{"id":1321,"date":"2021-09-28T04:51:00","date_gmt":"2021-09-28T02:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1321"},"modified":"2021-09-27T20:52:15","modified_gmt":"2021-09-27T18:52:15","slug":"kreativ","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1321","title":{"rendered":"Kreativ"},"content":{"rendered":"\n<p>Keine Angst vorm leeren Blatt. So oder so \u00e4hnlich lautete der Titel eines Buches, das ich vor ein paar Jahren aus einer B\u00fccherkiste gezogen habe, um dann nie drin zu lesen. Nur an den Titel erinnere ich mich noch. Wenn ich ehrlich bin, wei\u00df ich nicht einmal, ob es sich um ein Lehrbuch \u00fcber wissenschaftliches Schreiben oder um ein Mutmachbuch f\u00fcr angehende Schriftsteller gehandelt hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist es ein Satz, an den ich mich regelm\u00e4\u00dfig erinnere, sobald ich ein neues Dokument in Word aufmache oder in meinem Notizheft eine neue Seite aufschlage.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Wochen blieben meine Bl\u00e4tter leer. Und das obwohl mein Kopf voll ist. Voll von Alltagsdingen. Und schwindelig von dem Alltagskarussell, in das ich dann irgendwann halt doch einsteigen musste und dass mir in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ein fr\u00f6hliches \u201eHuuuiiiiii\u201c oder ein genervt-ersch\u00f6pftes \u201eAaaaahhhhh\u201c entlockt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreativit\u00e4t findet bei mir im Alltag statt und nicht in der Abgeschiedenheit einer h\u00fcbsch eingerichteten Schreibstube mit Blick auf einen See, wie ich mir das so oft w\u00fcnschen w\u00fcrde. Meine Texte entstehen au\u00dferdem meist unter Druck, weil ich ohne Druck nur schlecht in die Hufe komme. Und normalerweise klappte das auch immer. Nur in den letzten Wochen nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe einmal gelesen, dass man die innere Kreativit\u00e4t f\u00fcttern soll. Mit dem, was einen inspiriert, zum Beispiel gute Literatur, ein Spaziergang durch die Natur oder durch St\u00e4dte, ein Museumsbesuch, Gespr\u00e4che mit inspirierenden Menschen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas ist ja alles sch\u00f6n und gut, aber woher soll ich bitte die Zeit nehmen? Jesus, du musst mir helfen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort kam dann auch. Allerdings nicht wie erhofft in einem \u00fcbernat\u00fcrlichem Kreativit\u00e4tsschub. Sondern mit einem sanften aber deutlichem Hinweis auf mein Smartphone und die Nutzungszeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss zugeben, als ich die App \u00f6ffnete, die im Hintergrund mitschneidet wie mein Medienverhalten ist, war ich schockiert. (Hab die App dann schnell wieder zu gemacht, da hatte ich die Zahlen aber ja schon gesehen.)&nbsp;&nbsp;Wie kann jemand, der von sich behauptet keine Zeit zu haben, so viele Stunden am Tag in\/mit\/an diesem Ger\u00e4t verbringen?&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der YouTube-Algorithmus hat mich fest im Griff. Stunde f\u00fcr Stunde f\u00fcr Stunde. Und obwohl ich mir gerne Videos von kreativen Menschen anschaue, scheint es meine eigene Kreativit\u00e4t nicht zu f\u00fcttern. Mein Sozialverhalten auch nicht. Meine Stimmung erst recht nicht. Leider.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Also zur\u00fcck ins echte, reale Leben. Das ist gar nicht so leicht. Aber hey, zumindest ist das heutige Blatt nicht leer geblieben. Und ihr wisst, was bei mir los ist und warum Sendepause war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Danke f\u00fcr eure Treue.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt muss ich nur noch herausfinden, was mein innerer Kreativling gerne essen mag.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Angst vorm leeren Blatt. So oder so \u00e4hnlich lautete der Titel eines Buches, das ich vor ein paar Jahren aus einer B\u00fccherkiste gezogen habe, um dann nie drin zu lesen. Nur an den Titel erinnere ich mich noch. Wenn ich ehrlich bin, wei\u00df ich nicht einmal, ob es sich um ein Lehrbuch \u00fcber wissenschaftliches Schreiben oder um ein Mutmachbuch f\u00fcr angehende Schriftsteller gehandelt hat.&nbsp; Dennoch ist es ein Satz, an den ich mich regelm\u00e4\u00dfig erinnere, sobald ich ein neues Dokument in Word aufmache oder in meinem Notizheft eine neue Seite aufschlage. Die letzten Wochen blieben meine Bl\u00e4tter leer. Und das obwohl mein Kopf voll ist. Voll von Alltagsdingen. 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Mit dem, was einen inspiriert, zum Beispiel gute Literatur, ein Spaziergang durch die Natur oder durch St\u00e4dte, ein Museumsbesuch, Gespr\u00e4che mit inspirierenden Menschen.&nbsp; \u201eDas ist ja alles sch\u00f6n und gut, aber woher soll ich bitte die Zeit nehmen? Jesus, du musst mir helfen!\u201c Die Antwort kam dann auch. Allerdings nicht wie erhofft in einem \u00fcbernat\u00fcrlichem Kreativit\u00e4tsschub. Sondern mit einem sanften aber deutlichem Hinweis auf mein Smartphone und die Nutzungszeiten.&nbsp; Ich muss zugeben, als ich die App \u00f6ffnete, die im Hintergrund mitschneidet wie mein Medienverhalten ist, war ich schockiert. (Hab die App dann schnell wieder zu gemacht, da hatte ich die Zahlen aber ja schon gesehen.)&nbsp;&nbsp;Wie kann jemand, der von sich behauptet keine Zeit zu haben, so viele Stunden am Tag in\/mit\/an diesem Ger\u00e4t verbringen?&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der YouTube-Algorithmus hat mich fest im Griff. 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