{"id":1306,"date":"2021-08-31T04:11:00","date_gmt":"2021-08-31T02:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1306"},"modified":"2021-08-30T09:13:02","modified_gmt":"2021-08-30T07:13:02","slug":"am-kaffeetisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1306","title":{"rendered":"Am Kaffeetisch"},"content":{"rendered":"\n<p>Es regnet. Der Gatte und ich dr\u00e4ngen uns gemeinsam unter einen Regenschirm. Er in kurzen Hosen, denn es ist schlie\u00dflich noch August und damit Hochsommer. Ich im Wollpulli, da mir seit Tagen kalt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigem Suchen finden wir Stra\u00dfe und Hausnummer unserer Zieladresse. Wir besuchen Freunde. Sie geh\u00f6ren zu diesen seltenen und wunderbaren Freundschaften, die auch mit zeitlicher Distanz gut funktionieren. Wir sehen uns nur einmal im Jahr. Und da sie letztes Jahr bei uns waren, ist unser Besuch bei ihnen nun schon zwei Jahre her. Das Haus kommt mir dennoch vage bekannt vor. Ich bin ein bisschen stolz auf mein Ged\u00e4chtnis. Drinnen empf\u00e4ngt uns warmes Licht, frisch gebackener Kuchen und zwei strahlende L\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<p>Andrej und Tatjana haben wir bei einem Gottesdienst kennen gelernt. Sie besuchten unsere Gemeinde und Andrej fragte uns direkt: <em>&#8222;Was macht eure Gemeinde besonders?&#8220;<\/em> Unsere stolze Antwort:<em> &#8222;Wir lieben Jesus und wir leben Gastfreundschaft.&#8220; <\/em>Worauf Andrej uns anstrahlte und sagte:<em> &#8222;Oh, das ist toll, dann kommen wir nach dem Gottesdienst mit zu euch nach Hause zum Mittagessen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Haben wir gemacht. Wir konnten ja auch schlecht ablehnen. Also haben wir Andrej und Tatjana mit zu uns nach Hause in unsere unaufger\u00e4umte Wohnung genommen und haben aus den kl\u00e4glichen Essensresten im K\u00fchlschrank ein Mittagessen gebastelt. Seitdem sind wir befreundet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gespr\u00e4ch startet auch diesmal tief. Auf meine Frage, wie es den beiden geht, bekomme ich die Gegenfrage, welcher Lebensbereich mich interessiere. Und so arbeiten wir uns von Gemeinde \u00fcber Familie bis hin zum Glaubensleben durch. Abwechselnd erz\u00e4hlen wir, fragen nach, lachen, trinken Tee und Kaffee.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachfragen. Das ist Andrejs gro\u00dfe St\u00e4rke. Er hat eine Art, die keine Ausreden oder vage Antworten zul\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<ul><li>&#8222;Wolltest du nicht letzten Herbst mit dem Studium fertig sein? Warum bist du es noch nicht?&#8220; Kein Vorwurf. Nur eine Frage.<\/li><li>&#8222;Verbringt ihr als Paar Zeit miteinander?&#8220;<\/li><li>&#8222;Was macht dein Gebetsleben?&#8220;<\/li><li>&#8222;Wie entwickelst du deine Gaben, die Gott dir gegeben hat?&#8220;<\/li><li>&#8222;Wie verbringst du deine Zeit?&#8220;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Solche und \u00e4hnliche Fragen kommen. Nie platt, sondern voller echtem Interesse. Er bohrt so lange, bis man entweder sagt: &#8222;Dar\u00fcber m\u00f6chte ich nicht reden.&#8220; oder bis man die Antwort wie ein Bild vor sich ausgebreitet hat. Mit allen Licht- und Schattenseiten. Manchmal tut es dann weh, so ein ehrliches Bild von sich selbst zu sehen. Wer gibt schon gerne zu, dass man im Alltag den wirklich wichtigen Sachen keine Priorit\u00e4t gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch inzwischen liebe ich diese Unterhaltungen. Denn hier werde ich mit mir selbst konfrontiert. Mit meinen eigenen Ausreden und Halbwahrheiten, mit denen ich mich durch meinen Alltag man\u00f6vriere. Aber auch mit meinen Erfolgen und Gl\u00fccksmomenten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit verfliegt. Drau\u00dfen prasselt immer noch der Regen. Es ist Zeit zum Aufbruch. Umarmungen, das Versprechen sich wieder zu besuchen. Ich sp\u00fcre Bedauern. Ich h\u00e4tte solche Gespr\u00e4che gerne \u00f6fter. Wie sehr k\u00f6nnten wir Christen uns gegenseitig beim Wachstum helfen, wenn wir auch unangenehme Fragen stellen w\u00fcrden. Wenn wir tiefer gehen w\u00fcrden, uns nicht zu schnell mit Ausreden gegenseitig auf die Schultern klopften um zu sagen: <em>&#8222;Ach, ist nicht so schlimm. Dein Verhalten tut dir zwar nicht gut, aber wenn es grad nicht anders geht, dann mach halt so weiter.&#8220; <\/em>Ich w\u00fcnsche mir, mehr ehrliche und herausfordernde Gespr\u00e4che im Alltag. Und dann bin ich halt doch wieder froh, dass ich mich in meine Bequemlichkeit fallen lassen kann. Zumindest manchmal. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es regnet. Der Gatte und ich dr\u00e4ngen uns gemeinsam unter einen Regenschirm. Er in kurzen Hosen, denn es ist schlie\u00dflich noch August und damit Hochsommer. 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