ein elendiger Feigling. An den meisten Tagen reicht mir schon ein Gang in den Keller, um meinen Abenteuerhunger vollends zu befriedigen.Fast elf Jahre bin ich nun mit Jesus unterwegs. Und seitdem bin ich mutiger geworden. Ich mag gef\u00e4hrliche Abenteuer zwar immer noch am liebsten, wenn sie zwischen zwei Buchdeckeln stattfinden und meine Definition von wilder Party hat eher was mit einem Glas Rotwein, einem verregneten Abend und dem freien Zugriff auf die e-books meiner B\u00fccherei zu tun, als mit rausgehen und um die H\u00e4user ziehen. Doch ich folge einem Gott der einen gerne mal aus dem Boot auf&#8217;s Wasser ruft. Das hei\u00dft, dass er einen aus der Komfort-Zone holt und einen herausfordert. Das hat mir lange Zeit nicht gepasst. Doch Gottes liebevolle Hartn\u00e4ckigkeit kommt, zumindest bei mir, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter an ihr Ziel. Der Rahmen, in dem ich mich fr\u00fcher bewegt habe und dessen Grenzen durch meine \u00c4ngste definiert war, wird weiter. Die Welt wird gr\u00f6\u00dfer. Das ist ein wunderbares Gef\u00fchl.Und inzwischen finde ich einen ersten zarten Gefallen daran, Angstgrenzen zu sprengen. Vor drei Monaten kam sie dann, die neueste Idee. Und zwar \u00fcberfiel sie mich, als ich gerade im Internet unterwegs war, auf der Seite einer Gartenschau. Ich wollte ein bisschen Blumen gucken. Aber die haben auf dieser Gartenschau nicht nur Blumenbeete angelegt, sondern auch Wanderwege. Und weil in der Gruppe wandern am sch\u00f6nsten ist, organisiert der Wanderverein ein Gruppenevent, stand da auf der Seite.75 Kilometer in 24 Stunden. Start: 18 Uhr, Ende 18 Uhr des Folgetages. Stirnlampe wird empfohlen, ist ja zwischendrin Nacht. Die euphorische Idee mitzumachen, hat mich schlichtweg \u00fcberrannt.Meine Freunde sagen mir, dass es seine sehr dumme Idee ist. Nur Ruth und Sven sind begeistert. Leider muss Sven arbeiten, aber er wird n\u00e4chstes Jahr was \u00e4hnliches machen, aber Ruth hofft, dass sie frei bekommt. Da hilft auch das wilde Vogelzeigen meines Mannes nichts: Wir gehen wandern. Mein Mann kauft seufzend Powerriegel und Blasenpflaster f\u00fcr eine halbe Armee ein. Au\u00dferdem habe ich jetzt zwei Stirnlampen, obwohl ich nur einen Kopf habe. Aber ich habe ja zwei Augen, und nun auch f\u00fcr jedes eine Beleuchtung. Soweit zur Geschichte. 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