{"id":138,"date":"2019-06-11T19:28:17","date_gmt":"2019-06-11T19:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/laufforum24.de\/?p=138"},"modified":"2020-02-21T20:05:39","modified_gmt":"2020-02-21T20:05:39","slug":"schritt-fuer-schritt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=138","title":{"rendered":"Schritt f\u00fcr Schritt"},"content":{"rendered":"\n<p>Letzte Woche durfte ich ein Seminar \u00fcber den Titusbrief besuchen. Den Kopf immer noch voll von den Eindr\u00fccken der durchwanderten Nacht, war ich nicht sonderlich erpicht darauf, mir schon wieder neuen Input zu holen. Andererseits hatte ich das Gef\u00fchl, dass ein wenig Fokus auf die Bibel Klarheit in die aufgew\u00fchlten Gedanken bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Titusbrief gibt Paulus dem jungen Titus Hilfestellungen, wie er die Gemeinden auf Kreta fit f\u00fcr ein Leben mit Jesus machen kann. Unter anderem soll Titus die Leute&nbsp;<strong>erinnern.<\/strong>&nbsp;(Titus 3,1).<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnert wird man dann, wenn man etwas eigentlich schon wei\u00df, aber dieses Wissen nicht im Leben pr\u00e4sent ist. Durch das Erinnern kommt das Wissen wieder in den Fokus, kann einge\u00fcbt werden, bis es&nbsp;<strong>zu einer etablierten Gewohnheit<\/strong>&nbsp;geworden ist.<br>Zum Beispiel muss ich daran erinnert werden, dass ich dazu aufgerufen bin zu verzeihen, unabh\u00e4ngig von meinem Charakter oder Temperament.<br><strong>Mit dem Erinnern, beginnt dann das \u00dcben.<\/strong>&nbsp;Meist startet es mit der Entscheidung verzeihen zu wollen. Und das macht man dann so h\u00e4ufig und unter Gebet, bis die Gef\u00fchle nachr\u00fccken und man wirklich von ganzem Herzen vergeben kann. (Soweit zur Theorie. Ich melde mich, wenn es f\u00fcr mich nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leben mit Jesus bedeutet st\u00e4ndigen Wachstum und sich-weiter-entwickeln. Diese Entwicklung geht leider nicht \u00fcber Nacht. Zwar kann Gott Wunder tun und Menschen schlagartig ver\u00e4ndern &#8211; manchmal tut er das auch. Manchmal schenkt es Gott, dass wir sofort und vollst\u00e4ndig vergeben k\u00f6nnen. (Wie ich diese Momente liebe.) Aber&nbsp;<strong>der normale Prozess ist ein langsamer Wachstumsprozess<\/strong>. Schritt f\u00fcr Schritt werden wir Gott \u00e4hnlicher. Schritt f\u00fcr Schritt lernen wir, erinnern wir uns, \u00fcben wir. Jeder an seiner aktuellen Front.<\/p>\n\n\n\n<p>Und an diesem Punkt des Seminars, fielen ein paar Puzzelteile an ihren Platz. Ich denke, das war die Hauptlektion, die ich im Wald erfahren und an der ich so zu knabbern hatte\/habe:<strong>&nbsp;Es geht nur schrittweise voran.&nbsp;<\/strong>Man kommt dem Ziel nur schrittweise n\u00e4her. Zwar kann man sich versuchen wegzutr\u00e4umen oder man kann sich ausmalen, wie wundersch\u00f6n es wird, wenn man den n\u00e4chsten Streckenposten erreicht hat, etwas zu trinken bekommt und sich setzen darf. Aber das \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass man in der Gegenwart Schritt f\u00fcr Schritt laufen muss.&nbsp;<strong>Es gibt keinen 3-min\u00fctigen Zusammenschnitt der n\u00e4chtlichen K\u00e4mpfe mit hinterlegter Rockymusik.<\/strong><br>Stehenbleiben ist auch keine Option, denn wenn man aufh\u00f6rt zu laufen wird es zwar erstmal entspannter, aber man kommt halt auch nicht mehr voran.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Wald gab es nur Gegenwart. Ein Schritt vor den anderen. Keine Tricks, keine Abk\u00fcrzung. Manchmal hatte ich das Gef\u00fchl \u00fcberhaupt nicht voran zu kommen und die Verzweiflung schlug zu.&nbsp;<strong>Der Weg scheint so weit.<\/strong>&nbsp;Man wei\u00df nicht, was die Strecke noch bringt und wie das Wetter wird, wie sich die Schmerzen in den F\u00fc\u00dfen weiter entwickeln und wo zum Henker man mit den vielen Gedanken hinsoll, die pl\u00f6tzlich bleischwer im Kopf sind.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Punkt hat mir ein Mitwanderer, mit dem ich mich angefreundet hatte,&nbsp;<strong>angeboten, mir meinen Rucksack ein St\u00fcck zu tragen.<\/strong>&nbsp;Er macht solche Touren regelm\u00e4\u00dfig, der Rucksack sei nicht schwer und bei der Armee in der er lange gedient hatte, w\u00e4re das \u00fcblich.<br>Ich habe abgelehnt, weil es mir peinlich war und mein Stolz nicht auch noch so schmerzen sollte wie meine Zehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht h\u00e4tte ich annehmen sollen. Vielleicht sollte ich es in der Gemeinde \u00f6fter annehmen, wenn mir Menschen ihre Hilfe anbieten. Oder Gebete, in denen sie meine Lebenslasten teilen und mir den schweren Rucksack eine kurze Zeit abnehmen.<br>Wir sind in einer Gruppe unterwegs.&nbsp;<strong>Christen sind keine Einzelk\u00e4mpfer<\/strong>&nbsp;und Gemeinde keine Idee von Menschen. Unabh\u00e4ngig davon, wie sich die Gemeinde vor Ort organisiert, wie und wo man sich trifft und wie viele Menschen um einen herum sind: andere Christen,&nbsp;<strong>Weggef\u00e4hrten<\/strong>&nbsp;sind wichtig. Zum Erinnern. Zum Lasten teilen. Zum gemeinsam unterwegs sein. Schritt f\u00fcr Schritt Jesus hinterher. Schritt f\u00fcr Schritt wachsen, sich ver\u00e4ndern, aufbl\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir (hoffentlich) mit C.S. Lewis sagen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#8222;Isn\u2019t it funny how day by day nothing changes, but when you look back everything is different?&#8220;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche durfte ich ein Seminar \u00fcber den Titusbrief besuchen. Den Kopf immer noch voll von den Eindr\u00fccken der durchwanderten Nacht, war ich nicht sonderlich erpicht darauf, mir schon wieder neuen Input zu holen. Andererseits hatte ich das Gef\u00fchl, dass ein wenig Fokus auf die Bibel Klarheit in die aufgew\u00fchlten Gedanken bringen k\u00f6nnte. Im Titusbrief gibt Paulus dem jungen Titus Hilfestellungen, wie er die Gemeinden auf Kreta fit f\u00fcr ein Leben mit Jesus machen kann. Unter anderem soll Titus die Leute&nbsp;erinnern.&nbsp;(Titus 3,1). Erinnert wird man dann, wenn man etwas eigentlich schon wei\u00df, aber dieses Wissen nicht im Leben pr\u00e4sent ist. Durch das Erinnern kommt das Wissen wieder in den Fokus, kann einge\u00fcbt werden, bis es&nbsp;zu einer etablierten Gewohnheit&nbsp;geworden ist.Zum Beispiel muss ich daran erinnert werden, dass ich dazu aufgerufen bin zu verzeihen, unabh\u00e4ngig von meinem Charakter oder Temperament.Mit dem Erinnern, beginnt dann das \u00dcben.&nbsp;Meist startet es mit der Entscheidung verzeihen zu wollen. Und das macht man dann so h\u00e4ufig und unter Gebet, bis die Gef\u00fchle nachr\u00fccken und man wirklich von ganzem Herzen vergeben kann. (Soweit zur Theorie. Ich melde mich, wenn es f\u00fcr mich nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist.) Das Leben mit Jesus bedeutet st\u00e4ndigen Wachstum und sich-weiter-entwickeln. Diese Entwicklung geht leider nicht \u00fcber Nacht. Zwar kann Gott Wunder tun und Menschen schlagartig ver\u00e4ndern &#8211; manchmal tut er das auch. Manchmal schenkt es Gott, dass wir sofort und vollst\u00e4ndig vergeben k\u00f6nnen. (Wie ich diese Momente liebe.) Aber&nbsp;der normale Prozess ist ein langsamer Wachstumsprozess. Schritt f\u00fcr Schritt werden wir Gott \u00e4hnlicher. Schritt f\u00fcr Schritt lernen wir, erinnern wir uns, \u00fcben wir. Jeder an seiner aktuellen Front. Und an diesem Punkt des Seminars, fielen ein paar Puzzelteile an ihren Platz. Ich denke, das war die Hauptlektion, die ich im Wald erfahren und an der ich so zu knabbern hatte\/habe:&nbsp;Es geht nur schrittweise voran.&nbsp;Man kommt dem Ziel nur schrittweise n\u00e4her. Zwar kann man sich versuchen wegzutr\u00e4umen oder man kann sich ausmalen, wie wundersch\u00f6n es wird, wenn man den n\u00e4chsten Streckenposten erreicht hat, etwas zu trinken bekommt und sich setzen darf. 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An einem Punkt hat mir ein Mitwanderer, mit dem ich mich angefreundet hatte,&nbsp;angeboten, mir meinen Rucksack ein St\u00fcck zu tragen.&nbsp;Er macht solche Touren regelm\u00e4\u00dfig, der Rucksack sei nicht schwer und bei der Armee in der er lange gedient hatte, w\u00e4re das \u00fcblich.Ich habe abgelehnt, weil es mir peinlich war und mein Stolz nicht auch noch so schmerzen sollte wie meine Zehen. Vielleicht h\u00e4tte ich annehmen sollen. Vielleicht sollte ich es in der Gemeinde \u00f6fter annehmen, wenn mir Menschen ihre Hilfe anbieten. Oder Gebete, in denen sie meine Lebenslasten teilen und mir den schweren Rucksack eine kurze Zeit abnehmen.Wir sind in einer Gruppe unterwegs.&nbsp;Christen sind keine Einzelk\u00e4mpfer&nbsp;und Gemeinde keine Idee von Menschen. Unabh\u00e4ngig davon, wie sich die Gemeinde vor Ort organisiert, wie und wo man sich trifft und wie viele Menschen um einen herum sind: andere Christen,&nbsp;Weggef\u00e4hrten&nbsp;sind wichtig. Zum Erinnern. Zum Lasten teilen. Zum gemeinsam unterwegs sein. Schritt f\u00fcr Schritt Jesus hinterher. Schritt f\u00fcr Schritt wachsen, sich ver\u00e4ndern, aufbl\u00fchen. Und schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir (hoffentlich) mit C.S. 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